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	<title>Uncategorized Archive - Evangelische Akademie Tutzing</title>
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	<title>Uncategorized Archive - Evangelische Akademie Tutzing</title>
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		<title>Respekt lernen in der Schule?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[makkuz]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Nov 2021 20:42:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Alles Glaubenssache]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Begriff Respekt ist facettenreich, enthält unterschiedliche Konnotationen und Ambivalenzen. In der Alltagssprache wird er oft mit Gehorsam, Unterordnung oder Höflichkeit in Verbindung gebracht. Ganz anders klang das bei Aretha Franklin. Sie sang ein ganzes Lied über Respekt und wurde damit Ende der 1960er Jahre zu einer der Ikonen der afroamerikanischen Bürger:innenrechtsbewegung in den USA: "All I´m asking […] is for a little respect." Damit weist sie exemplarisch auf einen zentralen Bedeutungsgehalt von Respekt hin, nämlich auf ein tief liegendes Verlangen und Bedürfnis nach Anerkennung und Rücksichtnahme – ein Verlangen, das universell, also allen Menschen eigen, ist und zu den menschlichen Grundbedürfnissen zählt.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/respekt-lernen-in-der-schule/">Respekt lernen in der Schule?</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der Begriff Respekt ist facettenreich, enthält unterschiedliche Konnotationen und Ambivalenzen. In der Alltagssprache wird er oft mit Gehorsam, Unterordnung oder Höflichkeit in Verbindung gebracht. Ganz anders klang das bei Aretha Franklin. Sie sang ein ganzes Lied über Respekt und wurde damit Ende der 1960er Jahre zu einer der Ikonen der afroamerikanischen Bürger:innenrechtsbewegung in den USA: &#8222;All I´m asking […] is for a little respect.&#8220; Damit weist sie exemplarisch auf einen zentralen Bedeutungsgehalt von Respekt hin, nämlich auf ein tief liegendes Verlangen und Bedürfnis nach Anerkennung und Rücksichtnahme – ein Verlangen, das universell, also allen Menschen eigen, ist und zu den menschlichen Grundbedürfnissen zählt.</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong><em>Von Beate Hartmann</em></strong></p>
<p style="text-align: right;"><em>&#8222;Respekt heißt gegenseitige Anerkennung.&#8220;<br />
</em>John von Düffel, Autor und Theaterregisseur</p>
<p>Respekt beschreibt die Beziehung zwischen zwei Akteur:innen basierend auf gegenseitiger Anerkennung. Dabei lassen sich zwei Arten von Respekt in Interaktionsbeziehungen unterscheiden: horizontaler und vertikaler Respekt. Bei der horizontalen Form von Respekt beruht die Anerkennung des Gegenübers auf der Einsicht in die Gleichwertigkeit aller Menschen. Die Form des vertikalen Respekts gründet auf der Anerkennung einer Differenz, die positiv bewertet wird, und richtet sich auf eine andere Person aufgrund besonderer Eigenschaften oder besonderer Leistungen. Daher ist sie graduell gültig ohne den normativen Anspruch des horizontalen Respekts. (1) Respekt hat auch eine strukturelle Ebene: Zu ihr zählt die gesellschaftliche Anerkennung und rechtliche Gleichbehandlung. Artikel 1 des Grundgesetzes stellt die gleiche Würde aller Menschen fest. Daraus resultiert der Anspruch, auch gemäß dieser Würde behandelt zu werden. Die realen Chancen, dass dieser Anspruch stets eingelöst wird, sind allerdings in unserer Gesellschaft nicht gleich verteilt. Dass Menschen, denen eine fremde Herkunft zugeschrieben wird, nicht oder weniger oft als deren Mitbewerber:innen bei gleicher Eignung zu Bewerbungsgesprächen eingeladen werden, (2) kann als Beispiel für eine Missachtung der Gleichwürdigkeit gewertet werden. Der Respektbegriff öffnet hier auch den Blick für strukturellen Rassismus als eine Form der Diskriminierung, die in unserer Gesellschaft tief verankert ist. Ein respektvoller Umgang auf Grundlage des Menschenwürdegedankens kann als ein Grundkonsens verstanden werden, der im Horizont dieses Umgangs Kontroversen möglich macht. Die Grenze des Respektablen ist dabei immer da überschritten, wo die Gleichwürdigkeit von Menschen missachtet und die Würde eines Menschen verletzt wird.</p>
<p>Respekt stellt im Kontext der Schule eine zentrale Kategorie dar. Gelebte Demokratie und das respektvolle Zusammenleben gleichwürdiger Menschen sind leider keine Selbstverständlichkeit. So gehört es zu den Aufgaben schulischer und außerschulischer Bildungsträger, junge Menschen zu demokratischem Handeln zu befähigen. Zur Entwicklung dieser Kompetenzen sind Erprobungsräume notwendig, die Begegnungen ermöglichen und in denen Schüler:innen ihre Respektkompetenzen erweitern können. Unter dem Titel &#8222;Respekt und Antirassismus&#8220; führte die Regionale Fachstelle im Projekt &#8222;Alles Glaubenssache?&#8220; an der Evangelischen Akademie Tutzing eine fünfteilige Workshop-Reihe mit Schüler:innen einer 9. Klasse eines Gymnasiums durch. Zwei Module werden im Folgenden näher unter dem Gesichtspunkt des &#8222;Respekt-Lernens&#8220; beleuchtet.</p>
<p><strong>Improvisations-Workshop zum Thema &#8222;Respekt – was ist das eigentlich?&#8220; </strong></p>
<p>Beim Theaterspiel kommt der gesamte Körper als Darstellungsmittel zum Einsatz, wodurch Lernen im ganzheitlichen Sinne möglich wird. Aus diesem Grund war im Workshop &#8222;Respekt – was ist das eigentlich?&#8220; das Improvisationstheater-Spiel ein zentrales Element. Gemeinsam mit der Schauspielerin Annette Hallström wurden mit theoretischen Inputs und praktischen theaterpädagogischen Impro-Elementen die Fragen aufgegriffen, was Respekt eigentlich ist und für die Teilnehmenden bedeutet. Nach einer theoretischen Einführung kamen Techniken zum Einsatz, die Respekt und Disrespekt für die Schüler:innen erleb- und erfahrbar machten. Dabei wurde deutlich: Ob gegenseitiger Respekt gezollt wird, zeigt sich vor allem in Konfliktsituationen. Behandle ich mein Gegenüber auch dann als gleichwürdig, wenn ich andere Interessen habe? Auf Basis dieser Fragestellung wurde zusammen mit den Schüler:innen die Grenzziehung zwischen Toleranz (Dulden der Ansichten der/des Anderen) und Respekt (Verstehen-Wollen der Ansichten der/des Anderen– ohne diese zwangsläufig teilen oder gutheißen zu müssen) herausgestellt, gespielt und reflektiert. Es erwies sich dabei als wichtig, den Emotionen Raum zu geben, um sie als Ausgangspunkt für Veränderungsprozesse zu nutzen. Die Schüler:innen konnten im Spiel erfahren, dass respektlose Interaktionen immer abwertend sind und Missachtung ausdrücken – und dass ein respektvoll(er)es Miteinander erstrebenswert ist.</p>
<p>Die Schüler:innen bewegen sich in ihren Lebenswelten in Kontexten, in denen beide oben beschriebenen Respektformen bedeutsam sind. So kommt in den Interaktionsbeziehungen zwischen Lehrenden und Schüler:innen neben der horizontalen auch die vertikale Respekt-Beziehung zum Tragen. Respekt kann in solchen asymmetrischen Interaktionskonstellationen nicht einseitig eingefordert werden, sondern muss freiwillig bekundet werden – und zwar auf Basis einer Einsicht, dass der entgegengebrachte Respekt der/dem Anderen, in diesem Fall der/dem Lehrer:in, auch gebührt. (3)</p>
<p>In einer sogenannten &#8222;Statusarbeit&#8220; nahmen die Teilnehmenden solche Beziehungskonstellationen mit einem Unter- und Überordnungsverhältnis genauer in den Blick. Zentral ist, dass die vertikale Respektsbekundung nicht gleichzusetzen ist mit Tiefstatus der/des Untergebenen sowie Hochstatus der/des Statushöheren in der Interaktionsbeziehung. Abschließend wurden in einem nächsten Schritt gemeinsame Charakteristika des sogenannten Idealstatus im Sinne einer souveränen Persönlichkeit herausgestellt, welche die positiven Seiten beider Status vereint: Raum nehmend, dabei nicht dominant; zielgerichtet, aber empathisch und verhandlungsbereit; Stimme deutlich und modulierend; kann Verantwortung übernehmen und abgeben; erwartet Respekt, kann diesen auch einfordern und kann Respekt zollen. Bei der Ausgestaltung von Interaktionsbeziehungen zwischen zwei Akteur:innen ungleicher Machtverteilung soll wie in allen Interaktionsbeziehungen stets ein Maximum an horizontalem Respekt handlungsleitend sein.</p>
<p><strong>Einladung einer jungen Aktivistin der #BlackLivesMatter-Bewegung zum Interview </strong></p>
<p>Respekt kann durch Kontakte und Begegnungen wachsen und findet seinen Ausdruck auch darin, sich mit der Lebenswelt und Realität anderer Menschen auseinanderzusetzen und diese auch verstehen zu wollen. (4) Es braucht Brücken zueinander, um diese Verständigung überhaupt zu ermöglichen. Im Rahmen der Workshop-Reihe kristallisierte sich die Idee heraus, Beron Getachew, eine Aktivistin der Frankfurter #BlackLivesMatter-Bewegung zu einem Interview einzuladen. Das Interview bildete den Abschluss der Workshop-Reihe. Ziel war, neben einer konkreten Wissensvermittlung über Rassismus und dessen Wirkweise, ein Verständnis dafür zu entwickeln, dass Rassismus nicht nur auf der individuellen Ebene zu verorten, sondern auch Teil der gesellschaftlichen Strukturen ist. Mit der virtuellen Zuschaltung von Beron Getachew in den Unterricht war es möglich, einen Raum des Austausches zu schaffen, in dem die Schüler:innen in einer respektbasierten Begegnung auch ihre Fragen zum Leben Schwarzer Menschen in Deutschland stellen durften. Insgesamt wurde dabei deutlich, dass der in unserer Gesellschaft existierende Rassismus das Leben von unseren Mitmenschen beeinflusst und erschwert. Den Schüler:innen wurde exemplarisch ein individueller Einblick gewährt, wie Alltagsrassismen konkret aussehen können und wie verletzend Sprache sein kann. Sie lernten dabei eine andere, für sie neue, Perspektive kennen. Weiter konnten sie ein Bewusstsein dahingehend entwickeln respektive ausbauen, dass Sprache eine große Wirkmacht besitzt und jede:r etwas beitragen kann – etwa innerhalb der eigenen Familie oder im Freundeskreis –, um beispielsweise in Hinblick auf Sprache den respektvollen Umgang miteinander immer weiter zu verbessern. Dieses Setting gründete zum einen auf Respekt im horizontalen Sinne, also auf gegenseitiger Wertschätzung, und zum anderen auf Respekt im vertikalen Sinne, da die Schüler:innen Beron Getachew aufgrund ihrer Erfahrungen und ihres Wissensvorsprungs auch diese Form von Respekt freiwillig und gerne gezollt hatten. Durch das &#8222;Bauen einer Brücke&#8220; konnte ein Lern- und Begegnungsraum geschaffen werden, der ein offenes &#8222;Aufeinander-Zugehen&#8220; möglich machte und dadurch unter anderem Unsicherheiten abbauen kann.</p>
<p><strong><em>&#8222;Andere mit Respekt zu behandeln, geschieht nicht einfach von selbst, nicht einmal beim besten Willen.&#8220; </em></strong><strong>Richard Sennett, Autor und Soziologe</strong></p>
<p>Die beiden Soziolog:innen Hormel und Scherr statuieren: &#8222;Bildung ist grundsätzlich als ein Prozess der Selbstbildung zu verstehen, in dem sich Individuen auf der Grundlage eigener Erfahrungen, Deutungsmuster, Fragestellungen usw. mit jeweiligen Lernangeboten eigensinnig auseinandersetzen&#8220;(5). Demnach können auch Respektlernprozesse bei den Schüler:innen nicht bewirkt, sondern nur ermöglicht, angeregt, unterstützt und begleitet werden. Das Schaffen von vielfältigen Lernangeboten, die gemeinsam mit Trägern der außerschulischen politischen Bildung konzipiert werden und andere Bildungsprozesse ermöglichen als der reguläre Unterricht, sind im Hinblick auf Respekt-Lernen sehr gewinnbringend. Sie ermöglichen Reflexionsprozesse, und geben den Schüler:innen Gelegenheit, Anerkennung und Wertschätzung sowohl zu erfahren als auch zu geben. Dabei handelt es sich um Lernprozesse, die nie abgeschlossen sind. Und last but not least: Gegenseitige Anerkennung und Rücksichtnahme schaffen mehr Zusammenhalt innerhalb der Klasse und in unserer Gesellschaft.</p>

<p><em>Die Autorin ist Inhaberin der Regionalen Fachstelle im Projekt &#8222;Alles Glaubenssache?&#8220; an der Evangelischen Akademie Tutzing. <a href="https://www.eatutzing.de/mitarbeiter/beate-hartmann/" target="_blank" rel="noopener">Mehr über Beate Hartmann erfahren Sie hier</a>.<br />
</em></p>
<p><em><br />
</em><strong>Hinweis:</strong><em><br />
Dieser Artikel ist erschienen in: Jantschek, Ole (Hg.): Was die Demokratie zusammenhält – Konsens, Kompromiss und Kontroversität in der politischen Jugendbildung. Jahrbuch 2021. Evangelische Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung. Berlin, S. 38-41. </em><a href="http://www.politische-jugendbildung-et.de"><em>www.politische-jugendbildung-et.de</em></a></p>
<p><em> </em></p>
<p><strong>Quellen:</strong></p>
<p>(1) Vgl. RespectResearchGroup (2021): Respekt. Online verfügbar: www.respectresearchgroup.org/respekt/thesen-und-erkenntnisse, Zugriff 4.8.2021.<br />
(2) Völlinger, Veronika (2016): Frauen mit Kopftuch müssen deutlich mehr Bewerbungen schreiben. ZEIT ONLINE 20.9.2016. Online verfügbar: www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-09/arbeitsmarktkopftuch-musliminnen-bewerbung-diskriminierung-studie, Zugriff 4.8.2021.<br />
(3) Vgl. RespectResearchGroup (2021): Respekt. Online verfügbar: www.respectresearchgroup.org/respekt/thesen-und-erkenntnisse, Zugriff 4.8.2021.<br />
(4) Ebenda.<br />
(5) Hormel, Ulrike; Scherr, Albert (2005): Bildung für die Einwanderungsgesellschaft: Perspektiven der Auseinandersetzung mit struktureller, institutioneller und interaktioneller Diskriminierung. Freiburg, S. 30.</p>

