Gleichberechtigung als kulturelle Aufgabe, WebTalk #2: Frauen in der Kulturpolitik
09. März 2022
TagungInhalt
DIVERSITÄT HEBT DIE KÜNSTLERISCHE QUALITÄT.
Olaf Zimmermann*
Frauen und Männer sind in der Kultur sehr unterschiedlich präsent: Während Künstler den Kunstmarkt dominieren, arbeiten Künstlerinnen überwiegend in der kulturellen Bildung. Die Chefetagen der Institutionen, die Medien und Jurys sind meist männlich besetzt, während weibliche Kulturschaffende als organisierende Kräfte hinter den Kulissen arbeiten. Die traditionelle Rollenverteilung hält sich in der Kultur zäh und beständig – trotz Anti-Diskriminierungsgesetzen und Geschlechterdiversität. Auch bei der Nutzung von Fördergeldern geht es bei weitem nicht paritätisch zu. Deutlich ist zudem der Gender Pay Gap: Publizistinnen, Künstlerinnen und Frauen in den Creative Industries verdienen im Durchschnitt 24 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen, wie die Studie „Frauen in Kultur und Medien“ des Deutschen Kulturrats 2016 ermittelte*.
Der Kultur- und Kreativsektor ist von einer Gleichberechtigung noch immer weit entfernt. Corona hat dieses Ungleichgewicht noch verstärkt. Vorwiegend Frauen waren durch Kita- und Schulschließungen belastet und wurden zurück in alte Rollenmuster gedrängt. Wo liegen die Ursachen hierfür? In Geschlechterbildern, die sich auch im Kunst- und Kulturverständnis fortsetzen? Welche Rolle spielen die Strukturen unserer Kulturinstitutionen? Welche das Management?
Auf der anderen Seite können gerade künstlerische Ausdrucksformen Stereotype anprangern und Sensibilität für Geschlechterfragen stärken. Wie wird dieses Poten-zial genutzt und wie wirkt es auf den Kulturbetrieb zurück?
Um Geschlechtergerechtigkeit und kulturelle Vielfalt zu stärken, so die UNESCO in ihrem Konzeptpapier „Kulturpolitik Neu/Gestalten 2020″, gilt es, „von einer Agenda des reinen Empowerments zu einer Agenda des tatsächlichen Wandels, also der Transformation, überzugehen“. Wie kommen wir in der Kulturbranche zum transformativen Handeln? Welche Veränderungen sind nötig, um eine größere Sichtbarkeit der weiblichen Arbeit und gleichen Zugang im Kulturbereich herzustellen? Wie ist die aktuelle Lage, international und in der EU? Was lässt sich aus anderen Ländern lernen?
Geschlechtergerechtigkeit ist eine kulturelle Aufgabe. Diese Talk-Reihe will die kulturpolitischen Dimensionen diskutieren, Wege für eine gute Praxis aufzeigen und einen Beitrag zur Vernetzung leisten. Sie richten sich an alle, die in Kulturpolitik, Kulturvermittlung und Kulturwirtschaft tätig sind und an alle Interessierten. Fünf der Veranstaltungen finden als Web-Talks statt, die Abschlussveranstaltung im Juni wird im Münchner Arri-Kino stattfinden.
Nachdem die Tagung im vergangenen Jahr verschoben werden musste, freuen wir uns besonders, Sie in diesem überwiegend digitalen Format zu Gesprächen einzuladen.
Dr. Christine Fuchs & Christina Madenach
STADTKULTUR Netzwerk Bayerischer Städte e.V.
STADTKULTUR Netzwerk Bayerischer Städte e.V.
Christian Steinau, LMU München, Cultural Policy Labs
Alix Michell
Evangelische Akademie Tutzing
Evangelische Akademie Tutzing
*Gabriele Schulz, Carolin Ries, Olaf Zimmermann (Deutscher Kulturrat), Frauen in Kultur und Medien. Ein Überblick über aktuelle Tendenzen, Entwicklungen und Lösungsvorschläge, Berlin 2016
Programm
2. WEBTalk
Frauen in der Kulturpolitik
15.30 Uhr
Alix Michell
Kulturpolitikerin in der EU: Herausforderungen
Dr. Helga Trüpel
Podiumsdiskussion mit
Dr. Emilia Barna
Prof. Dr. Julia Lehner
Diskussion im Plenum
Moderation:
Dr. Helga Trüpel
17.45 Uhr
Ende der Veranstaltung
Veranstaltungsleitung
Alix Michell
Studienleitung für Kunst, Kultur, Digitales und GenderReferierende
Dr. Emília Barna, Assistant Professor im Fachbereich Soziologie und Kommunikation der Universität für Technologie und Wirtschaft, Budapest, Ungarn
Dr. Cornelie Kunkat, Referentin für Frauen in Kultur & Medien, Deutscher Kulturrat, Berlin
Prof. Dr. Julia Lehner, Zweite Bürgermeisterin, Geschäftsbereich Kultur, Stadt Nürnberg
Dr. Helga Trüpel, Politikerin (Bündnis 90/Die Grünen), ehem. Senatorin für Kultur und Ausländerintegration der Freien Hansestadt Bremen, ehem. MdEP (Die Grünen/Europäische Freie Allianz), Bremen
Ort & Infos
Kontakt
Rita Niedermaier
Telefon: 08158 / 251-121
Fax: 08158 / 251-110
niedermaier@eatutzing.de