Revolution und Räterepublik in München
25. – 27. Januar 2019
TagungInhalt
HEUTE LEBEN WIR UND HEUTE WOLLEN WIR HANDELN
Kurt Eisner
Als die Revolutionäre um Kurt Eisner am 7. November 1918 in München das Heft des Handelns in die Hand nahmen, waren sie die Ersten in Deutschland, die den Rückzug der Monarchie erzwangen. In der gleichen Nacht verließen König Ludwig III. und seine Familie heimlich die Stadt, während Eisner vor seinen Mitstreitern die „Bayerische Republik" ausrief. In der kriegsmüden Gesellschaft konnte sich die Revolution sowohl in Bayern wie auch im gesamten Deutschen Reich durchsetzen.
Die Regierung Eisner stützte sich auf den in der Revolutionsnacht gebildeten Provisorischen Nationalrat. Die Legitimität ihrer Beschlüsse wurde allerdings spätestens seit den Landtagswahlen vom Januar 1919 offen in Frage gestellt. So scheiterte die Regierung an vielem: an mangelnder Unterstützung – vor allem der Landbevölkerung –, an der Uneinigkeit der sozialdemokratischen Parteien, an dem Unvermögen, die Straße zu beruhigen und die Versorgungslage der Bevölkerung zu konsolidieren. Als Eisner auf dem Weg, seinen Rücktritt zu erklären, am 21. Februar 1919 ermordet wurde, entstand eine Mächtekonkurrenz, die der Revolutionäre Zentralrat schließlich für sich entscheiden konnte. Am 7. April rief er die Räterepublik aus und die sozialdemokratische Regierung von Johannes Hoffmann floh nach Bamberg. Von dort setzte sie Ende April preußische und württembergische Regierungstruppen sowie Freikorpseinheiten gegen München in Bewegung. In München hatte inzwischen eine zweite – kommunistische – Räteregierung die Macht übernommen, deren „Rote Armee" gegen die militärische Übermacht freilich keine Chance hatte.
Die blutige Niederschlagung der Räterepublik wurde zur „Befreiung" Münchens stilisiert und bot eine Erzählung für das schnell anwachsende rechtsextreme Lager in München. Zu ihm gehörte der Frontsoldat Adolf Hitler, der hier eine politische Basis für seinen Aufstieg fand. Deshalb wollen wir abschließend fragen, welche Rolle Revolution und Räterepublik für den Weg in den Nationalsozialismus spielten.
Hundert Jahre nach den dramatischen Ereignissen in München werden wir der Geschichte nachspüren und ihre Folgen beleuchten. Es geht nicht nur um Helden, um „Haupt- und Staatsaktionen", sondern auch um Bilder davon, wie Menschen die Umbruchsepoche erlebten. Das Axensprung Theater aus Hamburg gastiert mit seinem Theaterstück „Revolution!?", das ein vielschichtiges Porträt der Nachkriegsgesellschaft an der Nahtstelle zwischen dem Zusammenbruch des Kaiserreichs und dem Anfang der Weimarer Republik zeichnet.
Herzliche Einladung in die Evangelische Akademie Tutzing!
Dr. Ulrike Haerendel, Evangelische Akademie Tutzing
Monika Franz, Bayerische Landeszentrale für Politische Bildungsarbeit
Dr. Ulrike Haerendel
Anreise ab 16.00 Uhr
18.00 Uhr
Abendessen
19.00 Uhr
Begrüßung und historische Einführung
Dr. Ulrike Haerendel
und
Monika Franz
20.00 Uhr
Revolution!?
Schauspiel zu den politischen Umbrüchen in Deutschland 1918/19
mit dem Axensprung Theater
21.30 Uhr
Publikumsgespräch
Moderation:
Uta Löhrer
22.00 Uhr
Ausklang in den Salons
Veranstaltungsleitung
Dr. Ulrike Haerendel
Referierende
Referierende
Elisabeth Angermair, M.A., Historikerin, Fotosammlung und AV-Medien, Stadtarchiv München
Prof. Dr. Manfred Görtemaker, emer., Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, Universität Potsdam
Dr. Bernhard Grau, Historiker, Direktor des Bayerischen Hauptstaatsarchivs, München
Dr. Michaela Karl, Autorin, Politikwissenschaftlerin
Prof. Dr. Peter Longerich, Historiker, Hitler-Biograf, Universität der Bundeswehr München
Cornelia Naumann, M.A., Autorin, Dramaturgin, historische Frauen- und Kulturforschung, München
Martin Platt, M.A., Historiker, Promovend an der Rheinisch-Westfälischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Dr. Markus Schmalzl, Historiker, Archivoberrat, Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns, München
Künstler des Axensprung Theaters
Michael Bideller, Oliver Hermann, Mignon Remé, Erik Schäffler und Markus Voigt, Hamburg
Tagungsteam
Monika Franz, Regierungsdirektorin, Bayerische Landeszentrale für Politische Bildungsarbeit
Dr. Ulrike Haerendel, Historikerin, Studienleiterin an der Evangelischen Akademie Tutzing
Uta Löhrer, Studiendirektorin, Bayerische Landeszentrale für Politische Bildungsarbeit
Ort & Infos
Evangelische Akademie Tutzing
Schlossstraße 2+4
82327 Tutzing
Kontakt
Rita Niedermaier
Telefon: 08158 / 251-121
Fax: 08158 / 251-110
niedermaier@eatutzing.de