Newsletter Januar 2020

Mit welchen Vorsätzen gehen Sie in das neue Jahr? Und welche Erwartungen haben Sie an die kommenden zwölf Monate? Was auch immer sich ereignen wird, eine Überschrift über 2020 steht schon fest. Es ist ein biblisches Motto, das dem Neuen Testament entnommen ist, ein Vers aus dem Markusevangelium: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben“ (9,24). Seit 1930 besteht die Tradition der Jahreslosungen. Der evangelische Pfarrer Otto Riethmüller hat sie begründet. Seit 1970 werden die Losungen – immer drei Jahre im Voraus – von der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen herausgegeben.
„Suche Frieden und jage ihm nach“ (Psalm 34,15), lautete die Jahreslosung für 2019. Da wusste man sofort, was gemeint ist. Der Vers für 2020 ist hingegen nicht auf Anhieb zugänglich. Der Urheber des Zitats ist ein Vater, der in der Begegnung mit Jesus die Heilung seines Kindes erfleht. „Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt“, hält ihm Jesus entgegen. Darauf folgt der Satz: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben.“
Was denn nun? Die Antwort klingt widersprüchlich. Unsicherheit schwingt mit. So will eigentlich keiner sein, schon gar nicht, wenn es um den Glauben geht. Ich finde sie ehrlich. Und mir macht sie Mut. Auch der Zweifler ist Jesus willkommen. So verstehe ich die biblische Rahmenerzählung.
Die Jahreslosung skizziert eine zutiefst menschliche Haltung. So, wie wir eigentlich nicht sein wollen. Während andere schon immer zu wissen meinen, wie etwas ist, plagt sich der Zweifler immer mit der Frage herum: „Ist es wirklich so?“ Der Glaube, so scheint es mir, ist die wohl größte Herausforderung für uns Menschen. Denn es geht dabei nicht um Wissen, sondern um Vertrauen. Um Gewissheit. Um Trost.
Wie es aussieht, brauchen wir auch 2020 viel Vertrauen. Und zwar in Menschen, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind und tun, was angemessen, notwendig und friedenstiftend ist. Und in kritischen Situationen, dass wir von guten Mächten geborgen sind, wie Dietrich Bonhoeffer es einst formulierte, was auch immer kommen mag.
Auch 2020 steht unser Haus allen offen, die Ideen haben, Lust am Diskurs, in Andersdenkenden nicht Feinde, sondern Suchende sehen – und die manchmal auch zweifeln, gar zu verzweifeln scheinen. Wir haben eine Vielzahl interessanter Tagungen und Veranstaltungen zu den aktuellen Themen unserer Zeit im Programm. Es wäre mir eine Freude, Sie bei uns willkommen heißen zu dürfen.
Viel Gutes im neuen Jahr und Gottes Segen wünscht Ihnen – mit einem herzlichen Gruß des gesamten Teams der Evangelischen Akademie Tutzing
Ihr
Udo Hahn
Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing







