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	<title>Digitale Welten Archive - Evangelische Akademie Tutzing</title>
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	<title>Digitale Welten Archive - Evangelische Akademie Tutzing</title>
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		<title>Von Lügen, Bildung und Medienkompetenz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[makkuz]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 Jun 2019 12:28:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Digitale Welten]]></category>
		<category><![CDATA[BJV]]></category>
		<category><![CDATA[Fake-News]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Lügen]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Busch]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Michael Busch, Vorsitzender des  schreibt in einem Gastbeitrag für die Evangelische Akademie Tutzing über den Zusammenhang von Lügen, Bildung und Medienkompetenz – und was das für den Journalismus bedeutet.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/von-luegen-bildung-und-medienkompetenz/">Von Lügen, Bildung und Medienkompetenz</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Lügen ist nicht strafbar. Ein Kind wird das bestreiten, weiß es doch um die Sanktionen, die es treffen, wenn es bei der Äußerung von Unwahrheiten entdeckt worden ist. Hausarrest, kein Eis und natürlich der gut gemeinte elterliche Rat: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn er tausendmal die Wahrheit spricht!“ Es ist allerdings eine moralische Reaktion, in der Regel bedingt durch eine gesellschaftliche Konvention. Juristisch ist das Lügen aber nicht strafbar.</p>
<p>Im Gegenteil, es wird in der Gesetzgebung ausdrücklich darauf hingewiesen, dass ein Angeklagter zum Beispiel lügen darf, sofern er sich dadurch nicht strafbar macht. Die Lüge wird als Schutzbehauptung tituliert, wenn sie zur eigenen Entlastung dient. Und in Vorstellungsgesprächen darf bei bestimmten Fragen ebenfalls gelogen werden, hier wird die Straffreiheit unter bestimmten Bedingungen sichergestellt. Erst wenn die Lüge eine Verleumdung darstellt, wenn sie ein Aussagedelikt ist wie eine Falschaussage oder ein Meineid, wenn die Lüge ein Betrugsdelikt darstellt, bei der es in Folge zu einer Vermögensschädigung kommt, gibt es eine strafrechtliche Relevanz.</p>
<p>Und genau da besteht das Problem bei den sogenannten Fake News. Manipulativ verbreitete, vorgetäuschte Nachrichten, „die dazu dienen die Öffentlichkeit für bestimmte politische und/oder kommerzielle Ziele zu manipulieren“, beschreibt netzpolitik.org dieses Phänomen. Doch auch wenn man den Eindruck hat, dass eine präsidiale Adelung Fake News gesellschaftsfähig machen sollten, muss man ganz nüchtern feststellen: Fake News sind nichts anders als Lügen. Der Begriff Fake News ist bereits eine Mogelpackung, ein Schwindel. Denn das Wort Nachrichten (englisch News) entstammt dem Wort Nachrichtung, also etwas, nach dem man sich zu richten hat – das beschreiben diverse Lexika so, unter anderem Wikipedia. Per se sollten Nachrichten damit nicht „gefaked“ sein, da sie bereits eine Selektion der weltweit stattfindenden Ereignisse darstellen. Und ein „nicht stattgefundenes Ereignis“ kann somit schon keine Nachricht sein – es ist, ja Sie haben es erkannt – es ist „nur“ eine Lüge.</p>
<p><strong>Donald Trump stellt gemäß <em>Washington Post</em> täglich 8,3 Falschbehauptungen auf</strong></p>
<p>Bevor ich zur Frage komme, wie dem entgegenzutreten ist, möchte ich aber noch einen zweiten Sachverhalt anführen, der mindestens ebenso verwerflich ist, wie die Fake News selber: der Titulierung von Nachrichten als Fake News. Ich muss da leider nochmals den Präsidenten der USA anbringen, da Donald Trump nicht nur dadurch auffällt, dass er selber Fake News verbreitet (durchschnittlich 8,3 falsche Behauptungen pro Tag, laut <em>Washington Post</em> im Jahr 2018; Tendenz steigend), er bezeichnet Nachrichten, die ihn in einem schlechten Licht dastehen lassen, wiederum als Fake News.</p>
<p>Lügenpresse ist das Schlagwort, das wir wiederum hier in Deutschland kennen und geschichtlich einordnen sollten. Das politische Schlagwort ist polemisch und herabsetzend gegenüber medialer Ereignisse. Ein antisemitischer Hintergrund, der bei der Wahrnehmung dieses Begriffes mitschwingen sollte, um eine entsprechende Einordnung vornehmen zu können. Der Vorwurf der Fake News/Lügenpresse beruhen letztlich auf der Idee, Journalisten zu diskreditieren, einzuschüchtern und mundtot zu machen.</p>
<p>Eine Frage, die mich in diesem Zusammenhang, sowohl als Redakteur als auch als Vorsitzender des Bayerischen Journalistenverbandes immer erreicht, lautet: „Können wir uns dagegen überhaupt wehren?“ Mitschwingend immer die Frage der Strafbarkeit von Fake News. Lügen sind nicht strafbar – strafrechtlich. Aber die Gesellschaft kann den Lügen entgegentreten durch gesellschaftliche Sanktionen, durch Ahndungen, die den Urheber der Fake News ebenso bloßstellen, wie denjenigen, der diese ungeprüft verbreitet. Es ist eine einfache Wahrheit, die lediglich in der Umsetzung schwierig ist. „Wissen ist Macht!“, lautet der Grundsatz, um den Fake News entgegenzutreten.</p>
<p><strong>Medienkompetenz als Mittel, um Fake News entgegenzutreten</strong></p>
<p>Oder anders formuliert: Medienkompetenz ist die Lösung. Leider verstehen viele Menschen unter diesem Begriff die Ansage, wie der Mensch die vielen medialen Ausspielgeräte zu bedienen hat. Das hat mit Medienkompetenz allerdings nichts zu tun. Mein 12-jähriger Sohn erklärt mir in kürzester Zeit wie ich Laptop, Pad, Handy oder andere „Devices“ zu bedienen habe. Tipps und Tricks für den optimalen Einsatz sind den „Digital-Native-Speaker“ längst ins Blut übergegangen. Nein, das ist nicht die Medienkompetenz, um die es geht.</p>
<p>Die Medienkompetenz beruht im Grunde auf einer alten Idee: Bildung. Der deutsche Kulturphilosoph Paul Anton de Lagarde erklärte bereits im 19. Jahrhundert, also zeitlich weit entfernt jeglicher medialen Überfrachtung: „Bildung ist die Fähigkeit, Wesentliches vom Unwesentlichen zu unterscheiden und jenes ernst zu nehmen!“ Das ist die Vorgabe, die es gilt gesellschaftlich zu implementieren. Der Mensch muss lernen, wie er mit den Inhalten der medialen Flut umzugehen hat. Er kann sich leider nicht mehr darauf verlassen, dass Profis – in diesem Falle Journalisten – Nachrichten selektieren, generieren, verbreiten. Er kann sich nicht darauf verlassen, dass die Informationen, die ihn erreichen, gründlich recherchiert worden sind, dass verschiedene Quellen die Sicherheit der Wahrhaftigkeit erhöhen, dass es außer dem journalistischen Ethos, keinen weiteren, unter Umständen wirtschaftlich oder politisch motivierten Antriebs- und Hintergrund gibt.</p>
<p><strong>Informationen einordnen lernen</strong></p>
<p>Jeder Einzelne wird lernen müssen, wie er Informationen, die ihn erreichen, einzuordnen hat. Wer ist der Autor? Wer finanziert den Autor? Welche Quellen bestätigen die Informationen? Ist es eine sachliche Information oder eine Meinung? Welches Interesse könnte hinter der vermeintlichen Nachricht stehen? Welche Auswirkung hat die Informationen auf den Einzelnen, auf die Gesellschaft, auf bestimmte Gruppierungen? Wie alt ist die Info? Gibt es eine Querfinanzierung? Wie sind die Verbreitungswege? Gibt es Filter, die weitere Informationen zurückhalten?</p>
<p>Sie meinen das überfordert den Einzelnen? Ja, das glaube ich auch. Die Vermittlung von Medienkompetenz liefert letztlich das Werkzeug, um obenstehende Fragen (und deutlich mehr) zu beantworten. Es fehlt allerdings der Faktor Zeit sowie der eigene Wille, permanente Überprüfungen vorzunehmen. Ist die Vermittlung von Medienkompetenz daher eine schlechte, weil letztlich nicht umsetzbare Lösung? Nein, ganz im Gegenteil. Denn die Vermittlung vom Medienkompetenz wird eine logische Auflösung haben: die Erkenntnis, welche Medien vertrauenswürdig sind. Medien, die keine Fake News verbreiten, aber auch Urhebern dieser Lügen keine Plattform geben, optimalerweise diese sogar entlarven.</p>
<p><strong>Der Journalismus wird seiner Wächterrolle wieder gerecht werden</strong></p>
<p>Ich bin davon überzeugt, dass die intensive Vermittlung von Medienkompetenz zur Renaissance des Journalismus führen wird. Sicher: sozial-mediale Tummelplätze werden weiter existieren. Aber in dem Bewusstsein, dass es sich dort in der Regel um, aus welchen Gründen auch immer, gesteuerten Inhalten handelt. Um Meinungen, die jeder äußern darf, um Aussagen, die unter Umständen nur bedingten Wahrheitsgehalt besitzen.</p>
<p>Der Journalismus wird seiner Wächterrolle aber wieder gerecht werden. Die angesprochenen Handwerkzeuge werden von Profis genutzt, die entsprechend wieder selektieren, generieren und verbreiten. An dieser Stelle bitte nicht falsch verstehen, dass alles so wird, wie es mal war&#8230;</p>
<p>Nein, das wird sicher nicht der Fall sein. Es geht nicht darum, dass die Ausspielkanäle so weiter existieren, wie in der Vergangenheit oder momentan. Es geht auch nicht darum, ob in einigen Jahren noch eine Papierzeitung existiert, ob es Programmschemata für die Rundfunkanstalten gibt und die Tagesschau unumstößlich um 20 Uhr den Abend einläutet.</p>
<p>Es geht darum, dass Journalismus seine Glaubwürdigkeit angesichts der momentanen Entwicklung (Spiegel Affäre; RTL-Falschmeldungen&#8230;) wieder zurückgewinnt. Dass Journalismus in der Gesellschaft Bestand hat und Garant dafür ist, dass Fake News keine Chance haben, dass der Bürger auf die neutrale Presse vertrauen kann. Dass der Begriff „Lügenpresse“ historisch eingeordnet bleibt und aktiv keine Rolle mehr spielt. Es geht darum, dass Lügen zwar strafrechtlich nicht belangt werden können, aber eine gesellschaftliche Ächtung dafür sorgt, dass eine juristische Strafbarkeit auch keine Rolle spielen muss.</p>

