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	<title>Urbanes Archive - Evangelische Akademie Tutzing</title>
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	<title>Urbanes Archive - Evangelische Akademie Tutzing</title>
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		<title>Zehn Ideen für die europäische Jugend</title>
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		<dc:creator><![CDATA[makkuz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Sep 2019 07:09:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Urbanes]]></category>
		<category><![CDATA[Action-Plan]]></category>
		<category><![CDATA[EU]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Jugend]]></category>
		<category><![CDATA[Vincent-Immanuel Herr]]></category>
		<category><![CDATA[Zehn Ideen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Viel zu oft wird das Engagement der Jugend für Europa nur mit einem Lippenbekenntnis gewürdigt, sagt der Aktivist Vincent-Immanuel Herr. Auf der Digital-Life-Design-Konferenz (DLD) in Brüssel stellte er im September vor internationalem Publikum einen „Action Plan“ vor, um die Jugend in Europa zu fördern. Erstmals sind hier seine Thesen komplett dokumentiert.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/zehn_ideen/">Zehn Ideen für die europäische Jugend</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Dass die Idee Europa unter Druck steht, ist kein Geheimnis. Nicht zuletzt der Brexit verweist auf tiefere Probleme in der Europäischen Union. Um die Krise zu lösen, werden zurzeit in Brüssel und in nationalen Hauptstädten, in Think-Thanks, Stiftungen oder auch bei Protestmärschen Ideen gesucht oder vorgeschlagen. Digitalisierung, Innovation, mehr Mitspracherecht, Reform von EU-Institutionen, neue Staatsmodelle — es gibt viele Vorschläge. Ein Bereich wird jedoch oft unterschätzt oder wenn, dann nur mit einem Lippenbekenntnis gewürdigt: die europäische Jugend.</p>
<p>Auf Forschungsreisen konnte ich mich jungen Europäerinnen und Europäern in über 20 EU-Mitgliedsstaaten sprechen und von ihnen lernen. Ich habe erleben dürfen, welch Kreativität und Engagement in der jungen Generation für Europa vorhanden ist. Trotzdem werden junge Themen und Ideen oft nicht ernst genug genommen. Erstaunlich, denn gerade in der jungen Generation schlummert die Zukunft des Kontinents. Basierend auf diesen Erfahrungen kommen hier zehn konkrete Ideen, um Jugend in Europa zu fördern und damit ein besseres Europa für uns alle zu schaffen.</p>
<ol>
<li>Wahlalter ab 16</li>
</ol>
<p>Wer junge Leute an Bord holen will, muss zuerst einmal jungen Leuten vertrauen — auch und gerade an der Wahlurne. Außer Österreich traut sich bisher noch kein Land. Und das, obwohl Jugendliche immer beweisen, dass auch sie verantwortungsbewusste, politische Entscheidungen treffen und belastbare politische Kräfte sein wollen und können. Das Wahlalter ab 16 hätte zudem eine nicht zu unterschätzende Symbolwirkung und große Antriebskraft, junge und zukünftige Generationen für mehr Europa zu begeistern.</p>
<ol start="2">
<li>Bürgerschaftskunde in der Schule</li>
</ol>
<p>Was bedeutet es überhaupt, Bürgerin oder Bürger der Europäischen Union zu sein? Welche Vorteile ergeben sich daraus, welche Rechte, welche Möglichkeiten und auch welche Pflichten? Antworten auf diese Fragen wissen nur die wenigsten. Das liegt auch daran, dass es in Schulen in der EU keinen einheitlichen Plan zur Erklärung dieser Grundfragen gibt — noch nicht einmal im Ansatz. Wie also sollen junge Leute Teil der EU und ihrer Zukunft sein, wenn wir noch nicht einmal ein Basiswissen rund um Bürgerschaft, EU-Programme, Wahlen und Demokratie vermitteln können? EU-Bürgerschaftskunde sollte an allen Schulen in EU-Mitgliedsländern durchgeführt werden.</p>
<ol start="3">
<li>Englisch als (zusätzliche) Amtssprache</li>
</ol>
<p>Unter jungen Leuten ist Englisch bereits die Lingua franca — wer von Spanien nach Lettland, oder von Dänemark nach Griechenland reist, spricht dort mit den Einheimischen oder anderen Gästen in fast allen Fällen Englisch. Das gilt ganz besonders für die junge Generation, die beim ERASMUS-Austausch, auf Instagram und Snapchat, oder auf der Ferienreise auf Englisch kommuniziert. Warum also das Ganze nicht offiziell machen und Englisch in jedem EU-Land als zusätzliche offizielle Amtssprache einführen? So können Formulare, Dienste und andere bürokratische wie gesellschaftliche Angebote und Verpflichtungen auch von denen genutzt werden, die die Landessprache (noch) nicht beherrschen. Ein echter Schritt in Richtung Integration.</p>
<ol start="4">
<li>Ein EU-Bürger*innenkommissar</li>
</ol>
<p>Viele junge Leute engagieren sich politisch außerhalb traditioneller Strukturen und Parteien — mit Kampagnen, Bewegungen oder zunehmend online. Gleichzeitig befindet sich die Zivilgesellschaft in Europa ordentlich unter Druck. Nicht nur in Ländern wie Ungarn werden freiem zivilgesellschaftlichem Handeln Riegel vorgeschoben. Der Atlas der Zivilgesellschaft zeigt hier ein düsteres Bild. Die EU sollte diese Form von Leben und politischer Aktivität schützen und dafür einen eigenen EU-Bürger*innenkommissar einführen. So kann Zivilgesellschaft besser geschützt und vertreten werden. Der Vorschlag in ähnlicher Form stammt übrigens von der österreichischen Europakennerin Verena Ringler.</p>
<ol start="5">
<li>Ein EU-Jugendrat</li>
</ol>
<p>Junge Leute sind in klassischen politischen Strukturen unterrepräsentiert. Daher werden in Parlamenten und Regierungen auch ihre Ideen und Perspektiven oft nicht ausreichend berücksichtigt. Warum also nicht einen EU-Jugendrat einführen, der EU-Parlament und EU-Kommission beraten kann? Vorbild: Irland Citizens′ Assembly, die sich zum großen Teil aus zufällig ausgewählten Irinnen und Iren zusammensetzt und Regierung und Parlament berät. Das Modell könnte gut auf EU-Ebene funktionieren, besonders die zufällige Auswahl junger Mitglieder wäre eine neue Form der Jugendrepräsentanz.</p>
<ol start="6">
<li>DiscoverEU für alle</li>
</ol>
<p>Ein Thema, das mir am Herzen liegt. Seit 2018 führt die EU ein Pilotprojekt durch, bei dem 18-Jährige kostenlos Europa bereisen, entdecken und erkunden können. So werden Vorurteile abgebaut, Horizonte erweitert und eine europäische Identität gestärkt. Das Programm basiert auf einem Vorschlag, den ich zusammen mit Martin Speer 2015 gemacht habe. Bisher konnten rund 50.000 junge Leute davon profitieren, auf Instagram und Twitter findet man unter dem Hashtag #DiscoverEU beeindruckende Beispiele der Kraft des Reisens. Doch da geht noch mehr. Die ursprüngliche Idee war, dass alle 18-Jährigen in der EU kostenlos reisen dürfen sollen — einen Monat per Interrail, Bus oder Schiff. Erst dann ist europäische Vielfalt eine echte Realität für alle jungen und zukünftigen Generationen.</p>
<ol start="7">
<li>Echte Gleichberechtigung schaffen</li>
</ol>
<p>Europa ist kein Kontinent der gleichen Chancen und Möglichkeiten für Frauen und Männer. Das stößt besonders vielen jungen Frauen bitter auf. In keinem EU-Land haben Frauen die gleichen Rechte und Perspektiven wie Männer. Besonders prekär: Gewalt und Zugänge zu Machtpositionen. Hier muss mehr getan werden. Warum nicht Islands Beispiel folgen und Ungleichbezahlung zwischen Frauen und Männern illegal machen? Oder Inspiration aus dem Vorschlag des deutschen Frauenrates ziehen und ein Wahlgesetz schaffen, das sicherstellt, dass in Parlamenten zukünftig 50 Prozent Frauen sitzen? Insgesamt müssen wir aber alle ran — ganz besonders Männer — um eine Welt zu schaffen, in der alle den gleichen Respekt und die gleiche Anerkennung erhalten.</p>
<ol start="8">
<li>Vielfalt fördern</li>
</ol>
<p>Die Lebensrealität vieler junger Europäerinnen und Europäer ist von hoher Vielfalt geprägt und unterscheidet sich damit oft von den Perspektiven der Elterngeneration. Alternative Lebensmodelle, kulturelle Vielfalt, unterschiedliche Sprachen, Hautfarben und Anschauungen sind unter jungen Menschen oft bereits gang und gäbe. Zwar gibt es hier Unterschiede je Mitgliedsland, aber der Trend ist klar: Für junge Menschen sind LGBTIQ*-, Frauen- und Minderheitsrechte und -fragen selbstverständlicher geworden. Dass die europäische Elite aber weitestgehend nach wie vor weiß, heterosexuell und männlich ist, stößt auf großes Unverständnis. Warum ist Macht nach wie vor so ungleich verteilt? Teil der Lösung muss sein, dass Männer, weiße Menschen und andere mit viel Privileg bereit sind, neue Perspektiven zu respektieren und auch einmal Platz zu machen. Zuhören kann hier ein wichtiges Stichwort sein.</p>
<ol start="9">
<li>„The European Green Deal“ wirklich machen</li>
</ol>
