
RotundeTalk Constanze Giese im Rotunde Talk – „Zu viel Forderung bei zu wenigen Ressourcen“
Prof. Dr. Constanze Giese, Professorin für Ethik und Anthropologie in der Pflege an der katholischen Stiftungshochschule am Campus München im Gespräch mit Studienleiter Frank Kittelberger, Evangelische Akademie Tutzing
Prof. Dr. Constanze Giese aus München ist gelernte Krankenschwester, studierte Theologin und Professorin für Ethik und Anthropologie in der Pflege an der katholischen Stiftungshochschule am Campus München. Im „RotundeTalk“ mit Pfarrer Frank Kittelberger, Studienleiter für Ethik in Medizin und Gesundheitswesen an der Evangelischen Akademie Tutzing, geht sie auf mögliche Chancen der Coronakrise ein: Es werde viel über die Systemrelevanz der Pflege und ihre anerkennungswürdige Leistung gesprochen. Gefragt, ob sie konkrete Ansätze sieht, dass darin auch eine Chance besteht, die Krise dieses Berufes und den anhaltenden Pflegenotstand besser zu bewältigen, verweist sie auf die großflächige Wahrnehmung der Pflege. Diese stelle „eine Bereicherung“ dar, weil sie das sonst übliche Misstrauen überlagert, welches sich in den Kontrollmechanismen manifestiert. Das Angewiesensein auf diesen Berufsstand werde gegenwärtig deutlicher denn je.
Die Krise des Pflegeberufs habe tiefe Wurzeln. Seit Generationen werde von diesem Beruf „zu viel bei zu wenigen Ressourcen“ gefordert. Es handelt sich um „eine Krise des gesamten Gesundheitssystems und ist nicht auf den Pflegesektor beschränkt“. Maßnahmen – von Personaluntergrenzen über die Anwerbung im Ausland bis zum Einsatz von Pflegeassistenzrobotik – seien schon von der Regierung eingeleitet worden. Man müsse jedoch abwarten, was davon umgesetzt wird. Den Einsatz von technischer Assistenz für die Pflege sieht Prof. Giese entspannt, denn „seit es Pflege gibt, setzen wir verfügbare Techniken ein“.
Eine angemessene Pflege für alle werden wir in Zukunft nur erreichen, wenn wir „unser reduziertes Pflegeverständnis überwinden“, so Prof. Giese.
Der „RotundeTalk“ ist ein neues Gesprächsformat der Evangelischen Akademie Tutzing. Menschen aus Politik, Kultur und Gesellschaft sprechen im Interview über ihre Erfahrungen im Umgang mit der Corona-Pandemie, über die Herausforderungen dieser Krise und wie es danach weitergehen könnte. Gäste sind u.a. Sozialministerin Carolina Trautner, der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Prof. Dr. Hans-Jürgen Papier, der Musiker Peter Maffay, der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds Bayern, Matthias Jena, die Kabarettisten Gerhard Polt und Christian Springer, die Künstlerin Ilana Lewitan sowie der Astrophysiker Harald Lesch.