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	<title>Postfossil Archive - Evangelische Akademie Tutzing</title>
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	<title>Postfossil Archive - Evangelische Akademie Tutzing</title>
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		<title>Leben in multiplen Krisen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[makkuz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 Apr 2020 18:38:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Postfossil]]></category>
		<category><![CDATA[Corona]]></category>
		<category><![CDATA[Interdependenzen]]></category>
		<category><![CDATA[Katharina Hirschbrunn]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Bild des Einzelkämpfers hat ausgedient, meint Studienleiterin Katharina Hirschbrunn. Die Corona-Krise zeigt einmal mehr: Wir alle sind miteinander verbunden und voneinander abhängig. Welche Art von Politik kann dem Rechnung tragen?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/leben-in-multiplen-krisen/">Leben in multiplen Krisen</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Das Bild des Einzelkämpfers hat ausgedient, meint Studienleiterin Katharina Hirschbrunn. Die Corona-Krise zeigt einmal mehr: Wir alle sind miteinander verbunden und voneinander abhängig. Welche Art von Politik kann dem Rechnung tragen? </strong></p>
<p>In der Krise spüren wir, was zählt. Was wir brauchen, was wir nicht existenziell brauchen. Und wir erleben heute: Niemand ist unabhängig. Wir sind verbunden mit allen anderen. Global, weil sich der Virus überallhin verbreitet hat, bis hin zu regional, weil die Unvorsicht und Erkrankung der einen die Behandlung der anderen erschwert und weil wir in heimischer Isolation alle Aspekte psychischer und physischer Abhängigkeit erfahren.</p>
<p>Nichts Neues, dass der Mensch nicht für sich steht, eigentlich total klar. Nur eine von der Ideologie des „homo oeconomicus“ geprägte Welt konnte zu gegenteiligen Sichtweisen gelangen. Andere, wie die Epidemiologin Kate Pickett und ihr Kollege Richard Wilkinson haben schon vor zehn Jahren in einer Metastudie gezeigt: Das Wohlergehen des Einzelnen ist ganz entscheidend abhängig davon, wie es den anderen in einer Gesellschaft geht. Für Menschen in Industrieländern gilt: Es geht Dir und den Deinen tendenziell besser, wenn Du in einem Land mit mehr sozialer Gleichheit lebst als in einem ungleichen, aber reicheren Land – etwa in Hinblick auf Lebenserwartung, psychische Gesundheit, Gewalterfahrung. Das gilt auch für die Reichen einer Gesellschaft. Ein Grund mag sein, dass der Fokus auf das Wirtschaftliche und die Akzeptanz damit einhergehender Ungleichheit das soziale (und auch ökologische) Fundament unserer Gesellschaft erodieren lässt – die lebendigen Grundlagen, ohne die all unser Leben, Handeln und Wirtschaften unmöglich wären.</p>
<p><strong>Wir sind interdependent, doch das spiegelt sich nicht in Politik und Institutionen </strong></p>
<p>Der Mensch interagiert also mit allen anderen, global bis lokal, auf vielfältige Weise – wir sind zugleich abhängig und verbunden. Dabei tragen unsere Institutionen, trägt unsere Politik diesen Interdependenzen nicht immer Rechnung. Auf globaler Ebene etwa wurde Italien zu spät und zu wenig Unterstützung bei der Bewältigung der Corona-Pandemie angeboten. Auf nationaler Ebene werden gegenwärtig die Pflegeberufe aufgewertet – in erster Linie durch systemrelevanten Applaus, und einmalig durch 500 Euro. Fragen wir: Was braucht Ihr wirklich?</p>
<p>In einem <a href="https://www.nnz-online.de/news/news_lang.php?ArtNr=273302" target="_blank" rel="noopener">offenen Brief</a> berichten die Mitarbeitenden des Jenaer Uni-Klinikums aus der Klinik-Realität: „Diese Pandemie trifft auf ein Gesundheitssystem, welches für solche Szenarien nicht gerüstet ist. Nicht mehr die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten stehen im Mittelpunkt, sondern die betriebswirtschaftlichen Gewinne jeder einzelnen Erkrankung! Um möglichst hohe Gewinne zu erzielen, soll der Ressourceneinsatz so gering wie möglich gehalten werden. Das erreicht man durch Sparmaßnahmen am Personal, an Materialkosten, durch Outsourcing. Mit Einführung des Just-in-Time-Konzeptes sollten dazu noch Lagerkapazitäten und Lagerkosten minimiert werden. Dieses Konzept versteht die Lieferung im Moment des Bedarfs. Jetzt werden die Schwächen des Just-in-Time-Konzeptes deutlich, denn es ist für den Ausbruch einer Pandemie völlig ungeeignet. In kürzester Zeit werden große Mengen an Schutzkleidung benötigt und das nicht nur bei uns in Deutschland. Das System bricht zusammen. Viele Entscheidungen der letzten Jahre haben die Krankenhäuser zu „Fabriken“ werden lassen. Kolleginnen und Kollegen kehrten ihrem Beruf den Rücken, andere gingen in Teilzeit und wieder andere wurden psychisch und physisch krank, weil die Arbeitsbedingungen immer schlechter wurden.“</p>
<p>Diese Worte sprechen für Probleme, die sich <a href="https://correctiv.org/aktuelles/gesundheit/gefaehrliche-keime/2017/01/11/schlampige-hygiene-im-krankenhaus-fuehrt-zu-mehr-toten-als-im-strassenverkehr" target="_blank" rel="noopener">lange schon abzeichneten</a>. Auch schon in Vor-Corona-Zeiten führten Ärztinnen und Ärzte ihre Operationen oft im übernächtigten Zustand durch und starben mehr als 10.000 Menschen pro Jahr infolge von Krankenhausinfektionen, die durch Hygienemaßnahmen hätten verhindert werden könnten. Und obwohl das Robert-Koch-Institut 2012 warnte, es sei nicht die Frage, ob eine Pandemie kommen werde, sondern wann, richtete sich die Gesundheitspolitik weiterhin nach falsch verstandener „Effizienz“, nach „Wettbewerb“, und „Kostendämpfung“ aus, anstatt ein sicheres und tragfähiges Gesundheitssystem zu schaffen.</p>
<p><strong>Mach mal, Markt! Wir retten dann…</strong></p>
<p>In der Krise tritt das Versagen des Marktes im Gesundheitswesen umso deutlicher zu Tage. Jetzt rufen selbst Wirtschaftsliberale nach massiven Eingriffen des Staates – und der Staat hilft mit Milliarden.</p>
<p>Das war auch in der Finanzkrise so. Zuerst wurden lange Zeit die Gewinne der Spekulation privatisiert. Dann rutschten die Banken in die Krise, der Staat griff massiv ein und rettete. Die Verluste trug die Allgemeinheit – und schlitterte so in die Wirtschafts- und Währungskrise. Jede Familie in Deutschland zahlte für die Finanzkrise 3.000 Euro an Steuern, in vielen Ländern stieg die Ungleichheit, und strenge Sparpolitik verursachte großes Leid. Heute sind die Banken besser reguliert, doch nach wie vor bestehen <a href="https://www.wirtschaftsdienst.eu/inhalt/jahr/2018/heft/8/beitrag/zehn-jahre-nach-der-lehman-pleite-finanzmaerkte-stabil.html">massive Sicherheitsrisiken</a> bezüglich Bankengröße, Eigenkapitalquoten, Schattenbanken und mangelhafter Abwicklungsmechanismen der EU.</p>
<p>Was sagt der Umgang mit der Finanzkrise über unsere Gesellschaft aus? Überspitzt formuliert: Mach mal, Markt. Wir retten Banken und Unternehmen, und dann geht es weiter wie bisher.</p>
<p><strong>Von Krise zu Krise</strong></p>
<p>Dabei bereitet nicht selten die eine Krise der nächsten den Weg. Eine Folge der Finanzkrise waren die Sparpolitik und der Rückbau der öffentlichen Daseinsvorsorge – der Umbau des Gesundheitssystems führte zu reduzierten Bettenzahlen, heute etwa in Italien, Spanien und Griechenland.</p>
<p>Und wo stehen wir heute? Gerade hatten die Jungen die Gesellschaft wachgerüttelt – mit Schulstreiks und Massendemonstrationen. Dann kam Corona. Heute fordert der Wirtschaftsrat der CDU, die Klimaziele der EU zu kippen. Trump lockert die Umweltauflagen und die Weltklimakonferenz wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.</p>
<p>Kann man sich aus der einen Krise freikaufen, ohne dabei die nächste Krise auszulösen oder zu verstärken? Wie kann in der Corona-Krise umgedacht werden?</p>
<p><strong>Das Haus schützen, anstatt es immer wieder neu aufzubauen</strong></p>
<p>Zahlen wie das Bruttoinlandsprodukt können nach der Corona-Krise aussehen wie vorher: Laut Prognose schrumpft die Wirtschaft jetzt um vier Prozent, und wächst im Jahr darauf um sechs Prozent. Den reinen Zahlen sieht man nichts an. Den Menschen schon. Einsamkeit, Todesfälle. Die häusliche Isolation bewirkt vielfach Überforderung, etwa durch die Unvereinbarkeit von Homeoffice und Homeschooling oder finanziellen Druck. Häusliche Gewalt nimmt zu und kann Kinderseelen schwere Wunden zufügen. Das lässt sich nicht leicht heilen.</p>
<p>Auch die Erdatmosphäre vergisst nichts. Sind die entscheidenden Kipppunkte beim Klima erreicht, gibt es kein Zurück. Die jetzt verringerten Emissionen werden mit dem aufholenden Wirtschaftswachstum wieder explodieren. Zukunftsfähige Politik ist daher kein Luxus, sondern in vielerlei Hinsicht lebensnotwendig. Es geht darum, unser gemeinsames Haus zu schützen, anstatt es nach dem Feuer immer wieder neu aufzubauen. Es geht um Prävention und Vorsorge statt um Katastrophen-Management. Darum, dass sich eine reiche Gesellschaft wie unsere so etwas nicht leisten kann – die planetaren Grenzen zu missachten und auf eine Weise zu wirtschaften, welche die ökologische Basis untergräbt und das soziale Fundament erodieren lässt: Menschlichkeit, Zusammenhalt, aber auch die vielen Arten von Arbeit wie die Sorge für Kinder, Kranke und Alte oder politisches Engagement.</p>
<p><strong>Stabile Wirtschaft – das Verhältnis von Markt, Staat und innovativen Institutionen</strong></p>