<p><strong>Bild:</strong> Beate Hartmann, Evangelische Akademie Tutzing<em> (Foto: ma/eat archiv)</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/respekt-lernen-in-der-schule/">Respekt lernen in der Schule?</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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		<title>Kinderrechte sind Menschenrechte</title>
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		<dc:creator><![CDATA[makkuz]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 19 Nov 2021 22:20:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In seinem Gastkommentar für die Bayern 2-Sendung "Zum Sonntag" beschäftigt sich Akademiedirektor Udo Hahn mit dem Internationalen Tag der Kinderrechte am 20. November. Er plädiert dafür, Kinderrechte endlich auch im Grundgesetz zu verankern. Das würde nicht nur dafür sorgen, dass sie als besondere Bedürfnisse und Interessen registriert werden, sondern hätte auch demokratiestärkende Effekte.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/kinderrechte-sind-menschenrechte/">Kinderrechte sind Menschenrechte</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In seinem Gastkommentar für die Bayern 2-Sendung &#8222;Zum Sonntag&#8220; beschäftigt sich Akademiedirektor Udo Hahn mit dem Internationalen Tag der Kinderrechte am 20. November. Er plädiert dafür, Kinderrechte endlich auch im Grundgesetz zu verankern. Das würde nicht nur dafür sorgen, dass sie als besondere Bedürfnisse und Interessen registriert werden, sondern hätte auch demokratiestärkende Effekte.<br />
</strong></p>
<p><strong>Sendetermin: Samstag, 20. November 2021 um 17.55 Uhr auf Radio Bayern 2</strong></p>
<p>Jedes Kind hat das Recht auf alle Dinge, die es zum Leben braucht. Dazu gehören zum Beispiel Essen und Trinken oder eine ärztliche Behandlung. Auch zur Schule gehen zu dürfen ist ein Kinderrecht, ebenso wie das Recht auf Spiel und Freizeit. Jedes Kind hat das Recht, gesund, umsorgt und vor Gewalt geschützt aufzuwachsen. So einleuchtend dies alles klingt, eine Selbstverständlichkeit ist es keineswegs. Leider, so muss man auch am heutigen Internationalen Tag der Kinderrechte klagen. Der 20. November erinnert an die 1989 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedete Kinderrechtskonvention. Mit &#8222;Kindern&#8220; sind alle Menschen unter 18 Jahre gemeint – es geht also auch um Jugendliche.</p>
<p>Es sind nicht erst Krieg, Vertreibung, Flucht und Naturkatastrophen, die einem vor Augen führen, dass die Schwächsten besonders schutzbedürftig sind. Auch die Corona-Pandemie mit ihren Auswirkungen weltweit und bei uns in Deutschland zeigt, dass die Rechte von Kindern und Jugendlichen im Alltag oft gar nicht im Blick sind. Expertinnen und Experten beklagen diesen grundlegenden Mangel schon lange.</p>
<p>Ihn zu beheben, dazu gab und gibt es in der Politik immer wieder Bestrebungen – z.B. Kinderrechte endlich auch im Grundgesetz zu verankern. Die schwarz-rote Bundesregierung hatte sich darauf vor vier Jahren verständigt. Doch im Frühjahr 2021 hat sie das Vorhaben von der Agenda genommen. Es scheiterte am Widerstand der Union. Die wohl künftige Ampel-Regierung aus SPD, Grünen und FDP hat jetzt in einem Sondierungspapier festgehalten, Kinderrechte im Grundgesetz verankern zu wollen. Man darf gespannt sein, ob diese Bemühungen erfolgreich sind.</p>
<p>Das zentrale Argument gegen eine Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz lautet, die Rechte der Eltern könnten im Verhältnis zum Staat geschwächt werden. Hier wäre dringend ein Perspektivwechsel nötig. Denn Kinder sind nicht zu betreuende Objekte, sondern Subjekte mit eigenständigen Rechten. Durch die Festschreibung in der Verfassung, so argumentieren die Befürworter, bekämen die Belange von Kindern endlich Gewicht. Sie müssten dann immer mitgedacht werden. Zum Beispiel in der Gesetzgebung oder in den Planungen vor Ort.</p>
<p>Im Sinne der UN-Kinderrechtskonvention sind Interessen von Kindern und Jugendlichen nicht bloß mit zu bedenken. Vielmehr müssten sie in der Abwägung politischer und rechtlicher Entscheidungen stets vorrangig berücksichtigt werden. Das ist gegenwärtig nahezu nirgends der Fall.</p>
<p>Kinderrechte sind Menschenrechte. In der Praxis werden sie jedoch kaum als solche erkannt und beachtet. Ihre Verankerung im Grundgesetz würde endlich dafür sorgen, dass sie als besondere Bedürfnisse und Interessen registriert werden.</p>
<p>Das viel beachtete Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Frühjahr, das Klimaneutralität künftig verbindlich macht, weckt Hoffnung, dass nun auch die Rechte von Kindern und Jugendlichen explizit Anerkennung finden. Generationengerechtigkeit ist jetzt keine Floskel mehr, sondern erhält Verfassungsrang. In der Logik dieses Urteils liegt der Auftrag, Kinderrechte dauerhaft zu stärken.</p>
<p>Durch eine Festschreibung im Grundgesetz könnte dies ganz praktisch bedeuten, dass es neben Gleichstellungsbeauftragten auch Kinderbeauftragte oder adäquate Einrichtungen gibt, die die Interessen von Kindern nicht nur ermitteln. Vielmehr würde sichergestellt, dass diese ein verbindlicher Teil der Entscheidungsprozesse auf Bundes-, Länder- und kommunaler Ebene werden. Und es hätte zur Folge, dass alle Gesetze von vornherein kinderrechtskonform ausgestaltet werden müssten. Ganz nebenbei würde mit der Säule der Kinderrechte auch die Demokratie gestärkt. Darauf kann die Politik nicht verzichten.</p>


<p><em>Der Autor ist Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing.</em></p>

<p><em><strong>Hinweis:</strong><br />
Vorliegender Text ist als Gastkommentar für die Sendung &#8222;Zum Sonntag&#8220; von Radio Bayern 2 erschienen.<br />
Sendetermin: 20. November 2021 / 17.55 Uhr. Unter diesem Link geht es zur <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/zum-sonntag/zum-sonntag108.html">Homepage der Sendung</a>.</em></p>

<p><strong>Bild:</strong> Pfr. Udo Hahn, Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing <em>(Foto: Haist/eat archiv)</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/kinderrechte-sind-menschenrechte/">Kinderrechte sind Menschenrechte</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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		<title>Klimawandel – die Ausrichtung auf Wirtschaftswachstum kostet Freiheit und Glück</title>
		<link>https://www.eatutzing.de/klimawandel-die-ausrichtung-auf-wirtschaftswachstum-kostet-freiheit-und-glueck/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[makkuz]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Nov 2021 14:53:56 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Arbeit]]></category>
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		<category><![CDATA[Wie ich es sehe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Wahlprogramme aller großen Parteien in Deutschland sind weit davon entfernt, das 1,5-Grad-Ziel einzuhalten. Warum bieten sie keine realistischen Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels? Diese Frage beantwortet Studienleiterin Katharina Hirschbrunn in der aktuellen Ausgabe der Tutzinger Nachrichten unter der Rubrik "Wie ich es sehe". Sie können den Text nun auch auf unserem Rotunde-Blog lesen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/klimawandel-die-ausrichtung-auf-wirtschaftswachstum-kostet-freiheit-und-glueck/">Klimawandel – die Ausrichtung auf Wirtschaftswachstum kostet Freiheit und Glück</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Wahlprogramme aller großen Parteien in Deutschland sind weit davon entfernt, das 1,5-Grad-Ziel einzuhalten. Warum bieten sie keine realistischen Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels? Diese Frage beantwortet Studienleiterin Katharina Hirschbrunn in der aktuellen Ausgabe der Tutzinger Nachrichten unter der Rubrik &#8222;Wie ich es sehe&#8220;. Sie können den Text nun auch auf unserem Rotunde-Blog lesen. </strong></p>

<p>Die Wahlprogramme aller großen Parteien sind weit davon entfernt, das 1,5-Grad-Ziel einzuhalten. Dabei sind die ersten starken Auswirkungen der Klimakatastrophe in den vergangenen Monaten auch in Deutschland deutlich geworden. Warum bieten die Parteien keine realistischen Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels?</p>
<p>Grund dafür sind in meinen Augen maßgeblich die starke Ausrichtung auf die Steigerung des Bruttoinlandsproduktes und die strukturelle Abhängigkeit von Wirtschaftswachstum. Ein Großteil unseres Konsums ist heute nicht mehr das Stück Brot, von dem ich satt werde – und mein Bedürfnis stillt. Es handelt sich vielmehr um sogenannten Statuskonsum: Ein ewiger Wettlauf um das jeweils großartigste, neueste oder modernste Produkt, um der oder die „Erste“ zu sein. Diese Art von Bedürfnissen wird aber nie gestillt, sondern neu geschaffen sobald mein Nachbar das noch neuere Produkt hat. Die Definition meiner selbst über das Haben statt durch das einfache Sein wird noch angefeuert von Werbung, welche Freiheit, Glück oder Freundschaft eng mit Konsum verknüpft.</p>
<p>Dabei haben Glücksforscher:innen gezeigt: Das Glück von Gesellschaften steigt mit dem Bruttoinlandsprodukt zwar an, aber nur bis zu einer gewissen Grenze – die hat Deutschland schon lange überschritten. Weiteres Wachstum bringt Gesellschaften dann nicht mehr Glück; es ist Ausdruck eines kollektiven Sich-Hochschaukelns im Konsum. Und zugleich: Spiegel dessen, dass Menschen eben nicht der &#8222;Homo Oeconomicus&#8220; sind, den die Volkswirtschaftslehre nach wie vor den meisten ihrer Modelle zugrunde legt: wohlinformierte, rational handelnde Akteur:innen. Menschen überschätzen insbesondere den Zugewinn an Glück, den etwa ein größeres Auto oder eine größere Wohnung langfristig bringen. An solche Dinge gewöhnen sie sich schneller als sie denken. An andere Dinge gewöhnen sie sich hingegen nicht. Etwa an die Zeit, die sie mit Familie und Freunden verbringen. Die Auswirkung: Jede:r Einzelne entscheidet sich für irrational viel Arbeit und Konsum. Reichtum etwa an Zeit hingegen wird strukturell unterschätzt. Tragisch ist die weitere Ausrichtung auf Wirtschaftswachstum deshalb, weil sie durch den Klimawandel unsere Kinder wie auch die Menschen im globalen Süden massiv ihrer Freiheiten beraubt. Weil wir die erste Generation sind, die die Zusammenhänge des Klimawandels begreift, und auch die letzte Generation sind, die ihn auf ein irgend erträgliches Maß beschränken kann.</p>
<p>Der Glaube daran, dass technologische Innovationen uns in letzter Sekunde retten ist: ein Glaube. Bisher ist die absolute Entkoppelung von Wachstum und Umweltverbrauch bzw. Emissionen nur in einzelnen Teilbereichen geglückt. Ansonsten ist der Rebound-Effekt zu beobachten: Wenn etwa Autos ökologischer und effizienter gebaut werden, dann leisten sich viele Menschen schwerere Autos, fahren mehr – und der ökologische Effekt wird zu großen Teilen zunichte gemacht oder gar überkompensiert. Der Weg hin zu einer sozial gerechten, ökologisch nachhaltigen Gesellschaft impliziert also eine Neudefinition dessen, was gesellschaftlicher Wohlstand heute bedeuten kann, und wie diese Ziele innerhalb der ökologischen Grenzen und auch unabhängig von Wirtschaftswachstum erreicht werden können. Der Weg dorthin geht über eine Stärkung der Demokratie. Durch Wahlrecht für Jugendliche, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sein werden. Durch das Einsetzen von Bürger:innenräte, bei denen sich zufällig ausgewählte Menschen in Frankreich und Deutschland tagelang über die wirklichen Probleme der Menschen an der Basis austauschten und schließlich zu ganz anderen und deutlich stärkeren klimapolitischen Forderungen kamen als sonst in der Politik vertreten. Der Weg hin zu echter Nachhaltigkeit führt auch über die Regulierung von Lobbyismus. Denn auch vielen Unternehmen ist klar: Deutschland muss beim Klimaschutz deutlich entschiedener vorangehen. Doch Pfadabhängigkeiten wie der massive Einfluss von Großkonzernen – etwa in der Energiewirtschaft oder im Automobilbereich – blockieren die anstehende Transformation hin zu innovativen, dabei auch kleinteiligeren oder genossenschaftlichen Lösungen. Helfen könnte dabei auch eine Demokratisierung betrieblicher Strukturen durch paritätische Mitbestimmung, oder auch durch Ombudsleute für zukünftige Generationen und für Ökologie.</p>
<p>Klar ist: Strukturwandel darf nicht verschleppt, sondern sollte frühzeitig gefördert werden, um neue Arbeitsplätze zu schaffen. In Umfragen sagte die Mehrheit der Deutschen schon vor Jahren, dass sie sich persönlich von weiterem Wirtschaftswachstum keine Verbesserung ihrer Lebensqualität erwarten – dass aber das System eben davon abhänge. Konsequenterweise müssten also alle gesellschaftlichen Bereiche vom Wachstum unabhängig gestaltet werden – etwa Rente, Arbeitsmarkt und Steuersystem. Maßnahmen wären etwa eine starke Arbeitszeitverkürzung bei gleichzeitig starker finanzieller Umverteilung, oder aber ein eher zu hohes denn zu niedriges Grundeinkommen, welches wertschätzt, dass vieles der gesellschaftlich so wichtigen Arbeit eben nicht oder deutlich zu gering entlohnt wird. Und ausdrückt, dass es in Zukunft vielleicht weniger Konsumgüter braucht, aber mehr Zeit für Pflege und Erziehung, für den ökologischen Rück- und Umbau oder etwa für ehrenamtliche Renaturierungs- und Wiederaufforstungsprojekte. Verteilungsfragen sind dabei zentral – weil sich ökologische Kostenwahrheit in höheren Preisen spiegeln wird und finanziell schwache Haushalte und Kinder davon massiv betroffen sein werden. Weil Ökologie ohne Gerechtigkeit Menschen alleine lässt und zu Radikalismus führt. Aber auch, weil ohnehin nicht zu rechtfertigen ist, dass in reichen Gesellschaften Menschen von Armut bedroht sind.</p>
<p>Dass Menschen eng verbunden, interdependent sind, hat nicht erst Corona gezeigt. Schon vor Jahren haben die Epidemiolog:innen Kate Pickett und Richard Wilkinson durch das Zusammentragen von Dutzenden empirischen Studien gezeigt: In gleicheren Industrienationen haben auch reiche Menschen deutlich weniger gesundheitliche und soziale Probleme als in ungleicheren. Letztlich können wir uns persönlich und als Gesellschaft also wieder aufs Neue fragen: &#8222;Was ist der Sinn des Lebens?&#8220;. Selten reut Menschen auf dem Sterbebett, sie hätten härter arbeiten sollen, um mehr Geld anzuhäufen. Um klar zu sehen hilft mir persönlich der Weg nach innen und nach außen: Der Weg nach innen, um in der Stille zu spüren, was die Essenz ist. Und nach außen: Um nicht nur das Hier und Heute zu sehen, sondern den Blick global zu weiten, und über die Zeit hin. Neben einem Baum zu sitzen und daran zu denken, dass die Irokesen ihre Entscheidungen mit Blick auf die kommenden sieben Generationen fällten.</p>

