
Aktuelles „Das Gefühl, dass einem nichts fehlt in dem Moment“
Dorothea GrassWie fühlt sich Glück an? Wann hast Du es zum letzten Mal gespürt? Was bedeutet Glück eigentlich für das Individuum, aber auch für die Gesellschaft? Und wie sehen verschiedene Religionen Glück? Um diese und andere Fragen ging es im Workshop- und Studientag „Glück“ des Jungen Forums.
Etwa 90 Teilnehmende – größtenteils Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren – waren im Februar der Einladung des Jungen Forums der Akademie zusammen mit der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Tölz und der Islamischen Gemeinde Penzberg gefolgt. Das Thema: Glück. Wie befassen sich verschiedene Religionen damit, was bedeutet es für sie und für die Menschen? Inhaltliche Impulse dazu lieferten Imam Belmin Mehic zur Perspektive des Korans, Dr. Mario Berkefeld zur christlichen Perspektive und Sangay Zangmo mit persönlichen Einblicken aus dem buddhistisch geprägten Land Bhutan, das ein Bruttonationalglück definiert hat.
Konkret wurde es schließlich in den interreligiösen Workshops. Die Fragen lauteten: Wann hast Du das letzte Mal gedacht „Was hab ich für ein Glück!“? Wie fühlt sich Glücklichsein an? Was macht Dich traurig, nachdenklich oder wütend und was hilft Dir dann? Und was würdest Du tun, wenn Du Glückspräsidentin oder Glückspräsident Deines Landes wärst? Die Ergebnisse flossen in ein gemeinsames Statement zum Weltglückstag am 20. März 2026 ein.
Die Gedanken zu den Fragen waren so vielfältig wie die jungen Menschen, die gekommen waren: Konfirmand:innengruppen aus Bad Tölz, München und aus der Umgebung, junge Gemeindemitglieder aus der Penzberger Moschee und Teilnehmende, die sich individuell zu dem Tag angemeldet hatten.
„Wenn man so doll lacht, dass man nicht mehr atmen kann“
Das Glücklichsein beschrieben fast alle Jugendlichen als ein gänzlich angenehmes, befreiendes Gefühl. Für andere ließ es sich kaum in Worte fassen. „Bisschen hyperaktiv“, lautete eine Antwort. Oder auch: „Das Gefühl, dass einem nichts fehlt in dem Moment.“ Weitere: „Wenn man so doll lacht, dass man nicht mehr atmen kann“, „wie ein epischer Sieg“, „Rocket League mit Bro und sinnlose Treffen mit der Gang“, „Ich vergesse für einen kurzen Moment meine Sorgen und kann wieder Leute in meine Arme schließen oder mein Herz“, „wenn man sich wohl und geborgen fühlt und keine Angst haben muss verurteilt zu werden“, „alles fühlt sich leicht an“ oder auch „wie ein Bad im Blumenmeer“.
Gefragt nach konkreten Glücksmomenten berichteten die meisten Jugendlichen von Erlebnissen in Gemeinschaft, sei es mit Freund:innen, Familie oder in der Schule. Fast immer ging es um Mitmenschen, um das Bewusstsein, nicht nur auf sich selbst gestellt zu sein: „Als ich gemerkt habe, dass ich nicht so alleine bin, wie ich dachte.“ oder „Ich habe echt Glück, unter solch tollen Menschen zu sein, die mich unterstützen und mir jederzeit helfen“.
Auch Momente des Erfolges und der spontanen Dankbarkeit wurden genannt: „als ich vor vier Wochen als Verteidiger ein Tor geschossen habe“, „als ich beim Reiten nicht runtergefallen bin“, „heute Morgen“, „beim Zocken“ oder „Lenggries Holz Steilkurve“.
Natürlich spielt auch die Schule eine große Rolle im Leben der jungen Menschen – sowohl für glückliche Momente („Als ich in Physik an die Tafel geholt worden bin – ich hatte nicht gelernt und habe trotzdem eine Zwei bekommen.“, „nach einer Prüfung, die ich okay gemacht habe“) als auch als Anlass für Wut, Verzweiflung und Druck. Am häufigsten hier: „schlechte Noten“, aber auch „Lehrer gibt Fünf plus statt Vier minus“, „sinnlose Aufgaben“ oder die Haltung „Ich beende den Unterricht“.
Tröstend: Familie, Freunde, Musik und Döner
Auf die Frage nach Dingen, die traurig machen, wurden häufig Ungerechtigkeit, Zukunftsängste und schlimme Zustände in der Welt, wie Krieg, Armut oder Diskriminierung genannt. Jemand schrieb über die Dinge, die auf individueller Ebene belasten: „Wenn man mich ignoriert, meine Meinung nicht akzeptiert oder man etwas tut, was mir nicht gefällt. Und wenn ich merke, dass es manchen Leuten auf der Erde echt sche*ße geht“. Eine Jugendliche sagte: „Wenn ich von den ‚coolen‘ Jungs nicht beachtet werde, frage ich mich, warum sie sich so verhalten.“ Auch Einsamkeit, Streit, Hass oder das Gefühl, nicht gehört zu werden, sind große Themen.