<p>Ursula von der Leyen hat den European Green Deal zur obersten Priorität gemacht. Mit Frans Timmermans wird einer der erfahrensten EU-Politiker mit der Umsetzung dieses Generationenunterfangens betraut. Das ist gut so. Damit das aber klappt, müssen gerade junge Perspektiven mit berücksichtigt werden. Warum also nicht die Leute an Bord holen, die Nachhaltigkeit und Klimarettung wieder groß auf unsere Agenda geschrieben haben: Fridays for Future sollte als Partner an Bord kommen und könnte so auch Zivilgesellschaft und die junge Generation mit etablierter Politik vernetzen.</p>
<ol start="10">
<li>Eine Europäische Verfassung</li>
</ol>
<p>Ist es wirklich verwunderlich, dass wir in Europa zuweilen das Gefühl haben, keine gemeinsame Richtung zu haben, wenn wir noch nicht einmal über eine gemeinsame Verfassung verfügen? Eine Verfassung ist mehr als ein legales Dokument. Sie ist ein Leuchtturm, ein Kompass, der gemeinsame Werte festlegt und damit gerade in schwierigen Zeiten für Orientierung und Klarheit sorgt. Genau das braucht Europa heute. Der letzte Verfassungsversuch ist Mitte der 2000er-Jahre gescheitert, der Prozess damals wurde als elitär und wenig transparent angesehen. Vielleicht ist es nun also die Aufgabe der jungen Generationen diesen Prozess neu anzuwerfen: partizipativ, frisch, digital und von gemeinsamen Werten getragen. Eine Verfassung für Europa könnte das neue Projekt der jungen Generation werden.</p>

<p><strong>Der Aktivist Vincent-Immanuel Herr (*1988) ist Mit-Initiator der #FreeInterrailKampagne der Europäischen Kommission. Er schrieb das Buch „#TunWirWas. Wie unsere Generation die Politik erobert“.</strong></p>
<p><strong>Während der Tagung „#Junges Europa. We are one“ vom 18. bis 20.10.2019 an der Evangelischen Akademie Tutzing wird Vincent-Immanuel Herr über seine Leidenschaft für Europa und das Gelingen einer gemeinsamen Identität in Europa sprechen.<br />
Weitere Informationen zur Tagung finden Sie hier: </strong><a href="https://www.eatutzing.de/veranstaltung/jungeseuropa-we-are-one/"><strong>https://www.eatutzing.de/veranstaltung/jungeseuropa-we-are-one/</strong></a></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Hinweis:</strong><br />
Vorliegender Beitrag ist zugleich Gastkolumne der Oktober-Ausgabe des Newsletters der Evangelischen Akademie Tutzing, der am 27. September 2019 erscheint. <a href="https://www.eatutzing.de/aktuelles-presse/newsletter/">Nähere Informationen hier</a>.</p>

<p><strong>Bild:</strong> Vincent-Immanuel Herr <em>(Foto: Anna-Zoë Herr)<br />
</em></p>
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<tbody>
<tr>
<td style="font-family: Tahoma, Arial, Lucida Grande; padding: 15px;"></td>
</tr>
</tbody>
</table>
</div>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/zehn_ideen/">Zehn Ideen für die europäische Jugend</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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		<title>Spaltpilz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[makkuz]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 Aug 2019 05:31:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Urbanes]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Kathrin Röggla]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtspopulismus]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Schriftstellerin Kathrin Röggla warnt vor einer zunehmenden Begrenzung der künstlerischen Freiheit. Auf den Podien vieler Kulturinstitutionen werde momentan das Thema Zensur und Freiheit verhandelt. Hintergrund sei eine Freiheitsrhetorik, die vor allem von Rechtspopulisten bedient werde.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/spaltpilz/">Spaltpilz</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Um mit einer positiven Betrachtung zu beginnen: Es ist erstaunlich, wieviel Kraft weltweit der Lyrik nach wie vor zugeschrieben wird in Zeiten, in denen Lyrik angeblich kaum noch Publikum zu finden scheint, da man sie so heftig verbieten muss, deren Urheber ins Gefängnis stecken, oft ohne Anklageschrift, deren Verleger bedrohen, oder Veranstaltungsorte zerstören. Damit beende ich schon das vermeintlich Positive, denn der PEN-Club veröffentlicht jedes Jahr erneut die Zahlen der betroffenen Autorinnen und die Zahlen und Fakten sind bestürzend. In den sogenannten Fall-Listen kann man die einzelnen Verfolgungen nachlesen, von Entführungen, Ermordungen Vergewaltigungen, Einschüchterungen ist die Rede, es sind vielfältige „Mittel“, die eingesetzt werden, um sie zum Schweigen zu bringen.</p>
<p>Wenn ich mich diesbezüglich auf den deutschsprachigen Raum beschränke, die Türkei des Verlegers Osman Kavalla beiseiteschiebe, das Russland des Theaterregieurs Kirill Sebrennikov oder Oleg Sentsovs und die Slowakei des Journalisten Ján Kociak, das Bulgarien der Journalistin Viktoria Marinova, das Malta der Journalistin Daphne Caruana Galizia, mit einigen ängstlichen Seitenblicken zu unseren direkten Nachbarn nach Polen, Ungarn und deren schrumpfende zivilgesellschaftlichen Räume, entdecke ich auch in Deutschland und Österreich zahlreiche Anknüpfungspunkte zu oben genannter Verfolgung.</p>
<p><strong>Kunst macht nicht halt an Grenzen</strong></p>
<p>Die künstlerische Freiheit und Meinungsfreiheit ist etwas, das stets erneut eingefordert werden muss, kein sicherer Bestand, und sie ist auch nicht durch Grenzen geschützt. Alleine die ängstliche Ahnung vieler Kolleginnen, dass bei uns bei einem Regierungswechsel Zustände wie in Polen und Ungarn vorstellbar sind, wo Theaterintendanten abgesetzt, Museumskuratoren gekündigt, wo Festivals ausgetrocknet und ganze Institutionen wie in Ungarn die Soros-Foundation kriminalisiert werden. Schließlich sahen wir einfach nur oft genug, wie schnell es gehen kann. Dazu kommt, wir unterhalten nicht nur politische und wirtschaftliche Verbindungen mit all diesen Ländern (nicht nur China, Russland, den USA, sondern auch solchen innerhalb der EU, die ja eigentlich klare Standards hat), sondern Kunst ist dem Wesen nach etwas Internationales, sie macht nicht halt an den Grenzen, und was in Polen, Russland oder China passiert, geht uns eben künstlerisch auch etwas an. Doch unabhängig davon, ob die Bundesregierung in diplomatischen Außengesprächen oder die EU als Gemeinschaft von Ländern durchaus in der Zusammenarbeit die Verletzung von Freiheitsrechten der jeweiligen Gesprächspartner wirksam beeinflussen könnte und es aus anderen Interessen heraus nicht tut oder erfolglos tut, gibt es auch hierzulande eine neue Phase der Bedrohung.</p>
<p>Wo beginnt bei uns die Zensur, was ist schon eine Zensur, was noch nicht, das ist eine Frage, die auf den Podien vieler Kulturinstitutionen in letzter Zeit heftig diskutiert wird. Von der Internalisierung der Zensur (Selbstzensur) über die „sanften“ Mittel bis hin zur Kriminalisierung, wie das im Falle vom „Zentrum für Politische Schönheit“ in Thüringen der Fall war, reicht der Gesprächsstoff, und von der Chemnitzer Erklärung bis zu kulturpolitischen Stellungnahmen (gegen eine Leitung des auswärtigen Kulturausschusses durch die AfD) oder die „Erklärung der Vielen“ häufen sich die öffentlichen Stellungnahmen von PEN, Kulturrat, der Akademie der Künste oder des Verbands deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Zurecht! Deutschland, das bislang Meinungsfreiheit und Freiheit der Kunst im Grundgesetz verankert wusste, den Artikel 5, der in den Gerichten immer noch eine starke Anwendung findet, durchlebt zur Zeit eine heftige Phase eines Kulturkampfes, in dem gerade die Freiheit der Kunst zu einer merkwürdigen Verhandlungsmasse wird und leicht angreifbar scheint. Plötzlich erleben wir in politischen Rhetoriken die Volte, dass wir in einer Meinungsdiktatur lebten, die es zu zerstören gelte. „Gesinnungsjustiz“, „Gesinnungsdiktatur“, „Gesinnungskorridor“, sind beliebte Vokabeln der Rechtspopulisten, mit denen gerade die Garanten von Rechtsstaat und der Rechte von Minderheiten attackiert werden. Indem man behauptet, man lebe in einem Unrechtsstaat (als wäre die BRD ein SED-Regime), also in einer eigentlichen Diktatur, die zerschlagen gehört mitsamt ihren Propagandamitteln, kann man mit Freiheitsrhetorik gerade die Freiheit aushebeln. Daran sieht man, die Debatte ist heikel und wird gerne politisch instrumentalisiert.</p>
<p><strong>Perfide Symmetrie von Aktion und Gegenaktion</strong></p>
<p>Es ist ein wenig verkehrte Welt, ähnlich der derzeit oftmals erlebten Umkehrung, die aus Tätern Opfer macht und aus Opfern Täter. Mein Eindruck ist, dass es schon beinahe zu lange beobachtet und analysiert wird, und es mittlerweile mehr darum gehen müsste, dem schärfer zu begegnen in einem Land, in dem es einige Theaterschaffende und Autorinnen gibt, die sich bedroht fühlen, die Morddrohungen und Anfeindungen erhalten, mit denen man eben nicht leben können müsste, unter dem Motto, wer austeilt, muss auch einstecken, wie das Marc Jongen zu dem Fall von Falk Richter formuliert hat, als bestünde da eine Symmetrie. Es ist die perfide Symmetrie von Aktion und Gegenaktion, die immer wieder verkehrt herum konstruiert wird:  Wo „politisch Korrekte“ sich äußern, da gibt es plötzlich folgerichtig auch Rechtsextreme, wo öffentlich „kurze Röcke“ getragen werden, da wird es auch Vergewaltiger geben. Auch der Begriff der Zensur wird an dieser Stelle gerne usurpiert. Denn es ist noch nicht notwendigerweise Zensur, wenn ein Artikel in einer Zeitung nicht erscheint, oder gar, wenn jemand eine Gegenmeinung äußert und sich die eigene Meinung nicht durchsetzt.</p>