<p><em>Katharina Hirschbrunn</em></p>
<p><em> </em></p>
<p><strong>Hinweis:</strong> Vorliegender Text ist ursprünglich in den &#8222;Tutzinger Nachrichten&#8220; erschienen. <a href="https://tutzinger-nachrichten.de/wp-content/uploads/2021/10/Tutzinger-Nachrichten_11-2021_WEB.pdf" target="_blank" rel="noopener">Hier können Sie die November-Ausgabe abrufen</a>.</p>

<p><strong>Bild:</strong> Plakat auf der <span class="highlight">Klima</span>streik-Demo <em>(Foto: Manuela Schneider / EKBO)</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/klimawandel-die-ausrichtung-auf-wirtschaftswachstum-kostet-freiheit-und-glueck/">Klimawandel – die Ausrichtung auf Wirtschaftswachstum kostet Freiheit und Glück</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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		<title>Transformative Bildung in Zeiten der Klimakatastrophe</title>
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		<dc:creator><![CDATA[makkuz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Nov 2021 08:19:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
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		<category><![CDATA[Erwachsenenbildung]]></category>
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		<category><![CDATA[Katharina Hirschbrunn]]></category>
		<category><![CDATA[Klimakatastrophe]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[sozial-ökologische Transformation]]></category>
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		<category><![CDATA[Wirtschaftswachstum]]></category>
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		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wie umgehen mit der Klimakatastrophe? Schnelles, effektives Handeln sowie sozial-ökologische Transformationsprozesse sind jetzt unumgänglich, wobei dem Bereich der Bildung - umfassend verstanden und neu gedacht - eine zentrale Rolle zukommt. In ihrem Statement für den AEEB-Newsletter (Arbeitsgemeinschaft für Evangelische Erwachsenenbildung) formulierte Studienleiterin Katharina Hirschbrunn fünf Forderungen für eine transformative Bildung hin zu Klimaschutz, Nachhaltigkeit und sozialer Gerechtigkeit. Hier können Sie den Text nachlesen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/transformative-bildung-in-zeiten-der-klimakatastrophe/">Transformative Bildung in Zeiten der Klimakatastrophe</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wie umgehen mit der Klimakatastrophe? &#8211; Die durch Industrialisierung und Wirtschaftswachstum ausgelösten Beschleunigungsprozesse lassen uns keine Zeit. Im Klartext: Schnelles, effektives Handeln sowie sozial-ökologische Transformationsprozesse sind jetzt unumgänglich, wobei dem Bereich der Bildung &#8211; umfassend verstanden und neu gedacht &#8211; eine zentrale Rolle zukommt. In ihrem Statement für den AEEB-Newsletter (</strong><strong>Arbeitsgemeinschaft für Evangelische Erwachsenenbildung) formulierte Studienleiterin Katharina Hirschbrunn fünf Forderungen für eine transformative Bildung hin zu Klimaschutz, Nachhaltigkeit und sozialer Gerechtigkeit. Hier können Sie den Text nachlesen.</strong></p>
<ol>
<li><strong>Vielfältige Diskussionsräume schaffen für die Neuausrichtung der Gesellschaft </strong></li>
</ol>
<p>Wirtschaftswachstum als politisches Ziel hat ausgedient: Trotz technologischer Innovationen sind Emissionen und Umweltverbrauch nicht im notwendigen Maße gesunken. Weiteres Wirtschaftswachstum macht Industrienationen Studien zufolge weder glücklicher noch erhöht es die durchschnittliche Lebensqualität. Was aber kommt nach der Wachstumsfixierung? &#8211; Es braucht eine gesellschaftliche Neuausrichtung!</p>
<ul>
<li>Politik muss im großen Stil in transformative Bildung investieren. Erwachsenenbildung muss vielfältige Foren schaffen für die Diskussion zentraler Werte wie Freiheit und Gerechtigkeit und für die demokratische Entwicklung neuer gesellschaftlicher Ansätze wie Zeitwohlstand, Glück oder das „gute Leben“/ „buen vivir“.</li>
<li>Macht- und Herrschaftsverhältnisse sowie Transformationshindernisse müssen dabei klar benannt werden. Zentral sind Transdisziplinarität, interaktive, emanzipatorische und selbstermächtigende Methoden.</li>
<li>Das Studium der Wirtschaftswissenschaften darf nicht länger auf neoklassische Theorie fokussieren, sondern muss alternative Ansätze wie Postwachstum / Degrowth, Feministische oder Marxistische Ökonomik gleichrangig behandeln. Einstieg in das Studium müssten Wirtschaftsphilosophie und ökonomische Ideengeschichte sein. Volkswirtschaftslehre muss sich dabei an real existierenden Problemen orientieren, etwa der Frage wie ein vom Wachstum unabhängiges Wirtschafts- und Gesellschaftssystem aussehen kann.</li>
</ul>
<ol start="2">
<li><strong> Psyche und Emotionen ernst nehmen</strong></li>
</ol>
<p>Die Beschäftigung mit der Klimakatastrophe löst starke Emotionen wie Angst und Verzweiflung aus und wird daher gerne vermieden.</p>
<ul>
<li>Bildung sollte nicht allein den Intellekt ansprechen, sondern Menschen befähigen, Gefühle wie Trauer, Verzweiflung, Angst und Wut anzunehmen, auszuhalten und darüber ins Handeln zu kommen. Wege dorthin sind etwa Meditation und Spiritualität, Gemeinschaft, Tiefenökologie und die Verbindung mit der Natur.</li>
<li>Politik darf nicht unterstützen, dass psychische Probleme durch ein Mehr an (Status-) Konsum überdeckt und verdrängt werden. Kommerzielle Werbung sollte beendet und die Gestaltung des freigewordenen öffentlichen Raums demokratisch bestimmt oder für Bildung genutzt werden.</li>
<li>Psychischer Gesundheit als Voraussetzung für ökologischen Wandel muss ein zentraler Stellenwert beigemessen werden &#8211; von der Gestaltung von Kinderbetreuung über gute Arbeitsbedingungen bis hin zu Therapieangeboten für jeden Menschen.</li>
</ul>
<ol start="3">
<li><strong> Die Freiheit von Wissenschaft und Bildung sicherstellen</strong></li>
</ol>
<p>Ein weiteres Hindernis für die sozial-ökologische Transformation ist der starke Einfluss von Wirtschaft auf die Wissenschaft.</p>
<ul>
<li>Außeruniversitäre Erwachsenenbildung wie auch Think Tanks und NGOs, kritischer Journalismus oder Whistleblower*innen fungieren als wichtige Korrektive, gerade auch hinsichtlich ökologischer Fragen. Ihre Förderung und ihr Schutz müssen gesichert und ausgebaut werden.</li>
<li>Dass vielfach Stiftungslehrstühle oder Abschlussarbeiten von Unternehmen finanziert werden, verzerrt, welche Themen auf welche Art und Weise analysiert werden. Um die Freiheit von Forschung und Lehre zu garantieren, muss Wissenschaft umfassend und langfristig finanziert sein.</li>
</ul>

<ol start="4">
<li><strong> Gegenseitiges Verstehen und demokratische Prozesse fördern</strong></li>
</ol>
<p>Eine große sozial-ökologische Transformation betrifft alle gesellschaftlichen Bereiche.</p>
<ul>
<li>Bildungsprozesse müssen dabei alle Perspektiven einbeziehen, insbesondere auch von einkommensschwachen oder bildungsfernen Gruppen sowie jenen aus dem Globalen Süden.</li>
<li>Durch innovative Projekte wie den &#8222;Bürgerrat Demokratie&#8220;, bei dem zufällig ausgeloste Menschen gemeinsam politische Maßnahmen erarbeiten, durch Energiegenossenschaften in Bürger*innenhand oder durch paritätische Mitbestimmung in Unternehmen können Demokratie und Transformation praktisch eingeübt werden.</li>
<li>Damit ökologische Maßnahmen nicht zu Armut, Rechtspopulismus und Spaltung führen, müssen sie durch starke Umverteilungsmaßnahmen flankiert werden.</li>
</ul>
<ol start="5">
<li><strong> Gelebte Bildung in Praxisräumen der Zukunftsfähigkeit</strong></li>
</ol>
<p>Strukturwandel findet überall statt. Daher muss jeder Wirtschaftssektor und gesellschaftliche Bereich unter ökologisch-sozialen Gesichtspunkten neu gedacht werden.</p>
<ul>
<li>Große Bildungsprogramme sind aufzusetzen &#8211; Foren dafür können Universitäten, Akademien, Volkshochschulen und andere Orte der Erwachsenenbildung sein.</li>
<li>Um Bildung sowie politisches, soziales und ökologisches Engagement für alle Menschen zu ermöglichen, sollte ein eher zu hohes als zu niedriges bedingungsloses Grundeinkommen eingeführt werden.</li>
<li>Besonders wertvoll sind Praxisräume, in denen zukunftsfähige Lebens- und Produktionsweisen erprobt werden. Beispiele dafür sind &#8222;Commoning&#8220;, &#8222;Urban Gardening&#8220;, Stadtquartiere, Genossenschaften und soziale Bewegungen.</li>
</ul>

<p><em>Die Autorin ist Studienleiterin für Wirtschaft und Arbeitswelt, Nachhaltige Entwicklung an der Evangelischen Akademie Tutzing</em></p>

<p><strong>Hinweis: </strong><em><br />
</em>Dieser Text ist am 28. Oktober 2021 im Newsletter der <a href="https://www.aeeb.de/" target="_blank" rel="noopener">Arbeitsgemeinschaft für Evangelische Erwachsenenbildung AEEB</a> erschienen.</p>