<p><em><strong>Michael Busch ist seit 2013 Vorsitzender des Bayerischen Journalistenverbands e.V.  Im Mai 2019 wurde er für eine vierte Amtszeit gewählt. Seit Mai 2017 vertritt der langjährige Redakteur den BJV auch im Medienrat der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM).</strong></em></p>
<p><em><strong> </strong></em></p>
<p><strong>Hinweis:</strong><br />
Vorliegender Beitrag ist Gastkolumne der Juli-Ausgabe des Newsletters der Evangelischen Akademie Tutzing, die am 28. Juni 2019 erscheint. <a href="https://www.eatutzing.de/aktuelles-presse/newsletter/">Nähere Informationen hier</a>.</p>

<p><strong>Bild:</strong> Michael Busch <em>(Copyright: Stefan Gregor)</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/von-luegen-bildung-und-medienkompetenz/">Von Lügen, Bildung und Medienkompetenz</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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		<title>Volker Herres: Für einen intellektuellen Schulterschluss der Qualitätsmedien</title>
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		<dc:creator><![CDATA[makkuz]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 27 Mar 2019 09:25:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Digitale Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Desinformation]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Evangelische Akademie Tutzing]]></category>
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		<category><![CDATA[Volker Herres]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Die glücklichen Zeiten der Menschheit sind die leeren Blätter im Buch der Geschichte“, hat der deutsche Historiker Leopold von Ranke gesagt. Wenn das stimmt, dann müssen wir derzeit hellwach sein. Denn wir alle spüren doch, wie lange Zeit sicher geglaubte Gewissheiten ins Wanken geraten: Epochaler ökonomischer, technologischer und politischer Wandel. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Globalisierung, Handelskriege, [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/volker-herres-fuer-einen-intellektuellen-schulterschluss-der-qualitaetsmedien/">Volker Herres: Für einen intellektuellen Schulterschluss der Qualitätsmedien</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>„<em>Die glücklichen Zeiten der Menschheit sind die leeren Blätter im Buch der Geschichte</em>“, hat der deutsche Historiker Leopold von Ranke gesagt. Wenn das stimmt, dann müssen wir derzeit hellwach sein. Denn wir alle spüren doch, wie lange Zeit sicher geglaubte Gewissheiten ins Wanken geraten: Epochaler ökonomischer, technologischer und politischer Wandel. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Globalisierung, Handelskriege, Klimawandel, Erderwärmung, Migration, Fremdenfeindlichkeit, ja selbst wieder offener Antisemitismus ausgerechnet bei uns. Ein Amerika, das sich vom Multilateralismus zurückzieht. Putins Russland auf imperialem Retro-Kurs. China kühl kalkulierend auf dem Weg zur Weltmacht. Neuer Hyperwaffen-Rüstungswettlauf, Populismus und Renationalisierungs-Tendenzen in einem sich verzwergenden Europa, &#8211; das alles füllt ganze Kapitel im Buch der Geschichte.</p>
<p>Aufgepasst also – beim Rendezvous mit der Wirklichkeit. Denn nichts von dem, was dieses Land so lebenswert macht, ist für ewig garantiert, wenn wir es nicht verteidigen, wenn wir uns nicht engagieren für eine offene Gesellschaft &#8211; und gegen ihre Feinde.</p>
<p>In Zeiten wie diesen, können wir uns eine dysfunktionale Öffentlichkeit nicht leisten. In der digitalen Welt des Netzes aber zerfällt Öffentlichkeit in immer mehr Teilbereiche, in Filterblasen und Echokammern. Oder wie Francis Fukuyama in seinem neuen Buch „Identity“ schreibt: Im Netz entstehen „<em>eigenständige Gemeinschaften, die durch geteilte Identitäten abgeschottet sind</em>“. Eine funktionierende, eine übergreifende Öffentlichkeit aber ist für die Demokratie essentiell. Thomas Jefferson, Verfasser der Unabhängigkeitserklärung und dritter Präsident der Vereinigten Staaten hat es – aktueller denn je – treffend formuliert: „<em>Information &#8211; ist die Währung der Demokratie</em>.“ Das Netz indes kassiert die tradierte Ordnung des gesellschaftlichen Diskurses. Klassische Qualitätsmedien büßen ihre Rolle als Gatekeeper ein. Und dieser Strukturwandel der Öffentlichkeit ist keineswegs neutral. Der Logik der Datenökonomie folgend, gewinnt Aufmerksamkeit immer die Zuspitzung und Emotionalisierung gegenüber der Sachlichkeit und der Differenzierung. Und so werden politische Diskussionen manipulationsanfälliger, kurzatmiger, polemischer. Sie bewegen sich zwischen Mainstream, Skandalisierung, Shitstorm, Empörung und „<em>Helikopter-Moral</em>“ , wie der deutscher Psychoanalytiker  Wolfgang Schmidbauer die Neigung globalisierter Konsumgesellschaften zu ständigen und überstürzten moralischen Bewertungen, ohne genaue Kenntnis, aber mit umso festerer Gesinnung, beschrieben hat. Im Netz gilt zuweilen: Dumm klickt gut.</p>
<p>Demokratie aber braucht den Dialog, den Diskurs, die Differenzierung und die Kompromisssuche, nicht den gesinnungsgetriebenen Schlagabtausch. Sie basiert auf Vernunft, nicht auf Gefühlen und Ängsten. Wenn aber die Information, also die Währung der Demokratie, verkommt, dann muss, wer nichts mehr sicher weiß, alles glauben. &#8211; Die politischen Auswirkungen können wir in Europa wie in den USA gleichermaßen beobachten. Die Anfälligkeit für die Männer und Frauen mit den einfachen Antworten steigt. Die Disruption, sie ist eben nicht neutral, sie nagt an der Demokratie. Und deshalb brauchen wir in diesen Zeiten &#8211; bei allem Wettbewerb &#8211; auch den intellektuellen Schulterschluss der Qualitätsmedien. Denn wer sonst sollte die Gegenkraft darstellen? So haben es uns auch die Verfassungsrichter in ihrem jüngsten Urteil im Juli letzten Jahres aufgetragen, nämlich „<em>durch authentische, sorgfältig recherchierte Informationen die Wirklichkeit nicht verzerrt darzustellen und das Sensationelle nicht in den Vordergrund zu rücken</em>“.</p>
<p>Wenn das gelingen soll, dann müssen wir uns täglich fragen, wie durch Qualität, Attraktivität und Kreativität unserer Angebote, durch kluge Aufmachung und Platzierung ein breites Publikum – so breit wie möglich &#8211; interessiert werden kann für politisch und gesellschaftlich relevante Inhalte. Dazu braucht es übrigens Profis in den Redaktionen. Und deswegen muss Journalismus eine Profession bleiben und wir müssen auch in die Ausbildung des Nachwuchses investieren.</p>
<p>Dass Verleger, Printmedien und öffentlich-rechtliche Programmanbieter in der Analyse nah sind, zeigt mir etwa die Ausschreibung des Theodor-Wolff-Preises 2019, des Journalisten-Preises der deutschen Zeitungen. Als Thema des Jahres hat die Jury „<em>Welt im Umbruch – Demokratie in Gefahr?</em>“ ausgelobt. Bei diesem Thema sitzen wir in einem Boot und die Gegner sind andere. Und deshalb sollten sich, finde ich, gerade jene nicht gegenseitig bekämpfen, oder auch nur desavouieren  &#8211; Stichworte „<em>Staatsfunk</em>“ oder „<em>Zwangsbeitrag</em>“ &#8211; die, immer noch &#8211; alle Studien zeigen es &#8211; die größte Glaubwürdigkeit bei den Lesern, den Zuhörern oder Zuschauern genießen. Das ist unser Kapital, das des Rundfunks und der Verlage gleichermaßen. Das müssen wir uns täglich verdienen. Und das sollten wir nicht selbst beschädigen.</p>
<p>Wenn es um die Glaubwürdigkeit deutscher Medien geht, gibt’s durchaus Erfreuliches. Egal welche Untersuchung man heranzieht: Sie ist gestiegen. 2015 noch, so eine infratest-dimap-Untersuchung, antworteten auf die Frage, ob sie Informationen in den deutschen Medien für glaubwürdig halten, 52% mit „<em>Ja</em>“. Aktuell sind es 65%. Also ein klares Plus! Und eine aktuelle Studie des „<em>Pew Research-Center</em>“ wiederlegt einen vermeintlichen Trend: Zwar beziehen 73 Prozent der 18- bis 29-Jährigen hierzulande ihre Nachrichten am ehesten online. Aber ihr Vertrauen gilt dort am ehesten den &#8211; Achtung! &#8211; Online-Angeboten etablierter Printmarken und des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.</p>
<p>Und deshalb ist für mich der gefährlichste Gegner nicht das Konkurrenzblatt oder der Konkurrenzsender, sondern Politikverdrossenheit in unheiliger Allianz mit gezielter Desinformation. Im Geiste des überaus erfolgreichen Volksbegehrens zum Schutz der Artenvielfalt in Bayern sollten wir daher &#8211; bei aller gesunden journalistischen Konkurrenz &#8211; auch wieder mehr Schulterschluss wagen und die Artenvielfalt in den Qualitäts-Medien als das begrüßen, was sie ist: Reichtum nämlich!</p>

<p><em>Der Autor, Volker Herres, ist Fernsehjournalist und Programmdirektor des Ersten Deutschen Fernsehens. </em></p>
<p><strong>Bild:</strong> Volker Herres <em>(Foto: ARD//Herby Sachs)</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/volker-herres-fuer-einen-intellektuellen-schulterschluss-der-qualitaetsmedien/">Volker Herres: Für einen intellektuellen Schulterschluss der Qualitätsmedien</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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			</item>
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		<title>Die Zukunft der Bildungsarbeit am Beispiel der Evangelischen Akademie Tutzing</title>
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		<dc:creator><![CDATA[makkuz]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Jul 2018 06:16:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Digitale Welten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es ist inzwischen eine Binsenweisheit: Die Digitalisierung erfasst alle Lebens- und Arbeitsbereiche. – Man mag diese Aussage für übertrieben halten. Niemand sollte sie jedoch ignorieren. Auch die Evangelische Akademie Tutzing befasst sich mit diesem Thema. Einerseits wird es unter spezifischen Gesichtspunkten in Tagungen diskutiert – wenn es etwa um die Macht der Datenkraken geht, Big [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/die-zukunft-der-bildungsarbeit-am-beispiel-der-evangelischen-akademie-tutzing/">Die Zukunft der Bildungsarbeit am Beispiel der Evangelischen Akademie Tutzing</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist inzwischen eine Binsenweisheit: Die Digitalisierung erfasst alle Lebens- und Arbeitsbereiche. – Man mag diese Aussage für übertrieben halten. Niemand sollte sie jedoch ignorieren. Auch die Evangelische Akademie Tutzing befasst sich mit diesem Thema. Einerseits wird es unter spezifischen Gesichtspunkten in Tagungen diskutiert – wenn es etwa um die Macht der Datenkraken geht, Big Data, 3-D-Druck, Datenschutz und anderes mehr. Andererseits berührt es auch die Arbeit der Studienleiterinnen und Studienleiter.</p>