<p>Der entscheidende Schritt wird darin liegen, was passiert, wenn Rechtspopulisten Regierungsverantwortung bekommen, denn es gibt einen Unterschied zwischen der verdeckten Toleranz rechtsextremer Äußerung und ihrem öffentlichen Auftrag, wie man ihn in Teilen in den letzten Jahren in Österreich erlebt hat. Das wirtschaftlich eben nicht abgehängte Sachsen, Brandenburg und Thüringen werden uns nach der Wahl berichten können, wie frei dann noch Kunst ist. Und wer jetzt sagen möchte, man habe in Österreich unter der ÖVP-FPÖ-Regierung auch nicht das Burgtheater geschlossen, dem sei zu antworten, dass man mit der Austrocknung der Szenen begonnen hat, die gegen das identitäre und rechte Bild und für eine Vielfalt der Gesellschaft und der Künste standen. Man spaltet die Zivilgesellschaft, d.h. in dem Fall die Kulturszene, in die bildungsbürgerliche und die engagierte, in die, die dem autonomen Kunstbegriff zugeneigten und die der sozialen Plastik, und wenn das geklappt hat, wird weiter gespalten. Die erste Gefahr ist allerdings die des vorauseilenden Gehorsams, der Angst vor Drohungen und Repressalien, ein Klima, das sehr schnell sprachlich herzustellen ist. Es ist ein Gift, das äußerst wirksam ist, und jede, jeder Kunstschaffende, das ist vielleicht die traurige Wahrheit, hat eine Ahnung, wie es wirkt.</p>
<p><strong>Die österreichische Autorin Kathrin Röggla schreibt Prosa- und Theatertexte sowie Hörspiele. Sie ist darüber hinaus Vizepräsidentin der Akademie der Künste Berlin. </strong></p>
<p><strong>Während der Tagung „Zensiert &amp; verfolgt: Kultur unter Druck“ vom 6. bis 8. September 2019 an der Evangelischen Akademie Tutzing wird Kathrin Röggla bei einem Podiumsgespräch mit Carena Schlewitt (Intendantin des Europäischen Zentrums der Künste Hellerau) über die Re-Nationalisierung der Kulturen in Deutschland und Österreich sprechen.<br />
Weitere Informationen zur Tagung finden Sie hier: </strong><a href="https://www.eatutzing.de/veranstaltung/zensiert-verfolgt-kultur-unter-druck/"><strong>https://www.eatutzing.de/veranstaltung/zensiert-verfolgt-kultur-unter-druck/</strong></a></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Hinweis:</strong><br />
Vorliegender Beitrag ist zugleich Gastkolumne der September-Ausgabe des Newsletters der Evangelischen Akademie Tutzing, die am 30. August 2019 erscheint. <a href="https://www.eatutzing.de/aktuelles-presse/newsletter/">Nähere Informationen hier</a>.</p>

<p><strong>Bild:</strong> Kathrin Röggla <em>(Foto: Andreas Schmidt)</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/spaltpilz/">Spaltpilz</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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		<title>Es geht ums Ganze</title>
		<link>https://www.eatutzing.de/es-geht-ums-ganze/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[makkuz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 May 2019 10:16:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Urbanes]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Europawahl]]></category>
		<category><![CDATA[Udo Hahn]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Die Kirche darf nicht im Dorf bleiben. Heimat, Volk, Europa, die Ökumene sind die Orte, an denen Christen und Kirchen ihr Leben gestalten müssen.“ So hat Reinhard Frieling, der langjährige Direktor des Konfessionskundlichen Instituts in Bensheim, 1991 in einem Vortrag die Verantwortung der Kirche im europäischen Einigungsprozess beschrieben. Mehr ist auch heute nicht zu sagen, [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/es-geht-ums-ganze/">Es geht ums Ganze</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>„Die Kirche darf nicht im Dorf bleiben. Heimat, Volk, Europa, die Ökumene sind die Orte, an denen Christen und Kirchen ihr Leben gestalten müssen.“ So hat Reinhard Frieling, der langjährige Direktor des Konfessionskundlichen Instituts in Bensheim, 1991 in einem Vortrag die Verantwortung der Kirche im europäischen Einigungsprozess beschrieben. Mehr ist auch heute nicht zu sagen, um das kirchliche Engagement in Europa zu begründen.</p>
<p>Frieden und Versöhnung – das sind nach dem Zweiten Weltkrieg die wichtigsten Früchte, die die europäische Einigung hervorgebracht hat. Blickt man auf die Entwicklung der letzten Jahre zurück, so zeigt sich, dass in praktisch allen Ländern der Europäischen Union (EU) die Fliehkräfte Auftrieb erhalten haben, die unverhohlen ihre Auflösung betreiben. Und als wären die Wirtschafts- und Schuldenkrise, der Streit um die gerechte Verteilung von Flüchtlingen, wiedererstarkender Nationalismus und Antisemitismus nicht schon genug Krisenherde, so steht in einigen Ländern die liberale Demokratie auf dem Spiel. Nämlich dort, wo der Rechtsstaat zunehmend ausgehebelt wird, die Freiheit der Medien bekämpft und den vielfältigen Akteuren der Zivilgesellschaft die Legitimität abgesprochen wird.</p>
<p><strong>Europa ist nicht das Problem, sondern die Lösung</strong></p>
<p>Dabei ist es eine Binsenweisheit – und doch bedarf sie der ständigen Wiederholung: Europa ist nicht das Problem, sondern die Lösung. Bei näherem Hinsehen ist – wie angedeutet – die Lage differenzierter, aber im Grundsatz bleibt die Behauptung richtig. Es scheint also nicht übertrieben, wenn im Blick auf die Europawahlen am 26. Mai von einer Schicksalswahl gesprochen wird. Es geht ums Ganze.</p>
<p>Dass die EU pauschal in Frage gestellt wird, ist auch das Ergebnis der Politik nationaler Regierungen, die gerne „Brüssel“ für alles verantwortlich machen – aber im eigenen Land verschweigen, dass sie der EU das Mandat dazu gegeben haben. Der damalige Bundesaußenminister Guido Westerwelle dürfte schon 2010 die Folgen geahnt haben, als er die Europakritik der früheren Bundeskanzlers Helmut Schmidt wie folgt konterte: „Über Europa kritisch zu reden, ist leicht. Europa aber dann, wenn es schwierig ist, zu verteidigen, auch als großes Friedens- und Wohlstandsprojekt, das ist schon sehr viel schwieriger … Europa wird als große Idee erst dann wirklich errungen sein, wenn auch die Generation, die Krieg und Hunger nicht erlebt hat, ohne Wenn und Aber zu Europa steht.“</p>
<p>Hier können die Kirchen die Erfahrungen ihrer eigenen Geschichte einbringen und ihren Beitrag leisten. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat ihn 2017 in einer Rede in der evangelischen Christuskirche in Rom die „Versöhnungsgeschichte der einst blutig zerstrittenen Christenheit“ als Hoffnung für eine heutige Einigung in Europa beschrieben. Er forderte dazu auf, das Modell der „versöhnten Verschiedenheit“ zum Vorbild für die Zusammenarbeit in Europa zu machen. Harding Meyer, der langjährige Leiter des Instituts für Ökumenische Forschung in Straßburg, hatte die Formel geprägt. Sie dient im ökumenischen Diskurs als Bezugspunkt.</p>
<p><strong>Ohne Versöhnung ist die politische Einigung in Europa kaum denkbar</strong></p>
<p>Ohne die „versöhnte Verschiedenheit“ überzustrapazieren, man kann sie auf die EU übertragen. Sie könnte jenen die Angst nehmen, die ein zentralistisches, uniformes Europa befürchten, das einzelnen Ländern und Regionen ihre Identität nimmt. Unterschiede dürfen demnach bestehen bleiben, aber sie müssen nicht in Abgrenzung zueinander noch geschärft werden. Vielmehr ist auf dieser Basis Einheit ohne Uniformität in Europa möglich. Ohne Versöhnung ist die politische Einigung in Europa kaum denkbar. Hier haben die Kirchen durch ihre Arbeit zur Friedlichen Revolution vor dreißig Jahren entscheidend beigetragen. Und tatsächlich nehmen EU-Abgeordnete immer wieder Bezug auf diese Leitidee. Sie ist also in der Politik angekommen.</p>
<p>Eine aktuelle Gefahr hat der frühere Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Peter Beier, schon vor über zwei Jahrzehnten vorhergesehen. Auf der Europäischen Evangelischen Versammlung 1992 in Budapest sagte er: „Wir haben darauf zu bestehen …, dass Europa sich nicht isoliert, zu einer schwimmenden Festung erklärt, die mit allen Mitteln … Privilegien verteidigt, die der sozialen und politischen Entwicklung der Weltgesellschaft im Wege stehen.“ Mit dieser Perspektive weitet sich noch einmal der Horizont über die EU hinaus und deutet an, welche Aufgabe Europa im weltweiten Kontext hat.</p>
<p><em>Der Autor, Udo Hahn, ist Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing.</em></p>
<p><strong>Hinweis:</strong> Dieser Artikel erscheint am 12. Mai 2019 in der Mitteldeutschen Kirchenzeitung „Glaube + Heimat“ (Ausgabe Nr. 19). Weitere Informationen <a href="https://www.meine-kirchenzeitung.de/c-aktuell/versoehnung-ist-zentrale-aufgabe-der-kirchen-in-europa_a11821">finden Sie hier</a>.</p>