<p><strong>Bild:</strong> Studienleiterin Katharina Hirschbrunn <em>(Foto: dgr/eat archiv)</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/transformative-bildung-in-zeiten-der-klimakatastrophe/">Transformative Bildung in Zeiten der Klimakatastrophe</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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		<title>Metalle nachhaltiger nutzen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[makkuz]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Oct 2021 07:42:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Abfall]]></category>
		<category><![CDATA[Abfallgesetzgebung]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Hagelüken]]></category>
		<category><![CDATA[Klima]]></category>
		<category><![CDATA[Kreislaufwirschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Natur]]></category>
		<category><![CDATA[Recycling]]></category>
		<category><![CDATA[Rohstoffe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Deutschland ist nicht "Recyclingweltmeister", sondern  bestenfalls "Sammelweltmeister". Das meint Christian Hagelüken, der in einem Unternehmen für Materialtechnologie- und Recycling tätig ist. Er plädiert dafür, Rohstoffe zielgerichtet zu gebrauchen statt zu verbrauchen. Um eine Kreislaufwirtschaft zu implementieren, die über das reine Recycling herausgeht, benötige man eine Überarbeitung der Abfallgesetzgebung.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/metalle-nachhaltiger-nutzen/">Metalle nachhaltiger nutzen</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Deutschland ist nicht &#8222;Recyclingweltmeister&#8220;, sondern bestenfalls &#8222;Sammelweltmeister&#8220;. Das meint</strong> <strong>Christian Hagelüken, der in einem Unternehmen für Materialtechnologie- und Recycling tätig ist. Er plädiert dafür, Rohstoffe zielgerichtet zu <em>ge</em>brauchen statt zu <em>ver</em>brauchen. Um eine Kreislaufwirtschaft zu implementieren, die über das reine Recycling herausgeht, benötige man eine Überarbeitung der Abfallgesetzgebung.</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><em>Von Dr. Christian Hagelüken</em></p>
<p><em> </em></p>
<p>Klimaschutz, Energiewende, Verkehrswende – das sind Herkulesaufgaben, denen sich Politik, Wirtschaft und Gesellschaft jetzt endlich stellen müssen. Und sie sind eng miteinander verbunden, mit vielfältigen Wechselwirkungen. Denn das Erreichen des 1,5-Grad-Ziels kann ohne einen Umstieg auf erneuerbare Energien, eine nachhaltigere Mobilität und viele weitere Nutzungs- und Verhaltenswenden nicht erreicht werden. Im Zentrum steht dabei die Reduktion des Ressourcenverbrauchs, vor allem bei Energie und Rohstoffen.</p>
<p>Rohstoffe sind die Basis unserer materiellen Welt, aber ihr übermäßiger Verbrauch hat den Klimawandel angestoßen. Rohstoffe und hier vor allem Metalle haben aber auch eine Schlüsselrolle für Klimaschutztechnologien wie Elektromobilität, Wasserstoffwirtschaft, Solar- und Windkraftanlagen und auch für die Digitalisierung, ohne die die verschiedenen &#8222;Wenden&#8220; kaum vollzogen werden können. &#8222;Metals matter!&#8220;, unter diesem Titel findet daher auch vom 5. bis 7. November eine Tagung mit Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik an der evangelischen Akademie statt.</p>
<p>Es gilt entsprechend, den Umgang mit Rohstoffen sehr viel ressourceneffizienter als bisher zu gestalten und diese möglichst zielgerichtet zu <u>ge</u>brauchen statt zu <u>ver</u>brauchen. Ein Schlüsselansatz hierfür ist die Kreislaufwirtschaft, denn Metalle sind grundsätzlich ohne Qualitätsverluste &#8222;unendlich&#8220; oft wiederverwendbar. Bei konsequenter Anwendung modernen Recyclingtechnologien stehen am Ende des Prozesses wieder Feinmetalle zur Verfügung, die in ihren chemischen und physikalischen Eigenschaften identisch mit solchen aus dem Bergbau sind. Ein umfassendes Metallrecycling schont die Primärlagerstätten, erhöht die Versorgungssicherheit (Verwendung von Altprodukten aus heimischen Quellen statt Importabhängigkeit), ist ein Beitrag zum verantwortungsvollen Rohstoffbezug (saubere Vorketten) und verbessert vor allem die Ökobilanz der Produkte. In vielen Altprodukten ist nämlich die Metallkonzentration deutlich höher als im Bergbau, was für Recyclingmetalle einen geringeren spezifischen Energie-, Wasser- und Flächenbedarf bedeutet.</p>
<p><strong>Kreislaufwirtschaft der Metalle</strong></p>
<p>Aber wie können Metalle wie z.B. Kobalt, Nickel, Lithium in Batterien in E-Autos, oder Edelmetalle, Kupfer, Zinn und weitere Technologiemetalle in Elektronikbauteilen möglichst ressourceneffizient genutzt werden?</p>
<p>Kreislaufwirtschaft bedeutet mehr als Recycling: Es handelt sich um einen übergreifenden konzeptionellen Ansatz, wie Produkte entwickelt, designt, vertrieben, verwendet, repariert, wiederverwendet und schließlich recycelt werden können. Durch sie kann der ökologische Fußabdruck von Produkten deutlich reduziert werden. Während effektives Produktrecycling  das Rohstoff<em>angebot </em>sichert und erhöht, wirken sich andere Maßnahmen auf die <em>Nachfrage</em>seite aus. Diese &#8222;inneren Kreisläufe&#8220; umfassen eine längere und effizientere Nutzung von Produkten durch Langlebigkeit, Reparatur und Weiterverwendung. Entsprechend verringert sich die Nachfrage nach neuen Rohstoffen für solche Produkte, sie werden ressourceneffizienter.</p>
<p>Letztlich muss jedoch auch die Weiterverwendung in ein umfassendes und hochwertiges Recycling münden. Hierfür gilt es, geeignete technische, wirtschaftliche und gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Wichtig dafür sind eine klare Benennung des Systemrahmens sowie zielkonforme Definitionen, Berechnungsansätze und Indikatoren zur Verifizierung des Grades der Zielerreichung. Wichtig ist aber auch ein Verständnis für die Chancen und Grenzen des Recyclings.</p>
<p><strong>Nur physische Kreisläufe sind zielkonform</strong></p>
<p>Wie von der EU-Kommission bereits 2015 in einem Strategiepapier definiert, ist Ziel der Kreislaufwirtschaft, den „Wert von Produkten, Materialien und Rohstoffen so lange wie möglich zu erhalten und die Erzeugung von Abfällen zu minimieren, um damit einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung einer nachhaltigen, CO<sub>2</sub>-armen, ressourceneffizienten und wettbewerbsfähigen Wirtschaft in der EU zu leisten“. Im Sinne dieses Ziels ist es entscheidend, dass die Kreisläufe wirklich auch <u>physisch</u> geschlossen werden.</p>
<p>Dies bedeutet, dass Materialien und Metalle nach Ende der (verlängerten) Produktlebensdauer auch tatsächlich <u>stofflich</u> ihren Weg in neue Produkte finden müssen: als Kunststoff, Metall, Legierung oder als Bauteil. Altprodukte müssen also nicht nur umfassend erfasst, sondern anschließend auch in eine qualitativ hochwertige Recycling-Prozesskette eingesteuert werden. Im Sinne der physischen Kreislaufschließung darf dabei nur der Output der finalen Recyclingprozesse dieser Kette für den Erfolg gezählt werden und zwar nur dann, wenn die Qualität der Rezyklate ihren Einsatz für die Herstellung von Neuprodukten ermöglicht und dadurch Primärrohstoffe ersetzt werden.</p>
<p>Der physische Kreislauf ist für einfache Produkte (z. B. Glasflaschen oder Aluminiumdosen) prinzipiell leichter zu schließen als für komplexe, multimateriale Produkte wie elektronische Geräte oder Autos. Auch müssen bei letzteren die Kreisläufe für möglichst viele der enthaltenen Stoffe geschlossen werden, eine rein massenbasierte Betrachtung mit einer Recyclingquote für das Gesamtprodukt vernachlässigt die Bedeutung von wichtigen, oft nur in geringeren Konzentrationen enthaltenen Technologiemetallen.</p>
<p>Die derzeitige Abfallgesetzgebung mit ihren Recyclingquoten bildet diese physische Dimension bei komplexen Produkten nicht ausreichend ab. Historisch bedingt liegt der Fokus noch auf Abfallvermeidung und Schadstoffmanagement statt auf einer umfassenden Rohstoffgewinnung aus Abfällen. Entsprechend wird für die Berechnung der Recyclingquoten meist nicht der Output des finalen Prozesses sondern dessen Input herangezogen, die Verluste im finalen Prozess selbst bleiben unberücksichtigt. Auch gibt es bisher kaum spezifische Recyclingquoten für einzelne Materialien/Metalle. In diesem physischen Kontext ist der vielzitierte Satz von Deutschland als &#8222;Recyclingweltmeister&#8220; irreführend, wir sind  bestenfalls &#8222;Sammelweltmeister&#8220;.</p>
<p><strong>Grenzen des Recyclings – über vermeidbare und unvermeidbare Verluste</strong></p>
<p>Besondere Herausforderungen bestehen bei komplexen, multi-metallhaltigen und massenrelevanten Konsumgütern wie z.B. PKW oder Elektronikgeräten. Selbst bei optimalem Produktdesign und Rahmenbedingungen können aus solchen Produkten nicht alle enthaltenen Materialien gleichzeitig und auch kein einzelnes Material zu hundert Prozent recycelt werden. In gewissem Umfang entstehen <strong>unvermeidbare Verluste</strong> durch Dissipation (bei kleinstteiliger Verwendung) und durch thermodynamische Grenzen beim Recycling komplexer Materialverbünde.</p>
<p>Es besteht heute allerdings ein erhebliches Potenzial, um <strong>vermeidbare Metallverluste</strong> am Lebensende eines Produktes deutlich zu verringern. Dies erfordert vor allem geeignete Maßnahmen zur Erhöhung der Sammelquoten von Altprodukten und zur Sicherstellung, dass sie nach der Sammlung ausschließlich qualitativ hochwertigen Recyclingverfahren zugeführt werden.</p>
<p>Für eine erfolgreiche Umsetzung der Kreislaufwirtschaft sind also verbesserte gesetzliche Rahmenbedingungen, eine höhere Transparenz über die realen Stoffströme sowie vor allem auch innovative zirkuläre Geschäftsmodelle und ein vernetztes, verantwortliches Handeln aller Akteure entlang des Produkt-Lebenszyklus entscheidend.</p>
<p><strong>Recycling und Bergbau als komplementäre Systeme </strong></p>
<p>Recycling ist kein Selbstzweck, es kann aber maßgeblich zur Ressourceneffizienz und somit zum Klimaschutz beitragen. Darüber hinaus ist Recycling wichtig für die globale Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz der EU-Industrie, ohne die eine Wende zu einer nachhaltigen, klimaneutralen Gesellschaft nicht vollzogen werden kann. Entscheidend sind dabei systemische Ansätze, welche die vielfältigen Interdependenzen angemessen berücksichtigen.</p>
<p>Auch bei einer &#8222;optimalen&#8220; Kreislaufwirtschaft wird nicht vollständig auf den Einsatz von Primärrohstoffen verzichtet werden können, da unausweichliche Verluste und Neubedarf durch neue Technologien (Beispiel Batteriemetalle) ausgeglichen werden müssen. Recycling und Bergbau bleiben damit komplementäre Systeme, wobei der Anteil an Recyclingrohstoffen kontinuierlich wachsen und die Primärrohstoffe zunehmend &#8222;sauberer&#8220; (CO<sub>2,</sub> Umwelteinfluss; soziale Bedingungen) produziert werden müssen.</p>

<p><strong>Hinweis:</strong></p>
<p><strong>Dr. Christian Hagelüken</strong><strong> wird auf der Tagung &#8222;Metals matter!&#8220;, die vom 5. bis 7. November 2021 an der Evangelischen Akademie Tutzing stattfindet, einen Impuls zum Thema &#8222;Metallrecycling in der Kreislaufwirtschaft&#8220; geben. </strong></p>
<p><strong><a href="https://www.eatutzing.de/veranstaltung/metals-matter/" target="_blank" rel="noopener">Informationen zum Ablauf und zu den Anmeldemodalitäten finden Sie hier</a>.<br />
</strong></p>
<p><strong>Dieser Beitrag ist zugleich die Gastkolumne im November-Newsletter der Evangelischen Akademie Tutzing. </strong><a href="https://www.eatutzing.de/aktuelles-presse/newsletter"><strong>Mehr dazu hier</strong></a><strong>.</strong></p>


<p><strong>Bild:</strong> Christian Hagelüken<em> (Foto: umicore)</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/metalle-nachhaltiger-nutzen/">Metalle nachhaltiger nutzen</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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		<title>Totgesagte leben länger</title>
		<link>https://www.eatutzing.de/totgesagte-leben-laenger/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[makkuz]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Sep 2021 19:17:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA["Minima Moralia"]]></category>
		<category><![CDATA[Adorno]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurter Schule]]></category>
		<category><![CDATA[Stefan Müller-Doohm]]></category>
		<category><![CDATA[Theodor Adornos]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vor 70 Jahren sind Theodor Adornos "Minima Moralia" erschienen. Stefan Müller-Doohm, Adorno-Student und heute Leiter der Forschungsstelle Intellektuellensoziologie und Gründer der Adorno-Forschungsstelle an der Universität Oldenburg, schreibt in diesem Blogbeitrag, dass Adornos "tagebuchartig zusammengetragene Aphorismen" auch heute wichtige "Spannungsfelder von Paradoxien" bieten.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/totgesagte-leben-laenger/">Totgesagte leben länger</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Vor 70 Jahren sind Theodor Adornos &#8222;Minima Moralia&#8220; erschienen. Stefan Müller-Doohm, Adorno-Student und heute Leiter der Forschungsstelle Intellektuellensoziologie und Gründer der Adorno-Forschungsstelle an der Universität Oldenburg, schreibt in diesem Blogbeitrag, dass Adornos &#8222;tagebuchartig zusammengetragene Aphorismen&#8220; auch heute wichtige &#8222;Spannungsfelder von Paradoxien&#8220;</strong> <strong>bieten.</strong></p>
<p><strong>                                                                    </strong></p>
<p><em>Von Stefan Müller-Doohm</em></p>
<p style="text-align: right;">&#8222;Bücher verändern sich mit der Zeit, zumindest verändert</p>
<p style="text-align: right;">                                                                      sich die Art, wie wir sie lesen.&#8220;</p>
<p style="text-align: right;">                                                                      (Julian Barnes)</p>

<p>Kritische Theorie ist ein Titel, den Max Horkheimer 1937 in die Welt gesetzt hat. Heute kann von ihr nur im Plural die Rede sein. Auffällig ist, dass ihre generationsspezifischen Varianten und tonangebenden Repräsentanten erkennbar im Aufwind sind. In der Zeitschrift <em>Mittelweg </em>wird ihre Aktualität vor dem Hintergrund der Ökologiedebatte diskutiert und gefragt, woher der derzeitige Hunger nach Theodor Adorno, Walter Benjamin, Jürgen Habermas und anderen kommt. Eine passende Ergänzung dazu ist die Veröffentlichung der Briefwechsel zwischen Adorno und Hans Magnus Enzensberger im letzten Heft von <em>Sinn und Form. </em>Hier erfährt der Leser, was Adorno nach langem Abwägen davon abgehalten hat, im Wahljahr 1965 das Godesberger Programm der SPD zu kritisieren. Das regt an zu spekulieren, ob sich der damals einflussreichste Intellektuelle heute ähnlich defensiv verhalten würde?</p>
<p>Das noch vor der Corona-Krise erschienene zweibändige Alterswerk von Jürgen Habermas mit dem Titel <em>Auch eine Geschichte der Philosophie </em>ist seit Erscheinen nicht nur Gegenstand anhaltender Debatten in der Fachwelt von Philosophen, Theologen und Soziologen. Vielmehr hat es eine breite Beachtung in den Medien gefunden. Die Resonanz auf dieses Buch macht sich die <em>Zeitschrift für Ideengeschichte </em>zu Nutze und bringt ein reich bebildertes Heft heraus, das ausschließlich dem Wirken des international geschätzten Philosophen gewidmet ist. Und sein vor sechzig Jahren erschienener Klassiker <em>Strukturwandel der Öffentlichkeit</em> ist wiederum für die renommierte sozialwissenschaftlichen Zeitschrift <em>Leviathan</em> der Anlass für zahlreiche Rückblicke auf jene Studie, in der er die historische Entstehung und Transformation der Öffentlichkeit sowie ihrer Medien analysiert hat.</p>
<p><strong><em>Minima Moralia</em></strong><strong> – vor siebzig Jahren erschienen</strong></p>
<p>Nicht genug der Jubiläen. Dass vor siebzig Jahren die <em>Minima Moralia </em>erschienen sind, Adornos persönlichstes und erfolgreichstes Buch, dem Habermas den Rang eines Hauptwerks zuspricht, ist wiederum ein guter Grund für zahlreiche Retrospektiven von Adornos &#8222;Reflexionen aus dem beschädigten Leben&#8220;. Beschädigt ist nicht nur das individuelle Leben des ins Exil gezwungenen Emigranten. Adornos Bestandsaufnahme ist umfassender. Beschädigt ist sowohl das Subjekt, das Adornos Diagnose zufolge historisch verurteilt sei als, auch die vom Menschen unterworfene Natur. Die äußere ebenso wie die innere Natur seien Opfer einer blind sich selbst erhaltenden Gesellschaft. Was könnte angesichts der Umwelt- und Klimakrise brisanter sein als Adornos Postulat eines Umgangs mit der Natur &#8222;ohne Willkür und Gewalt, ganz aus der Fühlung mit den Gegenständen&#8220;. Heute wäre es ein Akt vernünftiger Freiheit, das hat Adorno antizipiert, &#8222;Möglichkeiten ungenutzt&#8220; zu lassen, &#8222;anstatt unter irrem Zwang auf fremde Sterne einzustürmen&#8220;.</p>
<p>Adorno notiert in seinen tagebuchartig zusammengetragenen Aphorismen, dass das Leben zu einer zeitlosen Folge von Schocks geworden sei, vermittelt durch die täglichen Bilder über weltweite Kriege und systematische Menschvernichtung. Für ihn ist Auschwitz kein &#8222;Betriebsunfall des zivilisatorischen Siegeszuges&#8220;, sondern Signatur der Epoche. &#8222;Man kann nicht Auschwitz auf eine Analogie mit der Zernichtung der griechischen Stadtstaaten bringen als bloß graduelle Zunahme des Grauens, der gegenüber man den eigenen Seelenfrieden bewahrt.&#8220; Eine Notiz, die als Kommentar der gegenwärtigen Diskussion zu den deutschen Kolonialverbrechen und der Singularität des Holocaust gelesen werden kann.</p>
<p>Mit seiner Gesellschafts- und Moralkritik hat es Adorno geschafft, eine Position zu besetzen, die in der Situation der Erschütterung traditioneller Wertorientierungen vakant war. Er übernahm die Funktion des öffentlichen Intellektuellen, indem er die moralischen Ansprüche dieser Gesellschaft mit ihrer Wirklichkeit konfrontierte. Wenn das &#8222;Ganze das Unwahre&#8220; ist, wandelt sich Moral zu einer verschwindend kleinen Bezugsgröße. Der Akzent liegt dann darauf, über die gesellschaftlichen Ursachen für das Scheitern eines moralischen Lebens zu reflektieren. Das meint Adorno, wenn er die Frage stellt, wie &#8222;richtiges Leben im falschen&#8220; möglich sei.</p>
<p><strong>Moralisch empfindsam und unmoralische Zeiten</strong></p>
<p>Was könnte einen Leser unserer Tage an Adornos <em>Minima Moralia </em>fesseln? Es ist nicht zuletzt das szenisch Dargestellte, es sind die bildlich entworfenen Skizzen, die den Eindruck erwecken, der Leser sei selbst Teil des Geschehens und ganz persönlich gemeint. Gerade dadurch, dass er das Triviale der zwischenmenschlichen Beziehungen ernst nimmt und zugleich deutend erschließt, löst er beim Leser jene Aha-Erlebnisse aus, die für viele aus der Lektüre dieser Miniaturen resultieren. Kennzeichnend für diese Aphorismen ist, dass sie ein Spannungsfeld von Paradoxien entstehen lassen: &#8222;Einzig durch die Anerkennung von Ferne im Nächsten wird Fremdheit gemildert: hineingenommen ins Bewußtsein&#8220; Oder: &#8222;Zart wäre einzig das Gröbste: daß keiner mehr hungern soll&#8220;.</p>
<p>Auch heute noch können wir die <em>Minima Moralia </em>als Texte lesen, die auf ungeahnte Spuren führen, die zum Abenteuer des Weiterdenkens animieren, ein Weiterdenken, das auch die Kritik am Negativismus der Zeitdiagnosen des radikalen Gesellschaftskritikers einschließt. Die Bedeutung dieses Buches als Teil einer Hinterlassenschaft, die sich allen Formen bloßer Musealisierung widersetzt, besteht darin, den Leser anzuleiten, der Dissonanzen im eigenen Leben nicht nur innezuwerden, sondern sie auch auszudrücken: ihn zu einem Denken zu ermuntern, das offen genug ist, sich auch gegen sich selbst zu wenden.</p>

