Nicht mehr leben wollen – 7. Fachtag Ethik
10. April 2019
TagungInhalt
Fachtag ausgebucht – keine Anmeldungen mehr! – Warteliste möglich.
Lebenssatt oder Lebensmüde?
„Nicht mal sterben darf man in diesem Land“, so kommentierte der Bewohner eines Pflegeheimes seine Rückkehr aus der Psychiatrie, in die er nach misslungenem Selbsttötungsversuch verlegt worden war. Manche Menschen wollen sterben. Dem begegnen wir immer wieder. So unverständlich dies der einen oder anderen von uns erscheint, so verständlich scheint es manchmal, wenn man sich mit dem Schicksal und dem alltäglichen Leid dieser Menschen beschäftigt. Manchmal sind es Patienten oder Patientinnen, die trotz guter Palliativversorgung unter starken Schmerzen leiden, weil diese medizinisch einfach nicht beherrschbar sind. Manchmal sind es alte oder hochbetagte Menschen, die des Lebens und seiner Lasten müde geworden sind. Manchmal sind es Menschen, die eigentlich zufrieden auf ihr Leben blicken und dennoch der festen Überzeugung sind, dass es genug ist. Zwischen lebenssatt und lebensmüde lässt sich manchmal nur schwer unterscheiden.
„Lasst mich halt sterben!“ Solche Sätze schrecken auf. Rat- und Hilflosigkeit machen sich breit, wenn alte Menschen sterben wollen, wenn sich Heimbewohner suizidieren, wenn Hochbetagte in ihrer Wohnung unter Vereinsamung leiden und den Tod als Erlösung empfinden. Solche Sätze tun weh, wenn für Patienten – auch auf Palliativstationen und unter guter Hospizbegleitung – alles Menschenmögliche getan wird, und sie trotzdem gehen wollen. Wir ahnen, dass die Betroffenen ihre Lage als aussichtslos empfinden.
„Nicht durch die Hand eines anderen sollen die Menschen sterben, sondern an der Hand eines anderen.“ So sagte der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler 2005 bei einer Fachtagung der Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz. Die Debatten werden kontrovers geführt. Während mancher für die freie Wahl des eigenen Todes plädiert oder gar der Gesellschaft die Pflicht zur Hilfe bei diesem letzten Schritt zuschreibt, deuten andere den Todeswunsch generell als Krankheit, z.B. als Depression, die es zu heilen, wenigstens zu lindern gilt. Einfühlsame Begleiterinnen spüren die Ambivalenz und sind oft ratlos. Wenn Menschen sterben wollen und dies auch sagen, belastet das Freunde und Familien. Auch Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte und andere Begleiter leiden unter solchen Wünschen ihrer Patienten. Darüber muss gesprochen werden!
Zum 7. Mal in Folge laden wir im April zum Fachtag Ethik in die Evangelische Akademie Tutzing ein. Wir freuen uns auf regen Zulauf, lehrreiche Vorträge, spannende Workshops und auf anregende Diskussionen.
Dr. med. Thomas Binsack ehem. Stiftungsratsvorsitzender, Bayerische Stiftung Hospiz
Pfr. Frank Kittelberger Studienleiter, Evangelische Akademie Tutzing
Programm
Dr. med. Thomas Binsack
9.30 Uhr
Ankommen & Kaffee
10.00 Uhr
Begrüßung – Pfr. Frank Kittelberger
Einführung – Dr. Thomas Binsack
10.30 Uhr
Sterben wollen aus theologischer Sicht
Pastoralreferent Norbert Kuhn-Flammensfeld
11.00 Uhr
Umgang mit Sterbewünschen in der Praxis eines Krankenhauses
OÄ Sr. Dr. med. UllaMariam Hoffmann OSB
11.30 Uhr
Umgang mit Sterbewünschen in der Praxis eines Pflegeheimes
Dorothea Bergmann
12.00 Uhr
Wunsch und Erwartungen - pastoralpsychologische Anmerkungen
Pfr.i.R. Frank Kittelberger
12.30 Uhr
Mittagessen und Gespräche am See
14.00 Uhr
Workshops
1. Beziehungsangebote, Validation und wertschätzende Kommunikation
Dr. phil. Britta Wiegele
Dr. phil. Britta Wiegele
2. Wie halten wir das aus?
Auswirkungen von Sterbewünschen auf Begleiter und Angehörige
Dipl. Soz. Päd. Jutta Schriever
3. Müssen wir jetzt in Haar anrufen?
Zum Umgang von Sterbewünschen aus Sicht von SAPV-Teams & Palliativstationen
Dr. med. Monika Lieb
4. Wenn jemand sterben will:Rechte & Pflichten der Beteiligten
RA Tanja Unger
5. Wenn Patienten sterben wollen: Workshop mit Fallarbeit
Dorothea Bergmann
15.30 Uhr
Kaffeepause
16.00 Uhr
Rückblick - Ausblick - Verabschiedung
Pfr.i.R. Frank Kittelberger
Veranstaltungsleitung
Pfr.i.R. Frank Kittelberger
Freier MitarbeiterDr. med. Thomas Binsack
Referierende
Beteiligte
Pfrin Dorothea Bergmann, Pfarrerin, Supervisorin (DGSv/DGfP), Trainerin für Ethikberatung (AEM), Gestalttherapeutin; Pastoralpsychologische Pfarrstelle SPES (Spiritualiät • Palliative Care • Ethik • Seelsorge ) der Hilfe im Alter der IMM, Leitung Ethikbeirat der Hilfe im Alter der IMM; Vorsitzende Evangelischer Fachverband für End-of-Life-Care in der Diakonie Bayern, München
Dr. med. Thomas Binsack, Palliativmediziner; ehem. Chefarzt der Palliativstation St. Johannes von Gott am Krankenhaus Barmherzige Brüder München; bis 2018 Vorsitzender des Stiftungsrats der Bayerischen Stiftung Hospiz; Mitglied im Ethikbeirat der Hilfe im Alter der IMM, Dachau
OÄ Sr. Dr. med. UllaMariam Hoffmann OSB, Leitung Palliativstation Benedictus KH Tutzing
Pfr. Frank Kittelberger, Pastoralpsychologe, Lehrsupervisor; Gruppenanalytiker; Studienleiter für Ethik in Medizin und Gesundheitswesen, Pastoralpsychologie und Spiritual Care an der Evangelischen Akademie Tutzing
Pastoralreferent Norbert Kuhn-Flammensfeld, Klinikseelsorge am Klinikum Großhadern
Dr. med. Monika Lieb, Ärztin im SAPV-Team CHV München
Dipl. Soz. Päd. Jutta Schriever, Palliativfachkraft Ambulantes Hospiz – und Palliative Care Team CHV München
RA Tanja Unger, Fachanwältin der Kanzlei Putz • Sessel • Steldinger – Kanzlei für Medizinrecht, München
Dr. phil. Britta Wiegele, Dipl. Psychogerontologin, Psychologische Psychotherapeutin; Hippocampus Gerontologische Praxis München & Zentrum für Akutgeriatrie und Frührehabilitation, Klinik Neuperlach München
Ort & Infos
Evangelische Akademie Tutzing
Schlossstraße 2+4
82327 Tutzing
Kontakt
Cornelia Spehr
Telefon: 08158 / 251-126
Fax: 08158 / 99 64 0
spehr@eatutzing.de