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Aktuelles 40 Jahre Pro Asyl

Udo Hahn zeit info 31. August 2026

Am 8. September 1986 wurde in Frankfurt am Main die Bundesarbeitsgemeinschaft Pro Asyl gegründet. Dr. Jürgen Micksch, ihr Initiator, war damals stellvertretender Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing. Der Schutz von Geflüchteten bleibt eine wichtige Aufgabe, in der Politik und Zivilgesellschaft zusammenarbeiten müssen, findet Akademiedirektor Udo Hahn

Udo Hahn und Jürgen Micksch
Jürgen Micksch und Udo Hahn in der Evangelischen Akademie Tutzing

Es war schon immer ein unbequemes Thema. Und Verantwortung zu übernehmen, war und ist nie bequem. Wie schützt man Flüchtlinge? Und wie wird sichergestellt, dass sie ihre Rechte wahrnehmen können? Diese und alle damit zusammenhängenden Fragen sind untrennbar mit der Menschenwürde verbunden. In Artikel 1 des Grundgesetzes steht: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ Und Artikel 14 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die die Generalversammlung der Vereinten Nationen 1948 verabschiedet hat, formuliert: „Jeder hat das Recht, in anderen Ländern vor Verfolgung Asyl zu suchen und zu genießen.“ Was abstrakt klingt, bedeutet konkret, dass hinter jedem Geflüchteten ein menschliches Schicksal steht.

Um Rechte in Anspruch nehmen zu können, braucht es nicht selten Anwälte. Dies ist im juristischen Sinn gemeint, aber eben auch im übertragenen Sinn: Menschen, die sich für andere einsetzen – aus christlichen und/oder einfach nur humanitären Gründen.

Der Theologe Dr. Jürgen Micksch ist einer dieser Anwälte der Menschlichkeit, dem es gelungen ist, in diesem Themenfeld zivilgesellschaftliches Engagement in einem Maß zu mobilisieren, das höchste Anerkennung verdient. Am 8. September 1986 gründete er in Frankfurt am Main die Bundesarbeitsgemeinschaft Pro Asyl. Ihre Aufgabe: Hilfe im Einzelfall zu leisten, Menschenrechtsverletzungen zu dokumentieren und auf politischer Ebene für Flüchtlingsschutz einzutreten. Die Bundesarbeitsgemeinschaft hat sich zu einem unverzichtbaren Netzwerk entwickelt, das landesweite Flüchtlingsräte, Kirchen, Gewerkschaften, Wohlfahrts- und Menschenrechtsorganisationen umfasst.

Das Bewusstsein für den Schutz Geflüchteter hängt mit dem Zweiten Weltkrieg zusammen, in dessen Folge Millionen von Menschen vertrieben, zwangsumgesiedelt wurden oder fliehen mussten. Terror und Krieg als Ursachen für Vertreibung und Flucht haben jedoch nicht aufgehört. Umweltkatastrophen kamen hinzu. Waren es vor gut zehn Jahren etwa sechzig Millionen Menschen weltweit, die ihre Heimat verlassen mussten, so hat sich diese Zahl seither fast verdoppelt. Zwar fliehen die meisten in ihren eigenen Ländern oder in Nachbarländer. Doch deutet nichts darauf hin, dass die Entwicklung zum Stillstand gebracht werden könnte. Das Gegenteil ist der Fall. Bereits 2014 warnte Micksch in einer Veranstaltung der Evangelischen Akademie Tutzing davor, die Flüchtlingsbewegung als ein vorübergehendes Szenario zu betrachten: „Das 21. Jahrhundert wird zu einem Jahrhundert der Flüchtlinge werden – dies ist nur der Anfang.“ Umso wichtiger sind Initiativen wie Pro Asyl und alle, die auf kommunaler, bundesweiter und internationaler Ebene kooperieren. Die Zusammenarbeit von Politik und Zivilgesellschaft ist nicht nur geboten, sie ist eine Voraussetzung dafür, dass die Menschlichkeit nicht auf der Strecke bleibt.

Der Autor, Pfr. Udo Hahn, leitet seit 2011 die Evangelische Akademie Tutzing.

Bilder: haist / eat archiv