<p><em>Zum Autor:<br />
Prof. em. Dr. Stefan Müller-Doohm studierte u.a. bei Adorno sowie anderen Granden der Frankfurter Schule, gehört zu den Weggefährten und FreundInnen von Jürgen Habermas und ist Autor zweier großer Biographien über Adorno und Habermas. Er ist Leiter der Forschungsstelle Intellektuellensoziologie und Gründer der Adorno-Forschungsstelle an der Universität Oldenburg. Hier lehrt er </em><em>Soziologie mit dem Schwerpunkt Interaktions- und Kommunikationstheorien.</em> <em>Seine Arbeitsschwerpunkte in Lehre und Forschung liegen in den Bereichen:</em> <em>Soziologische Theorien/Gesellschaftstheorie</em><em>, </em><em>Kommunikationsforschung/Medientheorie/Kultursoziologie</em><em> sowie </em><em>Intellektuellensoziologie.</em></p>

<p><strong>Hinweis:</strong></p>
<p><strong>Stefan Müller-Doohm wird auf der </strong><strong>Tagung &#8222;Adornos Minima Moralia&#8220;, die vom 22. bis 24. Oktober 2021 an der Evangelischen Akademie Tutzing stattfindet, zum Thema &#8222;</strong><strong>Das Glück der individuellen Existenz &#8211; </strong><strong>Lebensgeschichtliche Spuren in der Bilderwelt der &#8218;Minima Moralia'&#8220; sprechen. </strong></p>
<p><strong><a href="https://www.eatutzing.de/veranstaltung/minima-moralia/" target="_blank" rel="noopener">Informationen zum Ablauf und zu den Anmeldemodalitäten finden Sie hier</a>.<br />
</strong></p>
<p><strong>Der Beitrag ist zugleich die Gastkolumne im Oktober-Newsletter der Evangelischen Akademie Tutzing. </strong><a href="https://www.eatutzing.de/aktuelles-presse/newsletter"><strong>Mehr dazu hier</strong></a><strong>.</strong></p>

<p><strong>Bild:</strong> Stefan Müller-Doohm <em>(Foto: Elmer Spaargare, Groningen)</em></p>
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		<title>Die Jugend hat gewählt</title>
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		<pubDate>Fri, 24 Sep 2021 05:22:20 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Am vergangenen Wochenende haben bei der U18-Wahl junge Menschen ihre Stimme zur Bundestagswahl 2021 abgegeben. Die Wahl ist eine Simulation, denn bislang muss man in Deutschland 18 Jahre alt sein, um an Bundestagswahlen teilnehmen zu können. Auch wenn die Stimmen der Jugend bislang nicht zählen, so lässt sich anhand der U18-Wahl erkennen, dass sich beim Thema Wahlalter dringend etwas ändern muss. Warum, beschreibt Julia Wunderlich, Studienleiterin für Jugendpolitik &#038; Jugendbildung (Junges Forum), in diesem Blogbeitrag.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Am vergangenen Wochenende haben bei der U18-Wahl junge Menschen ihre Stimme zur Bundestagswahl 2021 abgegeben. Die Wahl ist eine Simulation, denn bislang muss man in Deutschland 18 Jahre alt sein, um an Bundestagswahlen teilnehmen zu können. Auch wenn die Stimmen der Jugend bislang nicht zählen, so lässt sich anhand der U18-Wahl erkennen, dass sich beim Thema Wahlalter dringend etwas ändern muss. Warum, beschreibt Julia Wunderlich, Studienleiterin für Jugendpolitik &amp; Jugendbildung (Junges Forum), in diesem Blogbeitrag.</strong></p>

<p>Was wäre, wenn die, die noch am längsten auf dieser Erde leben, wählen könnten? Wählen Menschen zwischen einem Jahr und 18 Jahren anders als Erwachsene? Die U18-Wahl findet jedes Jahr in ganz Deutschland statt. Mit 262.000 jungen Wähler:innen in Deutschland und 68.000 in Bayern wurde bei der diesjährigen Wahl ein Rekord der Wahlbeteiligung gebrochen. Noch nie gab es so viele Wahllokale in Bayern wie 2021. Mit dem hohen politischen Interesse der Jugend geht die Forderung einher, das reguläre Wahlalter abzusenken. In der eigenständigen Jugendpolitik ist das Thema ein Dauerbrenner.</p>
<p><strong>Rekord in der Wahlbeteiligung </strong></p>
<p>Also: Wie wäre denn nun die Lage, wenn Kinder und Jugendlichen wählen würden? Die Ergebnisse der U18-Wahl wurden am 20.09.2021 wie folgt veröffentlicht: In Bayern kam die CSU auf 21 Prozent der Stimmen, die Grünen 18 Prozent sowie die SPD 16 Prozent. Die FDP erreichte zwölf Prozent, die AfD und die Linke jeweils knapp sechs Prozent, sonstige Parteien zusammengefasst 20 Prozent. Deutschlandweit stellten sich die Ergebnisse bei den drei stärksten Parteien im Vergleich zur bayerischen Abstimmung mit Abweichungen bis vier Prozent anders dar: Hier lagen Bündnis 90/Die Grünen mit 21 Prozent vorn, die SPD kam auf 19 Prozent und CDU/CSU auf 17 Prozent. Weitere detaillierte Ergebnisse der U18-Wahl, wie Stadt-Land-Wahlergebnisse, Vergleiche zwischen Nord- und Südbayern oder auch zwischen den Bundesländern, kann man auf der <a href="https://wahlen.u18.org/wahlergebnisse/bundestagswahl-2021" target="_blank" rel="noopener">U18-Wahlseite des Deutschen Bundesjugendrings einsehen.</a></p>
<p>Bundesweit haben bei der U18-Bundestagswahl 262.000 Kinder und Jugendliche in ganz Deutschland in über 2.700 Wahllokalen ihre Stimme abgegeben. Das sind rund 42.000 Stimmen mehr als im Jahr 2017. Auch in Bayern wurde mit 68.000 jungen Wähler:innen und rund 700 Wahllokalen ein Rekord erzielt.</p>
<p>Das zeigt für mich ganz klar, dass junge Menschen politisch sind, in der Politik beteiligt sein und selbst über ihre Zukunft bestimmen wollen. Junge Wähler:innen sind sich der komplexen Themen bewusst. Sie können sich informieren, abwägen, eine Meinung bilden – und wählen. Die hohe Wahlbeteiligung und die hohe Resonanz der angemeldeten Wahllokale bestätigten das einmal mehr.</p>
<p><strong>Junge Menschen sind politisch</strong></p>
<p>Begleitend zur Wahl fanden in den bayerischen U18-Wahllokalen vorab rund 700 Wahlinformations-Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche statt. Nach der U18-Wahl wird es nun darum gehen, diese Wahlergebnisse an Orten politischer Bildung zu evaluieren.</p>
<p>Wählen dürfen bei der U18-Wahl alle Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren, die es möchten. Voraussetzung für die Wahl ist, dass die U18-Wähler:innen ihr Kreuzchen selbst machen können. Die Idee zur U18-Wahl entstand 1996 in einem Jugendtreff in Berlin – der zum ersten Wahllokal wurde. Immer mehr Wahllokale schlossen sich an. Die unter 18-Jährigen wählen zum Beispiel in Jugendtreffs, auf Spielplätzen, in Bibliotheken, oder auch Schulen, wo eigens Wahllokale eingerichtet werden. Bei der ersten U18-Wahl im Rahmen der Bundestagswahl 2009 waren es bereits über 100 Wahllokale, es folgte 2014 die erste U18-Wahl zur Europawahl. Auch die Wahlbeteiligung steigerte sich: Bei der Bundestagswahl 2017 stimmten bereits 23.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland ab und bei der bayerischen Landtagswahl 2018 wählten mehr als 61.000 Kinder und Jugendliche in 453 Wahllokalen. Die Beteiligung an der U18-Bundestagswahl toppte nun alle bisherigen Statistiken.</p>
<p><strong>U18-Wahl: Projekt der politischen Bildung und Brückenbauer</strong></p>
<p>Organisiert wird die U18-Wahl vom Deutschen Bundesjugendring, dem Deutschen Kinderhilfswerk, den Landesjugendringen, wie z.B. dem Bayerischen Jugendring, vielen Jugendverbänden und dem Berliner U18-Netzwerk. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie die Bundeszentrale für Politische Bildung unterstützen dieses Projekt.</p>
<p>Allem voran ist die U18-Wahl ein Projekt der politischen Bildung. Ein Ziel ist, jungen Menschen einen Zugang zum Thema Politik und Wahlen anzubieten. Ein weiteres Ziel ist, die Gesellschaft zu sensibilisieren, Kinder und Jugendliche als politisch interessierte Menschen mit einer Stimme anzuerkennen. Bei der U18-Wahl machen junge Menschen ihre Stimme sichtbar und setzen sich im Rahmen politischer Bildungsarbeit mit Wahlen auseinander.</p>
<p>Durch die U18-Wahl kann zudem ein positiver &#8222;Spiraleffekt&#8220; zwischen Politiker:innen und der Jugend entstehen: Die U18-Wahlergebnisse können ein Anlass für Politiker:innen sein, sich wieder mit den Interessen der Jugend zu befassen, die dadurch jüngeren Themen würden die Politik attraktiver für die Jugend machen, Jugendliche würden sich mehr mit Politik beschäftigen und dies Politiker:innen rückmelden, die sich ihrerseits wiederum mit den Themen der Kinder und Jugendlichen auseinandersetzen, so das U18-Wahlkonzept. Die U18-Wahl kann also eine Brücke sein um Politik und Jugend zu verbinden und bietet einen Gesprächsanker.</p>
<p><strong>Wahlrecht bedeutet Teilhabe</strong></p>
<p>Die Interessen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ins politische Bewusstsein zu rücken, das ist das Ziel der eigenständigen Jugendpolitik. Die U18-Wahlen als Projekt der politischen Jugendbildung in Deutschland sind eng mit dem Thema der Wahlalterabsenkung verbunden. Die U18-Wahl zeihgt: Junge Menschen wollen wählen. Junge Menschen können und müssen im politischen Geschehen mitgedacht werden. Mit der Absenkung des Wahlalters könnte die Jugend als Wahlberechtigte die Demokratie stärken. Wahlrecht bedeutet Teilhabe und politische Beteiligung. Der Bayerische Jugendring (BJR) koordiniert die U18-Wahl in Bayern. Und fordert seit 2005 eine Absenkung des aktiven Wahlrechts auf das 14. Lebensjahr von der Kommunal- bis zur Europawahl. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend setzt sich für die Wahlalterabsenkung auf 16 Jahre ein.</p>
<p>Historisch gesehen ist das Wahlrecht nicht statisch, wie auch der BJR ausführt: So gibt es das Frauenwahlrecht erst seit 100 Jahren. Heute ist es vor allem an die Volljährigkeit geknüpft, die mit 18 Jahren beginnt. Bis 1975 noch (auf dem Gebiet der früheren BRD) bzw. bis 1950 (in der DDR) waren junge Menschen erst ab dem Alter von 21 Jahren volljährig und wahlberechtigt. In Bundesländern wie Niedersachsen können heute bereits 16-Jährige bei der Kommunalwahl ihre Stimme abgeben. Das Wahlalter wandelt sich also – ganz so, wie die Gesellschaft selbst.</p>
<p>Die U18-Wahl zeigt, dass Kinder und Jugendliche in den ungefähren Stimmverteilungen ein ähnliches Wahlverhalten zeigen wie die wahlberechtigte Bevölkerung. Damit ist ein Vorurteil widerlegt, das oft als ein Argument gegen das Absenken des Wahlalters angeführt wird: Das Vorurteil, dass Kinder und Jugendliche zu extremeren Positionen neigen würden.</p>
<p><strong>Klimakrise – Das Thema brennt, erst recht für die Jugend</strong></p>
<p>Eher liegt die gegenteilige Vermutung nahe, dass eine Absenkung die Jugend früh in ihre Verantwortung als mündige Bürger:innen einführen und sie mit ihrer Stimme ernst nehmen würde. Zudem würde sich der Anteil der Erstwähler:innen erhöhen, denn 2021 ist dieser Anteil mit 2,8 Millionen Erstwähler:innen und somit 4,6 Prozent aller Wahlberechtigten so gering wie lange nicht mehr, so die Forsa-Umfrage. Betrachtet man den Anteil der Menschen zwischen 18 und 35 Jahren, die in Deutschland wahlberechtig sind, fällt auf, wie gering er ist: Von insgesamt 60,4 Millionen Wahlberechtigten sind es gerade mal 8,4 Millionen. Durch den demografischen Wandel nimmt der Anteil junger Wahlberechtigter weiter ab und die Generation über 65 Jahren wird prozentual größer. Hieraus könnte eine Ungleichheit in den politischen Fokusthemen entstehen: Ein klares Jugendthema ist der Forsa-Umfrage zufolge unter den Erst-Wähler:innen die Klimakrise. 60 Prozent der jungen Befragten sehen hier einen politischen Fokus, in der Gesamtbevölkerung ist es nur ein Viertel. Die Klimakrise ist aber kein Jugendthema, sondern ein Thema für alle. Es braucht eine lebenswerte Zukunft für alle.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><em>Julia Wunderlich, Studienleiterin für Jugendpolitik &amp; Jugendbildung &#8211; <a href="https://www.eatutzing.de/mitarbeiter/julia_wunderlich/" target="_blank" rel="noopener">Junges Forum</a></em><strong><br />
</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Quellen:</strong></p>
<p>&#8211; <a href="https://wahlen.u18.org/wahlergebnisse/bundestagswahl-2021" target="_blank" rel="noopener">Ergebnisse der U18-Wahl zur Bundestagswahl 2021</a></p>
<p>&#8211; Bayerischer Jugendring: <a href="https://www.bjr.de/nc/service/presse/details/junge-menschen-haben-ihre-stimme-schon-abgegeben-4284.html" target="_blank" rel="noopener">Junge Menschen haben ihre Stimme schon abgegeben</a></p>
<p>&#8211; Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: <a href="https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/aktuelles/alle-meldungen/rekord-wahlbeteiligung-bei-u18-bundestagswahl-185896" target="_blank" rel="noopener">Rekord-Wahlbeteiligung bei U18-Bundestagswahl</a></p>
<h1><strong> </strong></h1>
<p><strong>INFOKASTEN</strong></p>
<p><strong>Zwei Wahlsimulationen: Die Juniorwahl und die U18-Wahl</strong></p>
<p>Nach der U18-Wahl findet, parallel zur regulären Bundestagswahl, an allen Schulen die Juniorwahl statt. Warum gibt noch eine weitere eine Wahl für die Jugend? Beide Wahlen sind Wahlsimulationen. Die außerschulische politische Jugendbildung pusht und organisiert die U18-Wahl, der Hauptorganisator ist der Deutsche Bundesjugendring. Da die U18-Wahl neun Tage vor der Bundestagswahl stattfindet, sollen ihre Ergebnisse appellativ wirken, damit politische Interessen der Jugend mitgedacht werden aber auch um Erkenntnisse darüber zu haben, wie sich die Stimmen der nicht wahlberechtigten Jugend auf die Bundestagswahl auswirken würden.</p>
<p>Die Juniorwahl findet nur an Schulen statt. Die Ergebnisse werden gleichzeitig zur Bundestagswahl ausgezählt und können somit nicht vorab mit ihrem symbolischen Wahl-Charakter auf die Politik wirken. Der Deutsche Bundestag, des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und die Bundeszentrale für politische Bildung unterstützt die Schulen bei der Teilnahme am Projekt der Juniorwahl.</p>
<p>Auch in der Altersstruktur unterscheiden sich die beiden Wahlen, so gilt das Wahlrecht bei der Juniorwahl ab der Jahrgangsstufe 7. Ziel ist auch hier die Simulation des Wahlvorgangs, der politische Bildungsprozess durch die Auseinandersetzung mit dem Wahlsystem und eine Vorbereitung auf die eigene Beteiligung im politischen System. Die Juniorwahl wird seit 1999 bundesweit zu allen Europa-, Bundestags- und Landtagswahlen durchgeführt mit mittlerweile 3,8 Millionen beteiligten Jugendlichen. Die Juniorwahl ist eins der größten Schulprojekte in Deutschland.</p>

