Ethikberatung im Hospiz
22. April 2015
TagungInhalt
"EINE MEILE IN DEN SCHUHEN DES ANDEREN GEHEN…"
Carl Rogers
So formulierte der Altmeister der humanistischen Psychologie die Haltung der Empathie. Sich in andere einfügen und ihren Blickwinkel einnehmen verlangt vom Begleiter einen Wechsel der Perspektive.
Gerade in moralischen Dilemma-Situationen, wenn unterschiedliche Wünsche und Vorstellungen aufeinander prallen, ist ein Ausweg nur möglich, wenn man aufeinander hört und sich einfühlt. Der Wechsel der Perspektive ist der zentrale Akt einer verantwortungsvollen Ethik.
Der Ethiker Peter Dabrock drückt dies so aus: Ethik ist die Reflexionstheorie von Moral. Wir wissen, dass es nicht nur eine Theorie, sondern auch eine Praxis braucht, wenn verschiedene Moralvorstellungen in kritischen und schwierigen Situationen aufeinandertreffen. Dann beginnt das ethische Handwerk.
Im Kontext von Hospizarbeit und Palliativversorgung sind solche Situationen Alltag. Dabei geht es nicht nur um die Frage von künstlicher Ernährung oder dem Zulassen des Verzichtes auf Nahrung und Flüssigkeit. Es geht manchmal um die Frage des Ortes, an dem ein Mensch seine letzten Tage verbringen will: „Lassen wir ihn zu Hause oder bringen wir ihn noch in ein Heim?“ Es geht um die Frage von Zusammengehörigkeit und Familie: „Holen wir den Bruder aus der Ferne, damit sich der Sterbende noch versöhnen kann, oder lassen wir ihm seine Ruhe?“ Es geht um so viele kleine Dinge und Konflikte. Ethik trifft auf ein breites Feld von möglichen Dilemmata. Was kann Ethikberatung da leisten? Wie muss sie strukturiert sein, damit sie hilft?
Wir widmen uns am diesjährigen Fachtag dieser Frage. Erfahrungen aus Hospizen, Heimen und der ambulanten Arbeit werden diskutiert. Aufgaben, Rollen und Bedingungen guter Beratung werden besprochen. Wir freuen uns auf rege Teilnahme und laden dazu ins Schloss Tutzing ein.
Dr. Tomas Binsack, Bayerische Stiftung Hospiz
Pfr. Frank Kittelberger, Evangelische Akademie Tutzing
Pfr. Frank Kittelberger, Evangelische Akademie Tutzing
Programm
9.30 Uhr
Ankommen & Kaffee
10.00 Uhr
Warum Ethikberatung?
Begrüßung und Einführung
Pfr.i.R. Frank Kittelberger
10.30 Uhr
Ist das noch mein Job?
Ethikberatung als Angebot ambulanter Hospizarbeit – Voraussetzungen und Rollen
Gerlinde Bichler
11.00 Uhr
Mehr als Visite - Ethikberatung auf der Palliativstation
PD Dr. med. Marcus Schlemmer
11.30 Uhr
Wegschauen nicht erlaubt - Ethikberatung in der stationären Altenhilfe
Dorothea Bergmann
12.00 Uhr
Aussprache
Gregor Linnemann
12.30 Uhr
Mittagessen und Gespräche am See
14.00 Uhr
Eigentlich ist doch alles klar?
Ethikberatung im stationären Hospiz
Gregor Linnemann
14.30 Uhr
Vom Arzt bis zur Seelsorgerin - zur Bedeutung der Interprofessionalität in der Ethikberatung
Dr. med. Thomas Binsack
15.00 Uhr
Kaffeepause
15.30 Uhr
Schlußplenum mit Aussprache und Verabschiedung
16.00 Uhr
Ende der Veranstaltung
Veranstaltungsleitung
Pfr.i.R. Frank Kittelberger
Freier MitarbeiterReferierende
Pfarrerin Dorothea Bergmann, Pastoralpsychologische Pfarrstelle SPES Spiritualität – Palliative Care – Ethik – Seelsorge der Hilfe im Alter, München
Dr. med. Thomas Binsack, Vorsitzender, Stiftungsrat Bayerische Stiftung Hospiz, Dachau
Gerlinde Bichler, Krankenschwester, Ethikberaterin und Palliative-Care-Fachkraft im Christophorus Hospiz Verein e.V., München
Pfr. Frank Kittelberger, Stellvertretender Vorsitzender, Bayerischer Hospiz- und Palliativverband, Studienleiter Evangelische Akademie Tutzing
Gregor Linnemann, Leiter des Johannes-Hospizes der Barmherzigen Brüder, München
PD Dr. med. Marcus Schlemmer, Leiter der Palliativstation „St. Johannes von Gott“ am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, München
Diesen Fachtag führt die Evangelische Akademie Tutzing in Kooperation mit der Bayerischen Stiftung Hospiz durch: www.bayerische-stiftung-hospiz.de
Ort & Infos
Evangelische Akademie Tutzing
Schlossstraße 2+4
82327 Tutzing
Kontakt
Cornelia Spehr
Telefon: 08158 / 251-126
Fax: 08158 / 99 64 0
spehr@eatutzing.de