Kirche & Diakonie in der Zeitenwende
02. – 03. November 2023
TagungInhalt
EIN BLICK ZURÜCK NACH VORN
Die berühmte Stegreifrede Johann Hinrich Wicherns auf dem Wittenberger Kirchentag von 1848 gilt als Geburtsstunde der Inneren Mission und damit der verfassten Diakonie. Seine Rede atmet den Geist der Krise: Die Industrialisierung wälzte in kürzester Zeit die ständisch-agrarische Gesellschaft um. Die Kirche sah sich bei der geistlichen und materiellen Versorgung der großen Arbeiterquartiere massiv herausgefordert. Der Geist der Revolution mit seinem antikirchlichen und teils atheistischen Impetus jagte den Kirchenmännern großen Schrecken ein: Drohte das Ende der „Volkskirche“? Von einem „Wendepunkt der Weltgeschichte“ war die Rede.
Die berühmte Stegreifrede Johann Hinrich Wicherns auf dem Wittenberger Kirchentag von 1848 gilt als Geburtsstunde der Inneren Mission und damit der verfassten Diakonie. Seine Rede atmet den Geist der Krise: Die Industrialisierung wälzte in kürzester Zeit die ständisch-agrarische Gesellschaft um. Die Kirche sah sich bei der geistlichen und materiellen Versorgung der großen Arbeiterquartiere massiv herausgefordert. Der Geist der Revolution mit seinem antikirchlichen und teils atheistischen Impetus jagte den Kirchenmännern großen Schrecken ein: Drohte das Ende der „Volkskirche“? Von einem „Wendepunkt der Weltgeschichte“ war die Rede.
175 Jahre später reden wir von einer „Zeitenwende“ – das Wort des Jahres 2022. Dabei geht es nicht allein um die Ausrichtung der Außen- und Sicherheitspolitik angesichts eines schrecklichen Angriffskrieges in Europa. Digitalisierung und Künstliche Intelligenz schicken sich an, alle Lebensbereiche grundlegend umzuwälzen. Diese werden zugleich bunter, migrantischer und diverser, was viel zu viele in die Fänge antidemokratischer Parteien treibt. Der Klimawandel macht eine umfassende Transformation unumgänglich und das in einer Situation, in der Corona, Inflation und Energiepreise viele Menschen in materielle Nöte gebracht hat. Das verstärkt das Gefühl von Unsicherheit. Was wird morgen sein?
Viele diakonische Einrichtungen und kirchliche Anlaufstellen kennen diese Frage aus dem Mund der Menschen, mit denen sie Kontakt haben. Parallel werden die beiden großen Kirchen immer kleiner. Inzwischen gehören ihnen weniger als 50 Prozent der Menschen in Deutschland an. „Wir“ sind nur noch eine Minderheit und schrumpfen weiter: Kirche wird ärmer und kleiner sein – aber auch unbedeutender?
Es gilt, nach vorne zu blicken: Wie kann der biblische Auftrag mit den verbleibenden Ressourcen in einer sich rasant wandelnden Gesellschaft zur Geltung gebracht werden? In welchem Verhältnis stehen dabei verfasste Diakonie und Kirche? Wie können die erlösende Botschaft von der Liebe Gottes und die christliche Nächstenliebe unter Bedingungen der gesellschaftlichen Transformation Früchte tragen?
Wendepunkte und Zeitenwenden sind und waren immer Anlässe zur Reflexion. Wie Kirche und Diakonie zukünftig ihren Dienst am Menschen leisten können, ist unsere Frage. Nur mit Mut, Gestaltungswillen, im guten Miteinander und gemeinsam mit anderen Akteuren! So lautet unsere These.
Wir wollen das mit führenden Expertinnen und Experten aus Diakonie, Kirche, Diakoniewissenschaft und Theologie diskutieren. Wir wollen mit Ihnen ins Gespräch kommen – ganz gleich, ob Sie leitend, haupt- oder ehrenamtlich in Kirche und Diakonie engagiert sind oder an der Zukunft von Kirche, Diakonie und unserer Gesellschaft ein persönliches Interesse haben. Eine herzliche Einladung in die Evangelische Akademie Tutzing!
