Tutzinger Salon
In Anlehnung an die Salons des 18./19. Jahrhunderts erleben Sie Persönlichkeiten aus Kultur und Gesellschaft, die etwas Besonderes zu präsentieren haben.
Liebe Freundinnen und Freunde des Tutzinger Salons,
es sind schwierige, ja für den Kulturbetrieb desaströse Zeiten. Auch wir sind uns bewusst, dass es ein Wagnis ist, zum nächsten Tutzinger Salon einzuladen. Kann er stattfinden? Wie hoch sind die Sicherheitsauflagen? Trauen sich überhaupt Gäste in die Akademie?
Wir wagen es und laden Sie herzlich zum 17. Juni 2020 ein! Der Meister, den wir in diesem Jahr zu feiern haben, ist die Mühen allemal wert. Und unsere beiden Bühneninterpreten sind es auch. Die Schauspielerin Jovita Dermota und der Pianist Wolfgang Leibnitz werden in ihrem Programm zu Beethovens 250. Geburtstag die Beziehung zu Josephine Brunsvik in den Mittelpunkt stellen. Glück und Tragik dieser Liebe seines Lebens spiegeln sich auch in Beethovens Werk. Daraus wird Wolfgang Leibnitz passende Ausschnitte am Flügel interpretieren. Jovita Dermota hat aus Briefen und anderen Originaltexten ein Leseprogramm zusammengestellt, das uns in Gefühlswelten entführt, die viele dem als verschlossen und mürrisch geltenden Genie wohl gar nicht zugetraut hätten.
Der Besuch des Tutzinger Salons ist dieses Mal ausschließlich mit Voranmeldung möglich!
Wir können nur eine beschränkte Anzahl von Besuchenden zulassen, weil wir mit Abstand bestuhlen müssen. Bitte melden Sie sich bei Interesse daher gleich an!
Mit den besten Wünschen für Ihrer aller Gesundheit!
Ihre Ulrike Haerendel
Von und mit Jovita Dermota, Textauswahl
Wolfgang Leibnitz, Klavier
Die Beziehung zwischen Ludwig van Beethoven und Josephine von Brunsvik ist rätselhaft und beschäftigt die Phantasie seit 200 Jahren. Die vielfältigen Verbindungen Beethovens zu Frauen und sein immer wieder geäußerter Wunsch nach Bindung werden von ihm selbst zugleich lebenslang konsequent unterwandert. Die über Jahre andauernde, mehr oder weniger verborgen gehaltene Liebe zu Josephine von Brunsvik jedoch verlässt Beethoven, als ständig pochender Gefühlsstrom, nie.
Die Begegnungen der beiden verlaufen unter den Augen der Gesellschaft zuerst regelkonform, später heimlich, dramatisch, verzweifelt und voller Chiffren. Nach Josephines frühem Tod gab es von Seiten der Familie Brunsvik zwar penible Versuche, sämtliche Briefe und Tagebücher, die in vermutetem Zusammenhang mit der Beziehung zu Beethoven standen, zu vernichten. Dennoch erschienen immer wieder und immer genauere Arbeiten zu diesem Thema. Den letzten Schleier der Vermutungen vermögen sie jedoch nicht zu zerreißen.
Das Konzert/Leseprogramm versucht einen Blick in eine weithin verborgene Seelenlandschaft zweier Charaktere mit widersprüchlichen Strukturen zu werfen.
Die Texte mit originalen Zitaten und Briefstellen entstanden, so wie die Werke im Klavierschaffen Beethovens, in unmittelbarem Zusammenhang mit den biografischen Episoden der geheimnisvollen Liebesgeschichte.
Jovita Dermota ist am Max Reinhardt Seminar in Wien zur Schauspielerin ausgebildet worden. Engagements an den Münchner Kammerspielen, am Schauspielhaus Zürich und am Residenztheater München folgten. Seit vielen Jahren widmet sie sich der Entwicklung von Sololeseprogrammen u.a. zu Clara Schumann, Ingeborg Bachmann, Franz Kafka, Virginia Woolf, Oskar Kokoschka, Gustav Klimt, Richard Strauss, Martin Luther und Vincent van Gogh. 1999 erhielt sie das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst.
Wolfgang Leibnitz hat seine Meisterschaft in der Schule von Claudio Arrau erworben. Kritiker rühmen seine „pianistische Brillanz und musikalische Reife“, seine „große Natü4rlichkeit“ die „alle technische Perfektion in den Dienst der Werkgestaltung stellt“. Er ist ein Pianist, der enorme Expressionsdichte aus strenger Textgenauigkeit gewinnt. Sein Repertoire umfasst das gesamte Spektrum der Klavierliteratur; als exemplarischer Debussy- und Mozart-Interpret hat er sich ebenso einen Namen gemacht wie als Gestalter romantischer und zeitgenössischer Werke.
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