<p>Meine These lautet: Das Berufsbild wandelt sich derzeit so stark wie das von Journalistinnen und Journalisten seit den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts.</p>
<p>Zur Erinnerung: Damals war es durchaus üblich, dass Redakteurinnen und Redakteure ihre Texte auf Band diktierten, die dann von Sekretärinnen abgetippt und von Schriftsetzern verarbeitet wurden. Die Bildredaktion sorgte für die passende Optik – kurzum: Am Entstehen einer Zeitungsseite waren viele Hände beteiligt – bis der technische Fortschritt auch hier Einzug hielt, der Desktop-Publishing, Publizieren vom Schreibtisch aus, also den rechnergestützten Satz von Bildern und Texten möglich machte. Diese Entwicklung machte es möglich, viele Arbeitsschritte in die Hand des Redakteurs zu verlagern. Der schreibt seither seine Texte selbst am PC, besorgt das Bildmaterial und konzipiert in Abstimmung mit der Anzeigenabteilung das Layout der Seite. Auch im Bereich von Hörfunk und Fernsehen vollzieht sich eine Verdichtung der Arbeit. Video-Journalisten sind hier als Beispiel zu nennen. Sie nehmen die Aufgaben eines Journalisten, Tontechnikers, Kameramannes und Cutters in einer Person wahr. Mit Hilfe der Digital-Video-Technologie konzipiert, dreht und schneidet er filmische Beiträge praktisch im Alleingang. Die technischen Möglichkeiten machen es möglich, beim öffentlich-rechtlichen wie beim privaten Hörfunk und Fernsehen die bislang getrennten Bereiche von Text, Bild und Ton in gemeinsamen Redaktionen zu bündeln, Stichwort Trimedialität.</p>
<p><strong>Marktplätze der digitalen Welt</strong></p>
<p>Einen vergleichbar radikalen Wandel sehe ich in der Arbeit von Studienleiterinnen und Studienleitern. Er ist eng mit der Digitalisierung verbunden. Bisher haben Studienleiter zu einem bestimmten Thema eine Wochenendtagung konzipiert, sich also überlegt, wie viele Referentinnen und Referenten von Freitag Abend bis Sonntag Mittag benötigt werden, wie der Spannungsbogen aussehen muss, um ein attraktives Programm für möglichst viele Gäste zusammen zu stellen. Zusammen mit einer Assistentin und Grafikerin gewann das Vorhaben Gestalt. Er Tagungsflyer wurde sechs bis acht Wochen vor Beginn der Tagung verschickt und die Anmeldungen registriert. Die Tagung wurde durchgeführt – und hinterher unter organisatorischen und inhaltlichen Gesichtspunkten ausgewertet. Diese Vergangenheit bestimmt weithin die Gegenwart – aber es handelt sich, zugespitzt formuliert, um ein Auslaufmodell.</p>
<p>Wir haben im Jahre 2013 Prof. Dr. Heribert Prantl, Mitglied der Chefreaktion der Süddeutschen Zeitung einen der profiliertesten Publizisten in unserem Land, in eine Kollegiumsklausur eingeladen. Wir wollten von ihm wissen, wie er unsere Arbeit einschätzt – und in welche Richtung wir uns weiter entwickeln sollen/müssen. Prantls Einschätzung lässt sich in zwei Sätze fassen: Die Evangelische Akademie Tutzing ist ein Begegnungs- und Kompetenzzentrum. Dies muss sie zukünftig auch in der digitalen Welt sein.</p>
<p>Die Akademie ist ein Ort der Begegnung, an dem seit nunmehr siebzig Jahren Vortragende wie Gäste im persönlichen Gespräch über die Herausforderungen unserer Zeit um Orientierung ringen. Meinungsbildung, selber denken (lernen) – das macht die gemeinsame Anwesenheit an einem Ort möglich. Dabei handelt es sich inzwischen nicht mehr um ein exklusives Modell des Diskurses. Meinungsbildung geschieht heute auch im Internet, im World Wide Web, in den Social Media. Die Digitalisierung macht es möglich, unabhängig von Ort und Zeit, Informationen zu sammeln, sie in der virtuellen Welt zur Diskussion zu stellen und zu diskutieren. Tatsächlich ist die Welt zum global village, zum globalen Dorf geworden, wie es der Kommunikationstheoretiker Marshall McLuhan 1962 prägte. Und um im Bild zu bleiben: Zu einem Dorf gehört ein Marktplatz. Ein Ort, an dem viele ihren Stand aufbauen und ihre Produkte und Ideen anbieten (können). Das Bild vom Marktplatz ist nicht neu. Schon der Apostel Paulus hat zu seiner Zeit den Ort des Meinungsstreits schlechthin, den Areopag, aufgesucht und Menschen für die Sache des christlichen Glaubens zu interessieren versucht.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund ist es nur konsequent, neue technische Möglichkeiten zu nutzen. Idealerweise geschieht dies nicht unkritisch. So hat die Evangelische Akademie Tutzing ihre Kommunikation in den letzten fünf Jahren online ausgebaut. Sie hat ihre Website nutzerfreundlich umgestaltet, einen Account auf Facebook, Twitter und Youtube etabliert sowie einen monatlichen E-Mail-Newsletter eingerichtet. Und sie hat zusammen mit einem Dienstleister – dem Evangelischen Presseverband für Bayern – ein Online-Magazin etabliert: die „Tutzinger Thesen“ (<a href="http://www.tutzinger-thesen.de">www.tutzinger-thesen.de</a>). Ausgewählte Tagungen werden journalistisch begleitet und die Ergebnisse redaktionell aufbereitet auf den genannten Plattformen kommuniziert, auch in bewegten Bildern. Und einmal im Jahr erscheint eine gedruckte Ausgabe der „Tutzinger Thesen“.</p>
<p>Im Lichte der neuen Möglichkeiten ist es die Aufgabe von Studienleiterinnen und Studienleitern, schon die entstehende Tagungsidee mit an diesem Thema interessierten Menschen zu diskutieren. Durch die Beteiligung von potentiellen Gästen kann der inhaltliche Aufriss noch besser auf die Nutzer zugeschnitten werden. Durch die Kolumne einer Referentin oder „Drei Fragen an…“, ein Interview mit einem Referenten, lässt sich schon lange vor dem Versand des fertigen Einladungsflyers ein Diskurs mit Interessierten beginnen. Die Idee der Social Media besteht darin, dass Menschen anderen von ihren Entdeckungen berichten und so die Zahl potentieller Gäste wächst. Gewiss, es werden nicht alle kommen. Aber wer so arbeitet, macht neugierig auch auf andere Aktivitäten einer Denkwerkstatt, wie es die Evangelischen Akademie Tutzing ist.</p>
<p>Die Möglichkeiten sind verheißungsvoll – und die Realität? In ihr besteht viel Luft nach oben. Der Auftrag der Akademie lautet, Gäste zur persönlichen Begegnung nach Tutzing zu locken. Nicht nur zu Wochenendtagungen, auch zu abendlichen Podiumsdiskussionen. Wollte man eine Tagung auch noch multimedial aufbereiten – Livestreaming anbieten, eine Veranstaltung über Social Media begleiten, sie gar in Form der „Tutzinger Thesen“ anbieten, dann würden sich die Kosten für die Organisation einer Tagung praktisch verdoppeln. Die Kosten stecken dabei weniger in der Technik, als vielmehr im Personal, das Inhalte redaktionell aufbereitet. Das ist nicht nur sinnvoll, sondern auch geboten, um Zeitgenossen, die nur mal im Vorübergehen etwas aufnehmen wollen, diese Möglichkeit auch zu bieten.</p>
<p><strong>Vorankommen ist auch eine Frage der Haltung</strong></p>
<p>Finanzmittel der genannten Größenordnung stehen allerdings nicht zur Verfügung. Das kann man bedauern. Denn wenn man nichts oder nur wenig anbieten kann, dann ist das Angebot in der virtuellen Welt wenig nachhaltig. In der realen übrigens auch nicht. Wer nur alle vier Wochen seinen Stand auf dem Marktplatz aufstellt, fängt praktisch immer wieder von neuem an, sich bekannt zu machen. Vor diesem Hintergrund wäre es nur logisch, die Anstrengungen auszubauen, mindestens aber substantiell zu erweitern – und finanzielle Mittel hierfür zusätzlich bereit zu stellen. Dass dies geschieht, ist wohl nicht zu erwarten. Es wäre jedoch ein Fehlschluss, entsprechende Aktivitäten dann besser einzustellen oder gar nicht erst zu starten.</p>
<p>Ein Vorankommen ist durchaus möglich, wenn in einem Team die entsprechenden Kompetenzen vorhanden sind. Das ist keine Frage des Alters, sondern der Haltung, sich auch auf Neues einzulassen. Eigentlich bringen Studienleiterinnen und Studienleiter bereits vieles mit, was als Handwerkzeug gebraucht wird: Neugier, wie sich die Gesellschaft entwickelt; die Einbindung in ein Experten-Netzwerk; sprachliche Kompetenz. – Journalistisches Interesse, gar Knowhow wäre hilfreich und eine gewisse Fingerfertigkeit im Umgang mit der Technik.</p>
<p>Neue Möglichkeiten zeigen, was machbar ist. Und was machbar ist, verlangt auch nach der Übersetzung in den jeweiligen Arbeitszusammenhang. Es ist nötig, eine Tagung als Prozessgeschehen zu begreifen, das aus mehreren Schritten besteht, die miteinander verknüpft sind. So sind Studienleiter auch für die Gewinnung von Tagungsteilnehmern mit verantwortlich – für die Erschließung ihrer jeweiligen Zielgruppen. Dieser ganzheitliche Ansatz, so könnte man sagen, legt die Messlatte hoch. Wie im Journalismus, so ist auch hier die Arbeitsverdichtung spürbar. Verweigerung kann keine Haltung sein, sondern mindestens die exemplarische Gestaltung.</p>
<p>Die Evangelische Akademie Tutzing ist eine Marke, die über Bayern hinaus eine bundesweite Ausstrahlung hat. Diese ist eine solide Basis für alle multimedialen Aktivitäten. Die Doppelpräsenz – in der realen und in der virtuellen Welt – ist dem Auftrag geschuldet, aus christlicher Perspektive Meinungsbildung möglich zu machen bei Themen, die alle angehen. Es braucht Kolleginnen und Kollegen im Team, die sich diesem Auftrag stellen.</p>
<p><em>veröffentlicht in: Roland Pelikan, Johannes Rehm (Hg.), Arbeit im Alltag 4.0. – Wie Digitalisierung ethisch zu lernen ist. Beiträge aus betrieblicher, arbeitsmarktpolitischer und theologischer Sicht, Münster 2018</em></p>
