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Aktuelles Politischer Club „Freiheit“ in Bildern

Dorothea Grass zeit info 03. August 2026

Ein Rückblick auf die Sommertagung des Politischen Clubs vom 19.-21. Juni 2026: mit Armin Nassehi, Christine Abbt, Irina Scherbakowa, Michel Friedman, Robert Pausch, Volker Ullrich, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Christiane Tietz, Robert Misik, Roger de Weck, Udo Hahn, Sybille Giel und vielen Gästen!

Freiheit: ein großer Begriff, der auch Politik und Demokratie beschäftigt. Die Sommertagung 2026 des Politischen Clubs näherte sich dem Begriff aus mehreren Perspektiven: historisch, philosophisch, (zivil-)gesellschaftlich, juristisch, medial, kulturell, aus christlicher Sicht, aus der Bildungsperspektive sowie aus Erfahrungen von Orten, an denen Freiheit akut bedroht ist.

Zum ausführlichen Tagungsbericht gelangen Sie hier.

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    Rege Debatten im Musiksaal der Akademie, …

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    spannende Begegnungen auf dem Podium, …

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    disziplinenübergreifende Vernetzung, …

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    und aktuelle Diskurse und Gedankenanstöße prägten ….

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    … auch im Juni 2026 die Sommertagung des Politischen Clubs.

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    Den Auftakt der Tagung zum Thema „Freiheit“ bestritt ein theologischer Impuls von Prof. Dr. Christiane Tietz, Theologin, Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Sie selbst konnte aufgrund von Störungen im Bahnbetrieb nicht vor Ort sein und so wurde ihr Vortrag „Freiheit und Christentum“ von Dorothea Grass (im Bild) vorgetragen, Studienleiterin und Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Akademie.

    Tietz erläuterte den christlichen Freiheitsbegriff als evangelische Theologin mit der grundlegenden Beobachtung: „Der Mensch lebt nicht einfach nur von und für sich selbst. Er lebt vor Anderen, vor Instanzen, will und muss von ihnen anerkannt sein.“

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    Prof. Dr. Dr. Michel Friedman ging unter dem Titel „Freiheit als Sauerstoff der Gesellschaft“ direkt auf den Impuls seiner Vorrednerin ein. Es sei nicht so, wie Luther zitiert worden sei. Friedman: „Der Mensch kann immer anders!“

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    Im anschließenden Gespräch mit Roger de Weck (links im Bild) und dem Tagungspublikum kamen die Themen soziale Gerechtigkeit und Bildung zur Sprache – aber auch die Stimmung in der Gesellschaft, das „Nörgeln“, wie es Friedman beschrieb. Friedman rief einmal mehr dazu auf, sich zu engagieren. Er sagte: „Wir haben uns immer erzählt, wir stehen für Freiheit, wir stehen für die Würde, wir stehen für die Demokratie, wir wollen den Rechtsstaat. Nur es gibt ein Problem: Wenn wir es wollen, müssen wir handeln, denn die Demokratie ist keine deklamatorische, selbst sich ernährende Institution oder Idee, sondern sie lebt von jedem, der hier ist.“

    Eine Zuschauerfrage zu einem Prüfverfahren für ein AfD-Verbot beantwortete Friedman mit der Tatsache, dass Deutschland die einzige Verfassung in der Welt habe, die vorsehe, eine Partei verbieten zu können – als eine Lehre aus der Weimarer Republik.

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    Den philosophischen Blick auf das Thema Freiheit weitete Prof. Dr. Christine Abbt, Professorin für Philosophie an der Universität St. Gallen. In ihrem Vortrag über „Freiheit und Verwandlung“ ging sie auf ein sich verwandelndes Freiheitsverständnis ein. Ihre These: Demokratische Freiheit ist nicht nur Befreiung, Recht auf Mitbestimmung sondern auch die Erfahrungen und Anerkennung von Verwandlungen.

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    In der anschließenden Debatte mit dem Publikum ging es darum, dass die von Abbt erwähnte „unbestimmte Potenzialität“ eine Einhegung und Rechtsgrundlage benötigt, da Freiheit auch missbraucht werden kann. Auch um Social Media und Medienkonsum ging es. Abbt erinnerte an Denis Diderots Worte: „Wer die Augäpfel lenkt, hat die ganze Aufmerksamkeit.“

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    Die Autorin und Germanistin Dr. Irina Scherbakowa begann ihren Vortrag „Freiheit als Erinnern“ mit dem Krieg Russlands in der Ukraine. Scherbakowa ist Mitgründerin der Menschenrechtsorganisation Memorial und Friedensnobelpreisträgerin. Sie sagte: „Dieser Krieg ist ein Krieg gegen die Freiheit der Ukraine und die Freiheit, selbst über ihre Zukunft zu entscheiden.“ Die russische Propaganda labelt Freiheit als westliche Bedrohung und die westlichen Werte als feindlich.

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    Im Austausch mit dem Publikum ging es ebenfalls um Erinnerungskultur, aber auch um die Zeit des Umbruchs und den Zerfall des Eisernen Vorhangs 1989/90. Außerdem wurde der Zusammenhalt in Europa thematisiert und der gemeinsame Umgang mit dem Konflikt in der Ukraine. Europa muss stärker werden, findet Scherbakowa. Für sie bedeutete der Satz Michail Gorbatschows „Europa ist unser gemeinsames Haus“ eine große Hoffnung.