<p>Auch in Zukunft ist in einer globalisierten Welt immer wieder mit Pandemien und anderen Krisen zu rechnen. Wenn die Sorge für alle im Vordergrund stehen soll, dann gilt hier: Systemrelevant ist, was zum Leben notwendig ist, was zentrale Fähigkeiten eines jeden Menschen ermöglicht. Existenzielle, vulnerable Bereiche, welche zur Sicherstellung der grundlegenden Bedürfnisse und Fähigkeiten notwendig sind, müssen daher stabil und sicher gestaltet werden. Dabei gilt es, vorsichtig abzuwägen, in welchem Fall der Markt, der Staat – etwa in Form kommunaler Unternehmen –  oder andere, kooperativere Formen wie Genossenschaften, Commons / Gemeingüter, Bürgerprojekte oder Formen solidarischer Ökonomie sinnvolle Alternativen sind – und bei welchen Lösungen Transparenz und Demokratie am besten zum Tragen kommen. Das gilt es für die verschiedenen Bereiche neu zu diskutieren, etwa für Gesundheit, Wasser, Energie, Wohnen, Ernährung und Mobilität.</p>
<p>Heute wird in der heimischen Isolation auch die starke Abhängigkeit von Internet und digitaler Kommunikation deutlich. Diese für den Einzelnen und für die Gesellschaft existenziellen Bereiche sind von großer Marktmacht bestimmt. Hier muss diskutiert werden, wie etwa das Internet auf eine transparente und demokratische Weise organisiert werden und der Einfluss einiger weniger auf die Kommunikation aller verhindert werden kann.</p>
<p><strong>Klimakatastrophe und Corona zusammendenken </strong></p>
<p>So dramatisch die Corona-Pandemie heute auch wütet – wahrscheinlich ist, dass Corona im historischen Rückblick im Vergleich zur Klimakatastrophe als Zwerg-Krise gesehen werden wird. Neben Corona müsste daher der Blick auch heute stark aufs Klima gerichtet werden. Die Psychologin Margaret Klein Salomon meint dazu: „Hätten wir den Klimanotstand wirklich akzeptiert, würden Dashboards und Updates darüber, welche Länder ihre Emissionen am schnellsten reduzieren, die Schlagzeilen dominieren, die Leute würden zetern, ihre Regierung solle gefälligst die Maßnahmen übernehmen, die funktionieren.“</p>
<p>Wie würde eine Politik aussehen, welche die Klimakatastrophe mitdenkt? Einige Beispiele.</p>
<ul>
<li><strong>Stabilität und Wachstumsunabhängigkeit</strong>: Eine krisenfeste Wirtschaft ist <a href="https://www.umweltbundesamt.de/themen/wie-gelingt-unabhaengigkeit-vom-wirtschaftswachstum" target="_blank" rel="noopener">unabhängig vom Wirtschaftswachstum</a>. Daher ist die Förderung von Unternehmens- und Organisationsformen sinnvoll, die auch in Krisenzeiten funktionieren, weil sie vom Vermehrungszwang unabhängig sind – Beispiele hierfür sind Genossenschaften. Darüber hinaus gilt es, auch die sozialen Sicherungssysteme und das Finanzsystem wachstumsunabhängig zu gestalten.</li>
</ul>
<ul>
<li><strong>Zukunftsfähige Investitionen statt Subventionierung veralteter Branchen: </strong>Die gegenwärtigen milliardenhohen Kredite und Zuschüsse sollten <a href="https://www.zdf.de/kultur/aspekte/gespraech-mit-maja-goepel-100.html" target="_blank" rel="noopener">in Richtung Nachhaltigkeit konditionalisiert werden</a>. Im Zentrum von Investitionen könnten etwa Nachhaltigkeitsforschung, Öffentlicher Nahverkehr sowie Erneuerbare Energien stehen.</li>
</ul>
<ul>
<li><strong>Regionalisierung von Produktion und Konsum</strong>: Corona zeigt, dass Produktion, Reisen, Nahrungsmittel und Konsumgüter auch regional funktionieren. Das bleibt aus ökologischer Sicht auch langfristig sinnvoll. Zeit also für einen Paradigmenwechsel: Mehr Welthandel ist nicht immer sinnvoll. Ökologische Kosten müssen eingepreist und gleichzeitig Handelsregeln endlich gerecht gestaltet werden, so dass Deutschland seinen Exportstatus nicht auf Kosten des Globalen Südens aufrechterhält.</li>
<li><strong>Kurzarbeit und soziale Gerechtigkeit.</strong> Durch den Produktivitätsfortschritt ist heute nur noch ein Bruchteil der Arbeit notwendig, um gleich viel herzustellen. Allerdings sind Einkommen und Vermögen so ungleich verteilt, dass Menschen teils auch von mehreren Stellen in Leiharbeit nicht leben können. Coronabedingte Kurzarbeit kann den Einstieg in eine generelle Arbeitszeitreduzierung ermöglichen, die freigewordene Zeit könnte für Sorgearbeit wie für demokratisches und ehrenamtliches Engagement genutzt werden. Um soziale Gerechtigkeit zu schaffen, müsste die Arbeitszeitverkürzung allerdings mit einer deutlichen finanziellen Umverteilung von oben nach unten flankiert werden – diese ist ohnehin notwendig, da zunehmende Ökosteuern ansonsten Ärmere überproportional belasten und ihre Lenkungswirkung verfehlen.</li>
</ul>
<p><strong>Orientierung am „Guten Leben“ statt am Wirtschaftswachstum</strong></p>
<p>Krisen sind Phasen der Instabilität, der Neuausrichtung. Hier liegt die Chance zur Besinnung auf das Wesentliche. Die Zufriedenheit der Menschen wächst in Industrieländern nicht mehr mit steigendem Bruttoinlandsprodukt. Die Weltreligionen wissen es und auch die Glücksforschung hat erkannt, dass das Ziel von menschlicher Entwicklung nicht ein immer Mehr an Materiellem ist. Nicht-materielle Werte müssen geschützt werden und dürfen nicht weiterem Wirtschaftswachstum geopfert werden. Heute gilt es, eine resiliente, zukunftsfähige Form des Wirtschaftens zu schaffen, welche die sozialen, demokratischen und ökologischen Fundamente unserer Gesellschaft nicht erodieren lässt, sondern fördert und lebendig macht. So können in der Krise gleichzeitig „die Alten“ geschützt und für „die Jungen“, die nachfolgenden Generationen, sowie die Welt als Ganzes Sorge getragen werden.</p>

<p><em>Katharina Hirschbrunn ist Volkswirtin und </em><em>Studienleiterin für Wirtschaft und Arbeitswelt sowie Nachhaltige Entwicklung an der Evangelischen Akademie Tutzing. Aktuell schreibt sie an ihrer Promotion zum Thema „Gute Arbeit in einer Postwachstums-Gesellschaft“. </em></p>

<p><strong>Bild:</strong> Katharina Hirschbrunn <em>(Foto: eat archiv)</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/leben-in-multiplen-krisen/">Leben in multiplen Krisen</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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		<title>Wirtschaft &#038; Ethik: Ohne Druck geht es nicht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[makkuz]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 May 2019 11:13:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Postfossil]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[Luise Klemens]]></category>
		<category><![CDATA[Verdi]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>von Luise Klemens Wirtschaft ist per se weder ethisch noch unethisch – es kommt darauf an, in welchem System und welchem Umfeld sie agiert. In unserem kapitalistischen Wirtschaftssystem ist sie profitgetrieben und damit dem Konkurrenzdenken verpflichtet. Es geht darum, sich gegenseitig auszustechen, auch um den Preis des Scheiterns des anderen. Auf diese Art entsteht nicht [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/wirtschaft-ethik-ohne-druck-geht-es-nicht/">Wirtschaft &#038; Ethik: Ohne Druck geht es nicht</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>von Luise Klemens</em></p>
<p>Wirtschaft ist per se weder ethisch noch unethisch – es kommt darauf an, in welchem System und welchem Umfeld sie agiert. In unserem kapitalistischen Wirtschaftssystem ist sie profitgetrieben und damit dem Konkurrenzdenken verpflichtet. Es geht darum, sich gegenseitig auszustechen, auch um den Preis des Scheiterns des anderen. Auf diese Art entsteht nicht eine Win-Win-Situation, sondern Win-Loose: Der Verlust des Gegners ist mein eigener Gewinn. Eine solche Wirtschaft ist angewiesen darauf, schneller und besser zu sein als andere – und sich wo immer möglich Kostenvorteile zu verschaffen.</p>
<p>Wo aber nur betriebswirtschaftliches und nicht volkswirtschaftliches Denken dominiert, werden diese Kostenvorteile häufig zu Lasten anderer gesucht: Hauptsache Gewinn, auch um den Preis der Ausbeutung, der überbordenden Mehrwertabschöpfung und sehr oft des Stellenabbaus. Für Ethik ist da nur selten Platz.</p>
<p><strong>Konkurrenzdilemma und Druck verdrängen ethische Werte</strong></p>
<p>Dabei sei anerkannt, dass viele Unternehmen und ihre Führungskräfte sich durchaus ethischen Werten verpflichten und versuchen, ihnen weitgehend gerecht zu werden. Aber das Konkurrenzdilemma und der permanente Druck, sich am Markt zu behaupten, verführt oft und schnell auch dazu, ebendiese ethischen Werte situationsbedingt über Bord zu werfen.</p>
<p>Die Wirtschaft braucht deshalb Ausgleich &#8211; und den findet sie in Deutschland regelmäßig in der Mitbestimmung. Allerdings erleben wir zunehmend, dass sich viele Firmen genau dieser Mitbestimmung entziehen: Flucht aus Tarifverträgen ist mittlerweile gang und gäbe. Sie ist gleichzeitig auch die Flucht vor gesellschaftlicher Verantwortung und vor dem im Grundgesetz fixierten Grundsatz „Eigentum verpflichtet“.</p>
<p>Diese Tarifflucht ist ja nicht ohne Eigennutz: Häufig werden so Lohndumpingmodelle etabliert, die die Beschäftigten dann zwingen, zu Aufstockern zu werden: Lohnmodelle auf Kosten des Staates und der Steuerzahler.</p>
<p><strong>Die Wirtschaft muss zu ethischem Handeln gezwungen werden</strong></p>
<p>Zur Ethik in der Wirtschaft gehört ja auch nicht nur, dass irgendwelche Arbeitsplätze geschaffen werden („Sei doch froh, dass Du überhaupt Arbeit hast“). Gute Arbeitsbedingungen, faire Bezahlung und geschlechtergerechte Anteilhabe sind in einem entwickelten Staat wie unserem ebenfalls unabdingbar.</p>