Was hilft dann? Viele Jugendliche berichteten davon, dass es vor allem der Kontakt zu Mitmenschen und der Zusammenhalt sei, der helfe. An erster Stelle: Familie und Freund:innen. „Mit vertraulichen Personen reden, alles aussprechen oder aufschreiben“, schrieb jemand. Eine andere Rückmeldung lautete: „Wenn man zu mir kommt und mich tröstet, mir zeigt, dass ich nicht alleine bin“. Immer wieder lag der Fokus auf der Gemeinschaft, die zum Glück verhilft. Gut 20 Prozent der Jugendlichen gaben an, dass auch Musik ihnen durch schwierige Zeiten helfe. Außerdem: gutes Essen – parallel zu einer mehrmals erwähnten Vorliebe für Döner und Süßigkeiten.
„Ein Dorftreffen, bei dem alle reden und sich untereinander austauschen können.“
Zum Glücklichsein brauchen die meisten: Freunde und Familie (61 Mal genannt), Freizeit (12 Mal genannt), Gesundheit und Frieden (11), Sport (10), Essen (10) und Geld (9). Jeweils fünfmal wurde genannt: Gott bzw. Allah, „Dinge und Leute, die ich mag“ sowie Haustiere. Viermal wurde Erfolg allgemein genannt, dreimal schulischer Erfolg. Drei Stimmen sagten jeweils: „Ferien“, „Natur“, „Grundbedürfnisse“ und „nichts“. Jeweils zweimal wurde „Handy und Fortnite“ genannt, „schöne Aktivitäten“, „Hoffnung und Wünsche“, „Spaß“ und „Sonnenschein“. Einzelstimmen nannten: „keine Sorgen“, ein „unbeschwertes Leben“, „Hängesessel“, „ein Dach überm Kopf“, „Rocketleague“, „Gerechtigkeit“, „Skifahren und Snowboarden“, „Anerkennung“, „Erleichterung“, „Liebe für meine Familie“, „kleine Dinge wie ein Blick in die Natur“, „gesunder Verstand“, „Schloss und Burg“ sowie „Superkräfte“.
Was würden die Jugendlichen tun, wenn sie entscheiden könnten – und sie „Glückspräsidentin“ oder „Glückspräsident“ ihres Landes wären? Neben Verbesserungen auf politischer Ebene (ein sicheres Zuhause, ausreichend Essen, gute Gesundheitsversorgung und Bildung sowie weniger Armut, Diskriminierung und eine Reduzierung der Lebenshaltungskosten), würden viele der Jugendlichen ganz pragmatisch vorgehen und in den Dialog treten. Sie antworteten etwa: „regelmäßige Umfragen machen, was die Leute sich wünschen und auch persönlich alle besuchen, um zu sehen, wie sie leben und dann alles anpassen – weil, wenn man im Alltag nicht zufrieden ist, geht es einem nicht gut.“, „Ich würde sie fragen, warum sie nicht glücklich sind.“ oder regten auch an: „ein Dorftreffen, bei dem alle reden und sich untereinander austauschen können.“
Gerecht, sorgenfrei und gemeinschaftlich sollte die Gesellschaft in den Ländern der Glückspräsident:innen aussehen – mit einer verbesserten Infrastruktur, fairen Löhnen, weniger Arbeitsdruck und mehr Freizeit sowie Natur und gemeinschaftlichen Orten. Jemand sagte: „Vielleicht wären auch mehr Parks, Spielplätze oder kleine Wälder schön, ein bisschen mehr Natur wäre toll.“ Weitere Ideen: „Einmal in der Woche mit der Schule in den Wald gehen“, „an mehr Stellen fröhliche Musik abspielen“, „kostenloser Kakao für alle“, „ein Fach in der Schule einführen, in dem jeder seiner Fantasie freien Lauf lassen kann“, „Hass abschaffen“, „dass jeder frei leben kann und ein Zuhause hat“, „keine Vergleiche“, „die Schweiz sein“, „kein Krieg“, „kostenlose Krankenversorgung und Therapie“ sowie immer wieder genannt: „Gleichberechtigung“.
In der Pflege und Verbesserung des zwischenmenschlichen Kontakts lag für viele der Kern. „Allein, wenn man im Alltag netter miteinander umgeht, kann man schon viel erreichen.“ – Eine Antwort, die wohl die meisten teilen.
Hinweis: Die Veranstaltung fand in Kooperation mit der Islamischen Gemeinde Penzberg und der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Tölz statt. Link zur Veranstaltung: https://www.ev-akademie-tutzing.de/veranstaltung/glueck/
Dorothea Grass
Redaktionelle & Fotografische Mitarbeit: Hannah Ruopp, Nieke Mayer














