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Monika Schnitzer im Rotunde Talk – “Da hätte man sich doch etwas mehr Geschwindigkeit gewünscht”
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RotundeTalk Monika Schnitzer im Rotunde Talk – “Da hätte man sich doch etwas mehr Geschwindigkeit gewünscht”

Video 00:24:10 h termin info 15. April 2021 termin info Digitale Welten, Ethik & Gesundheit, Gesellschaft & Soziales, Politik

Prof. Dr. Monika Schnitzer von der LMU München im Gespräch mit Studienleiter Martin Waßink

Gleich zu Beginn verneinte Monika Schnitzer die These, dass die Corona-Pandemie zu weniger Globalisierung führe. Die Unternehmen hätten lernen müssen, sich nicht auf eine Zulieferquelle zu verlassen. Gerade in der Gesundheits- und Medizinbranche sei das bei der Maskenproduktion deutlich geworden. Zukünftig würden Unternehmen ihre Lieferkette stärker diversifizieren. Dies könne durchaus bedeuten, dass manche Güter auch teurer würden. Diese Versicherung stabiler Lieferketten sei wichtig für Investoren, wenn diese den Wert von Unternehmen einschätzten. Auch die Einschränkung des freien Personenverkehrs durch Grenzkontrollen auch für Beschäftigte stelle einen Unsicherheitsfaktor dar, auf den Unternehmen reagieren müssten.

Der Bundesregierung stellte Monika Schnitzer zunächst ein gutes Zeugnis aus. Kurzarbeitergeld wäre eine wichtige und wirksame Unterstützung für viele Unternehmen gewesen. Die Gelder in Form von Krediten wären ebenso wichtig. Diese seien letztlich auch gar nicht ausgabenwirksam für uns Steuerzahlerinnen und Steuerzahler, wenn diese Kredite zumindest teilweise zurückgezahlt würden.

Kritisch merkte Schnitzer an, dass man sich in der ersten Phase der Pandemie nicht auf die schließlich eingetretene zweite oder dritte Welle vorbereitet hätte. Viele hätten sich zu sehr auf die Corona-Warn-App verlassen und gehofft, dass alles nicht so schlimm würde. Auch sei die Zeit über den Sommer 2020 nicht genutzt worden, um für die Schulen eine Strategie zu entwickeln, digitalen Unterricht zu ermöglichen.

Das Problem der staatlichen Maßnahmen in der zweiten Welle der Pandemie im Herbst und Winter 2020 wäre dann vor allem gewesen, dass die gewählten Instrumente ganz neu waren. Diese Überbrückungshilfen wurden so noch nie durchgeführt und waren administrativ nicht vorbereitet – “da hätte man sich doch etwas mehr Geschwindigkeit gewünscht”.

Bei der Einschätzung zum Stand der Staatschulden verglich Monika Schnitzer die aktuelle Situation mit der Lage während der Finanzkrise. Derzeit liege die Schuldenquote Deutschlands bei etwa 70 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – bei der Bewältigung der Finanzkrise vor etwa zehn Jahren war dieser Schuldenstand sogar bis auf bei 80 Prozent angewachsen. Innerhalb zehn Jahre guter wirtschaftlicher Entwicklung war die Schuldenquote bis auf 60 Prozent gesunken. Dies zeige auch den Weg aus der Krise um mit der zusätzlichen Verschuldung umgehen zu können – stabiles Wachstum. Die Wirtschaftsweise bewertete auch die geldpolitischen Maßnahmen im Zuge der Krise. Auch für die geldpolitischen Entscheiderinnen und Entscheider sei die Finanzkrise 2007 und 2008 eine Lektion gewesen: um aus der Finanzkrise zu lernen und für Unternehmen sei es wichtig gewesen, schnell genug Liquidität bereit zu stellen: “insofern, alles richtig gemacht!”

Schnitzer unterstrich die besonderen und ganz unterschiedlichen Härten für verschiedene Teile unserer Gesellschaft: Einige dürften nicht arbeiten wie Künstlerinnen und Künstler oder Gaststätten, andere Berufsgruppen wie Pflegekräfte und Ärzte seien umso mehr belastet. Sie denke auch an die Kinder, die ihre Freundinnen und Freunde nicht treffen könnten. Auch Eltern von Home-Schooling-Kindern würden besonders herausgefordert. In ihrer Rolle als Lehrkraft an einer Hochschule vermisse sie den Kontakt mit Studierenden. Auch für Ältere und Pflegebedürftige sei es eine schwere Zeit, wenn kein oder wenig Besuch möglich sei. Nun gebe ihr jedoch der Fortschritt bei den Impfungen Hoffnung, dass diese Gruppen wieder mehr in die Gesellschaft integriert werden könnten.

Die Krise hätte Defizite der Digitalisierung schonungslos offengelegt, gerade in der öffentlichen Verwaltung bei der Umsetzung der Hilfsmaßnahmen. Ferne sei das Gesundheitssystem immer noch auf Faxgeräte angewiesen, um Daten von Infizierten weiter zu geben. Hier sei dringend eine digitale Modernisierung gefragt. Auch die Schulen und damit die Schülerinnen und Schüler hätten schmerzlich die Defizite in der digitalen Ausstattung und Lehre erleben müssen. Online-Unterricht sei alles andere als einfach gewesen. Auch die Unternehmen seien nicht alle gut aufgestellt – beim deutschen Mittelstand sei der Stand der Digitalisierung lange nicht so gut wie in anderen europäischen Ländern.

(Martin Waßink)