<p>In einem rein marktwirtschaftlichen System muss deshalb die Wirtschaft zu ethischem Handeln gezwungen werden: Gesetzgeber, Jurisdiktion, Gewerkschaften und Verbände sowie zivilgesellschaftliche Akteure müssen die Verantwortung der Wirtschaft zu ethischem Handeln permanent einfordern.</p>
<p>Wie schnell Wirtschaftsführer und Unternehmer Compliance-Regeln vergessen, beweisen ja zahlreiche Skandale, von denen hier nur Cum-Ex und die Panama-Papers genannt sein sollen: Gier frisst Ethik.</p>
<p>Dass den Führungskräften der Wirtschaft das durchaus selbst bekannt und bewusst ist, zeigt ein Blick auf den Korruptionswahrnehmungsindex 2018: Dort erreicht Deutschland 80 Punkte – ein Punkt weniger als im Vorjahr. Dennoch rückt Deutschland im Ranking einen Platz nach vorne und teilt sich nun mit Großbritannien, das zwei Punkte verliert, den 11. Rang. Während die meisten für Deutschland relevanten Indizes unverändert bleiben, gibt es bei einem Index eine deutliche Verschlechterung: Der World Economic Forum Executive Opinion Survey (EOS), der jährlich Führungskräfte aus der Wirtschaft befragt, sinkt von 74 auf 66 Punkte (von 100) – aus Sicht der Wirtschaftschefs nimmt Korruption und Bestechung in Wirtschaft und öffentlichen Institutionen in Deutschland zu. (Quelle: Transparency Deutschland, https://www.transparency.de/cpi/)</p>
<p>Korruption und Ausbeutung sind in vielen Ländern dieser Welt an der Tagesordnung. Compliance-Regeln funktionieren ohnehin nur in sehr entwickelten Staaten mit starker Ordnungsfunktion und unabhängiger Justiz. Und auch dort sind sie kein Selbstläufer und müssen ständig durchgesetzt, erhalten und ausgebaut werden. Dann können Wirtschaft und Ethik ein starkes Gespann bilden.</p>
<p><strong><em>Luise Klemens</em></strong><em> ist Landesbezirksleiterin der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft in Bayern.</em></p>
<p><strong>Hinweis:</strong><br />
Luise Klemens ist am 7. Mai 2019 während der Tagung „Management der Moral“ als Rednerin zu Gast an der Evangelischen Akademie Tutzing. Vorliegender Beitrag ist ihre Antwort auf die Frage „Wie kommt die Ethik in die Wirtschaft“ &#8211; und auch die Antwort auf Prof. Randolf Rodenstock zum Thema (zu seinem Statement <a href="https://www.eatutzing.de/wie-kommt-ethik-in-die-wirtschaft/">gelangen Sie hier</a>.)</p>
<p><a href="https://www.eatutzing.de/veranstaltung/management-der-moral/">Informationen zur Tagung finden Sie hier</a>.</p>

<p><strong>Bild:</strong> Luise Klemens (Foto: Verdi Bayern)</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/wirtschaft-ethik-ohne-druck-geht-es-nicht/">Wirtschaft &#038; Ethik: Ohne Druck geht es nicht</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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		<title>Wie kommt Ethik in die Wirtschaft?</title>
		<link>https://www.eatutzing.de/wie-kommt-ethik-in-die-wirtschaft/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[makkuz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Apr 2019 12:59:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Postfossil]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[Randolf Rodenstock]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>von Prof. Randolf Rodenstock Die Antwort lautet: Sie ist längst da. Für mich steht außer Frage, dass ethisches Handeln ein zentraler und selbstverständlicher Teil unseres Wirtschaftslebens ist. Das ergibt sich schon aus dem gesellschaftlichen Auftrag des Unternehmers. Er besteht darin, Waren und Dienstleistungen zu einem fairen Preis anzubieten und damit die Bedürfnisse der Bevölkerung zu [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/wie-kommt-ethik-in-die-wirtschaft/">Wie kommt Ethik in die Wirtschaft?</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>von Prof. Randolf Rodenstock</em></p>

<p>Die Antwort lautet: Sie ist längst da. Für mich steht außer Frage, dass ethisches Handeln ein zentraler und selbstverständlicher Teil unseres Wirtschaftslebens ist.</p>
<p>Das ergibt sich schon aus dem gesellschaftlichen Auftrag des Unternehmers. Er besteht darin, Waren und Dienstleistungen zu einem fairen Preis anzubieten und damit die Bedürfnisse der Bevölkerung zu befriedigen. Darüber herrscht bei uns allerdings ein fundamentales Missverständnis: Immer wieder ist zu hören, dass es zur sozialen Verantwortung der Unternehmer gehöre, Arbeitsplätze zu schaffen. Dies ist jedoch ein nachgeordneter – wenn auch durchaus wünschenswerter – Effekt, der aus der eigentlichen Raison d’ Être folgt.</p>
<p>Natürlich ist es nicht gleichgültig, auf welche Weise das Unternehmen Waren herstellt oder Dienstleistungen anbietet – gesellschaftliche Schäden sollen nach Möglichkeit ausgeschlossen werden. Darüber hinaus müssen im Produktionsprozess auch die Erwartungen und Interessen aller Stakeholder berücksichtigt werden: Verbraucher, Lieferanten, Kapitalgeber – sie alle wirken auf die unternehmerischen Entscheidungsprozesse ein. Ihre Bedürfnisse müssen laufend miteinander in Einklang gebracht werden. Dabei spielen immer auch ethische Maßstäbe eine Rolle.</p>
<p>Mit wachsendem Wohlstand ist in unserer Gesellschaft eine gewisse Sättigung mit materiellen Gütern eingetreten. Die meisten Menschen in den Industrienationen verfügen über Autos, Einrichtungsgegenstände, Haushaltgeräte, Unterhaltungselektronik und über vieles mehr, was zum Leben nötig ist und was es angenehmer macht. Heute richten sich die Erwartungen der Verbraucher mehr und mehr auf immaterielle Güter. Es reicht nicht, wenn ein Unternehmen seine Waren gut und günstig anbietet, die gesamte Wertschöpfungskette wird in den Blick genommen: Die Produkte sollen nach Möglichkeit nachhaltig sein und ressourcenschonend hergestellt werden, die Arbeitnehmer sollen einen fairen Lohn erhalten.</p>
<p><strong>Unternehmensphilosophie – ein wichtiges internes Steuerungsinstrument</strong></p>
<p>Für den langfristigen Erfolg einer Firma spielt heute die Unternehmensphilosophie eine entscheidende Rolle. Es ist notwendig, als Unternehmer nach impliziten, ethischen Leitlinien und als persönliches Vorbild zu handeln – doch das allein reicht nicht aus. Vielmehr wird in den meisten Unternehmen eine transparente Wertebasis systematisch und methodisch aufgebaut und in Form von expliziten Unternehmensleitlinien kommuniziert. Sie sind ein wichtiges internes Steuerungsinstrument. Denn sie geben den Handelnden Orientierung in einer komplexen Welt, die maßgeblich von den Bedingungen der Globalisierung bestimmt wird. Von den drei Ebenen der Unternehmensführung – der operativen, der strategischen und der normativen – ist die normative sehr viel wichtiger geworden. Zu ihr gehören Werte, Ethik, Visionen und Regeln. All das wird neudeutsch als Corporate Social Responsibility (CSR) bezeichnet.</p>
<p>Mittlerweile ist es für die meisten Firmen keine Frage mehr, <em>ob</em> CSR gemacht wird, sondern <em>wie</em>. Allerdings besteht die Gefahr, dass ein solches Engagement, wenn es nicht auch in der Unternehmensphilosophie verankert ist, als „Greenwashing“ missverstanden wird. Ein weiteres Problem: Nach wie vor sehen wir eine relativ geringe „Customer Social Responsibility“: Nur wenige Kunden und ausgewählte Käuferschichten sind bereit, für nachhaltige Produkte einen höheren Preis zu zahlen. Dabei kann die Nachfrageseite ganz wesentliche Impulse setzen und ein entsprechendes Angebot einfordern.</p>
<p>Die gesellschaftliche Verantwortung des Unternehmers bezieht sich aber nicht nur auf sein Unternehmen, seine Lieferanten, Mitarbeiter und Kunden. Ethik endet nicht am Fabriktor. Heute sind Firmenbosse und Wirtschaftsmanager aufgerufen, zur öffentlichen Meinungsbildung beizutragen – ob auf Betriebsversammlungen, in Fernsehtalkshows oder in den sozialen Netzwerken. Denn wir erleben, dass das Vertrauen in die demokratischen Institutionen schwindet. Kritik an der Marktwirtschaft ist weit verbreitet. Nationalistische und protektionistische Bewegungen finden fast überall in Europa Zulauf. Der starke Staat soll es richten, so lautet die Philosophie der 2010er Jahre.</p>
<p><strong>Die Pflicht, Position zu beziehen</strong></p>
<p>Vor diesem Hintergrund scheint es mir eine Pflicht der Wirtschaftseliten zu sein, ihre Führungsverantwortung auf gesellschaftliche Belange auszuweiten und in der Öffentlichkeit Position zu beziehen. Bisweilen wird das zwar eingefordert – wenn Firmenlenker beispielsweise zu Menschenrechtsverletzungen schweigen, werden sie dafür heftig kritisiert. Seltener aber verlangt man von ihnen, vor der eigenen Haustür zu kehren und die politische Kultur ihres Landes mitzugestalten.</p>
<p>Indem sich Führungskräfte der Wirtschaft an politischen Debatten beteiligen, können sie auch dazu beitragen, Vorbehalte gegenüber ihrer Zunft abzubauen. Diskursverantwortung zu übernehmen ist entscheidend, weil Marktwirtschaft nicht in einem politikfreien Raum geschieht. Beide, Demokratie und Marktwirtschaft, gehören zusammen und bedingen sich gegenseitig. Die Politik setzt den Ordnungsrahmen für die Wirtschaft.</p>
<p>Dabei sollte der Staat seine Rolle sehr restriktiv auslegen und Eingriffe in den Wettbewerb und in die unternehmerische Freiheit auf ein Mindestmaß beschränken. Leider ist diese Haltung heute unpopulär. Obwohl es uns wirtschaftlich gut geht wie nie zuvor, ist es nach verbreiteter Auffassung die Aufgabe des Staates, den angeblichen „Raubtierkapitalismus“ zu zähmen und die marktwirtschaftliche Ordnung außer Kraft zu setzen.</p>
