Raubkunst, Kulturgut, nationales Eigentum?
08. – 10. Februar 2019
TagungInhalt
GERECHTE UND FAIRE LÖSUNGEN
haben die Washingtoner Prinzipien 1998 für die Kunstwerke, die von den Nationalsozialisten beschlagnahmt und nie zurückerstattet wurden, angemahnt. Vor allem staatliche und kommunale Museen, aber auch einige Häuser in privater Trägerschaft sind mittlerweile tätig geworden und untersuchen ihre Sammlungen auf unter Zwang verkauftes oder entzogenes Kulturgut. Welche Kunstwerke sind in ihren Besitz gelangt, deren rechtmäßige Eigentümer von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurden? Die Provenienzforschung ist international vernetzt und mit den Nachfahren der Opfer im Gespräch. Datenbanken unterstützen punktuell die Recherchen, aber es gibt weiterhin viele Dunkelfelder. Dazu gehört auch der Kunstmarkt, wenngleich einige Galerien und Auktionshäuser engagiert an der Aufklärung mitwirken. 20 Jahre nach der Washingtoner Konferenz bleiben sehr viele Fälle von NS-Raubkunst ungeklärt. Nur ein geringer Teil der Kunstwerke konnte bislang restituiert werden.
Das Feld der Raub- und Beutekunstforschung hat sich in den letzten Jahren über Nationalsozialismus und Zweiten Weltkrieg hinaus sukzessive ausgedehnt, etwa auch auf die Beschlagnahmungen in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR. Unter einem großen Fragezeichen steht aktuell aber vor allem der moralisch korrekte Umgang mit dem sogenannten kolonialen Erbe. „Gerecht und fair" heißt in diesem Fall, in Zusammenarbeit mit den vom Kolonialismus Betroffenen nach Lösungen zu suchen. Allerdings hat in Europa die Anerkennung der kolonialen Unrechts- und Gewaltgeschichte gerade erst begonnen, und ein symmetrischer Diskurs ist über Expertenkreise wenig hinausgegangen. Politisch geht jetzt Frankreich voran. Das vom französischen Staatspräsidenten beauftragte Expertenteam trat jüngst mit dem schlichten Vorschlag an die Öffentlichkeit, dass alle nachweislich in der Kolonialzeit geraubten Objekte ohne weitere Nachforschungen in afrikanische Hände zurückzugeben sind.
Zu „unschuldigem Kunstgenuss" können wir kaum zurückkehren. Doch wie gehen wir verantwortungsvoll mit belastetem Kulturgut um? Was können wir aus dem Umgang mit der NS-Geschichte für den Umgang mit der kolonialen Vergangenheit lernen? Expertinnen und Experten aus Museen und Universitäten, aus Politik und Recht treten an der Evangelischen Akademie Tutzing in einen spannenden Diskurs, zu dem wir herzlich einladen!
Dr. Ulrike Haerendel
Evangelische Akademie Tutzing
PD Dr. Christian Fuhrmeister / Dr. Meike Hopp / Dr. Stephan Klingen
Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München
Dr. Ulrike Haerendel
Anreise ab 16.00 Uhr
18.00 Uhr
Abendessen
19.00 Uhr
Begrüßung
PD Dr. Christian Fuhrmeister
und
Dr. Ulrike Haerendel
I. RAUBKUNST: EINE GLOBALE FRAGESTELLUNG
19.30 Uhr
Museen und Raubkunst: eine lange Geschichte mit offenem Ende?
Dr. Matthias Frehner
20.15 Uhr
Die Debatte um den Entzug von Kulturgütern in der Kolonialzeit und ihre Restitution
Dr. Felicity Bodenstein
21.00 Uhr
Vergleich von Unvergleichlichem?
NS-Raubkunst und Kulturgut aus den Kolonien
Podiumsdiskussion mit
Dr. Felicity Bodenstein, Dr. Matthias Frehner, Jörg Häntzschel, Dr. Hilke Thode-Arora
Moderation: Dr. Ulrike Haerendel
22.00 Uhr
Gespräche in den Salons
Veranstaltungsleitung
Dr. Ulrike Haerendel
Referierende
Referierende
Dr. Felicity Bodenstein, Wiss. Mitarbeiterin, Translocations, Institut für Kunstwissenschaften und Historische Urbanistik, Technische Universität Berlin
Dr. Matthias Frehner, Kunsthistoriker, von 2002 bis 2016 Direktor des Kunstmuseums Bern, Schweiz
Dr. Johannes Gramlich, Historiker, wiss. Mitarbeiter, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München
Jörg Häntzschel, Journalist, Feuilleton, Süddeutsche Zeitung, München
Dr. Barbara Haubold, Kunsthistorikerin, Van Ham Kunstauktionen, Repräsentanz München/Süddeutschland, Tutzing
Dr. Meike Hoffmann, Kunsthistorikerin, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Projektkoordinatorin, Forschungsstelle „Entartete Kunst", Mosse Art Research Initiative (MARI), Freie Universität Berlin
Emily Löffler, M.A., Historikerin, Provenienzforschung, Direktion Landesmuseum Mainz
Dr. Agnieszka Lulinska, Kunsthistorikerin, Kuratorin, Bundeskunsthalle Bonn
Prof. Dr. Bertram Mapunda, Direktor und Professor für Anthropologie und Geschichte am Jordan University College, Tansania (angefragt)
Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Jürgen Papier, Staatsrechtslehrer, emer. Professor für öffentliches Recht an der LMU München, Mitglied und Präsident (2002-2010) des Bundesverfassungsgerichts, Vorsitzender der Beratenden Kommission für Raubkunst-Streitfälle, Tutzing
Dr. Lili Reyels, Historikerin, Kuratorin beim Humboldt Lab Tanzania, Deutsches Historisches Museum Berlin
Dr. Sebastian Schlegel, Historiker, Wiss. Mitarbeiter im Forschungsprojekt »Provenienzen, Erwerbungskontexte, Erbenermittlung", Klassik Stiftung Weimar
Prof. Dr. Sophie Schönberger, Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Mitglied des Direktoriums am Institut für Deutsches und Internationales Parteienrecht und Parteienforschung, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Dr. Hilke Thode-Arora, Ethnologin, Leiterin der Abteilung Ozeanien, Referentin für Provenienzforschung Museum Fünf Kontinente, München
Tagungsteam
PD Dr. Christian Fuhrmeister, Kunstwissenschaftler, Forschungsabteilung, Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Privatdozent, LMU München
Dr. Ulrike Haerendel, Historikerin, Studienleiterin, Evangelische Akademie Tutzing
Dr. Meike Hopp, Kunsthistorikerin, Forschungsabteilung, Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Vorsitzende des Arbeitskreises Provenienzforschung e.V., München
Dr. Stephan Klingen, Kunsthistoriker, Leiter der Photothek und der EDV, Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München
Ort & Infos
Evangelische Akademie Tutzing
Schlossstraße 2+4
82327 Tutzing
Kontakt
Rita Niedermaier
Telefon: 08158 / 251-121
Fax: 08158 / 251-110
niedermaier@eatutzing.de