<p><strong>Bild:</strong> Udo Hahn <em>(Foto: eat archiv)</em></p>
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		<item>
		<title>Volkskrankheit Depression</title>
		<link>https://www.eatutzing.de/volkskrankheit-depression/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[makkuz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Dec 2018 14:28:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Urbanes]]></category>
		<category><![CDATA[Depression]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Dr. Joachim Hein, früherer Vorstandsvorsitzender des Münchner Bündnis gegen Depression e.V. und Arzt ist im Januar 2019  zur Tagung „Depression ohne Zukunft?“ zu Gast in Tutzing. In dieser Gastkolumne für unseren „Rotunde“-Blog will er zur Aufklärung über die verbreitete Erkrankung beitragen. Die Depression ist eines der schlimmsten Leiden überhaupt. Weltweit leiden über 300 Millionen Menschen [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/volkskrankheit-depression/">Volkskrankheit Depression</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Dr. Joachim Hein, früherer Vorstandsvorsitzender des Münchner Bündnis gegen Depression e.V. und Arzt ist im Januar 2019  zur Tagung „Depression ohne Zukunft?“ zu Gast in Tutzing. In dieser Gastkolumne für unseren „Rotunde“-Blog will er zur Aufklärung über die verbreitete Erkrankung beitragen.</strong></p>
<p>Die Depression ist eines der schlimmsten Leiden überhaupt. Weltweit leiden über 300 Millionen Menschen aller Alterstufen an dieser Erkrankung, in Deutschland sind es über fünf Millionen Menschen. Man geht davon aus, dass jeder fünfte Bundesbürger mindestens einmal in seinem Leben an einer Depression erkrankt. Die Mehrzahl der mindestens 10.000 Suizide, die jedes Jahr in Deutschland verübt werden, geht auf eine Depression zurück. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass Depressionen bis 2030 die größte Krankheitslast in den Industrienationen verursachen – noch vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen.</p>
<p>Dabei sind Depressionen – verglichen mit vielen anderen Erkrankungen – sehr gut behandelbar. Voraussetzung ist allerdings, dass frühzeitig und richtig behandelt wird. Psychotherapie und/oder Medikamente sind die beiden Säulen einer fachgerechten Behandlung. Allerdings erhalten nur zehn Prozent der an einer Depression Erkrankten eine adäquate, d.h. wissenschaftlich abgesicherte Behandlung – ein bei jeder anderen Erkrankung undenkbarer und inakzeptabler Zustand. Ein großes Hindernis stellt immer noch das mit psychischen Erkrankungen einhergehende Stigma dar. Dies hält viele Betroffene davon ab, sich frühzeitig ärztliche Hilfe zu suchen, sprich zur Psychiaterin bzw. zum Psychiater zu gehen. Auch hält sich immer noch hartnäckig das Vorurteil, dass Medikamente zur Behandlung der Depression, Antidepressiva genannt, abhängig machen.</p>
<p>Bei welchen Anzeichen sprechen wir überhaupt von einer Depression? Die drei wichtigsten sind: (1.) gedrückte, depressive Stimmung, (2.) Interessenverlust und Freudlosigkeit sowie (3.) Antriebsmangel und erhöhte Ermüdbarkeit. Bestehen zwei dieser drei Symptome länger als zwei Wochen, kann dies auf eine Depression hinweisen. Daneben können weitere Beschwerden auftreten, wie verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit, vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit, übertriebene Zukunftsängste und „Schwarzsehen“, Gedanken oder Versuche, sich selbst zu töten, Schlafstörungen sowie verminderter Appetit. Auch körperliche Beschwerden können Ausdruck einer Depression sein. Das sind zum Beispiel Magen-Darm-Probleme, Schmerzen, Schwindel oder Luftnot. Je nachdem wie viele Anzeichen vorliegen, unterscheiden Fachleute drei Schweregrade der Depression: leicht, mittelschwer und schwer.</p>
<p>Hier zu informieren und aufzuklären, haben sich die über 70 <em>Bündnisse gegen Depression</em> in Deutschland zur Aufgabe gemacht. Das Konzept beruht auf vier Bausteinen: (1.) Kooperation mit bzw. Schulung von Hausärzten als erste Anlaufstelle von Patienten im professionellen Hilfesystem, (2.) Öffentlichkeitsarbeit, (3.) Schulung von sogenannten Multiplikatoren, wie Seelsorger, Altenpfleger und Lehrer sowie (4.) Stärkung und Unterstützung der Selbsthilfe von Betroffenen und Angehörigen.</p>
<p>Das erste Bündnis gegen Depression wurde übrigens Anfang der Nullerjahre in Nürnberg gegründet. Bis dahin gab es so gut wie keine Vereine und Stiftungen, die sich der Volkskrankheit Depression annahmen. Inzwischen gibt es ein reichhaltiges Angebot in diesem Bereich. Stellvertretend seien hier genannt, die <em>Stiftung Deutsche Depressionshilfe</em>, die alle zwei Jahre einen großen Patientenkongress in Leipzig ausrichtet, die Patientenorganisation <em>Deutsche DepressionsLiga</em>, die <em>Robert-Enke-Stiftung</em>, der Verein <em>Freunde fürs Leben</em>, der insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene über Depression und Suizid aufklärt und sehr aktiv im Bereich der Social Media ist, sowie der Verein <em>Irrsinnig Menschlich</em>, der in Schulen, Universitäten und am Arbeitsplatz über psychische Erkrankungen aufklärt.</p>
<p>Einen Beitrag zu Information und Aufklärung über die Volkskrankheit Depression möchte auch die Tagung „Depression ohne Zukunft?“ leisten, die am 9. und 10. Januar in der Evangelischen Akademie in Tutzing stattfindet (<a href="https://www.eatutzing.de/veranstaltung/depression-ohne-zukunft-2/">Informationen zur Tagung über diesen Link</a>). Es ist bereits die dritte Tagung, die die Evangelische Akademie Tutzing mit uns, dem Münchner Bündnis gegen Depression, als Kooperationspartner veranstaltet. Während die erste Tagung „not just sad!“ einen Überblick zu geben versuchte über die vielen Facetten der Erkrankung sowohl aus medizinischer als auch aus religiöser, historischer oder soziologischer Perspektive und die zweite Tagung „Bleibt bei mir!“ sich mit der Beziehung zwischen professionellen Behandlern und Patienten und ihren Angehörigen beschäftigte, richtet sich bei der dritten Tagung der Blick in die Zukunft. Neben der Frage, wie Ärzte und Psychologen Depressionen in naher und ferner Zukunft behandeln werden, wird insbesondere auch die Wechselwirkung der Erkrankung mit zukünftigen Entwicklungen unserer Gesellschaft beleuchtet.</p>
<p>Wir freuen uns wieder auf eine spannende Tagung in Tutzing mit vielen interessierten Besuchern, regem Austausch und bereichernden Begegnungen.</p>
<p>Dr. Joachim Hein</p>

<p><em>Bildnachweis: MBgD / Filmstill aus dem Socail Spot &#8222;Lass Dir helfen!&#8220; des Münchner Bündnis gegen Depression e.V.</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/volkskrankheit-depression/">Volkskrankheit Depression</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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		<title>Master plans, they have no style</title>
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		<dc:creator><![CDATA[makkuz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 21 Jan 2016 09:56:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Urbanes]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Integration]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Tagungsrückblick zur Tagung &#8222;Lebensform Stadt&#8220; von David Kasparek, Redakteur bei &#8222;der architekt&#8220;. Was für ein Bekenntnis zu Stadt! Zwei Tage lang debattierten Fachleute unterschiedlichster Disziplinen auf ein Einladung des Bundes Deutscher Architekten BDA und der Evangelischen Akademie in Tutzing unter dem Titel „Lebensform Stadt“. Besonderes Augenmerk, so legte der Untertitel nahe, sollte dabei dem [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/master-plans-they-have-no-style-tagung-des-bda-und-der-evangelischen-akademie-in-tutzing/">Master plans, they have no style</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Ein Tagungsrückblick zur Tagung <a href="http://www.ev-akademie-tutzing.de/veranstaltung/lebensform-stadt-der-mensch-als-unbekanntes-leitbild/">&#8222;Lebensform Stadt&#8220;</a> von David Kasparek, Redakteur bei <a href="http://derarchitektbda.de/">&#8222;der architekt&#8220;</a>.</em></p>
<p>Was für ein Bekenntnis zu Stadt! Zwei Tage lang debattierten Fachleute unterschiedlichster Disziplinen auf ein Einladung des Bundes Deutscher Architekten BDA und der Evangelischen Akademie in Tutzing unter dem Titel „<b>Lebensform Stadt</b>“. Besonderes Augenmerk, so legte der Untertitel nahe, sollte dabei dem „<b>Mensch als unbekanntes Leitbild</b>“ gelten.</p>
<p>Der Arbeitskreis Stadtplanung im BDA und die Evangelische Akademie konzipierten die Veranstaltung als Abfolge von drei Begriffspaaren: „Gemeinsinn und Individualität“, „Inspiration und Leidenschaft“ sowie „Planung und Improvisation“. Als gelungen darf dabei der Clou angesehen werden, den Vortragenden drei Kommentatoren an die Seite zu stellen, die das Gesagte unmittelbar reflektierten und die Tagung so inhaltlich rahmten. Übernommen hatten diese anspruchsvolle Rolle die Vorständin der Bonner Montag Stiftung Urbane Räume, Frauke Burgdorff, der in München tätige und in Stuttgart lehrende Architekt Markus Allmann und der Weimarer Soziologe Frank Eckardt.</p>
<p>Den Anfang aber machte am Freitagabend bei einsetzendem Schneefall am Starnberger See der belgische Kurator und Theaterwissenschaftler <b>Chris Dercon</b>. Als Direktor hatte er das Münchner Haus der Kunst einst zu neuem Glanz verholfen, ehe er 2011 an seine jetzige Wirkungsstätte, die Tate Gallery for Modern Art in London, wechselte. Unter dem Titel „Stadt ist großartig“ sprach der designierte Intendant der Berliner Volksbühne über Commons – also jene Orte, die von jedermann im öffentlichen Raum zu nutzen seien. Anders als von Vielen vermutet, stellten Sharing-Modelle des Web 2.0 eben solche Entwicklungen nicht dar. Hintergrund von Firmen wie AirBnB oder Uber sei stets die persönliche Bereicherung Einzelner – nämlich die der Firmengründer – und nicht das Gemeinwohl. Dercon stellte in diesem Kontext die ehemalige Wichtigkeit von öffentlichen Parks und Freiflächen als Treffpunkte und Verhandlungsräume allgemeiner Anliegen in den Vordergrund, schränkte aber gleichzeitig ein, dass es solche Räume derzeit schon und in Zukunft immer weniger geben wird. Der wirtschaftliche Druck auf solche Flächen sei in Städten wie London, München oder Berlin schlicht zu groß. Dercon legte dar, dass es nun an den Theatern und Museen der Stadt sei, sich so für die Allgemeinheit zu öffnen, dass diese ihre Räume für deren Zwecke bespielen können. Im Zweifel müsse man dafür den Alltag „hacken“, also Lücken in den Gesetzen und Verordnungen suchen oder einfach Fakten schaffen. Und wenn das Ergebnis dann sei, dass immens viele Besucher einer Kunstausstellung diese vor allem aufsuchten, um dort mit Freunden picknickend mitgebrachte Heißgetränke eines  internationalen Kaffeeriesen zu verzehren, dann sei das eben so.</p>
<p><b>Freiheit und Verantwortung<br />
</b><br />
Statt eines Auftritts des erkrankten <b>Wolf Lotter</b> spielte man zu Beginn des Samstags einen kurzen Auftritt des Chefredakteurs der Zeitschrift <i>brand eins </i>ein. Unter der Sub-Headline „Freiheit und Verantwortung“ sollte so der Typ der „Selbstbestimmer“ umrissen werden. Gemeint sind damit jene Bürger der Stadt, die jene Verantwortung für sich übernehmen, die mit der eigenen und durch unseren digital geprägten Alltag abseits des Big Business herbeigeführten (Handlungs-)Freiheit einher ginge. Da Lotter selbst nicht anwesend sein konnte, blieb dies weitestgehend folgenlos, wenngleich der ihm gegenübergestellte <b>Niels Boeing</b> einwand, „schon gerne mal ein Wörtchen mit ihm gewechselt“ haben zu wollen. Boeing begleitete als Bewohner St. Paulis und Autor die dort entstehenden Stadtteilversammlungen. Hier übernimmt der Einzelne zwar auch Verantwortung – aber eben nicht nur für sich, sondern auch für seinen Stadtteil und dessen Bewohner. Boeing schlug unter anderem vor, ein neues städtisches Verwaltungsprinzip einzuführen, in dem die Stadtteilversammlungen schnell agierende und ortskundige laizistische Fachleute darstellten, die ihrerseits Vertreter in die administrativen Ebenen der Stadt entsenden könnten. Wenn Big Business, wie bei Lotter, „böse“ sei, dann sei für die Stadtentwicklung im Sinne der Bürger auch „Big Government“, wie wir es in unseren Städten bisher erleben, schlecht. Stattdessen sollten nicht nur Projekte wie die Hamburger „PlanBude“ Schule machen, sondern auch „Hilfe zur Selbsthilfe“-Projekte vermehrt von den Bürgern für die Bürger umgesetzt und dabei wenigstens nicht von den offiziellen Seiten der Stadt behindert werden.<br />
Gemeinsinn und Individualität.</p>
<p><b>Ulfert Sterz</b>, Pastor in Hamburg, stellte in der Folge im Cluster „Gemeinsinn und Individualität“ das auf der Veddel initiierte Stadtteilprojekt „New Hamburg“ vor. Beeindruckend machte Sterz dabei die Wichtigkeit Einzelner für das Gelingen eines solchen Projekts deutlich, stellte zudem dar, wie wenig wichtig sich die Institution Kirche in diesem multikulturellen Kontext auf der Elbinsel nahm und wie groß die integrative Wirkung des Projekts vor Ort war. Umso bitterer die Erkenntnis, dass die von ihm bis Ende des Jahres 2014 bekleidete Planstelle eines Pastors gestrichen wurde. Auf Dauer scheint die Kirche ihre neue – und den aktuellen Erfordernissen der Stadt an dieser Stelle angepasste – Rolle nicht mehr wahrnehmen zu wollen. Die Arbeit führt dennoch derzeit eine, so Sterz, hochengagierte Vikarin weiter.</p>
<p><b>Michael Hirsch</b> legte anschließend seine Thesen zu einer anderen Aufteilung von Raum, Zeit und sozialer Praxis dar – mithin eine Anleitung zu einer „anderen städtischen Lebensform“. Das Manko des zu geringen Miteinanders machte der Autor und Privatdozent für Politische Theorie und Ideengeschichte der Universität Siegen an der Überlastung der Menschen durch Gelderwerb fest. So könne keine relevante und die Stadt voranbringende kulturelle Arbeit geleistet werden. Er plädierte folglich dafür, Planstellen jeglicher Art künftig nur noch doppelt zu besetzen, auf dass jeder Zeit zur Erholung sowie dem Entwickeln und Ausleben kreativer Potentiale finde. Das Geld dafür könne beispielsweise aus einem Modell für ein bedingungsloses Grundeinkommen stammen. Klar sei dabei aber, dass das nicht ohne Umverteilungen und damit mit Einbußen derer vonstatten gehen könne, die viel mehr haben als die meisten anderen.</p>
<p><b>Geborgenheit und Sicherheit<br />
</b><br />
Den Auftakt des dritten Abschnitts „Geborgenheit und Sicherheit“ machte <b>Christian Pfeiffer</b>. Der ehemalige Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachen in Hannover wartete zunächst mit einer Reihe nüchterner und durchaus überraschender Zahlen auf. Der Wandel in der Erziehungskultur der letzten Jahre, den Pfeiffer mit „Weniger Hiebe, mehr Liebe“ überschrieb, führe dazu, dass es Kindern in Deutschland heute so gut ginge wie nie zuvor. Die Gesellschaft profitiere davon unmittelbar, sei doch die nachwachsende Generation deutlich weniger gewaltbereit. Die Zahlen der Jugendkriminalität seien ebenso rückläufig wie die im Bereich der sexuellen und gewalttätigen Übergriffe gegenüber Frauen. An letzterem machte Pfeiffer in der Folge eine teils schwer nachvollziehbare Kritik an der Einwanderungspolitik der aktuellen Bundesregierung fest. Eine durch eine „Machokultur“ geprägte Generation sei dadurch ins Land gekommen, die zum einen eine Trendwende dieser bis dato rückläufigen Zahlen einleiten könne und zum anderen ob der Einschränkung der Anerkennung als Asylsuchende durch die Erklärung sicherer Heimatländer entweder in die wirtschaftliche Not ihrer Herkunftsstaaten oder schlicht in die Illegalität hierzulande getrieben würden. Seehofer, so Pfeiffer, habe Recht, wenn er Obergrenzen für die Zuwanderung fordere. Kopfschüttelnd, wenngleich weitestgehend klaglos nahm das Auditorium diese Äußerungen hin.</p>
<p>Pfeiffers Gegenpart war die Darmstädter Professorin für Geschlechterverhältnisse, Bildung und Lebensführung <b>Cornelia Koppetsch</b>. Sie sekundierte ihrem Vorredner, dass das Leben an sich zwar sicherer geworden sei, die Angst aber bliebe und sich gewissermaßen andere Bereiche suche. Untersuchungen wie etwa die Shell-Studie zeigten, dass einer ganzen Generation von Menschen Sicherheit und Geborgenheit derzeit wichtiger sei als Freiheit und persönliche Selbstbestimmung. In der Stadt, so Koppetsch, stünden sich unterschiedliche, antagonistische Gruppen gegenüber, deren Gemeinsamkeit der Wunsch nach Erhaltung und Festigung der Grenzen um das eigene Habitat sei. Auch das linke Bildungsbürgertum könne sich, so eine Vermutung Koppetschs, die eigene Toleranz gegenüber Flüchtlingen nur deswegen leisten, weil es letztlich eben doch nicht mit diesen um Wohnraum und Arbeitsplätze konkurrieren müsse.<b></b></p>
<p><strong>Inspiration und Leidenschaft</strong></p>
<p>Der Spätnachmittag schließlich war mit „Inspiration und Leidenschaft“ überschrieben. <b>Guy Dermosessian</b>, DJ und Kulturmacher der Zukunftskademie NRW, stellte sein Konzept für die Aneignung öffentlicher Räume vor. Ausgehend von Eindrücken seiner zerbombten Geburtsstadt Beirut, hatte Dermosessian in Karlsruhe und Bochum Aneignungen privater Räume für Ausstellungen, Konzerte und Parties organisiert. Aus der Partyreihe resultierte schließlich eine Art Spielanleitung für den Umgang mit einer öffentlichen Wiese eines Bochumer Parks. Tatsächlich inspirierend war der Vortrag der gebürtigen Schweizerin <b>Anna Anderegg</b>. Die Choreographin und künstlerische Leiterin der Kompanie „Asphalt Piloten“ aus Berlin stellte Tanzprojekte vor, die direkt mit dem jeweiligen Ort interagieren. Der öffentliche Raum wird dabei nicht nur als Bühne genutzt, die Tanz-Interventionen öffnen vielmehr neue Perspektiven und zeigen Zusammenhänge auf. Einen „hypersensiblen Raum“ beschrieb Anderegg als Ziel ihrer Arbeit. Diese würde natürlich von jedem Betrachter unterschiedlich wahrgenommen. Aber genau diese Differenz sei die Basis für Kommunikation. Architekten und Stadtplaner nannte sie dabei die „Choreografen der Stadt und Gebäude“.</p>
<p>Wer ihn noch nicht kannte, konnte sich als Abschluss des Abends den Film „Wem gehört die Stadt?“ von <b>Anna Ditges</b> ansehen, der die Geschehnisse rund um eine Kölner Bürgerinitiative beleuchtet, die sich erfolgreich gegen die vom Kölner Investor Paul Bauwens-Adenauer geplante Bebauung des Ehrenfelder Helios-Geländes mit einer Shopping Mall stemmte. Hier zeigte sich einmal mehr die Qualität der auch im Publikum breit aufgestellten Veranstaltung, als <b>Anne-Luise Müller</b>, Amtsleiterin der Kölner Stadtplanung, den Anwesenden zusammen mit Kölner Architekten den derzeitigen Stand dieses Prozesses erläuterte.</p>
<p><b>Planung und Improvisation<br />
</b><br />
<b>Klara Bindl</b>, Gewinnerin des BDA-SARP-Award 2015 und Absolventin der RWTH Aachen, stellte am Sonntagmorgen als erste Rednerin des vierten Veranstaltungsaktes mit dem Titel „Planung und Improvisation“ ihre Abschlussarbeit vor. Ihre Masterarbeit sah Bindl dabei als Wiederschreibung eines der ersten deutschen Romane, dem Lalebuch, und mithin als Chronik einer Stadtgeschichte an. Eine Parabel über den Irrsinn des Bauens sei die Schilderung der Bautätigkeit der Bürger der fiktiven Stadt Laleburg. Die von der gebürtigen Bonnerin wunderbar illustrierte Geschichte erzählt den chaotischen Bau eines Rathauses, an dem sich jeder Bewohner der Stadt nach seinem Können und Geschmack einbringe, bis das Haus schließlich vollendet, der Rest der Stadt ob der in der Bauphase des Rathauses erfahrenen Vernachlässigung aber verfallen ist. Für den Wiederaufbau müssten schließlich die im Rathaus verbauten Materialien eingesetzt werden, was in letzter Konsequenz zu einem völligen Rückbau führte und damit zu einer Leerstelle in Stadt und Gesellschaft, die die Stadtbewohner einige Zeit später – nach dem Vergessen der Vergangenheit – auf ein Neues mit einem Denkmal für sich füllen wollen.</p>
<p><b>Christopher Dell</b> bildete in einer Doppelrolle als Theoretiker und Musiker den Abschluss der Tagung. Er erläuterte seine Idee der Übertragung des Prinzips der Improvisation auf das Bauen. Dabei machte der Professor für Urbane Wissensformen, Organisationstheorie und relationale Praxis der HCU Hamburg deutlich, dass es ihm dabei nicht um die improvisierte Reparatur fehlgeleiteter Planung gehe, die wir auch heutzutage schon zuhauf fänden. Stattdessen schwebt Dell ein „konstruktiver Umgang mit der Unordnung der Gemeinschaft“ vor, bei dem nicht bereits vor der Planung feststünde, was für die „beplante Gesellschaft“ das Beste sei. Dabei seien die momentan bereits installierten Werkstattverfahren allesamt unbefriedigend, da die dort thematisierten Begrifflichkeiten zu unklar seien. Es fehle schlicht ein Transmissionsriemen für die Begriffe der heutigen Stadt. Es gelte, nicht länger der Wirklichkeit etwas Gedachtes überzustülpen, sondern vielmehr zunächst zu reden und zu recherchieren – und nicht zu zeichnen oder gar „all die hässlichen gelben Aufkleber auf Stellwände zu kleben“. Ein Stadtbegriff ohne epistemologische Begriffsklärung sei schlicht nicht möglich. Dell, der als bedeutendster zeitgenössischer Vibrafonist Europas gilt, gab in der Folge noch einen rund halbstündigen Einblick in sein musikalisches Können und damit einen wahrlich virtuosen Ausklang der Tagung.</p>
<p><b>Weg von der „guten Stadt“<br />
</b><br />
In der Gesamtheit wagte die Tagung in Tutzing den Sprung aus der Stadt hinaus und in die große Politik hinein.<b> Frank Eckhard</b> plädierte danach für eine angemessene Betrachtung all jener Prozesse, die seiner Meinung nach von allzu vielen gar zu schnell als „Gentrifizierung“ subsummiert werden. Nie war das Leben besser, nie war es sicherer, nie haben so viele Menschen so viel Reichtum besessen, und nie zuvor hatten so viele Menschen die Chance, sich nach ihren Wünschen zu verwirklichen. Auch wenn man als Zuhörer bei einer solchen Veranstaltung nicht immer alles verstünde, sei selbst dieses Nichtverstehen bereichernd, zeige es doch auf, dass „es weitere Horizonte gibt, die bereist werden können“, so der Soziologe augenzwinkernd. So hoffe er doch, von Idealen wie der „guten Stadt“ voller „best practice“-Beispiele wegzukommen. <b>Frauke Burgdorff </b>konstatierte, das Neue der Stadt sei nur denkbar und in der Folge auch gestaltbar, wenn ihre systematischen Probleme beleuchtet würden, ohne dabei die individuellen Biografien ihrer Bürger aus den Augen zu verlieren. Dazu zählte Burgdorff durchaus auch die ökonomischen Probleme, von denen zu klären sei, wie sie auf einem menschlichen Maßstab von der Allgemeinheit getragen werden könnten. <b>Markus Allmann</b>, der Dritte im Bunde der Kommentatoren, eröffnete seinen Kommentar mit einem Zitat der englischen Elektro-Gruppe „Groove Armada“: „Master plans, they have no ending/Master plans, they have no style”. Er wünschte den Architekten und Stadtplanern eine Gelassenheit im Heiderggerschen Sinne, also eben jenes Einlassen auf Neues und Unbekanntes, das die Stadt von heute ihnen entgegenbringe. Ein kritisch reflexives Denken sei vonnöten, Fehler würden ohnehin gemacht, also müsse man sich nicht übermäßig vor ihnen fürchten.</p>
<p>Mit den in Tutzing geschilderten Perspektiven kann man der Stadt als kybernetischem System eine durchaus positive Zukunft bescheinigen.</p>
<p><b>David Kasparek</b></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/master-plans-they-have-no-style-tagung-des-bda-und-der-evangelischen-akademie-in-tutzing/">Master plans, they have no style</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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		<title>homo ludens digitalis &#8211; Spielen und Lernen heute</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marko Kuzio]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Dec 2014 08:42:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Digitale Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Urbanes]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Von Prof. Wolfgang Zacharias und Hanna-Lena Neuser Unsere vor allem kindlichen und jugendlichen Spiel- und Lernwelten verändern sich derzeit rasant. Das menschliche „Urphänomen Spiel“ als eine besondere auch anthropologische Konstante bleibt. Der „homo ludens“, der spielende Mensch, wurde von Johann Huizinga sogar als Ursprung der Kultur und der Künste beschrieben. Neugierig spielend, experimentell handelnd, mit [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/homo-ludens-digitalis-spielen-und-lernen-heute/">homo ludens digitalis &#8211; Spielen und Lernen heute</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Von Prof. Wolfgang Zacharias und Hanna-Lena Neuser</p>
<p>Unsere vor allem kindlichen und jugendlichen Spiel- und Lernwelten verändern sich derzeit rasant. Das menschliche „Urphänomen Spiel“ als eine besondere auch anthropologische Konstante bleibt. Der „homo ludens“, der spielende Mensch, wurde von Johann Huizinga sogar als Ursprung der Kultur und der Künste beschrieben. Neugierig spielend, experimentell handelnd, mit und ohne Erfolg, Gewinn, Erkenntnis erobern sich vor allem die je nachwachsende Generationen Welt und Wirklichkeit. Dies ist ein permanenter Lern- und Erfahrungsprozess, der auch noch Spaß macht, wenn er spielerisch, mit und ohne Regeln, drinnen und draußen, allein und mit anderen möglich ist.<br />
Bei der Tagung 28./ 29./ 30.11.2014 in der Evangelischen Akademie Tutzing ging es im Kern um diese fundamentale Tatsache. Entsprechend der rasanten Dynamik der digitalen Spiel- und Lernwelten hieß der Untertitel der Tagung: Spielkulturen 2.0 zwischen Sinne und Cyber. Es wurde informiert und diskutiert und ebenso ganz konkret gespielt und experimentiert – sowohl „analog“ mit materiellen und körperbetonten Spielen aller Art wie auch mit digitalen, computer- und smartphonevermittelten „Games“. Ein sehr weites Feld. Eigentlich ist Aufwachsen heute, aber auch die kommunikativ-gesellschaftliche Wirklichkeit ohne diese „realvirtuelle“ Dimension nicht mehr vorstellbar und für die Nachwachsenden eine Selbstverständlichkeit.<br />
Und damit wird dies zu einer sowohl sozialen und kulturellen wie auch pädagogischen und medienbildenden Herausforderung. Dies ist dann auch die Chance einer neuen Aufwertung des Spieles des „homo ludens digitalis“. Denn gerade im digitalen Spiel erschließt sich diese zunächst ja völlig undurchschaubare und unsichtbare Welt. Sie wird erlebbar, emotional und konkret illustriert erfahrbar und (inter-)aktiv behandelbar: als Spiel. Die Faszination an digitalen Spielen, ihre inzwischen unendliche Themenvielfalt und ästhetische Erscheinungsform, ist eindeutig und intensiv wahrnehmbar, übrigens inzwischen auch ein relevanter Wirtschaftsfaktor.<br />
Für den kultur- und medienpädagogischen Kontext ergeben sich dabei hochaktuelle und relevante Fragestellungen, z.B. in der Spannweite von ästhetisch-gestalterischen bis ethisch-moralischen Dimensionen. Eine entscheidende Frage ist dann vor allem auch die Chance des Lernens, die bildende Wirkungen und die Möglichkeiten mit digitalen Medien und spielerischen Methoden sowie Inhalten aller Art.<br />
Eigentlich – so auch das vielfältig und aspektreich präsentierte und diskutierte Tagungsresümee – ist klar: Alle Erfahrungs-, Lern- und Bildungskontexte, von Familie über soziale Gemeinschaften, Freundesszenen bis Schule können vom spielerischen Lernen und dessen sowohl informativen wie unterhaltsamen Qualitäten profitieren. Und dies gilt es nun weiterhin intensiv zu entwickeln, zu qualifizieren sowie in vielerlei bürgerschaftlichen wie institutionellen Organisationsformen zu fördern und zu etablieren – auch wenn dies althergebrachte, etwa schulische Traditionen deutlich verändern wird.<br />
Bei der Tagung in Tutzing mit vielen Einrichtungen und Projekten als Balance kooperativer, vernetzter Spiel-, Lern-, Bildungslandschaften wurden vielerlei Praxisbeispiele ausgetauscht. Denn darum wird es vor allem in Zukunft gehen: Wie wird dieses Feld praktisch und nach Möglichkeit „mit und für alle“ &#8211; also inklusiv, aktivierend, partizipative &#8211; professionell organisiert und realisiert? Daran gilt es gemeinsam zu arbeiten, sich auszutauschen, Wissen zu vermitteln und Handlungskompetenzen zu verbreiten.<br />
Und eins wurde auch klar, gerade entsprechend der Expansion des digitalen Lernens und Spielens: Die spielerische und experimentelle Erfahrung des Realen, des Sinnlichen und Authentischen wird sozusagen balancierend und komplementär immer wichtiger. Dazu braucht es Initiativen, Angebote, Spiel- und Freiräume insbesondere im öffentlichen Raum und in kommunaler Verantwortung. Es geht dabei darum, das Recht der Kinder auf Kultur und Spiel und als selbstbestimmte Lern- und Freizeitchance sowohl im realen wie im digitalen Raum zu verwirklichen – entsprechend der UN-Kinderrechtskonvention. Eben die ist auch ein sozialer und politischer Auftrag, den die Tagung in Tutzing intensiv betonte und zu stärken versuchte.</p>
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		<title>Was hat eigentlich die Kulturpolitik mit der Kultur- und Kreativwirtschaft zu tun?</title>
		<link>https://www.eatutzing.de/was-hat-eigentlich-die-kulturpolitik-mit-der-kultur-und-kreativwirtschaft-zu-tun/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[makkuz]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Sep 2014 10:07:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Urbanes]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Beitrag von Christian Rost, Büro für urbane Zwischenwelten: http://www.urbane-zwischenwelten.de/. Dieser Frage stellte sich vom 12. bis 14. September 2014 das Kulturpolitische Forum Tutzing. Veranstaltet von der Evangelischen Akademie Tutzing, der Kulturpolitischen Gesellschaft, dem Stadtkulturnetzwerk Bayerischer Städte, dem Deutschen und Bayerischen Städtetag sowie dem Kulturreferat der Landeshauptstadt München diskutierten TeilnehmerInnen aus dem gesamten Bundesgebiet unter [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/was-hat-eigentlich-die-kulturpolitik-mit-der-kultur-und-kreativwirtschaft-zu-tun/">Was hat eigentlich die Kulturpolitik mit der Kultur- und Kreativwirtschaft zu tun?</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Beitrag von Christian Rost, Büro für urbane Zwischenwelten: <a href="http://www.urbane-zwischenwelten.de/">http://www.urbane-zwischenwelten.de/</a>.</p>
<p>Dieser Frage stellte sich vom 12. bis 14. September 2014 das Kulturpolitische Forum Tutzing. Veranstaltet von der Evangelischen Akademie Tutzing, der Kulturpolitischen Gesellschaft, dem Stadtkulturnetzwerk Bayerischer Städte, dem Deutschen und Bayerischen Städtetag sowie dem Kulturreferat der Landeshauptstadt München diskutierten TeilnehmerInnen aus dem gesamten Bundesgebiet unter dem Titel „Kulturwerte: Zur kulturellen Seite der Kreativwirtschaft“.</p>
<p>Dabei schien es um nichts geringeres, als um eine kulturpolitische Perspektive auf das Thema Kultur- und Kreativwirtschaft zu gehen. Denn während die Wirtschaftspolitik in Bund, Ländern und Kommunen mit verschiedensten Maßnahmen wie z. B. Studien und Wirtschaftsförderprogrammen das Thema nach und nach langfristig erschließt, scheint die Kulturpolitik dem Doppelcharakter kultur- und kreativwirtschaftlicher Leistungen noch nicht genügend Rechnung zu tragen.</p>
<p>Dass es hier Vorreiter gibt, zeigte der erste Konferenzbeitrag von Dr. Hans-Georg Küppers (Kulturreferent der Landeshauptstadt München) mit dem Titel „Zum Wert der Kultur“. Er benannte zusammenfassend fünf Erkenntnisse bzw. Handlungsempfehlungen für die Kulturpolitik:</p>
<ul>
<li>Der Begriff der Kultur- und Kreativwirtschaft muss verständlicher und kommunizierbar werden, damit alle, die damit befasst sind, vor allem die Akteure der Branche, diesen erfassen können und er nicht nur zur Worthülse wird!</li>
<li> Die Sichtbarkeit für die Branchenakteure muss erhöht werden, insbesondere für die Kulturberufe, damit Wertschätzung da ankommt, wo sie ihren Ursprung nimmt!</li>
<li> Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist nicht Sozialhilfeempfänger, sondern benötigt, z. B. beim Thema Qualifizierung eine Begleitung auf Augenhöhe.</li>
<li>Die Förderung der Kultur- und Kreativwirtschaft darf keine parallele Kulturförderung sein, sondern muss dem Doppelcharakter der Branche Rechnung tragen!</li>
<li>Es muss eine Ansprechbarkeit gewährleisten werden, welche die Branchenakteure in ihrem Handeln unterstützt und begleitet und nicht nur die Förderstruktur bedient.</li>
</ul>
<p>In diesem Sinne sollten kulturpolitisch die Potentiale der Kultur- und Kreativwirtschaft genutzt werden, anstatt auf den Gegensätzen zwischen wirtschaftlichem und kulturellem Charakter zu beharren!</p>
<p>Am darauffolgenden Tag ging die Veranstaltung mit verschiedenen Redebeiträgen in die zweite Runde. Herauszuheben ist hier insbesondere der Beitrag von Michael Söndermann, welcher beeindruckende Zahlen aus der Studie zur Kultur- und Kreativwirtschaft in Bayern präsentierte. Demnach sind knapp ein fünftel aller Akteure und Unternehmen der Branche in Deutschland im Freistaat ansässig. Und das, obwohl in Bayern erst jetzt mit dem landesweiten Zentrum für Kultur- und Kreativwirtschaft und dem Kompetenzteam Kultur- und Kreativwirtschaft der Landeshauptstadt unterstützende Strukturen entstehen bzw. entstanden sind. Letzteres wurde im Übrigen auch als Modellprojekt im Rahmen der Konferenz vorgestellt. Das durch Jürgen Enninger geleitete Kompetenzteam, ist eines der wenigen Angebote in Deutschland, welches über einen ämter- und fachübergreifenden Ansatz funktioniert und so die verschiedenen Bedarfe der Branchenakteure bedienen kann.</p>
<p>Fortgesetzt wurde die Konferenz mit vier parallelen Workshops. So ging es unter anderem um „Initiativen zur Stärkung der regionalen Kulturwirtschaft“ mit Beispielen aus Nürnberg (mehrwertzone.net) und dem Fichtelgebirge (Künstlerkolonie  Fichtelgebirge). In einem weiteren Workshop wurde zum Thema „Kreativwirtschaft und Stadtentwicklung“ mit Gästen aus München (KunstWohnWerke) und Berlin (Freie Szene Berlin) diskutiert.</p>
<p>Den Abschluss der Konferenz bildete am Sonntag die Zusammenfassung der Tagungsinhalte, welche in Kürze auch als Dokumentation verfügbar sein werden.</p>
<p>Die Suche nach einer kulturpolitischen Perspektive auf das Thema Kultur- und Kreativwirtschaft wird wohl trotz einiger Studien und Tagungen weiter gehen. Die bisherigen Ergebnisse des Diskurses sind eher unbefriedigend. In der Praxis gibt es aber schon heute vielversprechende Ansätze, wie das Beispiel des Kompetenzteams Kultur- und Kreativwirtschaft in München zeigt. Hier kann man wohl eher über einen kultur- und kreativwirtschaftspolitischen Ansatz sprechen, der im Ursprung auch der Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes zugrunde liegt.</p>
<p>Das Tagungsprogramm: <a href="https://www.eatutzing.de/rotunde-der-blog/">https://www.eatutzing.de/rotunde-der-blog/</a></p>



<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/was-hat-eigentlich-die-kulturpolitik-mit-der-kultur-und-kreativwirtschaft-zu-tun/">Was hat eigentlich die Kulturpolitik mit der Kultur- und Kreativwirtschaft zu tun?</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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		<title>Wie geht es dir, München?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[makkuz]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 01 Feb 2014 16:49:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Urbanes]]></category>