<p><strong>Marktwirtschaft hat eine hohe moralische Qualität</strong></p>
<p>Es wird unterstellt, dass die Marktwirtschaft als solche eigentlich unmoralisch ist und aus ethischen Gründen permanent korrigierender politischer Eingriffe bedarf. Tatsächlich haben Märkte aufgrund ihrer Wohlfahrtswirkungen, die Wettbewerb und Gewinnstreben unter geeigneten Rahmenbedingungen mit sich bringen, eine hohe moralische Qualität. Den ethischen Eigenwert unserer Wirtschaftsordnung fasst der Wirtschaftsethiker Karl Homann so zusammen: „Die Marktwirtschaft mit Gewinnstreben und Wettbewerb ist unter den Bedingungen der modernen Welt das beste bisher bekannte Instrument zur Verwirklichung der Solidarität aller Menschen!“</p>
<p>Zu Recht wird darum eine Rückbesinnung auf das Fundament der Sozialen Marktwirtschaft gefordert: „Eine Moral, die dabei die Sachkenntnis der Wirtschaftsgesetze überspringen zu können meint, ist nicht Moral, sondern Moralismus, also das Gegenteil von Moral.“ (Josef Kardinal Ratzinger).</p>
<p>Wir müssen stärker darin werden, die ethischen Vorzüge unserer Sozialen Marktwirtschaft klar zu kommunizieren. Und wir müssen unsere Wirtschaftsordnung fit für die Herausforderungen der Zukunft machen. Damit unser Wirtschaftsleben ethisch bleibt.</p>
<p><em>Der Autor ist Vorstandsvorsitzender des Roman Herzog Instituts und Honorarprofessor an der TU München.</em></p>
<p><strong>Hinweis:</strong><br />
Prof. Randolf Rodenstock ist am 7. Mai 2019 während der Tagung „Management der Moral“ als Redner zu Gast an der Evangelischen Akademie Tutzing. <a href="https://www.eatutzing.de/veranstaltung/management-der-moral/">Weitere Informationen hier</a>.<br />
Vorliegender Beitrag ist Gastkolumne der Mai-Ausgabe des Newsletters der Evangelischen Akademie Tutzing, die am 30. April 2019 erscheint. <a href="https://www.eatutzing.de/aktuelles-presse/newsletter/">Nähere Informationen hier</a>.</p>
<p>Luise Klemens, Landesbezirksleiterin der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft in Bayern, hat auf vorliegenden Beitrag von Prof. Rodenstock reagiert. Ihre Antwort auf die Frage „Wie kommt die Ethik in die Wirtschaft“ <a href="https://www.eatutzing.de/wirtschaft-ethik-ohne-druck-geht-es-nicht/">können Sie hier nachlesen</a>.</p>
<p><strong>Bild:</strong> Randolf Rodenstock <em>(Foto: Roman Herzog Institut e.V)</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/wie-kommt-ethik-in-die-wirtschaft/">Wie kommt Ethik in die Wirtschaft?</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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		<title>Und sie atmet doch!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[makkuz]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Oct 2018 10:36:54 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Adelheid Biesecker]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>von Adelheid Biesecker „Eine andere Welt ist nicht nur möglich, sie ist schon im Entstehen. An einem ruhigen Tag kann ich sie atmen hören.“ Dieses Zitat von der indischen Schriftstellerin und Aktivistin Arundhati Roy habe ich in den vergangenen Monaten wieder und wieder gelesen. Denn ich habe dieses Atmen nicht mehr gehört, und mir selbst [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/und-sie-atmet-doch/">Und sie atmet doch!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>von Adelheid Biesecker</p>

<p>„Eine andere Welt ist nicht nur möglich, sie ist schon im Entstehen. An einem ruhigen Tag kann ich sie atmen hören.“ Dieses Zitat von der indischen Schriftstellerin und Aktivistin Arundhati Roy habe ich in den vergangenen Monaten wieder und wieder gelesen. Denn ich habe dieses Atmen nicht mehr gehört, und mir selbst blieb ab und zu der Atem weg.</p>
<p>Das Atmen der alten Welt dagegen schien immer lauter, immer unüberhörbarer zu werden – wie das Röcheln eines alten, dahinsiechenden Menschen, dessen Zeit bald vorbei sein wird: Es kam von einer Bundesregierung, die sich nur noch mit sich selbst beschäftigte und flüchtende Menschen nur noch als Zahlen behandelte, und Zahlen haben keine Menschenrechte. Es kam aus den Chefetagen großer Energie- und Automobilunternehmen, die wegen ihres Profits rücksichtslos die Umwelt und damit die menschliche Lebenswelt zerstören und so die sozialen und ökologischen Kosten ihres Handelns zukünftigen Generationen aufbürden. Es kam aus einer anwachsenden rechten Bewegung, die nichts aus unserer Vergangenheit gelernt hat, sondern ihre völkischen, nationalistischen Werte auch mit Gewalt gegen andersdenkende, insbesondere andersfarbige Menschen durchsetzen will. Und es kam auch aus meiner eigenen Disziplin, der Wirtschaftswissenschaft, in der der sog. Nobelpreis für ökonomische Forschungen<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a> vergeben wurden, die noch ganz der alten Welt zugehören – Wachstumstheorie und Klimamodelle, die beweisen wollen, dass das 2 Grad-Klimaziel zu hohe Wohlfahrtsverluste mit sich bringt und dass daher ein 2-3 Grad Ziel angestrebt werden sollte. Die Kosten für die Naturzerstörung könne man kompensieren.</p>
<p>Doch dann geschah Wunderbares: Die Rodung des Hambacher Forsts wurde durch ein Gerichtsurteil gestoppt, einer Klage des BUND wurde stattgegeben. RWE musste die Rodungspläne für den weiteren Braunkohleabbau vorläufig – und hoffentlich endgültig – einstellen. Die  Grünen wurden bei der Landtagswahl in Bayern zweitstärkste Partei. Unter dem Hashtag #unteilbar demonstrierten allein in Berlin ca. 240.000 Menschen gegen Nationalismus, und auch die Bewegung „Seebrücke“ für die Aufnahme im Mittelmeer aus Seenot geretteter flüchtender Menschen bekommt immer mehr Unterstützung. Plötzlich scheint eine andere Welt wieder möglich, ihr Atmen war trotz des alten Röchelns unüberhörbar. Und auch ich kann wieder (auf)atmen.</p>
<p><strong>Nach Bloch: denkend real Mögliches vorwegnehmen</strong></p>
<p>Und die Wirtschaftswissenschaft, meine Disziplin? Auch hier gibt es viel Neues, z. B. die Postwachstumsbewegung, die nach  Wirtschaftsformen jenseits des sozial und ökologisch schädlichen Wachstumszwangs der kapitalistischen Wirtschaftsweise sucht. Oder die Bewegung an den Universitäten und Hochschulen für eine „plurale Ökonomie“, für eine Ausbildung, in der vielfältige Theorien gelehrt werden sollen, nicht nur der sogenannte Mainstream, der weiterhin die kapitalistische Expansion in alle Bereiche der Gesellschaft und alle Weltteile unterstützt. Oder feministisch-ökonomische Netzwerke wie das Netzwerk Vorsorgendes Wirtschaften, dem ich selbst angehöre und das Prinzipien einer lebensfreundlichen, naturverträglichen und geschlechtergerechten Wirtschaftsweise entwickelt. Dazu wird die Perspektive gewechselt, der Blick wird von der Lebenswelt und nicht vom Markt aus auf alle ökonomischen Prozesse gerichtet. So werden die bisher ausgegrenzten Tätigkeiten, die großenteils Arbeiten von Frauen sind, sichtbar. Und  die heute vorherrschenden ökonomischen Handlungsprinzipien der kurzfristigen Gewinn- und Nutzenmaximierung, der Konkurrenz sowie der Orientierung an Wachstumsraten erweisen sich als unpassend und hinderlich für eine solch zukunftsfähige Wirtschaftsweise, ihnen werden andere Prinzipien entgegengestellt: Vorsorge, Kooperation, Orientierung am für ein gutes Leben Notwendigen. Insbesondere die Vorsorgeorientierung fordert dazu auf, bei allen heutigen ökonomischen Prozessen die Folgen für zukünftige Generationen zu beachten. Das Erhalten und Erneuern der produktiven Fähigkeiten der Menschen und der Natur wird zum Leitprinzip des Wirtschaftens. Das ist auch eine Frage der Gerechtigkeit zwischen den heute lebenden und zukünftigen Generationen.</p>
<p>Utopie? Pures wishful thinking? Heiße Luft statt Leben ermöglichender Atem für die andere Welt? Oh nein. Wenn überhaupt von Utopie die Rede sein soll, handelt es sich um den Bloch’schen realen Utopismus, der, wie Ernst Bloch es ausdrückte, denkend ein real Mögliches vorwegnimmt. Die reale Möglichkeit solch anderen Wirtschaftens erweist sich  heute in vielen Projekten  – z. B. in urbanen Gärten, die neue Orte der Gemeinschaft bilden und die Biodiversität der Städte verbessern; in Netzwerken der solidarischen Landwirtschaft, durch die neue Beziehungen zwischen Stadt und Land entstehen, die für die beteiligten Bäuerinnen und Bauern ökonomische Sicherheit und Unabhängigkeit von Marktschwankungen bedeuten; in kooperativen Sorgearrangements, durch die das Altwerden in Generationen übergreifenden Lebensverhältnissen ermöglicht wird; in Projekten der Neulandgewinner, die mit vielfältigen Ideen und Tätigkeiten Dörfer und Gemeinden in Ostdeutschland wiederbeleben und neue ökonomische Strukturen erschaffen; oder in Unternehmen der Gemeinwohlökonomie, die ihre Tätigkeit nicht nur finanziell, sondern auch sozial und ökologisch bilanzieren und damit  sozial-ökologische Verantwortung für ihr Handeln übernehmen.</p>
<p>Die Fähigkeit, diese realen Prozesse durch vorausschauendes Denken zu begleiten und zu stärken, kann sich ebenfalls entfalten – z. B. durch das Programm zur Förderung der sozial-ökologischen Forschung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, dessen Neuausschreibung gerade durch einen intensiven Kommunikationsprozess mit allen interessierten Wissenschaftler*innen vorbereitet wird. Auf der Agenda-Konferenz zur Bestimmung der vorrangigen Forschungsfelder, die im September in Kassel stattfand, wurden z. B. Themen diskutiert wie „Sozial-ökologische Pfade einer wachstumsunabhängigen Gesellschaft“, “Neue Konsumverhältnisse und Unternehmenstransformation“, „Sozial-ökologische Transformation der Agrar- und Ernährungssysteme“, „Mobilität und Verkehr“, „Vorsorgendes Arbeiten – sozial-ökologische Transformation der Arbeitsverhältnisse“  oder „Populismus, Demokratie und neue soziale Disparitäten“.</p>
