icon button icon button Presse

Presse-Info Ethiker Dabrock: „KI ist ein Machtverstärker“

Dorothea Grass zeit info 01. Juni 2026

Der Erlanger Professor Peter Dabrock warnt davor, Künstliche Intelligenz zu mystifizieren oder als göttliche Superintelligenz zu handeln. Er fordert, den Fokus der Debatte auf konkrete Machtfragen zu setzen.

Peter Dabrock, Professor für Systematische Theologie (Ethik) am Fachbereich Theologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, vermisst in den aktuellen Diskussionen über Künstliche Intelligenz unbequeme, nüchterne und politische Betrachtungen.

In einem aktuellen Gastbeitrag für die Evangelische Akademie Tutzing schreibt er, dass sich die öffentliche Diskussion zu häufig auf spektakuläre Zukunftsfragen konzentriere: Wird KI menschenähnlich denken, fühlen oder gar göttliche Eigenschaften entwickeln? Für Dabrock lenken diese Debatten ab von der entscheidenden Frage, wer durch KI Macht gewinnt – und wer Macht verliert.

„KI ist kein metaphysisches Rätsel, sie ist ein Machtverstärker“, schreibt Peter Dabrock. Künstliche Intelligenz sei keine neutrale Technologie aus einer abstrakten Cloud, sondern eingebettet in wirtschaftliche, politische und militärische Interessen. Wer über Daten, Chips, Plattformen und digitale Infrastrukturen verfüge, kontrolliere zunehmend Kommunikationsräume, Entscheidungsprozesse und gesellschaftliche Entwicklungen.

Dabrock schreibt: „Nicht eine göttliche Superintelligenz bedroht Freiheit und Demokratie, sondern eine irdische Machtkonzentration: die Verbindung von Tech-Konzernen, Finanzmacht, Sicherheitsinteressen und Politik, die demokratische Kontrolle eher als Hindernis denn als Bedingung legitimer Gestaltung betrachten.“

In seiner Analyse benennt der Ethiker drei wesentliche Problemfelder: die Machtasymmetrie zwischen Nutzern und Anbietern, das „Verdampfen“ von Verantwortung sowie die Entwertung menschlicher Urteilskraft und demokratischer Prinzipien im Namen der Effizienz, Skalierung und Automatisierung.

Das „Verdampfen von Verantwortung“ bezeichnet Dabrock als „besonders gefährlich“: Bei Diskriminierung oder Fehlentscheidungen der KI werde die Schuld zwischen Programmierern, Behörden und Modellen hin- und hergeschoben, sodass Betroffene ohne Chance auf Aufklärung oder Korrektur alleine zurückblieben. Schlagworte wie Transparenz, Fairness, Autonomie, Nicht-Schädigung, Gerechtigkeit und Erklärbarkeit würden darum nicht ausreichen. Dabrock folgert: „Sie sind wichtig, bleiben aber schwach, wenn sie nicht in Machtfragen übersetzt werden: Transparenz für wen? Fairness nach welchen Maßstäben? Autonomie unter welchen Abhängigkeitsbedingungen? Erklärbarkeit gegenüber welchen Betroffenen? Welche Gerechtigkeit angesichts der globalen Datenökonomie?“

Den vollständigen Gastbeitrag lesen Sie im Rotunde-Blog der Akademie. Der Beitrag ist zugleich Gastkolumne im Juni-Newsletter der Evangelischen Akademie Tutzing.

Hinweis:
Peter Dabrock hält den Eröffnungsvortrag der Tagung „Gott und Mensch im Kosmos der KI“ vom 26. – 28. Juni 2026 in der Evangelischen Akademie Tutzing. Die Tagung findet statt in Kooperation mit dem Beauftragten für Ethik im Dialog mit Technologie und Naturwissenschaft der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Alle Informationen zu Programm und Anmeldung finden Sie hier.