
Psychologie trifft Politik: Zugehörigkeit
06. – 08. November 2026
TagungInhalt
Was gibt deinem Leben Sinn? Die meisten Menschen antworten darauf: Familie und Freundschaften. In sozialen Beziehungen fühlen wir uns mit anderen verbunden, werden wertgeschätzt und sorgen füreinander. Gemeinschaft, Liebe und Fürsorge sind wichtige Quellen der Erfüllung.
Doch soziale Zugehörigkeit ist nur ein Aspekt. Ein weiterer ist existenzielle Zugehörigkeit. Sie beschreibt das grundlegende Erleben, einen Platz auf der Welt zu haben, eingebunden zu sein in etwas Größeres. Das Gegenteil davon ist die existenzielle Isolation: wenn Menschen zwischen sich, anderen und der Welt eine unüberbrückbare Kluft empfinden.
Einen Mangel an Sinn bedeutet Leid. Davon sind nicht nur die jeweiligen Menschen betroffen, sondern auch Gesellschaften als Ganzes. Die psychologische Forschung zeigt: Menschen, die sich von der Gesellschaft entfremdet fühlen, sind anfälliger für Verschwörungsnarrative und Radikalisierung. Extremistische Gruppierungen liefern Sinnangebote, denn ihre sozialen Netzwerke stillen ein unerfülltes Bedürfnis nach Zugehörigkeit. Der Preis dafür ist hoch: um Loyalität zur Gruppe zu beweisen, werden menschenfeindliche Ideologien übernommen, zuweilen sogar Bereitschaft zur Gewalt gezeigt.
Wie hängen Zugehörigkeit, Extremismus und eine resiliente Demokratie zusammen? Dieser Frage gehen wir auf der Tagung gemeinsam mit Psycholog:innen, Politikwissenschaftler:innen, Vertreter:innen aus Zivilgesellschaft und Politik nach. Außerdem diskutieren wir:
- Auf welchen Identitäts- und Gemeinschaftsbildern beruht das „Wir“ der Neuen Rechten? Wie können Menschen integriert werden, die sich abgehängt und ausgeschlossen fühlen?
- Warum kann Demokratie herausfordernd und Extremismus sinnstiftend sein? Wie kann Sinnerleben die Deradikalisierung von Extremisten fördern?
- Wie können psychotherapeutische Methoden soziale und existenzielle Zugehörigkeit stärken? Was kann die Psychologie zur Demokratieförderung beitragen?
Herzliche Einladung ans Ufer des Starnberger Sees!
Dr. Nadja Bürgle,
Studienleitung, Evangelische Akademie Tutzing
Hinweis: Ermäßigte Plätze und Freiplätze für Menschen unter 35 Jahren mit eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten – weitere Informationen unten unter „Preisnachlass“ und „Stipendien“.
Programm
Anreise ab 16.00 Uhr
Beginn der Tagung mit dem Abendessen
Vortrag & Diskussion
Begegnungen & Gespräche in den Salons
Veranstaltungsleitung
Dr. Nadja Bürgle
Studienleitung für Soziales und Bildung, Wirtschaft und Arbeitswelt, Nachhaltige EntwicklungReferierende
Berenike Beschle, Journalistin und Moderatorin beim Bayerischen Rundfunk Prof. Dr. Eva-Lotta Brakemeier, Inhaberin des Lehrstuhls für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Greifswald, ehem. Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs, 2024-2026), Mitglied im Wissenschaftsrat Dr. Fabian Chmielewski, psychologischer Psychotherapeut, Supervisor und Selbsterfahrungsleiter, u. a. an der Ruhr-Universität Bochum, Autor und Dozent zu existenziellen Fragestellungen in der Psychotherapie, der Therapie von Selbstwertproblemen und dem Zusammenhang zwischen globalen Krisen und psychischer Gesundheit, Hattingen Hamado Dipama, Sprecher des Bayerischen Flüchtlingsrats, Mitglied des Bundeszuwanderungs- und Integrationsrats, Gründer des Arbeitskreises Panafrikanismus München e.V. und des Netzwerks Rassismus- und Diskriminierungsfreies Bayern, Mitbegründer des Zentralrats der afrikanischen Gemeinde in Deutschland, Referent und Berater für Antidiskriminierungs- und Antirassismusarbeit im Projekt „weact: Rassismus entgegentreten und diskriminierungsfreie Gesellschaft mitgestalten”, ehem. Vorstand des Dachverbands der Migrationsbeiräte in Bayern (AGABY) Dr. Anton Friedrich Fischer, Psychologe und Postdoktorand an der MF Specialized University in Oslo, Norwegen, Forschung zu Lebenssinn im Kontext von Radikalisierung und Deradikalisierung, u.a. in Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum KONEX des Landeskriminalamts Baden-Württemberg und auf Grundlage von Daten aus Deradikalisierungs- und Ausstiegsprogrammen der deutschen Landeskriminalämter Dominik Krause, Oberbürgermeister von München (Bündnis 90/Die Grünen) und Vorstandsmitglied von „München ist bunt! e.V.