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    Beide Einladende im Zwischengespräch: Udo Hahn und Roger de Weck

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    „Liberalismus und Sinn“ – unter diesem Titel stand der Vortrag und das anschließende Gespräch mit Robert Pausch, politischer Korrespondent der „Zeit“ in Berlin und Leuchtturm-Preisträger des Netzwerks Recherche. Darin ging es unter anderem um die Dialektik von Freiheit und Gebundenheit. Pausch sieht eine „Krise des technokratischen Regierens“. Man dürfe Politik nicht missverstehen als Lieferservice.

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    Der Vortrag von Dr. Volker Ullrich, Vizepräsident der Bundeszentrale für politische Bildung (und hier im Bild mit Akademiedirektor Udo Hahn), widmete sich dem Thema „Freiheit und politische Bildung“. Darin setzte er sich mehreren Dimensionen des Freiheitsbegriffs auseinander. Zunächst bedeute dieser „eine Art innere Freiheit. Die Wahlfreiheit eines Einzelnen oder die psychologische Verfassung.“ Er umfasse auch die Frage nach dem eigenen Ergehen – und was man daraus macht. Viele alltägliche Wahlfreiheiten hätten zugenommen, würden Menschen aber auch überfordern.

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    Freiheit bedeutet für Ullrich die Ermächtigung eines jeden einzelnen an einem politischen Prozess teilzunehmen.

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    Die frühere deutsche Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger konzentrierte sich in ihrem Redebeitrag auf das Thema „Freiheit als Aufgabe“. Freiheit braucht eine gewisse Ordnung und sie braucht dafür den Rechtsstaat, ist Leutheusser-Schnarrenberger der Auffassung. Der permanente Widerspruch, der immer wieder ausgehandelt werden muss: kollektive Verantwortung versus individuelle Autonomie.

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    Im Austausch mit dem Publikum machte Leutheusser-Schnarrenbergers ihre Forderung stark, die sie auch schon in ihrem Vortrag formuliert hatte: Wir müssen uns der Bedeutung unserer Freiheit ständig bewusst werden. Jeder müsse sich engagieren, denn „Die Freiheitsrechte werden nicht auf dem Sofa verteidigt.“ Mit gesetzlichen Regelungen allein verteidigen wir die Freiheit nicht. Man dürfe sich nie zufriedengeben in einer unvollkommenen Welt. Es müssten immer neue Antworten gefunden werden.

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    Um „Freiheit als Form der Gesellschaft“ ging es im Vortrag von Prof. Dr. Armin Nassehi, Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Soziologie und Gesellschaftstheorie und Vizepräsident der Ludwig-Maximilian-Universität München. Als Soziologe, so Nassehi, stelle er die Frage, für welches Problem Freiheit eigentlich gemacht ist, wofür man Freiheit brauche – nicht nur als Begriff, sondern auch als Phänomen.

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    Nassehi (hier im Bild mit Moderatorin Sybille Giel) fasste seinen Vortrag so zusammen: „Ich habe versucht zu zeigen, dass eine Notwendigkeit über Freiheit in dem Sinne nachzudenken, dass das, was wir tun, immer im Kontext der Zurechnung auf Einzelne und der Begrenzung durch andere und anderes stattfindet, eine Form ist, die für moderne Gesellschaften unvermeidbar ist.“

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    Der Wiener Autor Robert Misik hatte für seinen Vortrag den Titel „Der Sinn der Politik ist Freiheit“ gewählt. Seine These lautete: Freiheit ist ohne Gleichheit nicht zu denken. Sie sind keine Antipoden, sondern Zwillinge. Ungleichheit hab freiheitseinschränkende Wirkung für die wenig Begüterten. Sicherheit als Ressource garantiert Autonomie, wer frei von Angst ist, ist freier. Wer dagegen von Existenzangst terrorisiert ist, ist unfrei.

     

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    Misik forderte: „Der Staat muss Begünstiger der Freiheit werden und die Ressourcen zur Verfügung stellen, die man braucht, um seine Talente auszuleben und sein Leben zu leben.“  Misik beobachtet Bedrohungen der Freiheit politisch sowohl von rechts, aber auch von links. Er hält es für zentral, auch dafür einzutreten, wenn die Freiheit der Gegner eingeschränkt wird. Wichtig sei heute allerdings zu unterscheiden: Was ist eine Meinung und was ist gezielte und bezahlte Propaganda?

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    Der Leiter des Politischen Clubs der Evangelischen Akademie Tutzing, Publizist Dr. h.c. mult. Roger de Weck, sprach in einem weiteren inhaltlichen Impuls über „Demokratie, Freiheit und Pressefreiheit“. Demokratie sei auch immer ein Wettbewerb zwischen den drei Gewalten. Es gebe immer ein Austarieren – genauso wie es ein Kräfteverhältnis gebe zwischen den drei Grundwerten. Dafür braucht es den Diskurs. Er sei noch wichtiger als Wahlen und Abstimmungen. Es sei die Meinungsbildung, die die Demokratie ausmache. Als eine Voraussetzung dafür stehe guter Journalismus.

    Die aktuellen Gefahren für den Journalismus seien Medienwüsten, in denen sich Menschen nur noch über soziale Netzwerke informieren, lokale Behörden nicht mehr kritisch beobachtet werden und die Menschen den Sinn dafür verlieren, was qualitativ hochwertigen Journalismus ausmacht. Hinzu käme die Gefahr von Oligarchien, Medienkonzentration und einer Ballung von Medienmacht. Das schade Demokratien.

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