<p><strong>Bild:</strong> Julia Wunderlich <em>(Foto: ma/eat archiv)</em></p>
<h1><strong> </strong></h1>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>

<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/die-jugend-hat-gewaehlt/">Die Jugend hat gewählt</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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		<title>Ist Europa auf dem Weg zu 1,5-Grad-Lebensstilen?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[makkuz]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Aug 2021 07:22:34 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Die Europäische Union will bis 2050 klimaneutral sein. Jetzt ist es an der Zeit zu handeln: Wenn bis 2030 keine weitreichenden Emissionsminderungen erreicht werden, wird das 1,5-Grad-Ziel nicht mehr zu erreichen sein. Die politischen Entscheidungsträger sollten daher nicht nur Ziele setzen, sondern mutige und wirksame politische Maßnahmen durchsetzen, die Gerechtigkeit und Wohlergehen in den Vordergrund stellen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom ZOE Institut für zukunftsfähige Ökonomien schildern in diesem Blogbeitrag, warum die mit dem Lebensstil zusammenhängenden Emissionen sowie die Verteilungseffekte dabei von zentraler Bedeutung sind.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/ist-europa-auf-dem-weg-zu-15-grad-lebensstilen/">Ist Europa auf dem Weg zu 1,5-Grad-Lebensstilen?</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ist Europa auf dem Weg zu 1,5-Grad-Lebensstilen?</strong></p>
<p><strong>Die Europäische Union will bis 2050 klimaneutral sein. Jetzt ist es an der Zeit zu handeln: Wenn bis 2030 keine weitreichenden Emissionsminderungen erreicht werden, wird das 1,5-Grad-Ziel nicht mehr zu erreichen sein. Die politischen Entscheidungsträger sollten daher nicht nur Ziele setzen, sondern mutige und wirksame politische Maßnahmen durchsetzen, die Gerechtigkeit und Wohlergehen in den Vordergrund stellen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom ZOE Institut für zukunftsfähige Ökonomien schildern in diesem Blogbeitrag, warum die mit dem Lebensstil zusammenhängenden Emissionen sowie die Verteilungseffekte dabei von zentraler Bedeutung sind. </strong></p>
<p><em>von Dr. Christoph Gran, Nora Kögel, Coline Lavorel, Dr. Sylvia Lorek und Sophia Tomany</em></p>
<p>Der jüngste Bericht des IPCC, <em>Climate Change 2021: Naturwissenschaftliche Grundlagen des Klimawandels</em>, wurde als &#8222;Alarmstufe Rot für die Menschheit&#8220; und als dringender Aufruf zum Handeln bezeichnet<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a>. Der Planet steuert kontinuierlich auf die Temperaturanstiege von 1,5 bzw. 2 Grad zu<a href="#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a>. Um innerhalb der planetaren Grenzen zu leben und zu wirtschaften sind beispiellose Emissionssenkungen erforderlich. Hierfür muss so schnell wie möglich ein umfassender Wandel in Gang gesetzt werden<a href="#_ftn3" name="_ftnref3">[3]</a>.</p>
<p>Die Europäische Union ist sich dieser Dringlichkeit bewusst und ist auf dem Weg, unsere Wirtschaft und unsere Lebensstile fundamental umzugestalten: mithilfe von regenerativen Energien anstatt fossil-basierten Energieträgern als Basis dieses Wandels. Um ein Europa zu schaffen, das innerhalb der planetaren Grenzen floriert, sollten die politischen Entscheidungsträger nicht nur Ziele setzen, sondern auch die Gelegenheit nutzen, mutige und wirksame politische Maßnahmen einzuführen.  Gerechtigkeit und Wohlbefinden sollten zudem in den Vordergrund der notwendigen Transformation gestellt werden.</p>
<p>Mit dem Europäischen Green Deal und dem neuen &#8222;Fit for 55&#8220;-Paket, das die EU bis 2030 zu einer 55-prozentigen Emissionsreduzierung führen soll<a href="#_ftn4" name="_ftnref4">[4]</a>, hat die EU-Kommission die Emissionsreduzierung ganz oben auf die Tagesordnung gesetzt. Allerdings sollten die mit dem Lebensstil zusammenhängende Emissionen sowie Verteilungseffekte stärker in den Vordergrund gerückt werden. Insgesamt sind zwei Drittel der weltweiten Treibhausgasemissionen mit Verbrauch von Haushalten verbunden; dies bedeutet, dass eine ehrgeizige Strategie zur Emissionsreduzierung unsere kohlenstoffintensiven Lebensstile und das sie prägende kontextuelle und politische Umfeld mit einbeziehen muss<a href="#_ftn5" name="_ftnref5">[5]</a>.</p>
<p>Laut einer Studie der Aalto-Universität und des Institute for Global Environmental Strategies aus dem Jahr 2019 würde das Erreichen des 1,5-Grad-Ziels eine enorme Verringerung des Kohlenstoff-Fußabdrucks erfordern, und zwar von derzeit weltweiten durchschnittlichen 6,3 tCO2e pro Person (8,6 tCO2e in der EU) auf 2,5 (tCO2e) bis 2030 und 0,7 bis 2050<a href="#_ftn6" name="_ftnref6">[6]</a>. Die Politik hat in der Vergangenheit eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung des CO2-Fußabdrucks der Lebensstile gespielt, indem sie nicht-nachhaltige Konsummuster manifestiert hat, z. B. durch bestimmte Infrastrukturen (z. B. Investitionen in die Autoinfrastruktur, fehlende Radwege), Gewohnheiten (z. B. fleischhaltige Mahlzeiten in Schulkantinen) und falsche Preisanreize (z. B. billigere Flüge als Züge)<a href="#_ftn7" name="_ftnref7">[7]</a>. Dementsprechend liegen große Chancen für Emissionssenkungen in der Umlenkung von Regulierungen: indem politische Instrumente eingesetzt werden, um ein Umfeld zu schaffen, in dem eine nachhaltige Lebensweise die bequemste, zugänglichste und erschwinglichste Art zu leben ist<a href="#_ftn8" name="_ftnref8">[8]</a>.</p>
<p>Wohlbefinden und soziale Gerechtigkeit stehen aus zwei Gründen im Mittelpunkt dieser Herausforderung. Zum einen ist die Verteilung der Kohlenstoffemissionen sehr ungleich, wobei die wohlhabendsten ein Prozent der Europäer für mehr als zehnmal mehr Treibhausgasemissionen verantwortlich sind als die unteren fünfzig Prozent<a href="#_ftn9" name="_ftnref9">[9]</a>. Des Weiteren sind die Treibhausgasemissionen in den europäischen Haushalten mit geringerem Einkommen zurückgegangen, während sie in den Haushalten mit den höchsten Einkommen weiter ansteigen<a href="#_ftn10" name="_ftnref10">[10]</a>. Diese Dynamik muss in den Strategien zur Emissionssenkung berücksichtigt werden, wenn diese Wirkung entfalten sollen. Zum anderen werden Lebensstile nicht nur durch das politische Umfeld geformt, sondern auch durch die Entscheidungen und das Verhalten der Bürger*innen. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Bürgerinnen und Bürger &#8222;1,5-Grad-Lebensstile&#8220; sowohl breit unterstützen als auch aktiv mitgestalten, um die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit dieser Veränderungen zu gewährleisten<a href="#_ftn11" name="_ftnref11">[11]</a>. Die jüngsten Beispiele von Klima-Bürgerräten in Frankreich und Deutschland, in Großbritannien und Irland zeigen, dass zufällig ausgewählte Bürger*innen bereit für Veränderungen sind und mutige politische Maßnahmen fordern:  So etwa der deutsche Bürgerrat, der 100 Prozent Ökostrom bis 2035 und den Kohleausstieg bis 2030 fordert <a name="_ftnref12"></a><a href="#_ftn12">[12]</a><a name="_ftnref13"></a><a href="#_ftn13">[13]</a>.</p>
<p>Trotzdem greift das &#8222;Fit for 55&#8220;-Paket der EU, welches zwar als ein vielversprechender Schritt in Richtung einer nachhaltigen Zukunft gewertet werden kann, noch nicht weit genug. Entscheidende Fragen bleiben trotz der neuen Maßnahmen weiterhin offen: So zielt das vorgeschlagene Maßnahmenpaket darauf ab, dass bis 2030 alle Autos elektrisch betrieben werden, aber beantwortet nicht die Frage: Wie kann die EU-Politik Carsharing und autofreies Fahren besser unterstützen<a href="#_ftn12" name="_ftnref12">[12]</a>? Ziele von Renovierungen im Gebäudesektor wurden erneut angehoben, aber: Wie kann EU-Politik sicherstellen, dass Energieeffizienz-Verbesserungen trotz steigender Flächennachfrage (und damit steigender Energienachfrage) effektiv wirken<a href="#_ftn13" name="_ftnref13">[13]</a>? Und, besonders wichtig, wie können Gerechtigkeit und subjektives Wohlbefinden besser in den Mittelpunkt der Politik zur Emissionsreduzierung gerückt werden?</p>
<p>Diese und weitere Fragen sind herausfordernd, aber bieten auch die Chance, unsere Lebensstile grundlegend neu zu denken und positiver sowie gerechter zu gestalten. Im Rahmen des Projekts „Politikpfade zu 1.5-Grad-Lebensstilen“ bewertet das ZOE Institut für zukunftsfähige Ökonomien momentan Politikmaßnahmen gemäß ihrer Wirkung auf soziale Gerechtigkeit sowie auf ihre Verträglichkeit mit dem 1,5-Grad-Ziel. Im Vordergrund stehen dabei die drei Bereiche Mobilität, Ernährung und Wohnen, da diese nahezu achtzig Prozent der mit dem Lebensstil zusammenhängenden Treibhausgasemissionen ausmachen<a href="#_ftn14" name="_ftnref14">[14]</a>.  Einige Politiken bergen dabei ein besonders hohes Potential, klimagerechte Lebensstile in einer sozialverträglichen Form zu fördern: So kann z.B. eine progressiv gestaltete Grundsteuer dazu führen, dass insbesondere vermögendere gesellschaftliche Gruppen weniger platzintensiv – und damit weniger energieintensiv – bauen und wohnen<a href="#_ftn15" name="_ftnref15">[15]</a>. Im Ernährungsbereich können z.B. Restriktionen bei der Werbung für Kohlenstoff-intensive Lebensmittel positive Effekte erzielen, da die Nachfrage für umwelt- und klimaschädliche Lebensmittel dadurch höchstwahrscheinlich sinken würde<a href="#_ftn16" name="_ftnref16">[16]</a>. Im Mobilitätssektor würde der Ausbau von Fahrrad- und Fußwegen nicht nur einen erheblichen Beitrag zu sichererer, gesünderer sowie insgesamt klima- und umweltfreundlicherer Mobilitätsinfrastruktur für alle leisten<a href="#_ftn17" name="_ftnref17">[17]</a> – eine solche Maßnahme hätte auch eine deutliche soziale Komponente, da diese Art von Infrastruktur (noch) überproportional von gesellschaftlichen Gruppen genutzt werden, auf denen bislang wenig Augenmerk liegt, wie Kindern, älteren Menschen oder Menschen mit Behinderung.</p>