“ Dr. Sascha Ruppert-Karakas, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Politische Theorie der Ludwig-Maximilians-Universität München, Forschung zu Ideologie, Autoritarismus und Extremismus, Mitarbeit im interdisziplinären Forschungsprojekten, z. B. „Die Chamäleon-Strategie: Opferrollen und Co-Radikalisierungsprozesse zwischen Islamismus, Rechts- und Linksextremismus“ Dr. Christiane Nischler-Leibl, Leiterin der Abteilung Frauenpolitik, Gleichstellung und Prävention im Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales, berufliche Stationen in der Radikalisierungsprävention und Integrationspolitik, München Prof. Dr. Tatjana Schnell, Professorin für Existenzielle Psychologie an der MF Specialized University in Oslo, Norwegen, Forschung u.a. zu Lebenssinn, Extremismus, religiöse, spirituelle und säkulare Weltanschauungen und deren praktische Bedeutung für Individuen und Gesellschaft, Gründerin des Existential Psychology Lab (Innsbruck/Oslo), Buchautorin, u.a. von „Sinn finden. Warum es gut ist, das Leben zu hinterfragen“ Prof. Dr. Eva Walther, Leiterin der Abteilung Sozialpsychologie an der Universität Trier, Forschung u.a. zu Einstellungen und politischem Verhalten, gesellschaftlicher Polarisierung und demokratischer Resilienz, Buchautorin, u.a. von „Die AfD – psychologisch betrachtet“ Sindy Winkler, Leiterin der Fachstelle „Demokratie und Partizipation“ des Bayerischen Bündnis für Toleranz, Bad Alexandersbad
Gefördert von der Verla-Stiftung
Preise & Infos
Vortragsgebühr
(zzgl. Kaffee/Tee/Kuchen auch bei Teilnahme ohne Verpflegung)
Vollpension
Verpflegung
Auszubildende, Schüler:innen, Studierende (bis zum 30. Lebensjahr) und Arbeitssuchende erhalten eine Ermäßigung von 50 %.
Medienschaffenden wird die Tagungsgebühr erlassen, wenn der Presseausweis zusammen mit dem Auftrag zur Berichterstattung von einer ausstellungsberechtigten Organisation vor Veranstaltungsbeginn vorliegt. Eine Kopie Ihres Ausweises schicken Sie uns bitte mit Ihrer Anmeldung zu.
Wir bitten um Begleichung bei Anreise durch Barzahlung oder EC-Karte.
Bestellte und nicht in Anspruch genommene Einzelleistungen können nicht rückvergütet werden.
Die Tagung wird zu einem erheblichen Teil aus Kirchensteuermitteln finanziert.
Sollten Sie an der Teilnahme verhindert sein, bitten wir bis spätestens 30. Oktober 2026 um entsprechende schriftliche Benachrichtigung. Unsere Stornobedingungen entnehmen Sie unseren AGBs.
Teilnehmende Menschen mit Beeinträchtigungen mögen sich bitte direkt schriftlich an die Tagungsorganisation wenden. Die Evangelische Akademie Tutzing ist nur bedingt barrierefrei. Da der Besuch für Rollstuhlfahrer mit Begleitperson eine enorme Erleichterung darstellt, ist der Besuch für die betreffende Begleitperson ermäßigt, d.h. die Unterbringung der Begleitperson erfolgt im Doppelzimmer kostenlos. Teilnahmebeitrag und Verpflegung werden erhoben.
Der Freundeskreis der Evangelischen Akademie Tutzing fördert junge Menschen mit wenig Geld durch Bildungsstipendien, die eine kostenlose Teilnahme ermöglichen. Bei Interesse melden Sie sich bitte bei der zuständigen Studienleitung.
Julia Bongers
Telefon: 08158 / 251-128
Fax: 08158 / 99 64 0
bongers@eatutzing.de
Ort & Anreise
Evangelische Akademie Tutzing
Schlossstraße 2+4
82327 Tutzing
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln
S-Bahn S6 bis Endstation Tutzing oder Regionalbahn in Richtung Garmisch bzw. Kochel. Fußweg vom Bahnhof zur Akademie: ca. 10 Minuten – Bahnhofstraße, Hallberger Allee, Hauptstraße, Schlossstraße / Marienstraße.
Mit dem Pkw
Von München auf der A95 in Richtung Garmisch bis zur Abzweigung Starnberg, von Starnberg auf der B2 bis Traubing, danach Abzweigung links nach Tutzing.
E-Mobilität
Die E-Ladesäulen der Akademie befinden sich auf dem Parkplatz P2. Die Karten dafür erhalten Sie an der Rezeption.
Die Akademie verfügt nur über eine begrenzte Anzahl von Parkplätzen. Wir empfehlen die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
Tagungsgäste, die zur Anreise öffentliche Verkehrsmittel benutzen und dieses durch Vorlage ihres Fahrscheins (Mindestbetrag: 65 €) an der Rezeption nachweisen können, erhalten auf den vollen (nicht ermäßigten) Tagungsbeitrag einen Preisnachlass. Bitte beachten Sie abweichende Regelungen bei einzelnen Sonderveranstaltungen, z.B. Tagungen im Jungen Forum, Tages- und Abendveranstaltungen oder Konzerte!