Schattenwirtschaft – Schattenpolitik: Scheitert die Transformation?
13. – 15. März 2024
TagungInhalt
SCHATTENPOLITIK ÜBERWINDEN, TRANSFORMATION ERMÖGLICHEN
Spätestens die Finanz- und Wirtschaftskrise 2007, der Dieselskandal, Bitcoin oder die Panama Papers haben gezeigt: Wenn sich Unternehmen in einem wirtschaftlich liberalisierten Umfeld befinden und dabei scharfer globaler Konkurrenz ausgesetzt sind, dann gibt es immer stärkere Anreize, wirtschaftliche Aktivitäten hin zu neuen Formen von Schattenwirtschaft zu verlagern. Schattenbanken, die systematische Umgehung von Umweltauflagen oder des Steuerrechts sind Beispiele hierfür.
Gleichzeitig setzen sich in etablierten Demokratien politische Kräfte durch, die „Schattenpolitik“ zum System machen. Zu diskutieren sind hier etwa die Ausgestaltung von Handelsregimes, von ökologischer Regulierung, Agrarsubventionen sowie der Investitions- und Verteilungspolitik. Nährboden solcher Schattenpolitik sind politische Konzepte, die Partikularinteressen unter der Fiktion von Entpolitisierung und Alternativlosigkeit durchsetzen. Dies hat zu einem enormen Ausmaß an Politikverdrossenheit geführt.
Wie hängen beide Phänomene, Schattenwirtschaft und Schattenpolitik, mit aktuellen ökologischen und technologischen Transformationsprozessen zusammen? Vertreter:innen der politischen Ökonomie wie Luigi Zingales und der politischen Ökologie wie Bruno Latour sind darum bemüht, erste Antworten auf diese komplexe Frage zu geben. So wird nachvollziehbar, wie zum Beispiel Phänomene wie Trumpismus mit klimapolitischen Konstellationen zusammenhängen – und wie die Macht digitaler Monopole zur politischen Macht wird.
Einige Verbindungslinien zwischen Transformation, Schattenpolitik und Schattenwirtschaft sind augenfällig: Mit großen Transformationen gehen unvermeidlich gewaltige, sogenannte Renten-Umverteilungspotenziale einher. Um mithilfe politischer Privilegien alte Besitzstände zu wahren oder neue Einkommenspotenziale zu erschließen, nehmen wirtschaftliche Akteure Einfluss auf Entscheidungen, die uns alle betreffen und somit Angelegenheiten demokratischer Politik sein sollten.
Auch Spannungszonen fallen auf: Aktuelle Klimastrategien betonen die Zentralität freier Märkte als Transmissionsriemen der Anpassung. Gleichzeitig kommt es zu erheblichen neuen Eingriffen in Märkte. Nach Jahrzehnten der Verselbständigung wird das Marktgeschehen politisch und sozial eingebettet. Die Politik, die diese Prozesse organisieren soll, agiert in einem Gefüge gut organisierter und vernetzter privater Rent-Seekers.
Auf unserer Tagung diskutieren wir, wie Schattenwirtschaft und Schattenpolitik im Sinne einer erfolgreichen sozial-ökologischen Transformation begegnet werden kann. Was muss sich dafür in der politischen Architektur unserer Gesellschaften verändern – über das absolut unentbehrliche Engagement von Organisationen wie Transparency International, Lobby Control oder Finance Watch hinaus? Hierzu laden wir alle Interessierten herzlich ein.
Für den offenen Tagungsteil sind Beiträge aus den Wirtschafts-, Sozial-, und Kulturwissenschaften willkommen, unter anderem zu den Themenbereichen Schattenwirtschaft, Korruption, Schattenpolitik, Rent-Seeking, Regulierung, Greenwashing, Geldwäsche, Transparenzregimes, mentale Modelle und Framings – gerne auch im Kontext von Gender-Studies und globalen Bezügen.
Herzliche Einladung an die Evangelische Akademie Tutzing!
Katharina Hirschbrunn, Evangelische Akademie Tutzing
Prof. Dr. Ulrich Klüh, Hochschule Darmstadt
Prof. Dr. Richard Sturn, Universität Graz
Prof. Dr. Ulrich Klüh, Hochschule Darmstadt
Prof. Dr. Richard Sturn, Universität Graz
Ab 12.00 Uhr Anreise
13.00 Uhr
Beginn der Tagung mit Imbiss
13.30 Uhr
Schattenwirtschaft – Schattenpolitik: Scheitert die Transformation?
Begrüßung und Einführung in die Tagungsthematik
Katharina Hirschbrunn
und
Prof. Dr. Ulrich Klüh
13.45 Uhr
Schattenpolitik in der Transformation: Begriffliche und konzeptionelle Grundlagen
Prof. Dr. Ulrich von Alemann
15.00 Uhr
Kaffeepause
15.30 Uhr
Digitalisierungsprozesse als Arenen von Schattenpolitik
Alexandra Keiner
und
Moritz Hütten
.
SCHATTENWIRTSCHAFT UND SCHATTENPOLITIK IN TRANSITIONS- UND TRANSFORMATIONS-PROZESSEN
16.45 Uhr
Strategische Besitzsicherung, Korruption und Privatisierung von Politik in Transitionsprozessen: Ebenen, historische Erfahrungen und aktuelle Renten-Potenziale
Prof. Dr. Richard Sturn
18.00 Uhr
Abendessen
19.00 Uhr
Strategische Privatisierung als politische Steuerung sozio-ökonomischen Wandels
Prof. Dr. Walter Reese-Schäfer
20.15 Uhr
Informelle Gespräche in den Salons
Veranstaltungsleitung
Katharina Hirschbrunn
Studienleitung für Wirtschaft und Arbeitswelt, Nachhaltige EntwicklungReferierende
Prof. Dr. Ulrich von Alemann, Universität Düsseldorf
Dr. Christina Deckwirth, Lobby Control, Berlin
Moritz Hütten, Zentrum für nachhaltige Wirtschafts- und Unternehmenspolitik (ZNWU) in Darmstadt, Fachbereich Wirtschaft der Hochschule Darmstadt
Prof. Dr. Angela Kallhoff, Universität Wien
Alexandra Keiner, Soziologin und Doktorandin in der Forschungsgruppe „Normsetzung und Entscheidungsverfahren“ am Weizenbaum-Institut, Forschungsschwerpunkte Finanzinfrastrukturen, Plattformökonomie und Regulierung von Internetpornographie, Berlin.
Dr. Barbara Kuchler, Universität München
Prof. Dr. Walter Reese-Schäfer, Universität Göttingen
Felix Rossmann, Universität Paderborn
Prof. Dr. Joscha Wullweber, Universität Witten-Herdecke
Dr. Raul Zelik, ehem. Professor für Politikwissenschaften an der Nationaluniversität Kolumbiens, Hörfunk-Features für WDR und Deutschlandfunk, Berlin
Ort & Infos
Evangelische Akademie Tutzing
Schlossstraße 2+4
82327 Tutzing
Kontakt
Rita Niedermaier
Telefon: 08158 / 251-121
Fax: 08158 / 251-110
niedermaier@eatutzing.de