Newsletter Februar 2026
Wenn Gäste in unsere Akademie kommen, beobachte ich gerne, wohin sie ihre ersten Schritte bei uns führen, sobald sie ihr Gepäck abgelegt haben. In den ersten Pausen oder spätestens nach dem Essen sehe ich dann, wie es die Menschen schnurstracks an das Seeufer zieht. Andächtig bleiben sie stehen, blicken auf die Wasseroberfläche, bemerken vielleicht Blätter, die auf ihr treiben, atmen ein und aus, hören das Rufen der Vögel und schauen ihnen zu. Ich tu es ihnen gleich, wann immer es geht.
Die kleine Möwe sitzt auf dem alten Pfeiler neben unserer Seeterrasse. Ich sehe sie an. Sie steht einfach so da auf ihrem einen Bein (wo ist eigentlich das andere?) und scheint sich selbst zu genügen. Ich muss an Vers 26 im Kapitel 6 des Matthäusevangeliums denken: „Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.“
Ein Vogel sein! Das wär’s! Keine drängenden Termine, keine Sorgen um die Weltlage, keine unerledigte Einkaufsliste, noch nicht mal ordentlich gekämmt muss man sein, um als Vogel durch die Welt zu segeln. Was zählt, ist das pure Sein. Danke für die Erinnerung, liebe Möwe!
Weglassen zu üben, Körper und Seele Raum zu schaffen, um Gewohnheiten zu überprüfen, dazu bietet die anstehende Fastenzeit eine gute Gelegenheit. Vom 18. Februar bis 6. April startet die Fastenaktion „7 Wochen ohne“ der evangelischen Kirche. Sie steht in diesem Jahr unter dem Motto „Mit Gefühl! Sieben Wochen ohne Härte“. Ganz bewusst stellt sie sowohl das Fühlen, das „Weichsein“; aber auch das Mitgefühl in den Mittelpunkt. Fasten kann man übrigens auch in einer Gruppe, oder mit einem „Buddy“, einem Gegenüber – wie es meine Kollegin Dr. Nadja Bürgle mir für eine „Seefunken“-Ausgabe zum Thema Spiritualität und Lebenssinn erzählte.
Ich habe meinen Fasten- „Buddy” in diesem Jahr schon gefunden: Es ist die Möwe am See, die mich an den Sinn des Fastens erinnert. Sie ist übrigens eine Lachmöwe. Ich finde, das passt sowohl zur Emotion, als auch zum meditativen Moment des puren Seins.
Wir sehen uns am See!
Herzlich
Ihre
Dorothea Grass
Studienleiterin / Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit







