icon button icon button Veranstaltungen
Bild Rückwärts in die Zukunft?

Rückwärts in die Zukunft?

02. – 04. Dezember 2016

Tagung reise info Tutzing reise info Geschichte, International, Kunst & Kultur
Kopieren Icon Link kopieren
Email Icon Per Email teilen

Inhalt

SPRACHE IST ARCHIV UND VORBOTE DER GESCHICHTE
 
Vor 25 Jahren ging eine Epoche zu Ende: die 1922 gegründete Union der sozialistischen Sowjetrepubliken löste sich auf. Diese historische Zäsur hat in den Regionen des östlichen und zentralen Europas diverse Prozesse angeschoben: Länder wie Lettland, Estland, Litauen und Georgien wurden wieder unabhängig. Die Ukraine erlangte zum ersten Mal in ihrer Geschichte die Eigenstaatlichkeit. Russland hingegen verlor seine Funktion als Leitkultur, den Status als imperiale Macht und erlebte eine „sudden state desintegration“ (Sheila Fitzpatrick).
 
Es folgte eine Zeit des zunächst chaotischen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Wandels, die komplexe, vielschichtige und gleichzeitige Veränderungen hervorbrachte: Aufstände, Revolutionen und Kriege, territoriale  und politische Neuordnungsversuche, Arbeitsmigration, Braindrain und Fluchtbewegungen aus den Kriegsgebieten Transnistriens, Bergkarabachs, Abchasiens, Südossetiens sowie aus dem Donbas.
 
Es war aber auch eine Zeit des kulturellen Umdenkens, des „vsechestvo“ (Everythingism), des Zerfalls von Dogmatismus und der Auflösung von Grenzen. Gleichzeitig waren es Jahre des „Sich-Ausprobierens“ in der neu errungenen Freiheit sowie der Suche nach neuen sozialen Rollen und menschlichen Beziehungen unter veränderten Gegebenheiten.
 
Die Nachbeben des Zerfalls des sowjetischen Imperiums und das Ende des Kalten Krieges sind bis heute zu spüren. Neben dem Aufleben der alten Begriffe und Narrative, die auf die Gegenwartsfolie projiziert werden, ist ein wiedererwachtes Interesse an Nationen und Nationalismen, an Imperien und Kolonialismus zu beobachten. Postkoloniale Befindlichkeiten, die aus dem Opferdiskurs resultieren, postimperiale Syndrome und Phantomgrenzen, Identitätskrisen und -suche  sind auch in der Gegenwart zu spüren.
 
Zum 25. Jahrestag des Zerfalls der Sowjetunion möchte die Evangelische Akademie Tutzing mit dem dreitägigen Kongress „Rückwärts in die Zukunft ?“ der Komplexität der vergangenen 25 Jahre begegnen, indem sie pluralistische Sichtweisen auf den Zerfall des Imperiums, seinen Einfluss auf die Gegenwart und die Zukunft sgestaltung anbietet – mit besonderem Blick auf Kultur, Literatur und Sprache. Dazu werden Schriftsteller-Innen aus Deutschland und den Ländern der Östlichen Partnerschaft als Seismographen und Sinnbildstifter ihrer Gesellschaft en eingeladen.
 
Im gemeinsamen Gespräch mit Teilnehmenden und Referierenden begeben wir uns auf die Suche nach Mythen und der Sprache des Zerfalls, spüren Traumata wie Euphorien nach, versuchen, die Auswirkungen auf die Gegenwart zu ergründen und fragen nach Zukunftsvisionen.
 
Herzliche Einladung in die Evangelische Akademie Tutzing!
 
Judith Stumptner & Kateryna Stetsevych

Programm

Fr, 02.12.2016 Sa, 03.12.2016 So, 04.12.2016
icon button icon button Programm
Judith Stumptner
18.00 Uhr

Beginn der Tagung mit dem Abendessen

19.00 Uhr
Begrüßung

Judith Stumptner, Thomas Krüger & Kateryna Stetsevych

19.15 Uhr
Geister der Vergangenheit

Lesungen und Gespräch mit

György Dalos, Katja Lange-Müller, Katja Petrowskaja, Martin Pollack

Moderation: Sonja Zekri

20.45 Uhr

Gespräche in den Salons

Veranstaltungsleitung

Judith Stumptner

Referierende

Juri Andruchowytsch, Schriftsteller, Iwano-Frankiwsk, Ukraine
Sofia Andruchowytsch, Schriftstellerin, Kiew, Ukraine
Andreas Breitenstein, Journalist, Neue Zürcher Zeitung
György Dalos, Schriftsteller, Berlin
Claudia Dathe, Übersetzerin, Slavisches Seminar, Universität Tübingen, Berlin
Nicoleta Esinencu, Schriftstellerin, Chisinau, Moldau
Thomas Geiger, Literarisches Colloquium Berlin
Christine Hamel, Autorin und Moderatorin, Bayerischer Rundfunk, München
Katja Lange-Müller, Schriftstellerin, Berlin
Sergei Loznitsa, Filmregisseur und Drehbuchautor, Berlin
Kateryna Mishchenko, Kulturwissenschaftlerin, Berlin
Dr. Christian Neef, Journalist, SPIEGEL-Autor für Russland und Osteuropa, Moskau, Russland
Katja Petrowskaja, Schriftstellerin, Journalistin, Berlin
Martin Pollack, Journalist, Schriftsteller, Übersetzer, Wien (angefragt)
Dr. Andrij Portnov, Historiker, Humboldt-Universität Berlin
Michail Ryklin, Schriftsteller, Berlin
Mariana Sadovska, Sängerin, Musikerin, Komponistin, Köln
Ingo Schulze, Schriftsteller, Berlin
Alexandr Skidan, Lyriker, Übersetzer, Kritiker, St. Petersburg, Russland
Kateryna Stetsevych, Kulturmanagerin, Berlin
Judith Stumptner, Studienleiterin, Evangelische Akademie Tutzing
Nellja Veremej, Schriftstellerin, Berlin
Sonja Zekri, Leiterin, Feuilleton der Süddeutschen Zeitung, München
Serhij Zhadan, Schriftsteller, Kharkiv, Ukraine

Ort & Infos

Evangelische Akademie Tutzing

Schlossstraße 2+4
82327 Tutzing

Kontakt

Rita Niedermaier
Telefon: 08158 / 251-121
Fax: 08158 / 251-110
niedermaier@eatutzing.de