<p><em>Die Autor:innen des Beitrags sind Dr. Christoph Gran, Nora Kögel, Coline Lavorel, Dr. Sylvia Lorek und Sophia Tomany vom ZOE Institut für zukunftsfähige Ökonomien. Das ZOE ist ein gemeinnütziger Think &amp; Do Tank, der gemeinsam mit Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft richtungsweisende Impulse für die fundamentalen Fragen einer zukunftsfähigen Ökonomie entwickelt.</em></p>
<p><em> </em></p>
<p><strong>Tagung:</strong></p>
<p><strong>Die Tagung „1,5-Grad-Ziel – Welche Hebel wirken schnell und effektiv?“ findet vom 1. bis 3. Oktober 2021 an der Evangelischen Akademie Tutzing statt, in Kooperation mit dem ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung. Programm und Anmeldemodalitäten finden Sie </strong><a href="https://www.eatutzing.de/veranstaltung/15-ziel-welche-hebel-wirken-schnell-und-effektiv/"><strong>unter diesem Link.</strong></a></p>
<p><strong>Der Beitrag ist zugleich die Gastkolumne im September-Newsletter der Evangelischen Akademie Tutzing. </strong><a href="https://www.eatutzing.de/aktuelles-presse/newsletter"><strong>Mehr dazu hier</strong></a><strong>.</strong></p>

<p><strong>Weitere Informationen zu ZOE:</strong><br />
<em>Um mehr über das ZOE Institut und das Projekt „Politikpfade zu 1.5-Grad-Lebensstilen“ zu erfahren, besuchen Sie die Webseite</em> <em>https://zoe-institut.de/project/politikpfade-zu-1-5-grad-lebensstilen</em><em>/. Dort finden Sie auch das Strategiepapier „1.5 Degree Policy Mix“ und eine Präsentation von Dr. Hans Bruyninckx, dem Exekutivdirektor der EUA, aus unserem Kick-off Workshop.</em></p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> <em>Climate change: IPCC report is ‘code red for humanity’</em>. BBC News (2021).</p>
<p><a href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a> <em>Climate Change 2021: The Physical Science Basis. Contribution of Working Group I to the Sixth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change</em>. (Cambridge University Press, 2021).</p>
<p><a href="#_ftnref3" name="_ftn3">[3]</a> <em>Climate Change 2021: The Physical Science Basis. Contribution of Working Group I to the Sixth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change</em>. (Cambridge University Press, 2021).</p>
<p><a href="#_ftnref4" name="_ftn4">[4]</a> European Council. Fit for 55. https://www.consilium.europa.eu/en/policies/fit-for-55/ (2021).</p>
<p><a href="#_ftnref5" name="_ftn5">[5]</a> UNEP. Emissions Gap Report 2020. <em>UNEP &#8211; UN Environment Programme</em> http://www.unep.org/emissions-gap-report-2020 (2020).</p>
<p><a href="#_ftnref6" name="_ftn6">[6]</a> Akenji, L., Lettenmeier, M., Koide, R., Toivio, V. &amp; Amellina, A. <em>1.5-Degree Lifestyles: Targets and options for reducing lifestyle carbon footprints</em>. (Institute for Global Environmental Strategies, Aalto University, and D-mat ltd., 2019).</p>
<p><a href="#_ftnref7" name="_ftn7">[7]</a> Bohnenberger, K. Freiheit zum Weniger &#8211; wie EU-Politik nachhaltiges Leben und Wirtschaften ermöglichen kann. 21.</p>
<p><a href="#_ftnref8" name="_ftn8">[8]</a> Akenji, L., Lettenmeier, M., Koide, R., Toivio, V. &amp; Amellina, A. <em>1.5-Degree Lifestyles: Targets and options for reducing lifestyle carbon footprints</em>. (Institute for Global Environmental Strategies, Aalto University, and D-mat ltd., 2019).</p>
<p><a href="#_ftnref9" name="_ftn9">[9]</a> Wang, S. &amp; Khosla, R. <em>Achieving Low-Carbon and Equitable Lifestyle Change</em>. https://cast.ac.uk/wp-content/uploads/2021/01/CAST-Briefing06.pdf (2021).</p>
<p><a href="#_ftnref10" name="_ftn10">[10]</a> Oxfam. <em>Confronting Carbon Inequality in the European Union</em>. https://oi-files-d8-prod.s3.eu-west-2.amazonaws.com/s3fs-public/2020-12/Confronting%20Carbon%20Inequality%20in%20the%20EU_0.pdf (2020).</p>
<p><a href="#_ftnref11" name="_ftn11">[11]</a> Wang, S. &amp; Khosla, R. <em>Achieving Low-Carbon and Equitable Lifestyle Change</em>. https://cast.ac.uk/wp-content/uploads/2021/01/CAST-Briefing06.pdf (2021).</p>
<p><a href="#_ftnref12" name="_ftn12">[12]</a> Brand, C. <em>et al.</em> <em>The climate change mitigation effects of daily active travel in cities</em>. Transp. Res. Part Transp. Environ. 93, 102764 (2021).</p>
<p><a href="#_ftnref13" name="_ftn13">[13]</a> Bierwirth, A. &amp; Thomas, S. Estimating the sufficiency potential in buildings: the space between under-dimensioned and oversized. in (European Council for an Energy-Efficient Economy., 2019).</p>
<p><a href="#_ftnref14" name="_ftn14">[14]</a> Akenji, L., Lettenmeier, M., Koide, R., Toivio, V. &amp; Amellina, A. <em>1.5-Degree Lifestyles: Targets and options for reducing lifestyle carbon footprints</em>. (Institute for Global Environmental Strategies, Aalto University, and D-mat ltd., 2019).</p>
<p><a href="#_ftnref15" name="_ftn15">[15]</a> Cohen, M. J. (2020). <em>New conceptions of sufficient home size in high-income countries: Are we approaching a sustainable consumption transition?</em> Housing, Theory and Society, 1-31.</p>
<p><a href="#_ftnref16" name="_ftn16">[16]</a> United Nations Environment Programme. (2020). The emissions gap report 2020.</p>
<p><a href="#_ftnref17" name="_ftn17">[17]</a> Walker, R. (2020). <em>Decarbonisation transport: The role of buses’</em>, Local Government Association: London. Local Government Association, London.</p>

<p><strong>Bild:</strong> Dr. Christoph Gran, Coline Lavorel, Dr. Sylvia Lorek und Sophia Tomany vom ZOE Institut (Quelle:</p>
<p><a href="http://www.zoe-institut.de/">www.zoe-institut.de</a>)</p>
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		<title>&#8222;Nichts ist gut in Afghanistan&#8220;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[makkuz]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Aug 2021 10:05:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Geschehnisse in Afghanistan zeigen: Waffengewalt allein schafft noch kein demokratisches Staatswesen. Diese Erkenntnis, findet Akademiedirektor Udo Hahn, scheint in der Politik noch nicht ausreichend angekommen zu sein. In seinem Gastkommentar für die Bayern 2-Sendung "Zum Sonntag" fragt er: "Wieso wurden die vielen Signale übersehen und überhört, die schon früh das Scheitern befürchten ließen?"</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Geschehnisse in Afghanistan zeigen: Waffengewalt allein schafft noch kein demokratisches Staatswesen. Diese Erkenntnis, findet Akademiedirektor Udo Hahn, scheint in der Politik noch nicht ausreichend angekommen zu sein. In seinem Gastkommentar für die Bayern 2-Sendung &#8222;Zum Sonntag&#8220; fragt er: &#8222;Wieso wurden die vielen Signale übersehen und überhört, die schon früh das Scheitern befürchten ließen?&#8220;<br />
</strong></p>
<p><strong>Sendetermin: Samstag, 21. August 2021 um 17.55 Uhr auf Radio Bayern 2</strong></p>
<p>&#8222;Wir haben die Lage falsch eingeschätzt.&#8220; Sätze wie diese gehen Politikerinnen und Politikern nicht leicht über die Lippen. Bundesaußenminister Heiko Maas kommentierte mit diesen Worten die Entwicklung in Afghanistan in dieser Woche. Wie es dazu kommen konnte, dass die radikal-islamischen Taliban in kürzester Zeit die Macht wieder übernehmen, dieser Debatte muss sich die Politik jetzt stellen.</p>
<p>Die Rückeroberung des Landes durch die Taliban lässt viele Menschen am Hindukusch um Leib und Leben fürchten. Fast auf den Tag genau zwanzig Jahre ist es her, dass die Anschläge islamistischer Terroristen auf das World Trade Center in den USA am 11. September 2001 einen &#8222;Krieg gegen den Terror&#8220; auslösten. Besiegt werden sollte dieser Terror – und Afghanistan, sein Rückzugsort, in eine Demokratie verwandelt werden. Dass zuvor schon die Intervention der sowjetischen Armee erfolglos war, hat damals niemanden interessiert. Dabei umfasst die Geschichte des Scheiterns in Afghanistan viele Kapitel. Von einem erzählt 1857 die Ballade des Schriftstellers Theodor Fontane. Sie trägt den Titel &#8222;Das Trauerspiel von Afghanistan&#8220; und schildert den gescheiterten Versuch des britischen Königreichs, in Kabul eine den Briten genehme Führung aufzubauen. &#8222;Zersprengt ist unser ganzes Heer&#8220;, lässt Fontane einen Kommandanten sagen: &#8222;Was lebt, irrt draußen in der Nacht umher, Mir hat ein Gott die Rettung gegönnt, Seht zu, ob den Rest ihr retten könnt.&#8220; Und die Ballade endet mit der deprimierenden Bilanz: &#8222;Mit dreizehntausend der Zug begann, Einer kam heim aus Afghanistan.&#8220;</p>
<p>Geheimdienste, Militärs und Politik sind ratlos. Wie konnte es soweit kommen? Die eigentliche Frage scheint aber vielmehr: Wieso wurden die vielen Signale übersehen und überhört, die schon früh das Scheitern befürchten ließen? Als Margot Käßmann 2010 im Neujahrsgottesdienst der Dresdner Frauenkirche die geradezu prophetische Aussage machte &#8222;Nichts ist gut in Afghanistan&#8220;, da erhob sich ein Sturm der Entrüstung gegen die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland. &#8222;Ich bin nicht naiv&#8220;, sagte sie damals in ihrer Predigt, &#8222;aber Waffen schaffen offensichtlich auch keinen Frieden in Afghanistan. Wir brauchen mehr Fantasie für den Frieden, für ganz andere Formen, Konflikte zu bewältigen.&#8220;</p>
<p>Genau dieser Ansatz, andere Formen als üblich zu entwickeln, er findet in der Politik leider viel zu selten Gehör. Viele militärische Interventionen zeigen, dass Waffengewalt allein eben noch kein demokratisches Staatswesen schafft. Meinungs- und Pressefreiheit zu etablieren, dazu Frauenrechte, Bildung und Kultur, die von Vielfalt und Toleranz geprägt sind, eine funktionierende Zivilgesellschaft – das verlangt einen langen Atem. Und Investitionen, die noch weit über den Ausgaben für alles Militärische liegen. Aber genau dies geschah in Afghanistan nicht. Umso bitterer, dass alle bisherigen Kraftanstrengungen und alle Fortschritte, die zweifellos erzielt wurden, sich jetzt in Luft auflösen könnten. Die Befürchtungen sind groß, dass in dem Land die Uhren wieder zurückgedreht werden. Die aktuellen Äußerungen der Taliban klingen indes überraschend aufgeschlossen. Haben sie dazugelernt? Die weitere Entwicklung wird es zeigen.</p>
<p>Viele Afghanen wollen und können jedoch diese nicht mehr abwarten. Auf Biegen und Brechen versuchen zum Beispiel afghanische Ortskräfte, die für die Bundeswehr oder Hilfsorganisationen im Einsatz waren, das Land zu verlassen. Deutschland und die Weltgemeinschaft müssen jetzt Verantwortung übernehmen. Sie haben ihr Wort gegeben. Die Flüchtenden müssen eine menschenwürdige Aufnahme finden.</p>
<p>Es wäre nur konsequent, wenn Regierung und Bundestag die entsprechenden Weichen stellten. Die Lage falsch einzuschätzen – das kann passieren. Dann muss aber auch die Verantwortung dafür übernommen werden, dass nicht am Ende einmal mehr die Schwächsten in ihrem Leid allein gelassen werden. Die Glaubwürdigkeit fundamentaler demokratischer Werte und Überzeugungen steht auf dem Spiel.</p>

<p><em>Der Autor ist Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing.</em></p>

<p><em><strong>Hinweis:</strong><br />
Vorliegender Text ist als Gastkommentar für die Sendung &#8222;Zum Sonntag&#8220; von Radio Bayern 2 erschienen.<br />
Sendetermin: 21. August 2021 / 17.55 Uhr. Unter diesem Link geht es zur <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/zum-sonntag/zum-sonntag108.html">Homepage der Sendung</a>.</em></p>