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		<title>Humboldt reloaded? – Bildung in der digitalen Informationsgesellschaft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Angelika Mrozek-Abraham]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Apr 2018 07:02:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Digitale Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeit 4.0]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die 90er waren es, in denen das Internet seinen weltweiten Siegeszug angetreten hat. Heute, rund 25 Jahre später, lässt sich das Netz aus unserem Leben nicht mehr wegdenken. Unsere Gesellschaft und unser Alltag unterliegen einem rasanten Wandel und längst ist klar, dass die voranschreitende Digitalisierung Einfluss auf alle Lebensbereiche hat – auch auf die Bildung. [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die 90er waren es, in denen das Internet seinen weltweiten Siegeszug angetreten hat. Heute, rund 25 Jahre später, lässt sich das Netz aus unserem Leben nicht mehr wegdenken. Unsere Gesellschaft und unser Alltag unterliegen einem rasanten Wandel und längst ist klar, dass die voranschreitende Digitalisierung Einfluss auf alle Lebensbereiche hat – auch auf die Bildung.</p>
<p>Was wir wissen, wie wir lernen und wann wir als gebildet gelten dürfen, ist nicht nur eine Frage persönlicher Fähigkeiten und entsprechender Zugangschancen. Es ist immer auch eine Frage der jeweiligen Zeit.</p>
<p>So war in der europäischen Tradition weit über ein Jahrhundert lang das von Deutschland gewissermaßen exportierte Erfolgsmodell der Humboldt’schen Bildung das Ideal. „Deutsche Bildung“ hatte einen guten Klang und meinte allumfassende Bildung, die das Ziel hatte, „so viel Welt als möglich in die eigene Person zu verwandeln“ – sich also möglichst umfassend an der Welt und ihren großen Themen abzuarbeiten und sich in diesem Prozess als Individuum zu entfalten. Eine Allgemeinbildung, die Schulung in den Künsten und den Naturwissenschaften umfasst, die Entwicklung von Urteilskraft sowie die Fähigkeit, das eigene Leben zu gestalten sind genauso Schlagworte dieses Ideals wie Weltbürgertum und Mündigkeit.</p>
<p>Schon damals grenzte Wilhelm von Humboldt sein Konzept von dem bis dahin vorherrschenden utilitaristischen, also auf Nützlichkeit für den Beruf hin ausgerichteten Bildungsverständnis ab. Genau dieses war es jedoch, das sich im Zuge der Globalisierung und mit dem Beschluss der Bologna-Reformen Ende der 90er Jahre wieder seinen Platz in Köpfen, Schulen und Universitäten eroberte. Fortan ging es um eine schnelle und praxisorientierte (Aus-)Bildung, um die Vermittlung von Wissen, das sich an den Bedürfnissen des Marktes orientierte, um Messbarkeit von Leistung in einem genormten Bewertungssystem und die internationale Vergleichbarkeit der Abschlüsse. Sucht man Deutschland heute in Pisa-Tests, Rankings und internationalen Vergleichen, wird man eher auf den hinteren Rängen fündig – von Vorbildcharakter keine Spur mehr.</p>
<p>Die rasch voranschreitende Digitalisierung und die daraus resultierenden Umwälzungen werfen nun erneut und dringlicher denn je die Frage auf, wie Bildung in Zukunft aussehen muss, damit der Mensch den anstehenden Herausforderungen gewachsen ist.</p>
<p>Dazu gehört fraglos, die Bildungseinrichtungen technisch auszustatten, das Lehrpersonal entsprechend zu schulen und Programmieren in den Lehrplan aufzunehmen. Dadurch werden technische Fähigkeiten gefördert, die notwendig sind, um auf dem Arbeitsmarkt und in der Lebenswelt der Zukunft bestehen zu können. Der oft verschobene, nun beschlossene Digitalpakt der Bundesregierung ist dabei sicher ein erster notwendiger Schritt in die richtige Richtung. Aber ist es mit solcherlei Maßnahmen getan?</p>
<p>Jack Ma, der Gründer der chinesischen Alibaba Group, einer Gruppe von erfolgreichen Internet-Unternehmen, sorgte vor einigen Wochen mit seiner Skizze zukünftiger Bildung für Aufregung in den Sozialen Netzwerken: Vor dem Hintergrund von Künstlicher Intelligenz und wachsender Automatisierung sei Bildung eine riesige Herausforderung. Wenn wir nicht veränderten, wie wir unsere Kinder unterrichten und was wir ihnen beibringen, würden wir in 30 Jahren vor gewaltigen Problemen stehen. Denn die bisherige Form der Bildung sei wissensbasiert. Und wir könnten unseren Kindern nicht beibringen, mit Maschinen zu konkurrieren, die schlauer sind als sie. Lehrer müssten deshalb aufhören, lediglich Wissen zu vermitteln. Kinder sollten etwas Einzigartiges lernen, das Maschinen sich nicht aneignen können, z.B. Werte, Überzeugung, selbstständiges Denken, Teamwork und Mitgefühl. Dies alles seien jedoch Dinge, die nicht durch Wissensvermittlung beigebracht werden können, weshalb Kinder stattdessen verstärkt in Fächern wie Sport, Musik, Malerei unterrichtet werden müssten. Alles, was wir unseren Kindern beibringen, sollte anders sein als das, was Maschinen können – so Jack Mas Fazit.</p>
<p>Die Feststellung, die aktuelle Lehre bezöge sich ausschließlich auf Wissen, ist wohl eine zugespitzte. Doch liest man die obige Ausführung, fühlt man sich schnell an das Humboldt’sche Bildungsideal erinnert. Mas Entwurf scheint sich dabei jedoch noch radikaler vom „Nützlichkeitsdenken“ zu verabschieden. Bildung soll nicht nur nicht auf die Bedürfnisse der Berufe und des Marktes ausgerichtet sein, sie soll ihnen etwas grundsätzlich anderes entgegensetzen.</p>
<p>In seiner Argumentation bezieht sich der Unternehmer vor allem auf den Arbeitsmarkt der Zukunft. Und so nachvollziehbar Mas Überlegungen diesbezüglich sind, so eng ist der Blick. Schließlich geht es nicht nur um das eigene Bestehen angesichts unumkehrbarer, nicht beeinflussbarer Veränderungen im Kontext Arbeit 4.0. Die Umwälzungen, die die Digitalisierung hervorbringt, sind viel umfassender: Sie stellen uns vor die Frage, wie wir in Zukunft leben wollen. Sollte es deshalb nicht zuallererst das Ziel von Bildung sein, Menschen dazu zu befähigen, ihr Leben und dessen Bedingungen selbst zu bestimmen. Gerade trotz der rasanten Entwicklungen aktiv eine lebenswerte Zukunft gestalten zu können – für sich selbst und die Gesellschaft im Ganzen?</p>
<p>Neben (informations-)technischen Kenntnissen und Fähigkeiten sind dafür mit Sicherheit auch die Charakteristika der Humboldt’schen Bildung von Nöten: die Wahrnehmung der Komplexität der Welt und die kritische Abarbeitung an ihren großen Themen. Die Entwicklung von Urteilskraft, die einen dazu befähigt, das eigene Leben unabhängig vom Diktat anderer (beispielsweise mächtiger Internetkonzerne) zu führen. Weltläufigkeit und das Erkennen von Zusammenhängen sind hilfreich, genauso wie Fähigkeit und Bereitschaft, Verantwortung für sich selbst und andere zu übernehmen. Sollte also für die Bildung in Zukunft „Humboldt reloaded“ gelten? Ist das ein Ansatz, der 200 Jahre nach seiner Entwicklung wieder ein internationaler „Verkaufsschlager“ werden könnte? Exportweltmeister ist Deutschland ja…</p>
<p><em>Gerade entsteht das neue Jahresprogramm der Evangelischen Akademie Tutzing. Das angerissene Thema wird in einer Tagung seinen Niederschlag finden. Details dazu ab Juni auf www.ev-akademie-tutzing.de.</em></p>
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		<title>homo ludens digitalis &#8211; Spielen und Lernen heute</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marko Kuzio]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Dec 2014 08:42:59 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Von Prof. Wolfgang Zacharias und Hanna-Lena Neuser Unsere vor allem kindlichen und jugendlichen Spiel- und Lernwelten verändern sich derzeit rasant. Das menschliche „Urphänomen Spiel“ als eine besondere auch anthropologische Konstante bleibt. Der „homo ludens“, der spielende Mensch, wurde von Johann Huizinga sogar als Ursprung der Kultur und der Künste beschrieben. Neugierig spielend, experimentell handelnd, mit [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Von Prof. Wolfgang Zacharias und Hanna-Lena Neuser</p>
<p>Unsere vor allem kindlichen und jugendlichen Spiel- und Lernwelten verändern sich derzeit rasant. Das menschliche „Urphänomen Spiel“ als eine besondere auch anthropologische Konstante bleibt. Der „homo ludens“, der spielende Mensch, wurde von Johann Huizinga sogar als Ursprung der Kultur und der Künste beschrieben. Neugierig spielend, experimentell handelnd, mit und ohne Erfolg, Gewinn, Erkenntnis erobern sich vor allem die je nachwachsende Generationen Welt und Wirklichkeit. Dies ist ein permanenter Lern- und Erfahrungsprozess, der auch noch Spaß macht, wenn er spielerisch, mit und ohne Regeln, drinnen und draußen, allein und mit anderen möglich ist.<br />
Bei der Tagung 28./ 29./ 30.11.2014 in der Evangelischen Akademie Tutzing ging es im Kern um diese fundamentale Tatsache. Entsprechend der rasanten Dynamik der digitalen Spiel- und Lernwelten hieß der Untertitel der Tagung: Spielkulturen 2.0 zwischen Sinne und Cyber. Es wurde informiert und diskutiert und ebenso ganz konkret gespielt und experimentiert – sowohl „analog“ mit materiellen und körperbetonten Spielen aller Art wie auch mit digitalen, computer- und smartphonevermittelten „Games“. Ein sehr weites Feld. Eigentlich ist Aufwachsen heute, aber auch die kommunikativ-gesellschaftliche Wirklichkeit ohne diese „realvirtuelle“ Dimension nicht mehr vorstellbar und für die Nachwachsenden eine Selbstverständlichkeit.<br />
Und damit wird dies zu einer sowohl sozialen und kulturellen wie auch pädagogischen und medienbildenden Herausforderung. Dies ist dann auch die Chance einer neuen Aufwertung des Spieles des „homo ludens digitalis“. Denn gerade im digitalen Spiel erschließt sich diese zunächst ja völlig undurchschaubare und unsichtbare Welt. Sie wird erlebbar, emotional und konkret illustriert erfahrbar und (inter-)aktiv behandelbar: als Spiel. Die Faszination an digitalen Spielen, ihre inzwischen unendliche Themenvielfalt und ästhetische Erscheinungsform, ist eindeutig und intensiv wahrnehmbar, übrigens inzwischen auch ein relevanter Wirtschaftsfaktor.<br />
