Anselm Kiefer, Opus Magnum
28. – 29. Mai 2021
TagungInhalt
Mit Georg Baselitz und Gerhard Richter gehört Anselm Kiefer zu den deutschen Künstlern, die sich nach dem Krieg dem allgemeinen „traumatischen“ Schweigen über die jüngste Vergangenheit entgegenstellten. Für sie gab es keine „Stunde Null“. Vielmehr setzt sich Kiefers Werk mit der eigenen Vergangenheit und der Shoa auseinander und versenkt sich dazu tief in die deutsche Romantik und die griechische Mythologie.
Dabei prägen monumentale Proportionen und eine schwere, dunkle Materialität Kiefers Werk, die das Gewicht der Historie zu tragen scheint. Kiefers Geschichts-bewusstsein ist zyklisch, er glaubt an die Wiederholung, die sich im Mythos spiegelt. Immer neue Stoffe, Formen, Bilder, Erzählungen reflektieren unsere Existenz. So begegnen sich im Werk Kiefers jüdische Kabbala, griechische Gottheiten, biblische Geschichten und die Lyrik von Paul Celan, Ingeborg Bachmann und Ossip Mandelstamm.
Das Opus Magnum mit seinen mit Blei gefassten Glasvitrinen ist eine besonders charakteristische Form seiner Arbeit, insofern Kiefer Objekte und Materialien zu Stillleben arrangiert. Wie Zeitkapseln enthalten die Vitrinen verschiedene Topoi seines Werks. Sie sind zugleich transparent und dicht, leicht und schwer. Ihre gläserne Hülle umfasst ein komplexes, assoziationsreiches Ensemble von Dingen und Bedeutungen.
Die Ausstellung im Franz Marc Museum umfasst 23 Vitrinen Kiefers mit der Spannung zwischen Licht durchfluteter Transparenz und bleierner Fassung. Mit dem Werkkomplex von Franz Marc sowie des deutschen Expressionismus bietet die Sammlung des Museums einen beredten Hintergrund für Kiefers Werk und vertieft seine Fragen: Was kann uns die Kunst mit ihrer Kritik an unserer Rationalität, ihrer technischen, ökonomischen, politischen Zurichtung der Welt, des Lebens, allen Seins bedeuten? Sind wir nicht heillos romantisch und idealistisch, fromm und aufgeklärt, ewig antik und frech modern zugleich?
Um sich trotz fehlender Besuchsmöglichkeit einen Eindruck dieser faszinierenden Ausstellung im Franz Marc Museum machen zu können, haben wir für unsere Gäste ein Video produziert.
Wir laden alle Neugierigen sehr herzlich zum Staunen, Rätseln und Deuten in die Online-Kooperation der Evangelischen Akademie Tutzing und des Franz Marc Museum in Kochel am See ein.
Virtuelle Anreise ab 16:45 Uhr
Begrüßung & Einführung
Film aus dem Franz Marc Museum, Kochel,
anschließend Gespräch
Pause
Pause
Gespräche und Begegnungen in virtuellen Salons
Veranstaltungsleitung
Pfr. Dr. phil. Jochen Wagner
Ehem. Studienleiter, Evangelische Akademie TutzingReferierende
BETEILIGTE
Gert Heidenreich, Dichter, Dramatiker, Erzähler, Essayist, Krimi und Drehbuchautor, Aufklärer und Moralist, ehem. PEN-Präsident, Herrsching
Rainer Karlitschek, Dramaturg, Bayerische Staatsoper, Dozent an der Theaterakademie August Everding, München Dr. Oliver Kase, Hausreferent für die Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne, München Dr. Cathrin Klingsöhr-Leroy, Direktorin, Franz Marc Museum Kochel am See Dr. med. Monika Lieb, Palliativärztin, Christophorus Hospiz Verein e.V., München Eva-Maria May, Pianistin, München (Video) Karl Meisenberg, Verantwortlich für Transport und Installa-tion der Werke Anselm Kiefers beim Kunsttransporteur Hasenkamp, Köln PD Dr. Thomas Nisslmüller, Exec. MBA (Uni St. Gallen / University of California Berkeley); Educational Consultant, Autor, Ästhetikforscher, Kommunikations- und Medienwissenschaftler, Mainz Prof. Dr. Jörg Scheller, Professor für Kunstgeschichte, Zürcher Hochschule der Künste, Musiker, Autor, zertifizierter Fitnesstrainer Videoteam Akademie: Anton Abraham, Dorothea Grass, Angelika Mrozek-AbrahamWir danken Janet Haarbach, Ruven Brown und dem Team des Franz Marc Museums für die freundliche Unterstützung sowie Oliver Wanke für die Begleitung beim Dreh.
Ort & Infos
Evangelische Akademie Tutzing
Schlossstraße 2+4
82327 Tutzing
Anja Böhm
Telefon: 08158 / 251-123
Fax: 08158 / 99 64 0
boehm@eatutzing.de