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Presse-Info #IchBinHanna-Initiative fordert Schutzmechanismen für die Wissenschaft

Dorothea Grass zeit info 01. April 2026

Wer in Deutschland in wissenschaftlichen Einrichtungen arbeitet, ist oft über lange Zeit prekär beschäftigt, unterliegt steilen Hierarchien – und wird nicht selten in seiner wissenschaftlichen Freiheit eingeschränkt. Das Team der #IchBinHanna-Initiative fordert: Das Wissenschaftssystem sollte sowohl gegenüber vorauseilendem Gehorsam von innen als auch gegenüber Angriffen von außen wehrhafter gemacht werden.

Die Wissenschaft muss sich dringend mit ihren Personalstrukturen beschäftigen. Das ist der Standpunkt von Amrei Bahr, Kristin Eichhorn und Sebastian Kubon. Die drei Initiator:innen der Online-Kampagne #IchBinHanna schreiben in einem Gastbeitrag für die Evangelische Akademie Tutzing über die Folgen, die die internen Strukturen im Wissenschaftsbetrieb nach sich ziehen. „Die deutsche Wissenschaft ist (…) von starken Hierarchien geprägt, weil die befristet beschäftigten Wissenschaftler*innen sich in starker Abhängigkeit von ihren Vorgesetzten, aber auch von Gutachter*innen befinden, die über ihre Qualifikationsschriften und Drittmittelanträge (und somit entsprechende Weiterbeschäftigungsmöglichkeiten) entscheiden. Diese Hierarchien laden zu Machtmissbrauch ein und stellen eine enorme Belastung für alle Beschäftigten dar.“

Diese Umstände beförderten nicht nur Ungleichheit, sondern hätten auch fachliche Konsequenzen. „Wer ständig um die nächste Verlängerung bangt und die eigene Forschung immer wieder danach ausrichten muss, bestimmten Fördervorgaben zu genügen, wird zur Anpassung erzogen.“ Die Folge: zu wenig Innovation, wissenschaftliches Fehlverhalten bis hin zum Fälschen von Studienergebnissen.

Am Ende entstünde durch die prekäre Beschäftigungsweise ein „Einfallstor für die Erosion unserer Demokratie“, so das Autorenteam. In ihrem Artikel heißt es „Wer immer nur gelernt hat, den Weg des geringsten Widerstands zu gehen und den eigenen beruflichen Vorteil über alles andere zu stellen, wird nicht zwingend protestieren, wenn Wissenschaftsfreiheit im Alltag unter Druck gerät.“

Bahr, Eichhorn und Kubon äußern ihre Sorge über die ideologische Instrumentalisierung des Wissenschaftsbetriebs, der oft von zeitlich befristeten Geldern abhängig sei. Der Rückbau von Schutzmechanismen in den vergangenen Jahren habe zu einer aktuell „hochgefährlichen Lage“ geführt. Die Forderung: Das Wissenschaftssystem müsse wehrhafter werden – sowohl gegenüber Angriffen von außen, aber auch vorauseilendem Gehorsam von innen.

Den vollständigen Gastbeitrag lesen Sie im Rotunde-Blog der Akademie. Der Beitrag ist zugleich Gastkolumne im April-Newsletter der Evangelischen Akademie Tutzing, der am 1. April 2026 versendet wird.

Hinweis:
Die drei Initiator:innen der Online-Kampagne #IchBinHanna sowie viele weitere Expertinnen und Experten zum Thema Wissenschaft als Berufsweg können Sie auf der Tagung „Wissenschaft braucht Perspektiven“ treffen: vom 8.-10. Mai 2026 in der Evangelischen Akademie Tutzing. Alle Informationen zu Ablauf und Programm finden Sie hier.