Für den kultur- und medienpädagogischen Kontext ergeben sich dabei hochaktuelle und relevante Fragestellungen, z.B. in der Spannweite von ästhetisch-gestalterischen bis ethisch-moralischen Dimensionen. Eine entscheidende Frage ist dann vor allem auch die Chance des Lernens, die bildende Wirkungen und die Möglichkeiten mit digitalen Medien und spielerischen Methoden sowie Inhalten aller Art.<br />
Eigentlich – so auch das vielfältig und aspektreich präsentierte und diskutierte Tagungsresümee – ist klar: Alle Erfahrungs-, Lern- und Bildungskontexte, von Familie über soziale Gemeinschaften, Freundesszenen bis Schule können vom spielerischen Lernen und dessen sowohl informativen wie unterhaltsamen Qualitäten profitieren. Und dies gilt es nun weiterhin intensiv zu entwickeln, zu qualifizieren sowie in vielerlei bürgerschaftlichen wie institutionellen Organisationsformen zu fördern und zu etablieren – auch wenn dies althergebrachte, etwa schulische Traditionen deutlich verändern wird.<br />
Bei der Tagung in Tutzing mit vielen Einrichtungen und Projekten als Balance kooperativer, vernetzter Spiel-, Lern-, Bildungslandschaften wurden vielerlei Praxisbeispiele ausgetauscht. Denn darum wird es vor allem in Zukunft gehen: Wie wird dieses Feld praktisch und nach Möglichkeit „mit und für alle“ &#8211; also inklusiv, aktivierend, partizipative &#8211; professionell organisiert und realisiert? Daran gilt es gemeinsam zu arbeiten, sich auszutauschen, Wissen zu vermitteln und Handlungskompetenzen zu verbreiten.<br />
Und eins wurde auch klar, gerade entsprechend der Expansion des digitalen Lernens und Spielens: Die spielerische und experimentelle Erfahrung des Realen, des Sinnlichen und Authentischen wird sozusagen balancierend und komplementär immer wichtiger. Dazu braucht es Initiativen, Angebote, Spiel- und Freiräume insbesondere im öffentlichen Raum und in kommunaler Verantwortung. Es geht dabei darum, das Recht der Kinder auf Kultur und Spiel und als selbstbestimmte Lern- und Freizeitchance sowohl im realen wie im digitalen Raum zu verwirklichen – entsprechend der UN-Kinderrechtskonvention. Eben die ist auch ein sozialer und politischer Auftrag, den die Tagung in Tutzing intensiv betonte und zu stärken versuchte.</p>
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		<title>Toleranz &#8211; ein notwendiges Lebensprinzip</title>
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		<dc:creator><![CDATA[makkuz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Oct 2014 13:15:05 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Die Evangelische Akademie Tutzing zeichnet in diesem Jahr Bundespräsident a. D. Christian Wulff und Dr. Constanze Kurz mit dem Toleranz-Preis aus. Die Themen, die dabei im Hintergrund stehen, lauten: Islam und Integration sowie Datensicherheit. Themen, die die gesellschaftliche Agenda in Deutschland in diesem Jahr prägen und deren Bedeutung noch zunehmen wird. Constanze Kurz, Informatikerin, Sachbuchautorin, [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Evangelische Akademie Tutzing zeichnet in diesem Jahr Bundespräsident a. D. Christian Wulff und Dr. Constanze Kurz mit dem Toleranz-Preis aus. Die Themen, die dabei im Hintergrund stehen, lauten: Islam und Integration sowie Datensicherheit. Themen, die die gesellschaftliche Agenda in Deutschland in diesem Jahr prägen und deren Bedeutung noch zunehmen wird.</p>
<p>Constanze Kurz, Informatikerin, Sachbuchautorin, Kolumnistin und ehrenamtliche Sprecherin des Chaos Computer Clubs, wird für ihr vorbildliches Engagement als unbequeme Mahnerin auf dem Gebiet des Datenschutzes und der Datensicherheit geehrt. Wir würdigen ihre wissenschaftlichen und journalistischen Arbeiten, mit denen sie ethische und rechtliche Maßstäbe aufzeigt, wie Politik, Gesellschaft und jeder Einzelne verantwortlich auf die Herausforderungen reagieren muss, die sich durch die Digitalisierung sowie den Umgang mit Daten und Informationen ergeben.</p>
<p>Wie die Menschen mit den eigenen Daten und Informationen umgehen, ist zu allererst ihre eigene Sache. Sie sind darin aber nicht souverän. Selbstbestimmt leben – wie geht das im Zeitalter der Digitalisierung? Wie ist das möglich, wo wir durch unser Einkaufsverhalten, wofür wir uns beruflich wie privat interessieren, Spuren hinterlassen, die von Unternehmen ausgewertet werden – und auf die auch der Staat zugreifen kann. Big Data – wer das stetig wachsende Datenvolumen verarbeiten kann, der hat den Schlüssel zur Zukunft. Die Entwicklung ist nicht aufzuhalten. Aber auch in der digitalen Welt müssen klare Regeln gelten, die Freiheit sichern und sie nicht einschränken.</p>
<p>Ich bin fest davon überzeugt, dass die Zukunft unserer Gesellschaft davon abhängt, ob es ihr gelingt, auch in der digitalen Welt eine verbindliche Ordnung festzulegen und ihre Einhaltung zu gewährleisten.</p>
<p>Ich bin zugleich der festen Überzeugung, dass die Zukunft unserer Gesellschaft davon abhängt, ob es ihr gelingt, Muslime zu integrieren. Heute würdigen wir Christian Wulffs leidenschaftliches Werben für einen verstärkten Dialog mit dem Islam sowie für eine Gesellschaft, die offen ist für kulturelle Vielfalt und für die Auseinandersetzung mit Fremden und Fremdem. Durch den Hinweis in seiner Rede zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit 2010, wonach der Islam inzwischen auch zu Deutschland gehöre, hat er einen wichtigen Beitrag zur Integration von Muslimen geleistet.</p>
<p>Die Herausforderung, vor der wir in diesem Zusammenhang stehen, kann nur gemeistert werden, wenn unsere Gesellschaft offen ist für Muslime – und wenn diese die Bereitschaft zeigen, sich integrieren zu lassen, um diese Wertegemeinschaft mitzugestalten.</p>
<p>Toleranz ist ein Lebensprinzip, das unsere Gesellschaft nötiger hat denn je. Deutschland – wie auch andere Länder in Europa – bekommen auf Dauer ein Problem, wenn die Akzeptanz und Wertschätzung von Vielfalt nicht gefördert wird. Diese Förderung brauchen wir, damit Menschen anderer Herkunft, Kultur und Religion sich bei uns wohlfühlen können.</p>
<p>Toleranz und Zivilcourage sind zwei Seiten einer Medaille. Sie gehören untrennbar zusammen. Wissen und Bildung machen es möglich, tolerant zu sein. Mit Passivität hat das allerdings nichts zu tun, denn es geht nicht um Duldung, sondern um Anerkennung und Wertschätzung. Es geht darum, auf andere zuzugehen und sie verstehen zu wollen.</p>
<p>So ist es das Anliegen der Evangelischen Akademie Tutzing, mit ihrem Toleranz-Preis jene Anstrengungen zu würdigen, die auf gesellschaftlichen Konsens ausgerichtet sind, sozialen Frieden wahren helfen und ein Leben in Freiheit sichern – zum Wohle aller Menschen.</p>
<p><em>Die Redetexte der Preisträger und Laudatoren sind <strong><a href="https://www.eatutzing.de/rotunde-der-blog/" target="_blank" rel="noopener">hier</a></strong> zu finden!<br />
</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/toleranz-ein-notwendiges-lebensprinzip-2/">Toleranz &#8211; ein notwendiges Lebensprinzip</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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		<title>Continental-Digital: Wie ein Konzern die Arbeit revolutioniert</title>
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		<dc:creator><![CDATA[makkuz]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Jul 2014 04:53:13 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Während in vielen Unternehmen von Sozialen Netzwerken nur die Rede ist, wird bei Continental die neue Arbeitswelt bereits gelebt. Das Guide-Konzept des Automobilzulieferers entwickelte sich somit zum zentralen Thema der Fachtagung „Zusammenarbeit 2.0“ in der Evangelischen Akademie Tutzing.   Harald Schirmer hat die Einführung von Sozialen Netzwerken bei Continental entschieden vorangetrieben. Sein Enthusiasmus ist dem Change [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/continental-digital-wie-ein-konzern-die-arbeit-revolutioniert/">Continental-Digital: Wie ein Konzern die Arbeit revolutioniert</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Während in vielen Unternehmen von Sozialen Netzwerken nur die Rede ist, wird bei Continental die neue Arbeitswelt bereits gelebt. Das Guide-Konzept des Automobilzulieferers entwickelte sich somit zum zentralen Thema der Fachtagung „<a href="http://www.bildungswerk-bayern.de/muenchenprogramm/aktuelles/nachricht-fuer-startseite-muenchenprogramm">Zusammenarbeit 2.0</a>“ in der Evangelischen Akademie Tutzing.  <b> </b></p>
<p><a href="http://www.harald-schirmer.de/">Harald Schirmer</a> hat die Einführung von Sozialen Netzwerken bei Continental entschieden vorangetrieben. Sein Enthusiasmus ist dem Change Manager deutlich anzusehen, wenn er von sogenannten „Social Collaboration“-Systemen spricht. Continental-Beschäftigte sind heute über viele Hierarchiestufen hinweg vernetzt, können ihr Wissen und Informationen ohne Umwege teilen. „Natürlich hatten viele Mitarbeiter zuerst Angst, die Kontrolle über ihre Informationen zu verlieren – und manche haben heute noch Angst“, betont Schirmer in seinem Vortrag vergangenen Montag in der Evangelischen Akademie Tutzing. Ein „Kulturwandel“ sei im Unternehmen dazu nötig gewesen, insbesondere auch in den Personalabteilungen.</p>
<p>Um dieses „Kulturentwicklungsprogramm“ voranzutreiben, wurden bei Continental sogenannte „Guides“ ausgebildet. 400 Guides begleiten heute weltweit die Beschäftigten auf ihrem Weg in eine interaktive Zukunft. „Guide“ steht auf dem Button, den Schirmer an seinem Revers trägt. „Guide“ war letztendlich auch ein wesentlicher Bestandteil des Erfolgs, so Schirmer. „Viele Unternehmen führen neue Software ein, aber die Arbeitsorganisation bleibt beim Alten.“ Die „Guides“ helfen dabei, die Arbeit neu zu organisieren.</p>
<p><b>Beifall und Kritik seitens der Wissenschaft</b></p>