<p><strong>Die sozial-ökologische Transformation ist auf dem Weg</strong></p>
<p>Sicherlich, die sozial-ökologische Transformation unserer Gesellschaft und ihrer Ökonomie geht langsamer voran, als viele es wünschen und die Natur es dringend braucht, viele mächtige alte Interessen arbeiten dagegen an. Der andauernde Dieselskandal zeigt besonders anschaulich, wie sich diese alten Interessen in einem Zusammenspiel mit der Politik durchzusetzen versuchen: während Städte mit Fahrverboten für ältere Dieselfahrzeuge für bessere Luft sorgen wollen, plant die Bundesregierung ein Gesetz, um dieses zu verhindern, und nimmt dabei auch Verstöße gegen EU-Vorgaben in Kauf. Sie tut alles für die Automobilindustrie.</p>
<p>Aber die sozial-ökologische Transformation ist auf dem Weg, der Atem der anderen, der neuen Welt ist inzwischen unüberhörbar. „Wirklichkeit“, so sagte es einmal der Physiker und Träger des Alternativen Nobelpreises Hans-Peter Dürr, “ist keine starre Realität, sie ist voller Möglichkeiten – und sie ist <u>in uns.</u> Sie kann von uns geändert und neu gestaltet werden. Wenn wir alle diese offene Wirklichkeit als Vision haben, dann wird es uns gemeinsam auch gelingen, diese lebendigere Welt zu verwirklichen.“ Noch sind es nicht alle, noch gilt es, durch Beispiele und Überzeugungsarbeit ihre Zahl zu steigern. Die Evangelische Akademie Tutzing ist ein guter Ort dafür, ein Ort, an dem immer mehr Menschen für den sozial-ökologischen Wandel gewonnen werden – hier lässt sich das Atmen der neuen Welt besonders gut hören.</p>

<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Alfred Nobel hat die Ökonomie gehasst und hätte nie einem Preis mit seinem Namen für diese Disziplin zugestimmt. Der Preis wurde von der schwedischen Reichsbank als Alfred-Nobel-Gedächtnispreis“ eingeführt.</p>

<p><strong>Bild:</strong> Adelheid Biesecker <em>(Foto: isi-design.fotograf/oh)</em></p>
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		<title>Ökologie und Humanität im Zeitalter des Anthropozän</title>
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		<dc:creator><![CDATA[makkuz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Aug 2015 07:07:22 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Beitrag von Prof. em. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Haber, Landschaftsökologe der TU München, Freising-Weihenstephan. Nach Auffassung des Nobelpreisträgers Paul Crutzen (2000) hat das Wirken der Menschen den Planeten Erde so sehr verändert, dass damit ein eigenes erdgeschichtliches Zeitalter entstanden ist. Crutzen nannte es Anthropozän (von anthropos = Mensch und cene = neu), das damit [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Ein Beitrag von Prof. em. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Haber, Landschaftsökologe der TU München, Freising-Weihenstephan.</em></p>
<p>Nach Auffassung des Nobelpreisträgers Paul Crutzen (2000) hat das Wirken der Menschen den Planeten Erde so sehr verändert, dass damit ein eigenes erdgeschichtliches Zeitalter entstanden ist. Crutzen nannte es Anthropozän (von anthropos = Mensch und cene = neu), das damit das Zeitalter Holozän (Nacheiszeit) ablöst. In Wissenschaft und Gesellschaft wird seitdem lebhaft diskutiert, ob das Anthropozän gerechtfertigt und offiziell zu deklarieren sei.</p>
<p>Zum Thema Anthropozän gibt es inzwischen zahlreiche Veröffentlichungen. Das Deutsche Museum in München widmete ihm eine Sonderausstellung, und es ist auch Motto der von der Evangelischen Akademie Tutzing vom <a href="https://www.eatutzing.de/rotunde-der-blog/">18. bis 20. September 2015 veranstalteten Tagung</a>. Bei einer rein sachlichen, auf Daten und Beobachtungen gestützten Argumentation überwiegt die Befürwortung des Anthropozän, doch gefühlsmäßig erzeugt es eher Abneigung, vermischt mit Schuldgefühlen – weil viele menschliche Veränderungen nachteilig oder schädlich sind und, wie zum Beispiel der Klimawandel, hätten vermieden werden müssen.</p>
<p>Die Befürworter streiten darüber, mit welchem Ereignis der Menschheitsgeschichte das Anthropozän angefangen hat. Die Ansichten darüber reichen vom Beginn der Landwirtschaft vor rund 10.000 Jahren über die auf fossile Energien gegründete industrielle Revolution um 1800 bis zur auf 1945 datierten Einführung der Atomenergie, deren radioaktive Abfälle ja für lange Zeit geologisch nachweisbar sind. Für das Anthropozän sind auch ökologische Fragestellungen bedeutsam, welche die Tutzinger Tagung bevorzugt behandelt. Als Wissenschaft untersucht die Ökologie die Evolution und Organisation des gesamten Lebens in der Natur und bezieht darin auch die Menschen ein, wobei sie deren Doppelrolle berücksichtigt. Menschen sind Glieder der Natur und ihrer Ökosysteme, können sich aber dank ihres Intellekts auch aus solchen Bindungen lösen oder sie verändern. Mit dieser Fähigkeit haben wir Menschen die Natur, einschließlich aller anderen Lebewesen, zu unserer Umwelt gemacht, die vorrangig nach unseren Interessen und Ansprüchen gestaltet worden ist.</p>
<p>Dies begann mit der bewussten Nutzung der Naturerscheinung Feuer als eigener, hoch wirksamer Energiequelle, die Sonne, Wind und Wasser ergänzt, oft ersetzt und weit übertrifft. Entscheidend war der Übergang zur Landwirtschaft, vor allem zum Ackerbau, mit dem sich weit mehr Nahrung erzeugen lässt als man durch Sammeln und Jagen in der Natur gewinnen kann. Das Mehr an Nahrung erlaubte eine erste Zunahme der menschlichen Bevölkerung und bewirkte zugleich ihre Aufteilung in Erzeuger (Landwirte) und Verbraucher (Nichtlandwirte). Die Letztgenannten schufen die Stadtkultur und machten sie zum Zentrum der weiteren kulturellen Entwicklung. In ihr erfolgte die Transformation in die Moderne mit zum Teil revolutionären technisch-zivilisatorischen Fortschritten als Merkmalen des Anthropozän. Jeder von ihnen hat aber sowohl Vorteile wie Nachteile, wobei Nachteile oft nicht beachtet oder erst mit Zeitverzug erkennbar werden und den jeweiligen Fortschritt in Frage stellen können.</p>
<p>Aus ökologischer Sicht ist hervorzuheben, dass sowohl das Ackerland (und aller sonstige Pflanzenbau) als auch die Städte mit dazugehöriger Infrastruktur rein menschlich-technisch geschaffene Bereiche sind, die auf radikaler Beseitigung der Natur mit ihrer Pflanzen- und Tierwelt beruhen. Ackerland ist damit zur Haupt-Nahrungsgrundlage der Menschen und die Stadt zu deren Haupt-Lebensort geworden. Wir leben also von und in einer &#8222;künstlichen&#8220; Umwelt. Vor allem das Ackerland musste zur Versorgung der ständig zunehmenden Stadtbevölkerung flächenmäßig immer weiter ausgedehnt werden, was nur auf Kosten der Naturbereiche möglich war, und bestimmt heute mit den Großstädten weithin das Erscheinungsbild sowie das ökologische Geschehen auf den Kontinenten. Dieses wird seinerseits durch die oft schädlichen Neben- und Nachwirkungen der menschlichen Landnutzung verfremdet oder unterbrochen. Allein diese Umgestaltungen der Natur befürworten das Konzept des Anthropozän.</p>
<p>Die &#8222;offizielle&#8220; Einführung des Anthropozän hätte eine tief greifende Bedeutung für Natur und Menschheit. Denn die Abfolge der Erdzeitalter gehört zur natürlichen Evolution, deren Grundmerkmal die Unumkehrbarbeit ist. Doch in der heutigen Menschheit gibt es, gerade in unserem Kulturkreis, eine wachsende Sehnsucht nach ursprünglicher, unberührter Natur, oft auch mit religiösen oder ethischen Motiven wie Bewahrung der Schöpfung verknüpft. Anthropozän bedeutet aber, dass auch ein Naturschutzgebiet keine Natur, sondern ein menschliches Konstrukt ist. Hier zeigt sich ein Zwiespalt im menschlichen Denken, der zu noch viel grundsätzlicheren Überlegungen zum Sinn des Anthropozän führt. Sie gehen aus von einem Vergleich der Organisation des nicht-menschlichen Lebens – wie sie sich vor dem Erscheinen des Menschen in über drei Milliarden Jahren entwickelt hat – mit der danach, seit drei Millionen Jahren entstandenen zunehmend vom Menschen bestimmten Organisation, oder, kurz gesagt, vom Vergleich von Natur und Kultur.</p>
<p>Die Organisation des vormenschlichen Lebens, dargestellt im Modell des Ökosystems, entwickelte sich ohne ein steuerndes Zentrum und beruht auf selbst gebildeten, regulierenden Prozessen, die das Funktionieren der Organisation und zugleich ihre ständigen evolutionären Fortschritte gewährleisteten. Dabei gibt es keine Rücksichtnahmen auf Leben und Lebensweisen der Organismen, die dafür auch kein Bewusstsein haben. Über 95 % der in der Evolution entstandenen, aus Fossilien bekannten Arten sind im Lauf der Zeit, fünf mal auch durch gewaltige Einwirkungen unbelebter Naturkräfte wieder ausgestorben, was aber das Leben als Ganzheit nicht in Frage stellte und der Evolution sogar neue Wege öffnete. Als diese aber den Menschen als ein Säugetier mit der zusätzlichen Ausstattung von Intellekt, Vorausschau und Gefühlsbewusstsein hervorbrachte, wurden in diese Organisationsform neue Prinzipien eingebracht, ja eine zweite, als kulturell bezeichnete Evolution begründet.</p>
