Die menschliche Hand – Ein Blickwechsel zwischen Literatur und Wissenschaft
25. Oktober 2022
TagungInhalt
DIE HAND SETZT DIE SPRACHE FREI
André Leroi-Gourhan
André Leroi-Gourhan
Sein Sprachvermögen macht den Menschen zum Menschen. Der Mund ist aber nur zum Sprechen frei, weil die Geschicklichkeit der Hände ihm die Beschaffung der Nahrung abgenommen hat. Die Hand setzt die Sprache frei. Der Mensch grast nicht, er spricht.
Die Sprache des Mundes und die Geschicklichkeit der Hände zusammen lassen uns Mensch sein. In seiner jüngsten Kulturgeschichte der Hand zeigt sich Jochen Hörisch jedoch überzeugt: Wir leben in einer Zeit der Handvergessenheit. Außer Wischen und Tippen werden im digitalen Zeitalter kaum noch Fingerfertigkeiten verlangt. Handwerker sucht man händeringend, nur noch wenige üben und pflegen ihre Handschrift. Wer spielt schon noch ein Instrument und greift in Saiten oder Tasten? Ist das alles bloß die nächste Evolutionsstufe des Homo sapiens zum Homo digitalis? Oder geht uns gar das Menschsein abhanden?
Die menschliche Hand – Wunderwerk der Beweglichkeit, Geschicklichkeit und Kraft, Werkzeug von Macht und Zärtlichkeit, von Zerstörung und Aufbau, Organ der Organe. Zu allen Zeiten waren Maler und Bildhauer von der Schönheit und Vielgestaltigkeit der menschlichen Hand fasziniert, bemühten sich um deren Darstellung. Die betenden Hände, die Hand Gottes, anatomische Handstudien – ob Dürer, Rodin oder da Vinci, ihre Werke begleiten uns auf Grabsteinen, Kunstkarten und Bucheinbänden. Sie prägen unsere Vorstellung von der Hand.
Im Blickwechsel zwischen Literatur und Wissenschaft wollen wir eine neue Sicht auf unsere Hände gewinnen – nachdenklich, unterhaltsam und informativ zugleich! In literarischer Rezitation und mit chirurgischer Präzision nähern wir uns in unseren handvergessenen Zeiten dem Wunderwerk unserer Hände neu an. Handverlust und Handersatz sind Themen der Literatur wie des Alltags im Krankenhaus. Wie können wir in unserer Kommunikation gestisch handeln? Wie die Hand bei ihrem Tätigsein schützen? Oder schützen vielmehr die Hände uns? Es sind Hände, die uns lieben, ermutigen, segnen! Und am Ende steht immer die Frage: Wer hat unser Leben in der Hand?
Wir laden Sie herzlich ein: Nehmen Sie unser Programmblatt in die Hand. Legen Sie die Hände in den Schoß und genießen Sie einen Abend bei Worten aus Literatur und aus Medizin. Lassen Sie uns über Hände sprechen und ihr Wesen begreifen!
Pfr. Dr. Hendrik Meyer-Magister
Studienleiter für Gesundheit, Künstliche Intelligenz und Spiritual Care Evangelische Akademie Tutzing
Barbara Greese
Rezitatorin und Rhetoriktrainerin, München
Studienleiter für Gesundheit, Künstliche Intelligenz und Spiritual Care Evangelische Akademie Tutzing
Barbara Greese
Rezitatorin und Rhetoriktrainerin, München
Programm
Barbara Greese
Einlass ab 18:30 Uhr
19.00 Uhr
Poetischer Anklang
Barbara Greese
Begrüßung und Einführung
Dr. Hendrik Meyer-Magister
DIE MENSCHLICHE HAND - EIN BLICKWECHSEL
wesentlich
Barbara Greese
wundervoll
Dr. Anna Borys
verletzlich
Barbara Greese
heilbar
Dr. Anna Borys
ausdrucksstark
Barbara Greese
schützenswert
Dr. Anna Borys
Verabschiedung
Dr. Hendrik Meyer-Magister
Poetischer Nachhall
Barbara Greese
im Anschluss: Getränke und Gespräche in den Salons des Schlosses
Veranstaltungsleitung
Dr. Hendrik Meyer-Magister
ehem. Stellvertretender Akademiedirektor / Studienleitung für Gesundheit, Künstliche Intelligenz und Spiritual CareBarbara Greese
Referierende
UNSERE GÄSTE
Barbara Greese ist Rezitatorin und Rhetoriktrainerin. Nach dem Studium u.a. der Sprechwissenschaft und Psychologie in München ließ sie sich von Cornelia Krawutschke an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch zur Rezitatorin ausbilden und belegte Meisterkurse in sprecherischer und sängerischer Körperschulung an den Konservatorien Basel und Luzern bei Burga Schwarzbach.
Sie arbeitet heute in den Bereichen Rhetoriktraining, Sprecherziehung sowie Stimmbildung und bietet insbesondere Kommunikationscoachings für Wissenschaftler:innen an. Barbara Greese tritt als Rezitatorin etwa bei Konzertlesungen und literarisch-tänzerischen Programmen auf, die sie auch selbst konzipiert. Gert Westphal, der „König der Vorleser“ ist dazu eine bleibende Inspiration: Barbara Greese will wirken mit Wort.
Mehr dazu: www.barbaragreese.de
Dr. Anna Borys ist Fachärztin für Orthopädie und spezialisierte Handchirurgin. Seit nunmehr 18 Jahren ist sie ausschließlich hand- und ellenbogenchirurgisch tätig und hat die Zusatzbezeichnungen Chirotherapie und Sportmedizin erworben. Nach dem Studium in Düsseldorf und ersten Stationen als Ärztin in Düsseldorf, Essen und München hat die gebürtige Brilonerin 2014 die handchirurgische Abteilung im Benedictus Krankenhaus Tutzing aufgebaut, die sie bis heute leitet. Anna Borys ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie und immer wieder für die Artemed Stiftung in Myanmar und Tansania medizinisch tätig.
Mehr dazu:
www.krankenhaus-tutzing.de/ueber-uns/aerzte/dr-anna-borys
Ort & Infos
Evangelische Akademie Tutzing
Schlossstraße 2+4
82327 Tutzing
Kontakt
Cornelia Spehr
Telefon: 08158 / 251-126
Fax: 08158 / 99 64 0
spehr@eatutzing.de