		<category><![CDATA[öffentlicher Raum]]></category>
		<category><![CDATA[Stadt]]></category>
		<category><![CDATA[Tagung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Zitatsammlung zur Frage: &#8222;Wie geht es München&#8220;? &#8222;München verpennt irgendwas. Im öffentlichen Raum findet zu wenig statt&#8220;, Teilnehmer1 &#8222;In München bewegt sich zuwenig, zündende Ideen fehlen&#8220;, Teilnehmer2 &#8222;In den 70er Jahren war München extrem innovativ, heute würde München eine Entschleunigung gut tun&#8220;, Teilnehmer3 &#8222;Zu brav, zu wenig Mut&#8220;, Teilnehmer4 &#8222;Die Stadtpolitik liebt die Stadt [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/wie-geht-es-dir-muenchen/">Wie geht es dir, München?</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2>Eine Zitatsammlung zur Frage: &#8222;Wie geht es München&#8220;?</h2>
<blockquote><p>&#8222;München verpennt irgendwas. Im öffentlichen Raum findet zu wenig statt&#8220;, Teilnehmer1</p></blockquote>
<p>&#8222;In München bewegt sich zuwenig, zündende Ideen fehlen&#8220;, Teilnehmer2</p>
<blockquote><p>&#8222;In den 70er Jahren war München extrem innovativ, heute würde München eine Entschleunigung gut tun&#8220;, Teilnehmer3</p></blockquote>
<p>&#8222;Zu brav, zu wenig Mut&#8220;, Teilnehmer4</p>
<blockquote><p>&#8222;Die Stadtpolitik liebt die Stadt nicht. Das Potential ist vorhanden&#8220;, Teilnehmer5</p></blockquote>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/wie-geht-es-dir-muenchen/">Wie geht es dir, München?</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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		<title>Tutzinger Bonmots #MehrPlatz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[makkuz]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 01 Feb 2014 16:47:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Urbanes]]></category>
		<category><![CDATA[öffentlicher Raum]]></category>
		<category><![CDATA[Stadt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„re-use / re-connect / re-public“ (Jörn Gertenbach, Urban Catalyst studio) „Bilde eine Makro- und eine Mirkoperspektive und verknüpfe sie“ (Jörn Gertenbach, Urban Catalyst studio) „Primäre Verhandlungsmasse der Stadt: der öffentliche Raum“ (Julian Petrin, Nexthamburg) „Mehr Platz für Alle? Bessere Plätze für Viele!“ (Martin Klamt) „Guten Tag, wie geht es Ihrer Stadt denn so?“ (Cornelia Ehmayer, [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/tutzinger-bonmots-mehrplatz/">Tutzinger Bonmots #MehrPlatz</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>„re-use / re-connect / re-public“ (Jörn Gertenbach, Urban Catalyst studio)</p>
<blockquote><p>„Bilde eine Makro- und eine Mirkoperspektive und verknüpfe sie“ (Jörn Gertenbach, Urban Catalyst studio)</p></blockquote>
<p>„Primäre Verhandlungsmasse der Stadt: der öffentliche Raum“ (Julian Petrin, Nexthamburg)</p>
<blockquote><p>„Mehr Platz für Alle? Bessere Plätze für Viele!“ (Martin Klamt)</p></blockquote>
<p>„Guten Tag, wie geht es Ihrer Stadt denn so?“ (Cornelia Ehmayer, Stadtpsychologin)</p>
<blockquote><p>„Angesichts der Notwendigkeit Raum teilen zu müssen kann Quantität nicht zählen, sondern Qualität“ (Bernd Schreyer)</p></blockquote>
<p>„Der Mensch hat ein natürliches Bedürfnis zur Aneignung“ (Cornelia Ehmayer, Stadtpsychologin)</p>
<blockquote><p>„Um da oben unsere Sehnsucht leben zu können“ (Teilnehmer zur Möglichkeit die Quadratkilometergroßen freien Dächer in München zu nutzen)</p></blockquote>
<p>„Bürgerbeteiligung hat mit Mut zu tun“ (Cornelia Ehmayer, Stadtpsychologin)</p>
<blockquote><p>„Krautgarten 2.0“ (Teilnehmer zur Möglichkeit das alte Konzept Krautfarten wieder aufleben zu lassen)</p></blockquote>
<p>„Die Stadt“ (alle so)</p>
<blockquote><p>„Planbarkeit des Ungeplanten“ (Teilnehmer zur Diskussion &#8222;weißer Flächen&#8220; in Bebauungsplänen)</p></blockquote>
<p>„Das Spannungsfeld zwischen Kunst und Wurst bleibt ein heiß Umkämpftes“ (Michael Wladarsch)</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/tutzinger-bonmots-mehrplatz/">Tutzinger Bonmots #MehrPlatz</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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		<title>re-use / re-connect / re-public</title>
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		<pubDate>Sat, 01 Feb 2014 16:45:57 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[öffentlicher Raum]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Drei europäische Großstädte, drei Impulse. Jörn Gertenbach (Urban Catalyst Studio), Julian Petrin (Nexthamburg) und Paul Bauer (grünstadtzürich), zeigten in ihren Beiträgen die Realisierbarkeit, aber auch die Grenzen, des gemeinsamen &#8222;Stadt-machens&#8220;. Eine Bewertung öffentlicher Räume geht eine Analyse verschiedener Perspektiven voraus. Der Stadtplaner Le Corbusier plante aus der Makroperspektive. Er stellte sich eine Stadt vor, wie [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/re-use-re-connect-re-public/">re-use / re-connect / re-public</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Drei europäische Großstädte, drei Impulse. Jörn Gertenbach (<a title="Urban Catalyst Studio" href="http://www.urbancatalyst-studio.de/de/Aktionsmodelle.html" target="_blank" rel="noopener">Urban Catalyst Studio</a>), Julian Petrin (<a title="Nexthamburg" href="http://www.nexthamburg.de/" target="_blank" rel="noopener">Nexthamburg</a>) und Paul Bauer (<a title="grünstadtzürich" href="https://www.stadt-zuerich.ch/gsz.secure.html" target="_blank" rel="noopener">grünstadtzürich</a>), zeigten in ihren Beiträgen die Realisierbarkeit, aber auch die Grenzen, des gemeinsamen &#8222;Stadt-machens&#8220;.</p>
<p>Eine Bewertung öffentlicher Räume geht eine Analyse verschiedener Perspektiven voraus. Der Stadtplaner Le Corbusier plante aus der Makroperspektive. Er stellte sich eine Stadt vor, wie es sie noch nicht gegeben hatte. Die Vision einer autogerechten Stadt. Dabei vergaß er die Menschen, die in diesen Städten leben sollten. Für die heutige urbane „post-Auto“-Perspektive fehlt einem solchen Ansatz die Mikroperspektive, die der Bedürfnisse.</p>
<p>Bedürfnisse der Bevölkerung werden in Beteiligungsprozessen eroiert. Diese „klassische Partizipation“ sieht der Hamburger Julian Petrin in der Sackgasse. So wichtig Bürgerbeteiligung sei, er merke eine „neue Ungeduld der Bürger“, die Beteiligungsprozesse vielfach schwierig gestalte.</p>
<p>BürgerInnen nehmen in zivilgesellschaftlichen Initiativen bereits heute vielfach das &#8222;Stadt machen&#8220; selbst in die Hand. Diese „selbstgemachte“ Stadt berge aber auch ein Risiko: das der Milieu-Segregation. In seinem Stadtmodell zeigte sich die „Selbststadt“, die neben der „Zentralstadt“ und der „Draußenstadt“ existiert, als Keimzelle zur Gated Community.</p>
<p>Während die Zentralstadt ein von oben nach unten geplanter, stark technokratisch gesteuerter Infrastrukturraum sei, wäre die Selbststadt eine selbstregulierte und aus Zellen organisierte Community. In ihren Werten der Shared Economy und Commons lägen auch die Pflichten eines Bürgerkontraktes und Beteiligungspflicht. Diese Vision, die eine starke Gemeinschaft voraussetzt, hat durchaus ihren Reiz. Sie birgt aber auch die Gefahr der Abgrenzung zur Draußenstadt, die wortwörtlich draußen und mit einer Minimumversorung ausgestattet wäre.</p>
<p>Diese kritische Vision kann die Potentiale und Möglichkeiten, die in einer zivilgesellschaftlichen und von einer breiten Bürgerschicht mitgetragenen Vorstellung von Stadt nicht schmälern. Aber der Warnruf ist wichtig und motiviert verschiedenste Bevölkerungsgruppen in den Prozess des Stadt-machens miteinzubeziehen.</p>
<p>Die bisherigen Tagungsbeiträge zeigen außerdem: Das Thema Zusammenarbeit von Kommunen, privaten Eigentümern, Investoren und der Bevölkerung ist zentral in eienr Diskussion um öffentlichen Raum. Ob „Kooperation“ (Jörn Gertenbach), „Cokreation“ (Julian Petrin) oder „Koproduktion“ (Juliane Pegels, Ulrich Berding) fast alle Inputgeberinnen und -geber bezeichneten eine gemeinsame Kommunikation und Auslotung der jeweiligen Bedürfnisse der Akteure als grundlegend für eine erfolgreiche Schaffung von öffentlichen Stadträumen.</p>
<p>Zur Halbzeit der Tagung lässt sich festhalten: Öffentlicher Raum muss in Koproduktion zwischen den Akteuren von Kommune, privater Hand und Bevölkerung entstehen. Auch private Flächen sollten nach Möglichkeit und nach lokalen Bedingungen für eine öffentliche Nutzung zur Verfügung stehen. Neue öffentliche Räume müssen erschlossen werden, Fantasie und Mut sind gefragt. Monofunktionale Flächen müssen multifunktional umgestaltet werden.</p>
<p>Und: Wir brauchen dafür viel Ausdauer, Mut und – Spaß an der Sache!</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/re-use-re-connect-re-public/">re-use / re-connect / re-public</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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