<p>Als denkendes Wesen konnte und wollte sich der Mensch nicht in ein selbst-reguliertes System ohne Steuerungszentrum einordnen, das seine Entfaltungschancen beschnitten hätte. Stattdessen lernte er, selbst die Steuerung des Systems zu übernehmen, ohne aber sein eigenes Wesen richtig zu verstehen. Das gelang ihm erst in den letzten 500 Jahren mit Hilfe der Wissenschaft, die auch die Ko-Evolution von Mensch und Natur erhellt hat. Sie zeigt, wie der Mensch aus seiner intellektuellen und spirituellen Weltsicht die erwähnten neuen Prinzipien der Lebensorganisation, nämlich Verantwortung, Rücksicht, Rechte und Werte entwickelte und mit Gewissen, Moral, Ethik oder Religion unterbaute. Daraus schuf er sich das Grundprinzip Humanität. Dass er aber in seiner physischen Natur und ihren Ansprüchen ein Säugetier blieb, dessen Triebe oft auch den Intellekt entweder verdrängen oder benutzen und schwere interne Konflikte verursachten, wurde hingenommen oder missachtet. Es hinderte die Menschen auch nicht an der Begründung eines humanitären Hauptziels, nämlich jedes einzelne menschliche Leben mit allen Mitteln zu erhalten und ihm einen möglichst langen, guten Verlauf zu ermöglichen. Verwirklicht wurde es aber fast immer nur innerhalb des jeweiligen Sozialverbandes (Stamm, Volk oder Nation), und erforderte, die Menschen von den natürlichen Ökosystem-Regulierungen, denen alle anderen Lebewesen unterliegen (Erbeutung, Hunger, Seuchen), soweit möglich zu bewahren. Ergebnis ist eine unnatürliche Sonderstellung der Menschen, die in besonderem Maße das immer noch zunehmende, weil nicht oder unzureichend regulierte Bevölkerungswachstum fördert. Weil dieses aber die Natur immer stärker beansprucht und schädigt, soll eben diese Natur mit allen ihren Bestandteilen, vor allem den Tier- und Pflanzenarten, in die ethisch-humanitären Grundregeln menschlich konzipierter Lebensorganisation einbezogen und geschützt werden. Nutzung und Schutz lassen sich aber, was ebenfalls humanitär begründet werden kann, nicht gleichrangig und überall verwirklichen, sondern erfordern Auswahl und Prioritäten. Hier liegt eine vorrangige Forderung an das Anthropozän.</p>
<p>Schließlich darf nicht verkannt werden, dass diese Darstellung der Humanität den Menschen in seinen Eigenschaften sowohl verallgemeinert als auch idealisiert. Doch die Menschheit ist keine Einheit, sondern besteht aus mehreren Kulturkreisen mit ganz unterschiedlichen Einstellungen zueinander wie zur Natur. Von ihnen hat der so genannte westliche Kulturkreis, der aus einigen Staaten Europas hervorging, seit dem 14. Jahrhundert fast alle anderen Kulturkreise kolonial unterworfen und ausgebeutet, ja ganze Kontinente wie Amerika und Australien für sich erobert. Damit hat er die größten Fortschritte und eine globale Vorherrschaft erzielt, wobei Humanität wohl stets zurücktrat. Dennoch sind gerade in diesem Kulturkreis – dank oder trotz seiner technisch-materiellen Fortschritte? – die maßgebenden humanitären Ideen der Aufklärung, Menschenrechte, der nachhaltige Entwicklung und planetarischen Grenzen entstanden. Sie harren aber noch der Umsetzung in die Lebenspraxis. Wird das Vorbild, das die westliche Kultur mit ihren Errungenschaften, ganz gleich wie sie erreicht wurden, den übrigen Kulturkreisen gesetzt hat, auch diese Ideen einschließen? Wenn das gelingt, erhält das Anthropozän seine volle Berechtigung.</p>
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		<title>Jugendliche verändern die Welt: Impressionen zum „Youth Summit 2015“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[makkuz]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Jun 2015 09:58:22 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Beitrag von Mirjam Mögele. Vor einer Woche trafen sich in der Evangelischen Akademie Tutzing Jugendliche aus der ganzen Welt, um fernab von G7-Gipfel und Weltklimakonferenz ihre eigene Vision der Zukunft in die Wege zu leiten. Die Organisation Plant-for-the-Planet veranstaltete erstmals diesen „Youth Summit“ zur Thematik des globalen Klimawandels – primär um ein Manifest der [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/jugendliche-veraendern-die-welt-impressionen-zum-youth-summit-2015/">Jugendliche verändern die Welt: Impressionen zum „Youth Summit 2015“</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Ein Beitrag von Mirjam Mögele.</em></p>
<p>Vor einer Woche trafen sich in der Evangelischen Akademie Tutzing Jugendliche aus der ganzen Welt, um fernab von G7-Gipfel und Weltklimakonferenz ihre eigene Vision der Zukunft in die Wege zu leiten. Die Organisation Plant-for-the-Planet veranstaltete erstmals diesen „Youth Summit“ zur Thematik des globalen Klimawandels – primär um ein Manifest der Kinder und Jugendlichen &#8211; den „Global Youth Climate Plan“ &#8211; zu erstellen und an alle Regierungschefs zu senden, weltweit 1000 Milliarden Bäume zu pflanzen und damit Jugendliche zu befähigen, in ihren Ländern etwas zu verändern. Hierzu wurde auch während der Konferenz ein sogenanntes „Global Youth Board“ gewählt mit jungen Vertretern und Vertreterinnen aus allen Nationen.</p>
<p>Eine konkrete Idee, die aus dem Treffen hervorgegangen ist, der sogenannte „climate strike“ &#8211; ein Klimastreik soll in der Zeit der Klimakonferenz in Paris stattfinden. „Die Regierungen haben ihre Hausaufgaben nicht gemacht, wieso also wir?“, erklärt Sagar aus Nepal. An einem Tag im Dezember werden Kinder und Jugendliche die Schule schwänzen und stattdessen Aktionen zum Kimawandel starten. Joseph aus Malawi stellte seine Idee, Photovoltaikanlagen als Energiequelle zu nutzen, einem Minister seines Landes noch während der Konferenz per Email vor, der sich begeistert und zum Handeln bereit zeigte. Weitere Jugendliche aus den afrikanischen Ländern schlossen sich ihm an. Giovanni aus Italien schrieb mit seinen jungen Kollegen einen Brief an „Shell“ &#8211; sie sollen aufhören in der Arktis nach Öl zu bohren. Wenn diese jungen Menschen unsere Zukunft sind, dann können wir beruhigt sein. Deshalb kommen die Teilnehmer des Jugendgipfels nochmal zu Wort und beschreiben ihre Eindrücke und was sie bewegt:</p>
<p><iframe src="https://player.vimeo.com/video/129649741" height="281" width="600" allowfullscreen="" frameborder="0"></iframe></p>
<p><a href="https://vimeo.com/129649741">&#8222;Youth Summit 2015&#8220;</a> from <a href="https://vimeo.com/user40745635">Mirjam Mögele</a> on <a href="https://vimeo.com">Vimeo</a>.</p>

<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/jugendliche-veraendern-die-welt-impressionen-zum-youth-summit-2015/">Jugendliche verändern die Welt: Impressionen zum „Youth Summit 2015“</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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		<title>Ist die Welt noch zu retten? Experten aus Justiz, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft ermutigen junge Menschen beim „Youth Summit 2015“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[makkuz]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 26 May 2015 18:35:43 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Artikel von Mirjam Mögele. Um die 100 Jugendliche aus 23 Nationen kamen beim „Youth Summit 2015“ in der Evangelischen Akademie zusammen, um über die Zukunft unseres Planeten zu diskutieren. Im Zentrum hierbei steht die globale Klimaerwärmung und die Initiative „Plant-for-the-planet“, die vorhat, in den nächsten fünf Jahren weltweit 1000 Milliarden Bäume zu pflanzen. Die [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/ist-die-welt-noch-zu-retten-experten-aus-justiz-politik-wissenschaft-und-gesellschaft-ermutigen-junge-menschen-beim-youth-summit-2015/">Ist die Welt noch zu retten? Experten aus Justiz, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft ermutigen junge Menschen beim „Youth Summit 2015“</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Ein Artikel von Mirjam Mögele.</em></p>
<p>Um die 100 Jugendliche aus 23 Nationen kamen beim „Youth Summit 2015“ in der Evangelischen Akademie zusammen, um über die Zukunft unseres Planeten zu diskutieren. Im Zentrum hierbei steht die globale Klimaerwärmung und die Initiative „Plant-for-the-planet“, die vorhat, in den nächsten fünf Jahren weltweit 1000 Milliarden Bäume zu pflanzen. Die Jugendlichen sollen bei diesem Jugendgipfel ein Handwerkszeug erhalten, um in ihren Ländern etwas zu verändern. Ein Highlight war das Seminar „When negotiations get through“ von Matthias Schranner – hier konnten die jungen Menschen erfahren, wie sie ihre Präsidenten Obama und Co. von der Idee, Bäume zu pflanzen und auf erneuerbare Energien umzustellen, überzeugen können. Wichtig sei vor allem der Punkt der „common interests“, also gemeinsame Interessen zu finden, um davon ausgehend verhandeln zu können. Zahlreiche weitere Professoren und Experten sprachen in Vorträgen, Seminaren oder auch per Videobotschaft zu den Jugendlichen.</p>
<p>„<i>Never give up!“</i></p>