<p>Auch Sabine Pfeiffer sieht den Umgang mit Sozialen Netzwerken in manchen Unternehmen kritisch. Die Systeme seien oft nicht aufeinander abgestimmt, sagte die Sozialwissenschaftlerin. „In vielen Unternehmen müssen Beschäftigte heute einerseits veraltete ERP-Systeme bedienen, andererseits befinden sie sich mit Kunden im Open-Innovation-Prozess.“ Das passe schwer zusammen.  „Sie gehen den richtigen Weg“, versicherte die Professorin der Universität Hohenheim hingegen in Richtung Schirmer und Continental. Laut Pfeiffer stoße das zentrale Unternehmensmotto von Continental – „Freedom to Act“ – aber auch an seine Grenzen. Denn „leider sind nicht alle Werte miteinander verheiratbar“. Bei Interessenskonflikten müsse es auch etwas Einklagbares geben, fordert Pfeiffer. In einem globalen Unternehmen sei es doppelt schwer, einklagbare Regelungen weltweit durchzusetzen, merkte ein Konferenzteilnehmer an.</p>
<p>Firmengründer Siegfried Lautenbacher sollte mit der modernen Kommunikation bei Continental zufrieden sein, immerhin ist es auch Verdienst seines Unternehmens Beck et al. Services. Lautenbacher will diese Systeme aber lieber „Smart-Collaboration“ als „Social-Collaboration“ nennen. Mit dem Wort „sozial“ werde häufig etwas anderes verbunden, so der ehemalige Student einer Jesuiten-Hochschule.</p>
<p><b>Weltbild wackelt – aber das Blog steht</b></p>
<p>Auf der vom 23. – 24 Juni 2014 andauernden Fachkonferenz in Tutzing kamen über 80 Menschen aus unterschiedlichsten Bereichen – Kirche, betrieblicher Interessensvertretung und Wirtschaft zusammen. Eine durchaus polarisierende Wirkung hatte der Vortrag des „Innovation-Evangelists“ Stephan Grabmeier. Sein motivierendes Engagement, Neues angstfrei anzugehen, wurde vielfach gelobt. „Nur wer bereit ist, sein Wissen zu teilen, wird im Unternehmen eine Zukunft haben“ – das war hingegen einer der Sätze des Beraters, der Kritik nach sich zog. Betriebsräte betonten, dass durch die neuen Systeme niemand benachteiligt werden dürfe.</p>
<p>Als besonders mitreißend wurde auch der Vortrag von Timm Boßmann vom krisengeschüttelten Weltbild-Verlag empfunden. Mit einem eigenen <a href="http://weltbild-verdi.blogspot.de/">Verdi-Blog</a> habe die betriebliche Interessenvertretung bei Weltbild einen starken Kommunikationskanal etabliert, so der gelernte Journalist und Betriebsrat. Darüber hinaus stellte Boßmann die Beschäftigten-Blogs der Gartencenter-Kette <a href="http://dehner-verdi.blogspot.de/2013/01/ein-neuer-betriebsrat-bei-dehner.html">Dehner</a> und der Buchhandlung <a href="http://hugendubelverdi.blogspot.de/">Hugendubel</a> vor.</p>
<div>
<p>„Die Fachtagungen der Evangelischen Akademie sind immer aufregend“, resümiert eine Teilnehmerin am Ende der zweitägigen Veranstaltung zufrieden. Und das dürfte nicht nur am guten Essen und dem überwältigenden Anwesen direkt am Starnberger See liegen. Den Veranstalterinnen und Veranstaltern gelang es auch dieses Mal, ein breites Spektrum an Avantgardisten mit einem debattierfreudigen Publikum zusammenzuführen. Schon jetzt kann man auf den Schwerpunkt der nächsten Fachtagung gespannt sein.</p>
<p><i>Dieser Beitrag ist Ergebnis des Workshops „Das Netz gehört uns – Training für Betriebsblogs“ im Rahmen der Fachtagung. Die Teilnehmenden gewichteten zusammen mit Florian Feichtmeier (</i><a href="http://www.bildungswerk-bayern.de/tibay"><i>TIBAY/DGB Bildungswerk Bayern</i></a><i>) ihre Eindrücke und brachten das Erlebte in ein Blogformat. Die Fachtagung mit dem vollen Titel „Zusammenarbeit 2.0 – Revolutionieren die digitalen Medien die Arbeitswelt?“ war eine Veranstaltung der Evangelischen Akademie Tutzing in Kooperation mit dem DGB Bildungswerk Bayern, dem Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung München und dem Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt.</i></p>
<p>Bild: Alexander Klier</p>
</div>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/continental-digital-wie-ein-konzern-die-arbeit-revolutioniert/">Continental-Digital: Wie ein Konzern die Arbeit revolutioniert</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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		<title>Revolutionieren die Digitalen Medien die Arbeitswelt?</title>
		<link>https://www.eatutzing.de/revolutionieren-die-digitalen-medien-die-arbeitswelt/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[makkuz]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Jun 2014 06:40:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Digitale Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Mensch]]></category>
		<category><![CDATA[neue Medien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Rückblick zur Tagung &#8222;Zusammenarbeit 2.0 &#8211; Revolutionieren die Digitalen Medien die Arbeitswelt?&#8220; von Dr. Alexander Klier, DGB Bildungswerk München. Was für eine beeindruckende Tagung, die da vom 23. &#8211; 24. Juni 2014 an der Evangelischen Akademie Tutzing als Kooperationsveranstaltung stattfand. Inhaltlich extrem dicht, geprägt von vielen Ergänzungen und kritischen Einwänden, getragen von der gesamten [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Rückblick zur Tagung <a href="https://www.eatutzing.de/rotunde-der-blog/" target="_blank" rel="noopener">&#8222;Zusammenarbeit 2.0 &#8211; Revolutionieren die Digitalen Medien die Arbeitswelt?&#8220;</a> von Dr. Alexander Klier, DGB Bildungswerk München.</p>
<p>Was für eine beeindruckende Tagung, die da vom 23. &#8211; 24. Juni 2014 an der Evangelischen Akademie Tutzing als Kooperationsveranstaltung stattfand. Inhaltlich extrem dicht, geprägt von vielen Ergänzungen und kritischen Einwänden, getragen von der gesamten anwesenden Gruppe, also den Teilnehmer*innen, Referenten sowie dem Tagungsteam. Diese Besonderheit will ich explizit hervorheben, weil sich für die diejenigen, die eine Tagung vorbereiten und durchführen immer die Frage stellt, wie das Thema jenseits der eigenen Befindlichkeit oder des eigenen Interesses von den Teilnehmer*innen angenommen wird. Ob also die Message ankommt. Die Tagung richtete &#8222;sich an Praktiker/innen aus Management und Arbeitnehmervertretungen ebenso wie an Organisationsberater/innen, die an den digitalen betrieblichen Veränderungsprozessen beteiligt sind. Darüber hinaus ist sie ein Angebot an Interessierte in Verbänden, Wissenschaft und Medien.&#8220; So stand es im Einladungsflyer. Um es vorweg zu sagen: In diesem Fall hat die bunte Mischung der Zielgruppe(n) meiner Meinung nach besonders gut dazu beigetragen, dass der Austausch funktioniert hat. Das Konzept ist also aufgegangen.</p>
<p>&#8222;Zu den Fachvorträgen, Workshops und anregenden, analogen Diskussionen laden wir Sie herzlich nach Tutzing ein&#8220; hieß es im Einladungsflyer. Gefolgt sind dieser Einladung viele Menschen, wenngleich auch nicht so viele, wie im Rahmen dieser Kooperationsreihe schon einmal auf den Seminaren waren. Eine nicht zu kleine, aber umso feinere Gruppe fand sich also zum Austausch ein. Ebenso wie sie der Empfehlung folgten, anregende Diskussionen zu den Vorträgen und während der Workshops zu liefern. Gerade durch diese Resonanz kann ich bezüglich der Kooperationstagung &#8222;Zusammenarbeit 2.0. Wie die digitalen Medien die Arbeitswelt revolutionieren&#8220; von Seiten des Mitveranstalters DGB Bildungswerk Bayern sagen, dass der Funke, der uns in der Vorbereitung begleitet hatte, während der Tagung auf alle Beteiligten übergesprungen ist. Durch das Gelingen ist die Tagung für mich auch ein &#8222;Beweis&#8220; dafür, dass eine Gruppe mehr kann, als die Summe ihrer einzelnen Mitglieder. Sie lässt sich also gut als eigenes Beispiel dafür verwenden, welches Potential in einer ko-operativen Zusammenarbeit steckt, das als Tagungsthema sogar Potential für eine Revolution zu bieten scheint. Durch die breit angelegte und vielfältige Diskussion hat diese Tagung nämlich nicht nur mich inhaltlich tief beeindruckt. Gerade die Unterschiedlichkeit des Publikums, das keine der beteiligten Organisationen alleine hätte ansprechen und gewinnen können, trug zum enormen inhaltlichen Erfolg bei. Und das nicht nur aufgrund der Unterschiedlichkeit, sondern wegen der unglaublichen Expertise, die durch die Referenten*innen und die Teilnehmenden vertreten war. Aber auch das führt nicht automatisch zu einem regen Austausch. Es waren durchaus sowohl der ermunternde Rahmen der Evangelischen Akademie in Tutzing als auch des auf Austausch hin konzipierten Tagungsablaufs, der diese Diskussionen nachgerade einforderte, die zum Gelingen beitrugen.</p>
<p>Und natürlich die gewählten Beispiele aus der betrieblichen Praxis. Gleich das erste Beispiel einer E-Mail Reduktion auf Null, wie es Jochen Gemke im Bereich der Firma Atos vorstellte, sollte nicht nur die Belastung durch ein hohes E-Mail Aufkommen senken. Es sollte auch zu einer neuen Art der Zusammenarbeit führen, was in seinen Augen durchaus gelungen ist. Mit seinem Plädoyer dafür, auch Unfertiges (nobody is perfect) erst einmal zur Diskussion zu stellen, dabei auch Transparenz herzustellen und das Wissen durch die Gruppe ergänzen zu lassen, traf Siegfried Lautenbacher als Geschäftsführer der Beck et al. Services auf ein großes Verständnis und breite Zustimmung. Gerade wie er als &#8222;Chef&#8220; selbst mit der Arbeitsorganisation umgeht prägt vielfach auch, wie es die Beschäftigten tun. Das kann durchaus sehr motivierend und positiv sein, wie es schließlich auch am Beispiel der Continental AG deutlich wurde, das Harald Schirmer als Personalverantwortlicher vorstellte. Harald Schirmer betonte dabei sehr, dass es von vornherein entscheiden war, dass es sich nicht um ein rein technisches Projekt oder Vorhaben der IT-Abteilung handelte. Deshalb war auch keine Person alleine &#8222;verantwortlich&#8220;, sondern ein Team von vier Personen über die wichtigsten Querschnittsbereiche organisierte den &#8211; nach eigenen Aussagen &#8211; parallel dazu notwendigen Kulturwandel. Ein Team von Anfang an &#8211; das ist sicher unüblich in hierarchisch geprägten transnationalen Konzernen, wie Continental einen darstellt. Was in meinen Augen bei Continental jedoch besonders gut gelungen ist, das ist die Art und Weise, wie der kulturelle Wandel von Guides initiiert und begleitet wurde. &#8222;Walk the talk&#8220;, also tue, was Du sagst, wie Harald Schirmer dazu ausführte.</p>
