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Newsletter November 2026

Für die radikale Rechte ist politische Bildung ein Feindbild. Neutral müsse sie sein, wird gerne behauptet. Aber wie das bei einer falschen Behauptung so ist: Sie wird auch durch Wiederholung nicht richtig. So falsch sie ist, so einschüchternd wirkt sie aber. In der schulischen und außerschulischen Bildung entstehen Verunsicherung und Angst. Schweigen würde jedoch nicht zu besserer Bildung führen. Im Gegenteil: Das entstehende Vakuum würde umso ungenierter von Fakenews und Propaganda rechtsextremer Kräfte gefüllt. Ihrem Denken ist alles fremd, was die Kompetenz der Unterscheidung, der Differenzierung, unterschiedliche Quellen zu nutzen und sich ein eigenes Urteil zu bilden, fördert.

Was hilft gegen rechtes Framing? Der Blick auf die Rechtslage! Mit dem „Beutelsbacher Konsens“, der in diesen Tagen fünfzig Jahre alt wird, wurde eine Richtlinie entwickelt, die den Rahmen politischer Bildung definiert. Demnach besteht (1) ein Überwältigungsverbot, das jede Einseitigkeit untersagt und (2) ein Kontroversitätsgebot, nachdem Kontroversen in Wissenschaft und Politik entsprechend abgebildet werden müssen sowie (3) das Prinzip der Schülerorientierung. Diese sollen dazu befähigt werden, sich eine eigene Meinung zu bilden.

Antidemokraten und Rechtsextreme wollen die eigene Urteilsfähigkeit verhindern, wie Autokratien und Diktaturen in Geschichte und Gegenwart zeigen. Wer Fragen hat, macht sich verdächtig. Diese Strategie der Einschüchterung darf nicht aufgehen.

Es ist im Übrigen eine Falschbehauptung, staatlich geförderte Organisationen unterlägen einer Neutralitätspflicht, die sich aus der Neutralitätspflicht des Staates ableite. Verfassungsrechtlich ist das nicht haltbar. Mehrfach hat das Bundesverfassungsgericht betont, dass sich die Neutralitätspflicht des Staates auf das Handeln der Exekutive, aber nicht auf die Meinungsäußerungen und die politische Arbeit unabhängiger zivilgesellschaftlicher Akteure bezieht.

Politische Bildung ist nicht neutral. Sie steht für Demokratie, Menschenrechte und politische Teilhabe. #NichtNeutral – so lautet auch das Motto der gemeinsamen Kampagne der Bundeszentrale für politische Bildung sowie aller 16 Landeszentralen für politische Bildung zum 50. Jubiläum des Beutelsbacher Konsenses.

Die Werte des Grundgesetzes zu verteidigen und das biblische Gebot der Menschenwürde zu achten – das ist auch die Basis unserer Arbeit. Als Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing danke ich Ihnen für Ihre Unterstützung!

Ihr
Pfr. Udo Hahn
Akademiedirektor

GASTKOLUMNE

Psychische Gesundheit fördern: eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe

Die Prävention und Behandlung psychischer Störungen stehen derzeit unter starkem Druck. Angesichts geplanter Einsparungen im Gesundheitssystem wächst die Sorge, dass sich bestehende Versorgungslücken weiter verschärfen. Prof. Dr. Thomas Ehring plädiert dafür, gerade jetzt in psychische Gesundheit zu investieren.
AUS DER AKADEMIE

50 Jahre Beutelsbacher Konsens

Im November 1976 fand im beschaulichen Remstal eine Fachtagung statt, die Bildungsgeschichte schreiben sollte. 50 Jahre später gelten die Prinzipien des Beutelsbacher Konsenses auch über den Politikunterricht an Schulen hinaus. Junges Forum-Studienleiterin Julia Wunderlich über die Bedeutung der Prinzipien für die Bildungsqualität.
AUS DER AKADEMIE

Einblicke in die Tagung „Sicherheit und Resilienz“

Was hat sich verändert seit der „Zeitenwende“? Damit beschäftigte sich die Tagung „Sicherheit und Resilienz“ vom 2.-4. Oktober 2026 und beleuchtete dabei Aspekte aus Sicherheitsforschung, Bevölkerungsschutz, Friedensethik und Psychologie.
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Vierfache Amtseinführung in der Akademie

Drei neue Mitglieder in der Studienleitung und eine neue stellvertretende Akademiedirektorin wurden am 12. Oktober 2026 in der Evangelischen Akademie Tutzing feierlich in ihr Amt eingeführt.
AUS DER AKADEMIE

Rückblick auf den Tag der offenen Tür 2026

Strahlender Sonnenschein, interessante Gespräche und Begegnungen sowie Kultur und Musik aus Tutzing und Umgebung: Unser Tag der offenen Tür Ende September war ein voller Erfolg! Eindrücke in Text und Bildern.
AUS DER AKADEMIE

Die Zukunft des Protestantismus

Die Säkularisierung ist kein Zufall der Moderne, sondern die Konsequenz protestantischen Denkens selbst. Der Publizist Alexander Grau fragt in seiner Streitschrift: Was bleibt vom Christentum, wenn man ihm jede sentimentale Selbsttäuschung nimmt? Am 11. November um 19 Uhr diskutieren mit ihm Regionalbischof Thomas Prieto Peral, Pfarrerin Beate Frankenberger und Akademiedirektor Udo Hahn.
AUS DER AKADEMIE

„Landschaft ohne Zeugen“

Für ihr gleichnamiges Buch erhält die Publizistin und Hochschullehrerin Ines Geipel den Geschwister-Scholl-Preis 2026. Am 23. November, dem Abend vor der Preisverleihung, kommt sie zu Lesung und Gespräch in die Evangelische Akademie Tutzing. Thema: Die Rolle des Konzentrationslagers Buchenwald in der DDR und in der gesamtdeutschen Erinnerung.
AUS DEM FREUNDESKREIS

Zivilgesellschaft unter Druck

„‘Heimat‘ in Gefahr? – Wie rechte Akteure Begriffe und Alltagsräume politisch besetzen“, so lautete der Vortrag von Dr. Daniela Sandner vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege für den Freundeskreis in Kaufbeuren. Lesen Sie hier den Bericht von Gerd F. Thomae.