<p>In seinem Eingangsvortrag „Humankind and the Stability of the Earth System“ machte Prof. Mojib Latif den jungen Teilnehmern Mut: „Never give up!“ Zwar sei der Klimawandel tatsächlich Menschengemacht, aber es sei noch nicht zu spät, etwas zu unternehmen. Dennoch erläuterte Latif auch die Problematik der Klimaerwärmung, die vor allem durch Gase in der Atmosphäre wie CO2 erzeugt würde. Bereits 1896 hatte der Schwede Svante Arrhenius herausgefunden, dass sich CO2 auf die Bodentemperatur auswirkt. Da wir diese Gase aber nicht sehen können, sehen wir auch nicht das Problem. Wären die Gase rot, würde sich der Himmel einfärben. Die CO2-Konzentration sei noch nie so hoch gewesen. Ein damit verbundenes Folgeproblem sei auch die Übersäuerung der Ozeane. Organismen wie Korallen und Krebse werden von der Säure angegriffen, das gesamte Ökosystem droht zu kippen! Unfair ist auch die weltweite Verteilung des CO2-Ausstoßes – denn China beispielsweise habe höhere Ausströße, produziere aber auch für Europäer. Das ist das Problem der „grauen Emissionen“ und damit der Gerechtigkeit. Dennoch zeigt sich Latif optimistisch: Den Mauerfall habe 1985 auch noch keiner vorhersehen können.</p>
<p><i>Die Problematik der Klimaerwärmung</i></p>
<p>Natürlich kamen aber auch kritische Referenten zu Wort. Hans-Peter Schmid, Professor für Atmosphärische Umweltforschung an der TU München, gab zu bedenken: Vor 3,5 Millionen Jahren war die Welt 2°C wärmer, da habe es aber noch keine Menschen gegeben und er vergleicht die Erwärmung der Erde mit der menschlichen Temperatur: „Bei 5°C wärst du tot, bei 2°C im Krankenhaus.“ (Anm.: Als es auf der Erde 5°C kälter war, gab es eine Eiszeit) Diese Klimaerwärmung haben Menschen noch nicht miterlebt. Allerdings könne man den Ausstoß der Treibhausgase beeinflussen: Durch Einschränkung des Individualverkehrs, Isolation von Gebäuden und indem jeder Einzelne spart und natürlich in der Industrie. Außerdem sprich er „AFOLU“ (Agriculture, Forestry and other Land Use“ an. Etwa werden (Regen-)wälder abgeholzt und auf den freien Flächen Rinder gehalten – die produzieren aber wieder Methan, ebenfalls ein Treibhausgas. Die Menschen sollen also überlegen, ob sie nicht den Fleischkonsum herunterfahren. Hier kann jeder Einzelne sein Verhalten ändern.</p>
<p><i>Dürfen Kinder wählen? Warum nicht?</i></p>
<p>Ein Thema, das viele Kinder und Jugendliche bewegt – das Wahlrecht. Hierzu referierte Prof. Dr. Felix Ekardt, Mitinitiator von „Wir wollen wählen“ eine Initiative, die auch Renate Schmid (Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend a.D.) unterstützt. Denn vor allem der demographische Wandel – was mit einer Alterung der Gesellschaft einhergeht &#8211; führe dazu, dass Politiker eher die Interessen der älteren Bevölkerung beachten. Und auch Wolfgang Gründinger von der „Stiftung Generationengerechtigkeit“, brachte schlagfertige Argumente für ein Wahlrecht für Kinder und/oder Familien. Etwa stellt er sich die Frage: Ist das Alter ein Maßstab für kognitive Fähigkeiten und Reife? Man dürfe sogar betrunken wählen gehen – es gibt keine Test, ob man im Stande ist, sein Kreuzchen zu setzen. Oder müssen wir einen „Wahltest“ einführen, um zu prüfen, ob wirklich alle Wähler das deutsche Wahlsystem verstehen? Kinder wissen oft mehr als die Erwachsenen und haben Ideen, wie Bäume gegen den Klimawandel zu pflanzen. Altersgrenzen sollen die Kinder ja auch beschützen. Aber ist die Demokratie wirklich schädlich wie Alkoholkonsum oder das Rauchen? Generell das Problem der Altersgrenze – mit 14 Jahren darf ein Kind seine Religion wählen, mit 16 in die Armee gehen und ebenfalls Mitglied einer politischen Partei werden – wieso also erst mit 18 wählen? Im Anschluss gab es sehr großen Redebedarf unter den Teilnehmern!</p>
<p>„<i>We need heroes!“</i></p>
<p>Franz Josef Radermacher, Professor für Mathematik und künstliche Intelligenz sowie Mitglied des „Club of Rome“ unterstützte die Jugendlichen mit seinem Wissen und Können. Für ihn ist die ökosoziale Marktwirtschaft ein wichtiges Ziel für die Zukunft. Er zeigte sich überzeugt: „We need heros“ &#8211; „Wir brauchen Helden“ &#8211; und das sind die Kinder, die sich hier versammelt haben.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/ist-die-welt-noch-zu-retten-experten-aus-justiz-politik-wissenschaft-und-gesellschaft-ermutigen-junge-menschen-beim-youth-summit-2015/">Ist die Welt noch zu retten? Experten aus Justiz, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft ermutigen junge Menschen beim „Youth Summit 2015“</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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		<title>Startschuss für eine bessere Zukunft: Jugendgipfel in der Evangelischen Akademie</title>
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		<pubDate>Wed, 20 May 2015 09:46:31 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Artikel und Interview von Mirjam Mögele. Paulina (Mexiko), Yugratna (Indien), Sagar (Nepal), Aji (USA), Emilia (Deutschland), Joseph (Malawi), Yin (China), Giovanni (Italien) &#8211; Kinder und Jugendliche der Welt haben es satt: Leere Versprechungen der Mächtigen beim G7-Gipfel in Elmau oder der kommenden Klimakonferenz in Paris. Deshalb nehmen sie ihre Zukunft selbst in die Hand beim [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Artikel und Interview von Mirjam Mögele.</em></p>
<p>Paulina (Mexiko), Yugratna (Indien), Sagar (Nepal), Aji (USA), Emilia (Deutschland), Joseph (Malawi), Yin (China), Giovanni (Italien) &#8211; Kinder und Jugendliche der Welt haben es satt: Leere Versprechungen der Mächtigen beim G7-Gipfel in Elmau oder der kommenden Klimakonferenz in Paris. Deshalb nehmen sie ihre Zukunft selbst in die Hand beim ersten „Youth Summit 2015“, welcher vom 20. bis 25. Mai in der Evangelischen Akademie Tutzing tagte.</p>
<p>Rund 100 Jugendliche aus 23 Nationen diskutierten gemeinsam mit zahlreichen Experten aus unterschiedlichen Bereichen naturwissenschaftliche Erkenntnisse über den Klimawandel, Möglichkeiten einer sauberen Energieversorgung und einer globalen Regierung, in der auch die Jüngsten Gehör finden sollen. Im Zentrum des Jugendkongresses steht die Organisation „Plant for the Planet“. Diese gründete Felix Finkbeiner (17 Jahre) im Jahr 2007 mit dem Ziel, weltweit Bäume gegen den Klimawandel zu pflanzen. Denn Bäume speichern C02, welches in der Atmosphäre den Treibhauseffekt ankurbelt und die Erde dramatisch erwärmt. Tausende Kinder und Jugendliche sind dieser Idee gefolgt und haben Baumpflanzaktionen auf dem Globus organisiert. In ihrem Manifest, welches die Jugendlichen während des Treffens erarbeitet haben, sprechen sie hierbei vom „größten Aufforstungsprojekt in der Geschichte der Menschheit“. Ziel ist es, weltweit bis 2020 1.000 Milliarden Bäume zu pflanzen. Das entspricht 150 pro Erdbewohner und erscheint realistisch. Die Jugendlichen werden dies von ihren Regierungen fordern und deshalb in ihren Ländern mit Entscheidungsträgern aus der Politik sprechen. Genau für diesen Dialog mit den „Mächtigen“ in ihrem Land wurden sie bei diesem Kongress vorbereitet. Sie wollen sich nicht zurücklehnen und zuschauen, sie wollen aktiv werden &#8211; denn es bleibt keine Zeit mehr: „The climate clock is ticking!“</p>
<p><strong>Interview mit Felix Finkbeiner, Gründer von „Plant for the Planet“:</strong></p>
<p>Mirjam Mögele: Was wollt ihr mit „Plant for the Planet“ erreichen?Felix Finkbeiner: Unser Ziel ist es weltweit 1.000 Milliarden Bäume zu pflanzen. Natürlich nicht nur wir selber, sondern dadurch, dass wir auch Regierungen, Unternehmen und Organisationen anregen mitzumachen.</p>
<p>Wie kam es zu dieser Idee?</p>
<p>Felix: Das Projekt „Plant for the Planet“ hat vor sieben Jahren angefangen, als ich in meiner Klasse ein Referat über die Klimakrise halten sollte. Als ich es vorbereitet habe, habe ich von Wangari Maathai, der Friedensnobelpreisträgerin, erfahren, die dort in Afrika in 30 Jahren 30 Millionen Bäume geplanzt hat &#8211; mit der Hilfe von vielen anderen Frauen. Daher kam meine Idee, dass wir Kinder und Jugendliche doch in jedem Land eine Million Bäume pflanzen könnten.</p>
<p>Jetzt sind ja weltweit Kinder und Jugendliche engagiert. Wie hat sich „Plant for the Planet“ entwickelt?</p>
<p>Felix: Die Initative hat damals ganz klein angefangen. Wir haben erst mit meiner Schule einen Baum gepflanzt und andere Schulen haben sich dann angeschlossen und auch Bäume gepflanzt. Das ist dann immer weiter gewachsen, immer mehr haben mitgemacht. Auch die UN hat uns dann unterstützt.</p>
<p>Was wollt ihr auf diesem Jugendgipfel schaffen?</p>
<p>Felix: Die Regierungschefs kennen die Probleme und eigentlich auch die Lösungen dafür, tun aber viel zu wenig für unsere Zukunft. Hier treffen wir uns alle, um ein „Manifest der Jugend“ zu verabschieden, das wir dann an die Regierungschefs der Welt übergeben werden. Zunächst einmal an alle Botschaften in Berlin. Und die jungen Teilnehmer werden dann jeder zu Hause mit ihren lokalen Politikern sprechen. Wir hoffen, dass dieses Manifest die Gesellschaft aufrütteln wird!</p>
<p>Wie kann das gelingen?</p>
<p>Felix: Wir versuchen, Aufmerksamkeit zu erregen. Natürlich durch die Medien und mit anderen Projekten. Wir können die Probleme lösen, indem viele Leute auf ihre Art und Weise mit ihren Talenten beitragen und ihre Ideen mitbringen. Ich hoffe, dass wir damit der Lösung näher kommen!</p>
<p>Mittlerweile ist der Youth Summit zuende gegangen. Die Pressemitteilung, Bilder und die weiteren Entwicklungen können Sie<a href="http://pftp2014-prod.plant-for-the-planet.org/de/informieren/neuigkeiten/ba06252b-02cb-11e5-a0ac-902b34544d94"><strong> hier</strong></a> nachverfolgen.</p>
<p><em> </em></p>
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		<title>Fracking – fossil getönter Jahresrückblick 2013</title>