<p>Was dem Ganzen nicht nur sprichwörtlich die Krone aufsetzte, das war der Abschlussvortrag von Prof. Sabine Pfeiffer vom Kooperationspartner ISF München. Sie hatte sich in der Vorbereitung explizit ausbedungen, auf die Diskussionen während der Tagung einzugehen. Insofern waren die meisten ihrer Folien noch während des Morgens entstanden, um all die Impulse aufzunehmen. Wie sie dann ausführte &#8211; und das war in den Praxisbeispielen mehrfach betont worden &#8211; liegt die eigentliche Revolution in der anderen Art, in Zukunft zusammenzuarbeiten. Dazu führte sie aus: &#8222;Nichts ist sozialer als Arbeit&#8220;, d.h. Arbeit war immer schon &#8222;Social&#8220;. Was jedoch in Zukunft notwendig werden wird sind in ihren Augen Mechanismen und Verfahren die es beispielsweise ermöglichen, die bei einer Zusammenarbeit in Konflikt stehende Werte und unterschiedliche Interessen, den die Social Media in den Unternehmen transparent machen bzw. offenlegen, zuverlässig regeln. Und grundsätzlich einen deliberativen Austausch zwischen allen Beteiligten zulassen &#8211; damit gemeinsam der &#8222;beste&#8220; Weg gefunden werden kann, wie die Gruppe &#8211; oder das Unternehmen &#8211; die Arbeitsanforderungen bewältigen kann. Insofern kann ich ein letztes Mal auf die Tagung selbst als Beispiel verweisen: Es ist gelungen in einer freundlich-kritischen Atmosphäre sehr heterogene und manchmal auch disparate Interessen gemeinsam zu beleuchten und kritisch zu diskutieren. Mit einem für alle möglichen und inspirierenden Erkenntnisgewinn. Nebst ganz praktischen Umsetzungsbeispielen. So kann eine Veränderung durchaus um sich greifen.</p>
<p>Einen weiteren Artikel und enstprechende Links finden Sie auch unter: <a href="http://www.alexander-klier.net/alles-revolution-oder-was/">http://www.alexander-klier.net/alles-revolution-oder-was/</a></p>
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		<title>Die Zukunft des Fernsehens</title>
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		<dc:creator><![CDATA[makkuz]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Jan 2014 15:04:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Digitale Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mehr als ein Drittel ihrer täglichen Medienzeit widmen die Deutschen dem Fernsehen. Es ist das einzige klassische Medium, das in Zukunft sogar noch an Bedeutung gewinnen wird. Die Begründung liegt auf der Hand. Das Fernsehen wird zu einer Art Super-Medium, das mit dem Internet vernetzt ist und überall stattfindet, wo und wann der Nutzer es [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Mehr als ein Drittel ihrer täglichen Medienzeit widmen die Deutschen dem Fernsehen. Es ist das einzige klassische Medium, das in Zukunft sogar noch an Bedeutung gewinnen wird. Die Begründung liegt auf der Hand. Das Fernsehen wird zu einer Art Super-Medium, das mit dem Internet vernetzt ist und überall stattfindet, wo und wann der Nutzer es will: zu Hause oder mobil auf dem smartphone oder tablet. Manche Sendungen erreichen online sogar mehr Zuschauer als im klassischen TV. Welche Zukunft also hat das Fernsehen?</p>
<p>Akademiedirektor Udo Hahn hatte zu einer Diskussionsrunde über diese Frage in den Münchner Presseclub eingeladen. Die Diskutanten waren <strong>Dr. Edmund Stoiber</strong> &#8211; er war von 1993 bis 2010 Mitglied des ZDF-Verwaltungsrates. Seit 2011 ist er Vorsitzender des Beirats der ProSiebenSat.1 Media AG &#8211; und <strong>Bernd Lenze</strong> – er ist seit 2002 Vorsitzender des Rundfunkrates des Bayerischen Rundfunks. Nachfolgend ein Bericht von Michael Langer.</p>
<p align="LEFT"><span style="color: #282a30;font-size: medium"><span style="color: #282a30;font-size: medium">Medientreff im Münchner PresseClub am 27. Januar 2014 </span></span></p>
<p>&#8222;Zwei medienpolitische Schwergewichte&#8220;, wie er es selbst bezeichnete, hatte Direktor Udo Hahn zum Tutzinger Medientreff der Evangelischen Akademie am 27. Januar zum Thema &#8222;Zukunft des Fernsehens&#8220; auf das Podium im Presseclub München eingeladen. Und Moderator Hahn wusste schon bei der Begrüßung seiner beiden Gäste Dr. Edmund Stoiber und Bernd Lenze, dass man an diesem Abend angesichts der Breite des Themas &#8222;nur ein paar Schneisen schlagen&#8220; könne, denn &#8222;auch eine ganze Wochenendtagung in Tutzing würde dafür nicht reichen&#8220;. Mit Alt-Ministerpräsident Stoiber, der heute noch als Vorsitzender des Beirats von Pro7/Sat 1 voll in der aktiven Medienpolitik steckt, und dem langjährigen BR-Rundfunkratsvorsitzenden Lenze, der am 30.Januar sein Amt abgibt, saßen zwei echte Kenner der privaten wie der öffentlich-rechtlichen TV-Szene auf dem Podium &#8211; beide mit der gleichen Leidenschaft für das Thema und besonders Stoiber begeisterte die Zuhörer im übervoll besetzten Saal des Presseclubs mit seinem engagierten Auftreten (&#8222;Wie in alten Zeiten&#8220;, war zu hören; &#8222;Nein noch besser, der hat inzwischen Kultstatus!&#8220;) So fragte Stoiber, wo der öffentliche Aufschrei bleibt, wenn man im TV oder via Netz Hinrichtungen zeigt und bei der Gewaltdarstellung kein Unterschied mehr zwischen privaten und öffentlich-rechtlichen Sendern auszumachen ist. Oder der Vorwurf des in seiner gesamten Politikerzeit leidenschaftlich-engagierten Medienpolitikers Stoiber an die heutige politische Führungsriege, sich zu wenig mit medienpolitischen Fragen zu befassen, obwohl diese gesamtgesellschaftlich-kulturell ebenso wie wirtschafts- und strukturpolitisch von zentraler Bedeutung sind. Und schließlich der Appell Stoibers an die deutschen Ministerpräsidenten, auf ihrer nächsten Konferenz den völlig werbefreien öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu ihrem Thema zu machen. Der Ex-CSU-Chef ist immer noch für eine echte Nachrichtenschlagzeile gut! Widerspruch in diesem Punkt von Rundfunkratschef Lenze, der für die Wirtschaft im obersten Kontrollgremium des BR sitzt und beklagt, dass immer mehr Werbeverbote der Wirtschaft zunehmend Schwierigkeiten machen. Nicht teilen kann er die Sorgen über die wachsende Macht des Bewegtbilds via Internet. Wegen Google &amp; Co, die gerade bei den Jüngeren immer mehr die klassischen Fernsehsender ersetzen, müsse man keine allzugroße Angst haben, allerdings schon Gegenstrategien entwickeln und vor allem auf Qualitätsfernsehen mit guten TV-Produktionen setzen. Stoiber hat da weit größere Sorgen: &#8222;Was Google weltweit macht, das wird erst in Ansätzen diskutiert.&#8220; Viele Ansätze auch bei dieser munteren Podiumsrunde beim Tutzinger Medientreff &#8211; mit ebensovielen Aurufezeichen wie Fragezeichen.</p>
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		<title>Live dabei – Echtzeitjournalismus im Multimedia-Zeitalter</title>
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		<dc:creator><![CDATA[makkuz]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Jan 2014 12:41:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Digitale Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Netzpolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>So lautete der Titel des „Tutzinger Medien-Dialogs“, der sich im Dezember 2013 der Frage zuwandte, ob eine kontinuierliche Beschleunigung der Berichterstattung durch das Internet und die digitalen Medien dem Medienbetrieb eher schadet oder nutzt. Leidet die Glaubwürdigkeit der Medien, wenn bei der Nachrichtenverbreitung kaum noch Zeit für die Recherche, für die Überprüfung der Quellen, für [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>So lautete der Titel des „Tutzinger Medien-Dialogs“, der sich im Dezember 2013 der Frage zuwandte, ob eine kontinuierliche Beschleunigung der Berichterstattung durch das Internet und die digitalen Medien dem Medienbetrieb eher schadet oder nutzt. Leidet die Glaubwürdigkeit der Medien, wenn bei der Nachrichtenverbreitung kaum noch Zeit für die Recherche, für die Überprüfung der Quellen, für das Sammeln und Interpretieren von Hintergrundinformationen usw. bleibt?</p>
<p>Journalismus in Echtzeit per live-ticker, blog, twitter, facebook und Co. – verführt er also zur schnellen Nachricht ohne Tiefgang, Reflexion, Einordnung und Gewichtung der Fakten? Nimmt am Ende gar unsere freiheitliche Demokratie Schaden, wenn sie mit Informationshäppchen überfüttert wird?</p>
<p>Zeit spielt im Leben aller Menschen eine wesentliche Rolle. Auch der Qualitätsjournalismus braucht offenbar vor allem eines – Zeit! Der bekannte Zeitforscher Prof. Dr. Ulrich Mückenberger, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Zeitpolitik in Berlin (<a href="http://www.zeitpolitik.de/gesellschaft.html">http://www.zeitpolitik.de)</a>, wandte sich in seinem Vortrag der „Aufmerksamkeitsökonomie im Medienwesen“ zu und verwies auf die Folgen einer „Reizüberflutung im Sekundentakt“. Nachfolgend ein kurzer Auszug.</p>
<p>(Die Dokumentation der gesamten Tagung können Sie nachlesen unter: <a href="http://sfy.co/dVwR">http://sfy.co/dVwR</a>)<b> </b></p>
<p><b>Politik und Medien unter Zeitdruck. Reizüberflutung im Sekundentakt </b></p>
<p><b>Ein zeitbezogenes Beziehungsdreieck</b></p>
<p>Ich möchte mit meinem Vortrag das Verhältnis zwischen demokratischer Politik und den Menschen in den Mittelpunkt stellen. Dieses Verhältnis spielt sich in der Zeit ab – und wir können auch zeitliche Bedingungen dafür formulieren, ob dieses Verhältnis gelingt oder nicht. Beide – demokratische Politik und Menschen – haben nämlich gewisse „Eigenzeiten“, von deren Einhaltung ihr jeweiliges Gelingen abhängt und bei denen nicht ohne weiteres sicher ist, dass sie <i>miteinander</i> <i>vereinbar</i> sind, gar <i>einander</i> fördern und optimieren.</p>