<p><strong>Bild:</strong> Pfr. Udo Hahn, Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing <em>(Foto: Haist/eat archiv)</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/nichts-ist-gut-in-afghanistan/">&#8222;Nichts ist gut in Afghanistan&#8220;</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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		<title>Zur Freiheit hat uns Christus befreit!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[makkuz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Aug 2021 08:29:16 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Freiheit bleibt im Sommer 2021 das allseits beherrschende Thema. Urlaub machen vom anstrengenden Pandemiealltag? – Mit Einschränkungen. Doch wo endet eigentlich die persönliche Freiheit? Und kann es einen Zwang zur Solidarität geben? Nach Freiheit fragt auch die Theologie. In seinem Blogbeitrag beschäftigt sich Studienleiter und Pfarrer Hendrik Meyer-Magister mit Freiheit und Verantwortung.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Freiheit bleibt im Sommer 2021 das allseits beherrschende Thema. Urlaub machen vom anstrengenden Pandemiealltag? – Mit Einschränkungen. Doch wo endet eigentlich die persönliche Freiheit? Und kann es einen Zwang zur Solidarität geben? Nach Freiheit fragt auch die Theologie. In seinem Blogbeitrag beschäftigt sich Studienleiter und Pfarrer Hendrik Meyer-Magister mit Freiheit und Verantwortung.</strong></p>
<p><em> </em></p>
<p><em>Freedom is just another word for nothing left to lose </em>schnodderte Janis Joplin 1970 ins Mikrofon. Grenzenlose Freiheit ist das große Thema ihres Folk-Hits &#8222;Me and Bobby McGee&#8220;. <em>Freiheit? Ist doch nur ein anderes Wort dafür, nichts mehr zu verlieren zu haben!</em> Sich von allen Bindungen frei gemacht zu haben, bedeutet, wahre Freiheit zu erleben. In diesem Geist trampt ein abgebranntes Paar durch die USA <em>all the way into New Orleans</em> und aus Kentucky bis in die Sonne Kaliforniens. Sie spielt Mundharmonika im Takt der Scheibenwischer, er singt den Blues, sie weiht ihn in die Geheimnisse ihrer Seele ein.</p>
<p>Freiheit! Das ist auch das Thema dieses Sommers. Endlich wieder unterwegs sein, Urlaub machen, den anstrengenden Pandemiealltag mal wieder hinter sich lassen können! Ich hoffe, Sie sind mittlerweile nicht so abgebrannt, dass Sie nach Italien trampen müssen, <em>all the way into Naples</em>… Vielleicht haben Sie ja auch einige unbeschwerte Tage &#8222;Ferien im Schloss&#8220; bei uns in Tutzing verbracht: ausspannen, im Liegestuhl liegen, sich von der Schlossküche verwöhnen lassen, alle kleinen und großen Sorgen des Alltags für ein paar Momente hinter sich lassen. Freiheit im Schloss, sozusagen. Doch kaum beginnen die Schulferien in Bayern, zeigt sich, wie verwundbar die Freiheit in den Sommerferien ist: Testpflicht für alle Reiserückkehrer:innen bei der Wiedereinreise aus dem Ausland. Grenzenlose Freiheit, wie wir Sie in einem friedlichen, geeinten Europa seit Jahrzehnten gewöhnt sind, kann es auch im Sommer 2021 noch nicht wieder geben.</p>
<p><strong>Freiheit und Solidarität</strong></p>
<p>Freiheit! Seit Beginn der Pandemie ringen wir um sie. Da sind die einen, die sich in ihren Grundrechten eingeschränkt fühlen durch Lockdowns und Ausgangsbeschränkungen. Was sie damit meinen ist: Auch angesichts einer globalen Pandemienotlage weiterhin tun und lassen zu können, was sie wollen, ohne dabei Rücksicht auf andere nehmen zu müssen. Dass sie damit ein Virus verbreiten könnten, dass anderen – oder ihnen selbst – gefährlich werden könnte, rechtfertigt für sie keine Freiheitseinschränkungen, wenn sie die ganze Pandemie nicht gleich für eine Erfindung finsterer Mächte halten. Freiheit – ohne Rücksicht auf Verluste!</p>
<p>Und da sind die anderen, die zur Solidarität mit vulnerablen Gruppen und besonders gefährdeten Menschen aufrufen. Alle sind zu Freiheitseinschränkungen aufgefordert und auch verpflichtet, um das Leben anderer nicht zu gefährden.</p>
<p>Die Debatte um Impfungen von Jugendlichen zeigt, dass auch hier sorgfältiges Abwägen nötig ist: Wieviel Solidarität kann man von den Bevölkerungsgruppen denn noch verlangen, die im Durchschnitt von Covid-19 nicht besonders gefährdet sind? Denn es ist das Wesen echter Solidarität, dass sie jenseits von wohlfeilen Solidaritätserklärungen immer mit echten Opfern zu tun hat: Wer wirklich solidarisch ist, verzichtet auf etwas. Und gerade junge Menschen, Krippen- und Kindergartenkinder, Schüler:innen, Auszubildende und Studierende haben bereits für die Solidarität mit Älteren über mehr als ein Jahr große Opfer gebracht: Notbetreuung, keine Schwimmkurse, kein Präsenzunterricht, keine Cliquentreffen, kein Kino, keine Partys, keine Clubs und Bars, kein Studierendenleben. Ein verlorenes Jahr in jungen Jahren, in denen jeder Monat zählt. Solidarität – ohne Rücksicht auf Verluste?</p>
<p><strong>Freiheit <em>von</em> und Freiheit <em>zu</em></strong></p>
<p>Freiheit ist auch das große Thema der Moderne. Es war das Projekt der Aufklärung und dann insbesondere des Liberalismus, bürgerliche Freiheiten gegen die absolutistischen Staaten und Herrscher des 17. und 18. Jahrhunderts zu erkämpfen und durchzusetzen. Bürgerliche Freiheitsrechte bedeuten in diesem Sinne zunächst einmal eine Freiheit von staatlicher Einmischung ins Private, ins Ökonomische und Religiöse. Man spricht hier von <em>negativer Freiheit</em>, der <em>Freiheit von</em> etwas. In der Tat ist das die Wurzel des Grundrechtskatalogs des Grundgesetzes: Gewissensfreiheit, Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit usw. sind <em>Abwehrrechte</em> gegen staatliche Ein- und Übergriffe in die ganz eigene Freiheitssphäre der Person. Hier liegt das berechtige Erbe des politischen Liberalismus in unserer Gesellschaft und Politik.</p>
<p>Besonders pointiert lässt sich dieses Freiheitsverständnis beim deutschen Aufklärer schlechthin, Immanuel Kant, finden: Meine Freiheit endet dort, wo die Freiheit meines Nächsten beginnt – und auch erst dort. Im Bild gesprochen: Solange meine Bäume nicht über den Zaun zum Nachbarn wachsen, darf ich innerhalb meines Gartens anpflanzen, was ich will. Im Bereich meiner Freiheit darf ich tun und lassen, was ich möchte. Der Staat hat lediglich die äußere Aufgabe, die Einhaltung der Grenze zwischen den Grundstücken zu gewährleisten, also die einzelnen Freiheitsräume gegeneinander abzustecken und zu wahren. Das allgemeine Prinzip aus Kants Rechtslehre lautet folglich: &#8222;Handle äußerlich so, dass der freie Gebrauch deiner Willkür mit der Freiheit von jedermann nach einem allgemeinen Gesetz zusammenbestehen könne.&#8220; Schon an diesem klassischen, aufklärerisch-liberalen Freiheitsbegriff wird klar, wie die Forderung auch in der Pandemie weiterhin tun und lassen zu können, was man will, nicht aufgeht. Denn indem ich ohne Maske in den Supermarkt gehe, zwinge ich andere, stärker gefährdete Personen mir aus dem Weg zu gehen und schränke sie so in ihrer Freiheit ein. Meine Aerosole wehen eben auch über den Gartenzaun. Kant hätte Maske getragen.</p>
<p>Es gibt aber noch einen zweiten Strang des modernen Freiheitsdiskurses, der besonders mit dem Namen Hegels verbunden ist. Es ist der Gedanke, dass Freiheit auch ermöglicht werden muss. Statt von negativer, ist hier von <em>positiver Freiheit</em> die Rede. Es geht um die <em>Freiheit zu</em> etwas. Wer etwa fordert: &#8222;Freie Fahrt für freie Bürger!&#8220; und aus Freiheitsgründen gegen ein staatliches Tempolimit auf der Autobahn argumentiert, darf nicht vergessen, dass es der Staat als politisches Organ der Gesellschaft ist, der überhaupt die Autobahn gebaut hat und unterhält. Gäbe es keinen aus den Steuern aller Bürger:innen finanzierten Straßenbau, wäre &#8222;Freie Fahrt für freie Bürger!&#8220; eine absurde und lächerliche Parole, während man mit der PS-starken Limousine im Schneckentempo über den Acker holpert.</p>
<p>Man muss nicht so weit gehen wie Hegel und den preußischen Staat des 19. Jahrhunderts als höchste Verwirklichung von Freiheit und Sittlichkeit preisen, um zu erkennen: Freiheit ist nicht voraussetzungslos, sondern muss immer auch institutionell verwirklicht und ermöglicht werden. Negative Freiheit setzt positive Freiheit voraus. Im Übrigen findet sich auch dieser Gedanke im Grundrechtskatalog des Grundgesetzes: Die Rechte auf körperliche Unversehrtheit, auf freie Entfaltung der Person oder der freien Religionsausübung lassen sich auch als <em>Anspruchsrechte</em> lesen, die den Staat nicht nur auffordern, sich aus dem Leben seiner Bürger:innen herauszuhalten, sondern ihn genauso in die Pflicht nehmen, für ein funktionierendes und für alle zugängliches Gesundheitssystem sowie für Rahmenbedingungen des religiösen Lebens Sorge zu tragen.</p>
<p><strong>Freiheit in Gemeinschaft</strong></p>
<p>Freiheit in ihren verschiedenen Facetten ist auch ein Thema der Theologie. Ein theologischer Freiheitsbegriff beginnt mit der schlichten Einsicht, dass wir Menschen sind und keine Götter. Absolut frei ist nur Gott. Als Menschen erleben wir Freiheit nie unbedingt – wir sind an Raum und Zeit gebunden wie auch an Naturgesetze, die uns etwa daran hindern, uns einfach in die Lüfte zu erheben, selbst wenn wir es wollten. Einen theologisch-qualifizierten Freiheitsbegriff hat der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland und Berliner Bischof Wolfgang Huber pointiert auf den Begriff gebracht: Freiheit ist immer <em>kommunikative Freiheit</em>, Freiheit in <em>communio</em>, in Gemeinschaft. Das beginnt bei der Gemeinschaft mit Gott, dem wir das Leben und seine Rechtfertigung verdanken. Konkret: Weil Gott uns geschaffen hat und annimmt, tragen wir Menschen Würde – der theologische Ausgangspunkt für die unverhandelbaren negativen Freiheitsrechte, die diese Würde schützen und in den Menschenrechten kodifiziert sind. Unsere menschliche Freiheit gründet in unserer Gottesbeziehung. Sie ist von Gott gewährt und schon allein deshalb nicht schrankenlos. Dabei ist es eine entscheidende Einsicht der Reformation, dass wir in dieser Gottesbeziehung durch Gnade befreit sind zur Freiheit, wie es Paulus den Galatern schreibt: <em>Zur Freiheit hat uns Christus befreit!</em> (Gal  5,1). Weil für unser Heil gesorgt ist, sind wir frei uns dem Nächsten in seinen Sorgen und Nöten zuzuwenden. Christliche Freiheit ist eine Freiheit, die den Nachbarn und die Nächste nicht allein als Beschränkung der eigenen Freiheit wahrnimmt, sondern geradezu als Aufgabe. Aus christlicher Freiheit seine Nächsten zu lieben und ihnen zu dienen heißt, Verantwortung für sie zu übernehmen. Ja, es heißt, für ihre Freiheit Sorge zu tragen.</p>
<p>Solidarität und Freiheit, um deren Balance wir in diesen Zeiten kämpfen, sind so beileibe kein plumper Gegensatz, sondern Teile eines vertieften Verständnisses von Freiheit. In ihm werden negative wie positive Freiheiten vermittelt und andere Menschen nicht allein als Grenze, sondern als Grund und Aufgabe meiner eigenen Freiheit begriffen. Aus Freiheit und Verantwortung entsteht so die freiheitliche Gesellschaft als ein balanciertes &#8222;System gleicher Freiheiten&#8220; (Wolfgang Huber).</p>
<p>Freiheit wird ermöglicht in Gemeinschaft und realisiert sich in Gemeinschaft. Auch diesen Gedanken kennt unser Grundgesetz, etwa beim Gedanken, dass &#8222;Eigentum verpflichtet&#8220;. Unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung ist ein ausgewogenes und damit zukunftsfähiges Modell, das Freiheit mit Solidarität und Verantwortung verbindet. Das Bundesverfassungsgericht hat dies bereits im Jahr 1954 einmal festgehalten: &#8222;Das Menschenbild des Grundgesetzes ist nicht das eines isolierten souveränen Individuums; das Grundgesetz hat vielmehr die Spannung Individuum – Gemeinschaft im Sinne der Gemeinschaftsbezogenheit und Gemeinschaftsgebundenheit der Person entschieden, ohne dabei deren Eigenwert anzutasten. […] Dies heißt aber: der Einzelne muss sich diejenigen Schranken seiner Handlungsfreiheit gefallen lassen, die der Gesetzgeber zur Pflege und Förderung des sozialen Zusammenlebens in den Grenzen des bei dem gegebenen Sachverhalt allgemein Zumutbaren zieht, vorausgesetzt, dass dabei die Eigenständigkeit der Person gewahrt bleibt.&#8220; (BVerGE 4, 7). Quintessenz: Freiheit heißt nicht, einfach tun und lassen zu können, was man möchte, sondern die freien Bürger:innen tragen auch immer Verantwortung für das Gemeinwohl.</p>
<p>Am Ende ihrer Reise trennen sich übrigens die Wege von &#8222;Me and Bobby McGe&#8220;“. Für mich ist das die wahre Tragik und auch Botschaft dieses Songs. Sie verliert alles, was sie doch noch verlieren kann: ihren Geliebten, ihren Seelenverwandten. Er will sesshaft werden, ein Zuhause gründen, sie nicht. Und so machen sie sich wieder voneinander frei. Am Ende bleibt ihr Nichts von Bobby: <em>Nothin&#8216;, and that&#8217;s all that Bobby left me</em>. Am Ende ist sie zwar frei, aber allein. Einseitige <em>Freiheit von</em> stiftet eben keine verantwortlichen Beziehungen und auch keine tragende Gemeinschaft. Oder auch: Mit negativer Freiheit allein ist kein Staat zu machen.</p>

<p><em>Dr. Hendrik Meyer-Magister</em></p>
<p><a href="https://www.eatutzing.de/mitarbeiter/nn-referat-vier/" target="_blank" rel="noopener"><em>Studienleiter für Gesundheit, Künstliche Intelligenz und Spiritual Care</em></a></p>

<p><strong>Bild:</strong> Gedanken zur Freiheit &#8211; mit Blick vom Park der Akademie auf den See <em>(Foto: hmm/eat archiv)</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/zur-freiheit-hat-uns-christus-befreit/">Zur Freiheit hat uns Christus befreit!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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