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		<dc:creator><![CDATA[makkuz]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 29 Dec 2013 07:51:58 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Hatten Sie zu Jahresanfang schon von Fracking gehört? Nein? Dann befinden Sie sich in guter Gesellschaft – Sie sind auf der Seite der Mehrheit der Deutschen. Gemessen daran, war Fracking heuer in Deutschland zwar nicht in aller Munde, wurde aber vorwärts und rückwärts durch die Medien getrieben. Überschriften wie „Goldenes Zeitalter von Gas”, „Amerika gibt [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p align="JUSTIFY">Hatten Sie zu Jahresanfang schon von Fracking gehört? Nein? Dann befinden Sie sich in guter Gesellschaft – Sie sind auf der Seite der Mehrheit der Deutschen.</p>
<p align="JUSTIFY">Gemessen daran, war Fracking heuer in Deutschland zwar nicht in aller Munde, wurde aber vorwärts und rückwärts durch die Medien getrieben. Überschriften wie „Goldenes Zeitalter von Gas”, „Amerika gibt Gas. Neue Fördermethoden verändern die Weltpolitik“, „USA &#8211; die neuen Ölscheichs“ und „Spielveränderer Fracking“ sind nur eine kleine Auswahl aus dem ablaufenden Jahr 2013. Gar von Energie-Revolution ist die Rede. In Deutschland entwickelten sich heftige Kontroversen. In Polen wurden Hoffnungen verbreitet, sich mit unkonventionellem Erdgas aus Schiefergestein von Russland energetisch unabhängig machen zu können. Tatsächlich waren die bisherigen Bohrungen enttäuschend. Die großen Konzerne haben sich schon wieder zurückgezogen. Dies hinderte Cameron, den Premierminister von Großbritannien nicht, in bewährter Manier loszulegen: „Wir können es uns nicht leisten, Schiefergas nicht zu nutzen.“</p>
<p align="JUSTIFY">Beim Fracking werden dichte Gesteinsformationen durch Einpressen von Wasser mit hohem Druck und vermischt mit Sand und Chemikalien aufgesprengt. In Deutschland sind keine großen Mengen an förderbarem Schiefergas zu erwarten. In dicht besiedelten Gebieten lässt man es, wenn uns Gesundheits- und Gewässerschutz am Herzen liegen und wir keine Verzögerungstaktik zur Verlängerung des fossilen Zeitalters um nahezu jeden Preis betreiben, definitiv gleich ganz bleiben.</p>
<p align="JUSTIFY">Im Übrigen wäre es auch in den USA von Anfang an besser gewesen, nicht im großen Stil ins Fracking einzusteigen. 2005 wurden dort die gesetzlichen Regelungen für Gewässer- und Gesundheitsschutz mit einer Ausnahmeregelung für Fracking aufgehoben. Bei einer normalen Gesetzgebung wäre es auch dort gar nicht erst zum kurzfristigen Hype gekommen.</p>
<p align="JUSTIFY">Unser Cartoonist, Johann Mayr, hat den fossilen Rückblick auf das Jahr 2013 passend zum Hype ums Fracking ins Bild gesetzt (ein Klick auf das Bild führt zur vergrößerten Ansicht).</p>
<p><a href="https://www.eatutzing.de/wp-content/uploads/2013/12/Fracking0klein.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-medium wp-image-520 aligncenter" alt="Johann Mayr" src="https://www.eatutzing.de/wp-content/uploads/2013/12/Fracking0klein.jpg" width="269" height="300" /></a></p>
<p>Zum Kopfschütteln der Dinos über uns Menschen passt: Im Koalitionsvertrag der noch ganz jungen Großen Koalition gibt es einen ausführlichen Abschnitt zum Fracking. Und in welchem Kapitel steht dieser Abschnitt? Was vermuten Sie? Richtig: „Ausstieg aus der Kernenergie“. Das hat Witz!</p>
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		<title>Aktive Mobilität &#8211; internationaler Workshop im frühwinterlichen Tutzing</title>
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		<dc:creator><![CDATA[makkuz]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Dec 2013 09:52:48 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Vom Kopf auf die Füße stellen – darum geht es. Ganz buchstäblich, denn Gehen ist der Ausgangspunkt. Am Anfang war der aufrechte Gang. Er machte den Menschen zum Menschen. In den 1810er Jahren gab es mehrere Jahre hintereinander weg schwere Missernten. Das brachte den Freiherrn Karl Drais auf die Idee, mit einem Laufrad die Pferdeknappheit [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Vom Kopf auf die Füße stellen – darum geht es. Ganz buchstäblich, denn Gehen ist der Ausgangspunkt. Am Anfang war der aufrechte Gang. Er machte den Menschen zum Menschen. In den 1810er Jahren gab es mehrere Jahre hintereinander weg schwere Missernten. Das brachte den Freiherrn Karl Drais auf die Idee, mit einem Laufrad die Pferdeknappheit zu bekämpfen. Lange bevor der Verbrennungsmotor in Kombination mit dem fossilen Öl seinen Siegeszug antrat, entwickelte sich das Fahrrad als das erste postfossile moderne Verkehrsmittel.</p>
<p>Es half nichts, in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde Zufußgehen und Radfahren zum Restverkehr erklärt. Die Verkehrs- und Stadtplaner definierten es als nicht-motorisierten Verkehr, dem etwas fehlt, da keine fossile Energie gebraucht wird.</p>
<p>Aktive Mobilität, beweglich aus eigener Körperkraft, da wird das wieder zurechtgerückt. Dies ist die Basis der Mobilität, die passive Mobilität, die auf Fremdenergie angewiesene kommt dann dazu.</p>
<p>Es macht Spaß, wenn knapp 50 Personen aus 13 Ländern über <i>active mobility, non-motorized transport, lively cities, </i>die Rückeroberung des öffentlichen Raums, diskutieren: nicht länger von der Verkehrstechnik ausgehend, sondern von den Menschen und ihren Mobilitätsbedürfnissen. Total spannend, denn die Bedingungen in den Ländern, Regionen und Städten sind so verschieden, da gibt es nicht ein <i>one size fits all</i>, keine besten Lösungen für Stadtentwicklung und Verkehrsgestaltung für überall.</p>
<p>In Kapstadt, so eine Teilnehmerin, gehen viele, sehr viele Menschen sehr lange Strecken zu Fuß, schlicht weil sie sich kein Auto leisten können und der öffentliche Verkehr nicht gut genug ausgebaut oder für sie erschwinglich ist. Da ist es eine ganz andere Sache als etwa in Paris, München oder Salzburg, ob ein öffentliches Fahrrad-Verleihsystem aufgezogen werden soll, oder nicht besser Fahrradwege zu bauen wären. Die Diskussion erbrachte: Ein <i>public bike system</i> dient auch letzterem, da damit Fahrradfahren höheres Prestige gewinnt, nützlich auch zur Förderung des Alltagsradelns.</p>
<p>Oder Großbritannien: In vielen Städten und Regionen ist das Fahrradfahren auf einem unglaublich niedrigen Niveau &#8211; kaum zu glauben! Aber in London hat sich der Wind gedreht, Radfahren wird gefördert, das Fahrrad gehört dazu zur Urbanität. Da gibt es zwischenzeitlich heftige Kampagnen der <i>tabloids</i>, der Massenblätter, die wieder einmal Radfahren und Gefahr stilisieren; die öffentliche Aufmerksamkeit schafft Gelegenheit, dem Fahrradfahren in ganzen Vereinigten Königreich einen Schub zu geben, da dies zugleich zu einer nationalen Auseinandersetzung führt. Ein Schub, um damit zugleich Zufußgehen aufzuwerten und Städte und Gemeinden wieder zugänglich – respektive zufahrbar für Räder – zu machen; kurzum lebenswerter für alle, nicht nur für den wohlhabenderen Teil der Gesellschaft.</p>
<p>Noch immer, auch zwei Tage danach, geht es im Kopf sprachlich durcheinander, nach zwei Tagen englischer Vorträge und lebhafter Diskussionen, Austausch an Erfahrungen und Forschungsergebnissen. Zu recht, denn die Begriffe, die wir verwenden sind unterschiedlich und wir lernten voneinander: Manfred Neun, der Präsident der European Cycling Federation brachte von seiner Australien-Tour mit, dass es dort <i>active travel</i> heißt. In Nordamerika wird typischerweise eher von <i>active transport</i> gesprochen, dagegen die <i>passive mobility</i>, Mobilität mit Fremdenergie noch kaum verwendet, geschweige denn in der Auto-orientierten Welt verstanden. In Großbritannien wird dagegen bisher, auch von Fahrrad- und Fußgängeraktivisten eher <i>non-motorized transport</i> verwendet, also die Zuschreibung, die ihr Anliegen schon begrifflich abwertet. Von <i>mobilite douce</i>, sanfter Mobilität ist andernorts die Rede, über postfossile Mobilität und Peak Oil wurde diskutiert.</p>
<p>Nicht zu vergessen China, nochmals eine ganz andere Welt, die Jason Chang mit nach Tutzing brachte. Da geht es um ganz andere Größenordnungen. Und um die Erfahrungen der verpassten Chancen. Wenn er davon berichtete, wie er chinesische Städte (<i>mainland China</i>) vor Jahren beriet, nicht einfach den amerikanischen Weg nachzumachen; und wie Städte, vielfach große Stadtgebiete von Millionen Menschen, die diese Art Ratschläge nicht beherzigten, im Erfolg ihrer ungezügelten Motorisierungsstrategie buchstäblich ersticken. Atemnot. Stau.</p>
<p>Der Platz ist nicht da, um ein gutes Leben zu führen und massenhaft, ungebremst zu motorisieren. Da kommt mir eine Zeitungslektüre aus der New York Times in den Sinn, die ich vor kurzem zu China las: Was nützt es, wenn der Kuchen größer wird, die Wirtschaft wächst und wächst, aber der Kuchen darüber ungenießbar wird?</p>
<p>Und so bleibt, neben vielen schönen menschlichen Begegnungen, neuen Ideen für Forschung rund ums Fahrrad und um Strategien zur postfossilen, Gesundheitsfördernden Stadtentwicklung, besonders eines: der aktiven Mobilität ihren Platz zu geben, damit sich die Erfahrungen von Kopenhagen, Groningen, Portland (Washington State) und vielen, vielen anderen Städten und Regionen ausbreiten können.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/aktive-mobilitat-internationaler-workshop-im-fruhwinterlichen-tutzing/">Aktive Mobilität &#8211; internationaler Workshop im frühwinterlichen Tutzing</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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