Dr. Hendrik Meyer-Magister, Stellv. Direktor und Studienleiter an der Evangelischen Akademie Tutzing
Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie Deutschland
Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie Deutschland
12.30 Uhr
Dr. Hendrik Meyer-Magister
Tagungsbeginn mit einem Imbiss
11.00 Uhr
Anreise
13.15 Uhr
Begrüßung und Einführung
Dr. Hendrik Meyer-Magister
Ulrich Lilie
13.45 Uhr
175 Jahre nach Wittenberg: Kirche und Diakonie in einer diversen Gesellschaft
Diakonievorsitzende Oberkirchenrätin Prof. Dr. Annette Noller
14.30 Uhr
175 Jahre nach Wittenberg: Diakonie ist Kriche statt Diakonie und Kirche
Diakonievorsitzender Oberkirchenrat Christoph Stolte
15.15 Uhr
Kaffeepause
15.45 Uhr
Kirche und Diakonie in der Zeitenwende
Fünf Beobachtungen
Ulrich Lilie
16.30 Uhr
Pause
16.45 Uhr
Diakoniewissenschaftliche und theologische Orientierungen
Impulse und Diskussion mit
Prof. Dr. Christian Albrecht
Prof. Dr. Johannes Eurich
Diakonievorsitzende Oberkirchenrätin Prof. Dr. Annette Noller
Diakonievorständin Elisabeth Peterhoff
Diakonievorsitzender Oberkirchenrat Christoph Stolte
18.00 Uhr
Abendessen
19.30 Uhr
Zukunftsperspektiven für Kirche und Diakonie in Bayern
Podiumsgespräch mit
Landesbischof Christian Kopp
Diakonievorsitzende Dr. Sabine Weingärtner
Moderation:
Prof. Dr. Christian Albrecht
21.00 Uhr
Gespräche in den Salons des Schlosses
Veranstaltungsleitung
Dr. Hendrik Meyer-Magister
ehem. Stellvertretender Akademiedirektor / Studienleitung für Gesundheit, Künstliche Intelligenz und Spiritual CareReferierende
BETEILIGTE
Prof. Dr. Christian Albrecht, Professor für Praktische Theologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München
Prof. Dr. Reiner Anselm, Professor für Systematische Theologie und Ethik an der Ludwig-Maximilians-Universität München
Prof. Dr. Johannes Eurich, Professor für Praktische Theologie/Diakoniewissenschaft an der Universität Heidelberg
Daniel Hörsch, Sozialwissenschaftlicher Referent bei midi – Evangelische Arbeitsstelle für missionarische Kirchenentwicklung und diakonische Profilbildung, Berlin
Christian Kopp, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ab 1. November 2023), München
Prof. Dr. Thorsten Moos, Professor für Systematische Theologie (Ethik) an der Universität Heidelberg
Oberkirchenrätin Prof. Dr. Annette Noller, Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks Württemberg, Stuttgart
Prof. Dr. Christian Oelschlägel, Professor für Diakoniewissenschaft mit dem Schwerpunkt Systematische Theologie/Ethik an der Universität Bielefeld
Diakonin Elisabeth Peterhoff, Mitglied des Vorstands der Rummelsberger Diakonie und Leiterin der Rummelsberger Diakoninnengemeinschaft
Oberkirchenrat Christoph Stolte, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Mitteldeutschland, Halle an der Saale
Dr. Sabine Weingärtner, Präsidentin und Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks Bayern, Nürnberg
VERANSTALTUNGSLEITUNG
Dr. Hendrik Meyer-Magister, Stellv. Direktor und Studienleiter an der Evangelischen Akademie Tutzing
Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie Deutschland
Ort & Infos
Evangelische Akademie Tutzing
Schlossstraße 2+4
82327 Tutzing
Kontakt
Cornelia Spehr
Telefon: 08158 / 251-126
Fax: 08158 / 99 64 0
spehr@eatutzing.de