Heimkindheiten
28. – 29. November 2018
TagungInhalt
KINDER HABEN EIN RECHT AUF GEWALTFREIE ERZIEHUNG
heißt es in § 1631 BGB, allerdings erst seit dem Jahr 2000. So lange dauerte es, bis in Deutschland Gewalt in der Erziehung von Kindern letztlich auch gesetzlich geächtet wurde. Bis weit in die 1970er Jahre hinein war von der Ohrfeige bis zum Prügeln mit dem Rohrstock eine breite gesellschaftliche Akzeptanz für „Züchtigungen“ vorhanden.
In den Einrichtungen der stationären Kinder- und Jugendhilfe in der Bundesrepublik kamen bis Mitte der 1970er Jahre Bedingungen hinzu, durch die sich erschreckende Gewaltformen manifestieren konnten: So etwa ein Regelsystem, das eigentlich das Zusammenleben in den oft sehr großen Einrichtungen hätte garantieren sollen, aber häufig zum Selbstzweck wurde. Werte wie Autorität, Unterordnung und Gehorsam wurden groß geschrieben. Gewalt und Misshandlungen wurden oft institutionell gedeckt und von Aufsichtsbehörden „übersehen“.
Vieles hat sich seither geändert: Eine moderne Hilfelandschaft hat das Instrument der zwangsweisen Heimunterbringung abgelöst; der Kinder- und Jugendschutz in Institutionen wurde ausgedehnt, Partizipationsstrukturen wurden geschaffen. Dennoch sollte das Thema weiterhin im öffentlichen Bewusstsein und die Aufarbeitung ein gesellschaftspolitischer Auftrag bleiben, denn viele Menschen leiden bis heute schwer unter den Folgen ihrer Heimkindheit.
Die Politik hat mit der Errichtung der Fonds Heimerziehung Anlauf- und Beratungsstellen geschaffen, die Betroffene bei der Bewältigung ihrer Vergangenheit unterstützen und einen gesellschaftlichen Beitrag zur Aufarbeitung leisten.
Da die Fonds in Kürze auslaufen, wollen wir in der Veranstaltung fragen, was in der Bundesrepublik und besonders in Bayern auf diesem Gebiet geleistet wurde und wie es mit den Ansprech- und Beratungsmöglichkeiten für ehemalige Heimkinder weitergehen wird.
Herzliche Einladung in die Evangelische Akademie Tutzing!
Dr. Ulrike Haerendel, Evangelische Akademie Tutzing
Dr. Ulrike Haerendel, Evangelische Akademie Tutzing
Ingvelde Theisen, Leiterin der Regionalen Anlauf- und Beratungsstelle für ehemalige Heimkinder in Bayern
Dr. Ulrike Haerendel
Anreise ab 10.00 Uhr
10.30 Uhr
Begrüßungskaffee
mit Butterbreze
11.00 Uhr
Begrüßung
Dr. Ulrike Haerendel
und
Klaus Schenk
Grußwort
Hans Reinfelder
Amtsleiter Bayerisches Landesjugendamt
11.15 Uhr
Schwererziehbare Landschaften – Heimerziehung in Deutschland 1945 bis 1975
Dr. Uwe Kaminsky
12.15 Uhr
Errichtung und Ergebnisse der Fonds Heimerziehung in der Bundesrepublik
Katharina Bergmann
13.00 Uhr
Mittagessen
14.30 Uhr
Zeitzeugen berichten
Biografische Berichte zusammengestellt von
Dr. Johanna Beyer
anschließend
Gespräch der Zeitzeugen mit dem Publikum
Moderation:
Katharina Nusser
16.00 Uhr
Lebensverläufe ehemaliger Heimkinder – Einblicke durch die IPP-Studie
Dr. Peter Caspari
und
Gerhard Hackenschmied
16.30 Uhr
Kaffeepause
17.00 Uhr
Moderierte Workshops
(parallel)
mit
Dr. Helga Dill
Gerhard Hackenschmied
Dr. Peter Caspari
Dr. Florian Straus
18.30 Uhr
Abendessen
19.30 Uhr
Begegnungen und Gespräche in den Salons
Veranstaltungsleitung
Dr. Ulrike Haerendel
Referierende
Katharina Bergmann, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Berlin
Dr. Johanna Beyer, Dipl.-Soz., Kirchenrätin i.R., ehem. Gleichstellungsbeauftragte bei der Evang.-Luth. Kirche in Bayern, München
Helga Dill, Dipl.-Soz., IPP (Institut für Praxisforschung und Projektberatung) München
Sonja Djurovic, Zeitzeugin, Frankfurt am Main
Gerhard Hackenschmied, Dipl.-Psych., IPP München
Dr. Uwe Kaminsky, Historiker, Lehrstuhl für Christliche Gesellschaftslehre, Evangelisch-theologische Fakultät, Ruhr-Universität Bochum
Prof. Dr. Manfred Kappeler, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut, Professor für Sozialpädagogik i.R., TU Berlin
Dr. Peter Mosser, Dipl.-Psych., Beratungsstelle KIBS, Kinderschutz München, und IPP München
Katharina Nusser, Dipl. Sozialpädagogin, Regionale Anlauf- und Beratungsstelle für ehemalige Heimkinder in Bayern, Zentrum Bayern Familie und Soziales, München
Dr. Michael Spieker, Politikwissenschaftler, München
Dr. Florian Straus, Dipl.-Soz., Geschäftsführer, IPP München
Richard Sucker, Zeitzeuge, Nürnberg
Klaus Schenk, Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales, stellv. Referatsleitung Referat IV5 – Jugendpolitik, Jugendhilfe, München
Joachim Unterländer, Sozialpolitiker (CSU), München
Ort & Infos
Evangelische Akademie Tutzing
Schlossstraße 2+4
82327 Tutzing
Kontakt
Rita Niedermaier
Telefon: 08158 / 251-121
Fax: 08158 / 251-110
niedermaier@eatutzing.de