<p>Ich gehe davon aus, dass Medien „Mittel“ sind – Mittel <i>auch</i> zu dem Zweck, demokratischer Politik und Menschen mit ihren jeweiligen Eigenzeiten gerecht zu werden. Nun haben aber vertrackter Weise auch die Medien „Eigenzeiten“, von deren Einhaltung ihr Gelingen abhängt. Auch bei diesen ist alles andere als sicher, dass sie mit den Eigenzeiten demokratischer Politik und der Menschen <i>vereinbar</i> sind, gar diese fördern und optimieren; erschwerend kommt hinzu, dass Politik und Menschen u.U. unterschiedliche, vielleicht sogar unvereinbare Eigenzeiten haben, eine „Förderungs- und Optimierungsabsicht“ also gar nicht einfach zu verfolgen ist.</p>
<p><b>Beschleunigung – Symptom unserer Zeit?</b><b> </b></p>
<p>Dass wir in einem Zeitalter der Beschleunigung leben, ist unbestritten – der Streit entzündet sich nur an der Begründung und Bewertung dieses Phänomens. Beim alltäglichen Leben zeigt sich dies v.A. am Einfluss der Informationstechnologien auf Arbeits- und Privatleben und die „Entgrenzung“ zwischen ihnen. Der Wandel der Technologien ist also sicher ein Grund von Beschleunigung. Dazu kommen veränderte Lebensweisen und –stile, Haushaltsformen, Individualisierung im Zusammenspiel mit Infrastrukturen, die diesen gesellschaftlichen Wandel noch nicht begriffen haben bzw. mehr an Binnenlogiken als an Nutzeranliegen orientiert bleiben (Beispiel: Postzustellkarte, Bibliotheksschließung an Wochenenden etc.).  Und das weltweite Zusammenspiel von Kräften und Interessen hat – wie die Finanzmarktkrise ab 2008 schlagend bewiesen hat – gleichfalls einen Beschleunigungsschub ausgelöst.</p>
<p>In der vergangenen Legislaturperiode stand die parlamentarische Arbeit unter einem zunehmenden Beschleunigungsdruck: Die Finanzkrise und dahinter „die Märkte“ mit ihrer Eigendynamik erforderten kurzfristige politische Rettungspakete, ausgehandelt allein durch Exekutivvertreter in Brüsseler Nacht- und Nebelaktionen, „alternativlos“ in ihrer Hilflosigkeit gegenüber der „5.Gewalt“. Demokratie wird gerade in ihrer Zeitdimension heute zunehmend wenn nicht verunmöglicht, so doch behindert.</p>
<p><b>Zeiten der Medien</b><b> </b></p>
<p>Bei der Beschäftigung mit dem Spannungsfeld speziell von Zeit und Medien bin ich in der medienpädagogischen Literatur auf drei Aspekt aufmerksam geworden: a) der Verkontinuierlichung des Medienbetriebes; b) die Gleichzeitigkeit von Verunaufmerksamung und Aufmerksamkeitsökonomie im Medienwesen; und c) die Informations- oder Faktenorientierung der Medien.</p>
<p>1.  Allein im Verlauf der Zeitspanne meines Lebens habe ich den Übergang zunächst des Rundfunks, dann des Fernsehens zu vollkontinuierlichen Unternehmen verzeichnet. „Pausenloses Programm (aber) ist allererst die Erfindung des Radios und später des Fernsehens.“ (Lorenz S. 37) Es tritt einmal eine extensive Zeitverwendung in Kraft – Programm tendenziell rund um die Uhr. Zum anderen wird die Zeitverwendung intensiviert, indem z.B. Poptitel mithilfe einer Kreuzblende mit dem nächsten verschmolzen oder indem Anmoderationen als sog. Ramp-talks in den vocal eingefadet werden. Das Ergebnis ist eine permanente Klangfläche (Lorenz a.a.O.). Die Pausen werden „zum Sündenfall des kommerziellen und nichtkommerziellen Serviceprogramms“. Schon 1995 brandmarkte Günther Anders das „pausenlose Seh- und Hörpublikum“ (a.a.O., S. 139). Neu war mir, dass die Sender „Notfallsysteme“ vorhalten, die bei auftretender Stille automatisch starten (a.a.O., S. 35), also die unfreiwillige Pause vertreiben.</p>
<p>Die Pause ist nun allerdings notwendiger Bestandteil von Denk- und Reflexionszyklen. So wie Phasen von  Anspannung mit solchen von Entspannung einhergehen müssen, so stellt Pausenlosigkeit sozusagen Atemlosigkeit dar. Das hat erstmal mit Politik nichts zu tun – erstmal …</p>
<p>2. „Unaufmerksamkeit ist das Paradigma der Neuzeit“, schreibt Thorsten Lorenz (2012) mit Blick auf die Massenmedien. Der permanenten Reizüberflutung kann mit Aufmerksamkeit gar nicht gefolgt werden. Das hat Walter Benjamin in seinem bahnbrechenden „Reproduzierbarkeits“-Artikel bereits für das Medium Film diagnostiziert: „Der Film drängt den Kultwert nicht nur dadurch zurück, dass er das Publikum in eine begutachtende Rolle bringt, sondern auch dadurch, dass die begutachtende Haltung im Kino Aufmerksamkeit nicht einschließt. Das Publikum ist ein Examinator, doch ein zerstreuter“ (Illuminationen 1977, S. 167). Beschallung, Hintergrundtönung, „Muzak“ zielt auch gar keine Aufmerksamkeit an, vielmehr umgekehrt gerade den Kurzschluss von unerkannter genau getönter Geräuscheinwirkung (=Unaufmerksamkeit) und Kaufanreiz (im Kaufhaus), Sicherheitsgefühl (im Flugzeug) usw.</p>
<p>Das hat bereits viel mit Politik zu tun. Ohne Aufmerksamkeit ist deliberative Politik nicht vorstellbar. Systematische Verunaufmerksamung ist dem nicht nur entgegengerichtet – sie schwappt vermutlich auch in solche Bereiche, die eigentlich mit Aufmerksamkeit verfolgt werden wollen.</p>
<p>Unter den Bedingungen der Konkurrenz von Medien – privater untereinander, privater und öffentlich-rechtlicher, öffentlich-rechtlicher untereinander – entsteht das, was unter „Aufmerksamkeitsökonomie“ (Georg Franck) diskutiert wird: der Kampf um Marktanteile auf „Aufmerksamkeit“ durch Effekte, Schnelligkeit, Schocks etc. Genauer ist es ein Kampf um Unaufmerksamkeit, um die „Aufmerksamkeit nicht einschließende“ Begutachtung durch den potentiellen Kunden – sozusagen das unbewusste Wahlverhalten.</p>
<p>3. Scheinbar im Gegensatz zu dieser Verunaufmerksamung stehen die Medienbestandteile, die „Information“ und „Fakten“ gewidmet sind. Gewiss ist in unserer Medienlandschaft das Informations- und Faktenquantum, dessen Präsentation in Echtzeit, so groß wie nie zuvor. Aber:</p>
<ul>
<li>Dass Information und Bildung/Aufklärung/Erkenntnisfähigkeit nicht identisch sind, werde ich gleich noch betonen.</li>
<li>Weiter sind Informationsblöcke oftmals so beschaffen, dass sie in ihrer Dichte und ihrem Kurz-kurz-Muster nicht nachvollziehbar sind – in zwei Dimensionen. a. Ich möchte einmal wissen, wie viel % der Informationen der „Tagesschau“ verstanden und verarbeitet werden (die Politik folgt dem Kurz-kurz-Muster, während gegen Ende die feuilletonistischen Kultur- oder Lebensstil-Spots alle Zeit der Welt zu haben scheinen!). b. Außerdem vermute ich, dass der Echtzeitjournalismus in diesem Kurz-kurz-Zeitmuster globaler Wort- und Bildpräsenz Informationen übermittelt, die emotional überhaupt nicht verarbeitet werden können – daher eher psychisch trivialisiert und abgedrängt werden. Er fördert dabei neben Eindrücken gleichfalls – und sicher ungewollt &#8211; Formen der Verunaufmerksamung.</li>
<li>Vergessen wir nicht: Die Informationsblöcke stehen in einem Umfeld der permanenten Reizüberflutung und Verunaufmerksamung. Man kann kaum erwarten, dass Rezeptionsmodi den Sendungsmodi – Informationsintensität vs. Informationsleere – folgen, dass vielmehr spill-overs stattfinden – sprich: dass Unaufmerksamkeit bzw. Zerstreuung in Blöcke der Informationsaufnahme überschwappen und damit sowohl den Informationsgehalt der Blöcke als auch den Emotionsgehalt des Echtzeitjournalismus schlicht abstumpfen lassen.</li>
</ul>
<p>Eine ambivalente Sonderrolle zwischen Informationsleere und –intensität spielen die zahl- und profillosen Talkshows des Fernsehens. Dass sie heute eher nach Moderator/innen als nach Themen oder Schnittstellen benannt sind, liefert gewisse Erstindizien für Informationsleere. Andererseits gibt es immer wieder Konstellationen, wo Diskussionsteilnehmer und Debattengegenstände, die eigentlich ins Parlament gehören, hier plötzlich in der Talkshow landen. Oft sind es Exekutivvertreter oder Partei- oder Fraktionsfunktionäre, von den Medien ausgesucht, die sich in brisanten tagesaktuellen politischen Themen zu positionieren vermögen. Vermutlich trägt dies zu dem Bedeutungsverlust der Parlamente bei.</p>
<p><b>Zeiten der Menschen</b></p>
<p>Zu beobachten ist als Ausgangspunkt ein Gegenüber von Technozeit und Bewusstseinszeit (Zahn 2012). Die sog. „Kurz-kurz-Muster“ der Technozeit scheinen Ursache „erlebnisreicher und erlebnisarmer Gesellschaft“ (Rosa 2005) in der Bewusstseinszeit. Von besonderer Beutung ist dabei der Zusammenhang von „Information“ und „Bildung“ i.S.v Distanzfähigkeit und Zeit für reflexive Distanz (Niesyto 2012): „Zu Bildungsprozessen gehör(t) unverzichtbar die reflexive lebensweltliche Integration dieser Informationen in die Selbst- und Welthaltung der Subjekte“ (a.a.O.). Das erfordert neben geeigneten Anregungsmilieus schlichtweg Zeit: „Zeit für Kommunikation, für Reflexion, für Distanzerfahrungen, auch Zeit für den Aufbau und die Entwicklung von Beziehungen, um Aufgaben der Bildung und Erziehung aufnehmen zu könnebn.“ (a.a.O.). „Ästhetische Reflexivität, Distanzierungs- und Kritikfähigkeit sind essentiell an Zeit gebunden.“ „Gerade assoziativ-intuitive Suchbewegungen benötigen Gelegenheitsorte und Zeiträume, die sich reglementierten Vorgaben und Zeitdiktaten diverser Art entziehen.“ (a.a.O.).</p>
<p>Dabei sind folgende Besonderheiten des Medienzeitalters zu berücksichtigen. Die Ereignisse kommen zu uns, nicht wir zu ihnen. Sie verlieren dabei an Körper- und Gegenständlichkeit: „Immateriell-mediale nehmen gegenüber körperlich-gegenständlichen Aneignungsformen zu“ (Niesyto 2012). „Die Orts- und Zeitlosigkeit von Medien befördern beim Zuschauer Omnipräsenzgefühle und eine ‚Jetzt-Leidenschaft’“ (a.a.O.). Durch „sekundenschnelle Information“ scheint die Herrschaft von Zeit und Raum gestürzt zu sein. Der Prozess beschleunigt sich unter Bedingungen von Privatisierung und Kommerzialisierung der Medien. Die Information wird zur Ware. Es entsteht eine neue „Ökonomie der Aufmerksamkeit“, bei der ein neuartiger „Tausch“ von Information gegen Aufmerksamkeit stattfindet.</p>
<p>Die Prozesse der Beschleunigung tendieren zu einer Negation der Zeit, die für kritische Distanzierung erforderlich ist. Die kommerziellen Medien führen zu einer Umwertung der Werte: „Nicht das kritisch-reflexive, sondern das situative, sich ständig flexibel anpassende Subjekt (wird) benötigt.“ (a.a.O.).</p>
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