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Geschlecht – Eine persönliche und politische Geschichte

18. – 20. November 2022

Tagung reise info Tutzing reise info Geschlechterfragen, Gesellschaft & Soziales, Philosophie, Psychologie & Lebensfragen
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Inhalt

„ICH IST EIN ANDERER“ /„JE EST UN AUTRE“   
Arthur Rimbaud

Happy birthday to you! So feiern wir, auf die Welt gekommen zu sein. Ungefragt, wann, wo, wie, warum. In einen Leib gesteckt und einen Namen gegeben – doppelt unfrei wie einmalig bestimmt. Alles purer Zufall. Biologisch, gesellschaftlich, religiös, scheint klar zu sein, wer wer wie ist. Schon das biblische Votum, „fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein“, atmet Gewissheit.

Doch wer bin ich wirklich? Philosophisch gilt als wahr, wenn Zeichen und Ding adäquat sind. Doch was bezeichnet mich als authentisch? Repräsentieren unsere gewohnten Signifikanten, Körper und Name, von Natur wie Kultur uns zugemutete Gaben, claire et distincte eine Identität? Wie lässt sich mit allgemeinen Begriffen unser jeweils eigenes, nonkonformes, nichtidentisches Selbst kommunizieren?

Unser Zeitalter ist das erste, das nicht mehr genau weiß, was das ist: ein Mann, eine Frau. Weder körperliche Merkmale noch Psyche und angelerntes Verhalten geben darüber sichere Auskunft. Längst ist eine mannigfaltige Diversität weder von Natur, Kultur oder Gott abwehrbar. Alles kann anders, vieles sein – meine Kontingenz nährt den Wunsch, meine persönliche Emanzipation als politischen Prozess zu lesen.

Christina von Braun, die 1997 in Deutschland erstmals den Studiengang Gender Studies einführte, widmet dem Thema Filme und Bücher. Zuletzt: „Geschlecht. Eine persönliche und eine politische Geschichte“ (2021). Dies tun auch andere Wissenschaftler:innen und Forscher, Künstlerinnen und Filmemacher. Sie reflektieren Frauenrollen und -bilder, kommen zu neuen weiblichen und männlichen Selbstbildern, begreifen die Verschränkung von Subjekt- und Sozialgeschichte.

In der geplanten Tagung geht es nicht um eine weitere identitätspolitische Diskussion, nicht um das Für und Wider des Gendersternchens, sondern um die Frage, wie diese historisch einmalige Situation zustande kam und was sie charakterisiert. Wann begann dieser Prozess, was waren die ausschlaggebenden Faktoren? Welchen Einfluss hatte das religiöse Denken? Wie schlug er sich in Justiz, Politik, Ökonomie, Gesellschaft und Kultur nieder? Und auch: Wie geht unsere Psyche damit um? Allmählich bildet sich ein Mosaik heraus: Dieses Bild zu entziffern ist eine Gemeinschaftsaufgabe, zu der wir alle Interessierten sehr herzlich in die Evangelische Akademie Tutzing am Starnberger See einladen.

Pfr. Dr. phil. Jochen Wagner
Evangelische Akademie Tutzing

Prof. Dr. Christina von Braun
Humboldt-Universität zu Berlin

Programm

Fr, 18.11.2022 Sa, 19.11.2022 So, 20.11.2022
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Pfr. Dr. phil. Jochen Wagner

Anreise ab 16:00 Uhr

18.00 Uhr

Abendessen

19.00 Uhr
Begrüßung: Geschlecht

Gabe der Natur, soziales Artefakt, persönlicher Entwurf?

Pfr. Dr. phil. Jochen Wagner
19.15 Uhr
"Geschlecht. Plädoyer für einen nur scheinbar altmodischen Begriff"

Einführung

Prof. Dr. Christina von Braun
20.45 Uhr
„Gibt es Heterosexualität?“ Ein homosexueller Aktivist macht sich Gedanken
Dietmar Holzapfel
21.30 Uhr
„Große Freiheit“ -Anmerkungen zu zwei Filmen
Thomas Sparr

anschließend Gespräche in Gruppen

Veranstaltungsleitung

Pfr. Dr. phil. Jochen Wagner
Ehem. Studienleiter, Evangelische Akademie Tutzing

Referierende

Prof. Dr. phil. Christina von Braun, Kulturwissenschaftlerin, Autorin und Filmemacherin, Selma Stern Zentrum für jüdische Studien Berlin-Brandenburg, Humboldt Universität zu Berlin

Christina Clemm, Fachanwältin für Strafrecht und Familienrecht; Autorin „Akteneinsicht-Geschichten von Frauen und Gewalt", Berlin
Prof. Dr. Astrid Deuber-Mankowsky, Institut für Medienwissenschaft, Schwerpunkt: Medien-Gender Studies und Queer Theory, Medienphilosophie, Kultur- und Wissensgeschichte, Ruhr-Universität Bochum
Tessa Ganserer, MdB, Bündnis 90/Die Grünen, Berlin
Prof. Ines Geipel, Schriftstellerin und Professorin für Verskunst an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch", Berlin
Gudrun Gut, Musikerin, DJ, Moderatorin, Musikproduzentin und Inhaberin des Musiklabels Monika Enterprise, Berlin
Dietmar Holzapfel, Besitzer der „Deutschen Eiche" – Hotel Restaurant Sauna, Träger des Bayerischen Verdienstordens 2022, München
Prof. em. Dr. Renate Jost, Feministische Theologie, Gender und Religion, Augustana Hochschule Neuendettelsau
Prof. Dr. Susanne Lanwerd, Kulturwissenschaftlerin mit den Forschungsschwerpunkten Religionsästhetik, Geschlechterforschung und Psychoanalyse an der International Psychoanalytical University Berlin
Beate Passow, Bildende Künstlerin, München
Prof. Dr. Jörg Scheller, Professor im BA Fine Arts und im MA Art Education, Institute for Contemporary Art Research, Zürcher Hochschule der Künste; Kunstwissenschaftler, Journalist und Musiker, zertifizierter Fitnesstrainer, Biel und Zürich
Thomas Sparr, Editor-at-Large, Suhrkamp Verlag, Berlin
 

Ort & Infos

Evangelische Akademie Tutzing

Schlossstraße 2+4
82327 Tutzing

Kontakt

Anja Böhm
Telefon: 08158 / 251-123
Fax: 08158 / 99 64 0
boehm@eatutzing.de