
Aktuelles Der Jahresempfang 2016 der Evangelischen Akademie Tutzing
Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm warnte in seiner Rede auf dem gestrigen Jahresempfang der Akademie vor Schwarz-Weiß-Malerei in der Flüchtlingsdebatte. Humanität und Realismus dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden. Bestimmte politische Positionen dürften nicht einfach als realistisch, davon abweichende dagegen als blauäugig bezeichnet werden.
„Wir müssen aufhören, in der Flüchtlingsfrage politische Symboldebatten zu führen“, forderte Bedford-Strohm weiter. Dass parteipolitische Machtkämpfe über diese Debatte ausgetragen werden, verbiete sich ohnehin – „denn es geht für viele betroffene Menschen buchstäblich um Leben oder Tod“. Auch dürften die Politiker der Bevölkerung nicht einfache Lösungen suggerieren, um damit kurzfristig zu punkten. Wer profilierte Vorschläge in der politischen Debatte mache, müsse aufzeigen, wie die vorgeschlagenen Maßnahmen funktionieren sollen.
Akademiedirektor Udo Hahn zeigte sich beim Thema Fluchtursachen-Bekämpfung wenig optimistisch: „Gute Lösungen sind kaum zu finden.“ Auch er warnte davor, der Bevölkerung einfache Lösungen zu präsentieren. Man müsse sich vor „Scharlatanen hüten, die uns weismachen wollen, dass alles ganz einfach wäre“. Gerade die Politik dürfe den „Vereinfachern“ nicht das Feld überlassen.
Der bayerische Finanzminister Markus Söder verteidigte die CSU-Forderung, wonach die Flüchtlingszahlen begrenzt werden sollten. „Wir helfen wirklich gerne.“ Aber wenn Deutschland auch in diesem Jahr so viele Flüchtlinge wie 2015 aufnimmt oder gar mehr, „dann wird uns das überfordern“. Die Forderung nach einer Obergrenze für Flüchtlinge sei daher nicht unchristlich, betonte Söder, der auch berufenes Mitglied des bayerischen evangelischen Kirchenparlaments ist.
Für eine Begrenzung der Zuwanderung sprächen finanzielle und sicherheitspolitische Gründe, sagte Söder: Falls irgendwann wegen der steigenden Ausgaben für Flüchtlinge soziale Leistungen gekürzt werden müssten, führe das zu sozialen Spannungen in der Gesellschaft. Außerdem sei die dauerhafte Aussetzung des Rechts durch die offenen Grenzen für einen Rechtsstaat nicht akzeptabel. Offene Grenzen lockten Kriminelle an, warnte der Finanzminister. Nach den Übergriffen auf Frauen in Köln in der Silvesternacht stelle sich schon die Frage, ob in Deutschland nicht schon Parallelgesellschaften entstanden seien.
Auch der frühere „Spiegel“-Chefredakteur und Festredner Georg Mascolo rief zu mehr Weitsicht und Besonnenheit in der Flüchtlingsdebatte auf. Weitsichtig zu sein, bedeute, „einen Teil der Probleme der Welt zu lösen, weil die Probleme sonst zu uns kommen“. Deutschland müsse daher – auch aus Eigennutz – weiter seiner humanitären Verpflichtung nachkommen, etwa das UN-Welternährungsprogramm oder fairen Handel zu unterstützen. Denn Globalisierung bedeute nicht nur steigenden Wohlstand, sondern auch die Flucht von Millionen von Menschen.
Das Begrüßungswort von Akademiedirektor Udo Hahn erhalten Sie -> hier.
Das Grußwort für die Evang.-Luth. Kirche in Bayern von Landesbischof Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm erhalten Sie -> hier.
Den Festvortrag „Exodus – Politik, Medien und die neue Völkerwanderung“ von Georg Mascolo erhalten Sie -> hier.
Einen Bericht über den Festvortrag von Georg Mascolo finden Sie auch im MIGAZIN (migration in germany) -> hier.
Das Grußwort von Landesbischof Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, aufgezeichnet als Hörfunkbeitrag von Michael Rüdel, erhalten Sie -> hier.
Den Festvortrag von Georg Mascolo, aufgezeichnet als Hörfunkbeitrag von Michael Rüdel, erhalten Sie -> hier.
Eine filmische Zusammenfassung des Jahresempfangs hat Axel Mölkner-Kappl von bild-schön-medien erstellt. Den Film sehen Sie -> hier.




