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	<title>Evangelische Akademie Tutzing</title>
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	<title>Evangelische Akademie Tutzing</title>
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		<title>Tutzinger Gedenken und Appell</title>
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		<dc:creator><![CDATA[eat_grass]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 May 2026 07:46:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In einer Gedenkveranstaltung Ende April erinnerte die Gemeinde Tutzing gemeinsam mit der Evangelischen Akademie Tutzing und der Akademie für Politische Bildung an eines der dunkelsten Kapitel der Ortsgeschichte: den Häftlingstransport, der 81 Jahre zuvor 54 Menschen das Leben kostete.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/tutzinger-gedenken-und-appell/">Tutzinger Gedenken und Appell</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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<p><strong>&#8211;&gt; <a href="https://www.eatutzing.de/wp-content/uploads/2026/05/Gedenkakt-28.04.2026_Udo-Hahn-korr.pdf" target="_blank" rel="noopener">Lesen Sie hier die das Grußwort von Akademiedirektor Udo Hahn</a></strong></p>
<p>Ende April 1945, in der Nacht vom 29. auf den 30. April, ereignete sich in der bis dahin vom Krieg weitgehend verschonten Gemeinde Tutzing eine Tragödie, die bis heute nachwirkt. Etwa 2.000 Häftlinge – vorwiegend Jüdinnen und Juden aus Osteuropa – wurden im Zuge der Auflösung des KZ-Außenlagers Mühldorf in einen sogenannten Evakuierungstransport gezwungen.</p>
<p>Wie Bürgermeister Ludwig Horn in seiner Ansprache bei der Veranstaltung am 28. April 2026 schilderte, war das ursprüngliche Ziel Österreich, vermutlich über Kufstein nach Tirol. Doch die geplante Route war durch Bombardierungen zerstört, der Zug wurde umgeleitet. „Das Ende der Diktatur des Nationalsozialismus war längst besiegelt, aber die Tötungsmaschinerie funktionierte noch“, betonte Pfarrer Reiner Schübel von der Evangelischen Akademie Tutzing, der Akademiedirektor Udo Hahn krankheitsbedingt vertrat.</p>
<p>Ab dem 22. April 1945 wurden die Häftlinge unter unmenschlichen Bedingungen über weite Strecken in Richtung Alpen getrieben – ohne Proviant, ohne Wasser, in Holzschuhen und dünner Kleidung. Wer nicht mehr laufen konnte, wurde erschossen.</p>
<p><strong>„Ein Zug menschlichen Elends“</strong></p>
<p>Kurz vor Tutzing war Artilleriefeuer zu hören, möglicherweise war der Transport bereits von alliierten Tieffliegern beschossen worden, die ihn für einen Reichswehr-Güterzug hielten. Der Lokführer und die SS-Wachen gaben den Zug schließlich auf. Die Überlebenden wagten sich allmählich aus den Wagen und machten sich zu Fuß auf den Weg in die Tutzinger Ortsmitte – „ein Zug menschlichen Elends auf offener Straße“, wie Bürgermeister Horn es formulierte.</p>
<p>Die örtlichen Lazarette leiteten sofort Hilfsmaßnahmen ein, doch ihre Möglichkeiten waren äußerst begrenzt. Viele Tutzingerinnen und Tutzinger waren plötzlich mit einer Realität konfrontiert, die sie sich nicht hatten vorstellen können. In den folgenden Tagen und Wochen starben 54 der Häftlinge an Erschöpfung, Hunger und Verletzungen. Sie wurden in Tutzing beerdigt – ein Gedenkstein am Neuen Friedhof erinnert heute an sie.</p>
<p>„Es ist nicht an uns heute, mit moralischem Fingerzeig auf damalige Entscheidungen zu blicken“, sagte Tutzings Bürgermeister Horn bei der Gendenkveranstaltung.  Er fügte hinzu: „Aber es ist sehr wohl unsere Aufgabe, uns dieser Geschichte zu stellen. Sie gehört zu unserem Ort. Und sie verpflichtet uns – zur Erinnerung und zur Haltung.“</p>
<p><strong>Warnung vor „entgrenztem Misstrauen“ in digitalen Räumen</strong></p>
<p>Prof. Dr. Ursula Münch, Direktorin der Akademie für Politische Bildung, verknüpfte das historische Gedenken eindringlich mit den Herausforderungen der Gegenwart. „Uns alle beunruhigt, dass in Teilen unserer Gesellschaft Antisemitismus, übersteigerter Nationalismus und Geschichtsrevisionismus wieder Fuß fassen“, sagte sie. Heute hätten es diejenigen, die extremes Gedankengut verbreiten wollen, so leicht wie nie zuvor in der Menschheitsgeschichte.</p>
<p>Münch warnte vor „entgrenztem Misstrauen“ und sogenannten „Misstrauensgemeinschaften“, die sich in digitalen Räumen in ihrem Misstrauen gegen gewählte Repräsentanten und die Demokratie bestärken. „Wir haben es inzwischen mit politischen Ordnungen zu tun, die Unmenschlichkeit erleichtern und ermöglichen: Führerstaaten, deren autoritäre Parteien durch Heilsversprechen an die Macht kommen, dann Gefolgschaft verlangen und schließlich die ihnen Missliebigen ausschalten und vernichten.“</p>
<p>Sie appellierte besonders an die „schweigende Mehrheit der insgesamt Verständigen“: Es gelte, staatliche Willkür, Korruption und Gewaltherrschaft durch die verfassungsmäßige Ordnung, Gewaltenteilung und eine wachsame Bürgerschaft zu verhindern. „Das sind wir denjenigen schuldig, die von den Nazis ausgegrenzt, verfolgt und getötet wurden. Und das sind wir unseren Kindern, Enkeln und den Generationen nach uns schuldig.“</p>
<p>Besonders bewegend waren die Beiträge der Schülerinnen und Schüler der Mittelschule Tutzing und der Create Schools. Oliver Thoss von der Mittelschule brachte die lokale Verantwortung auf den Punkt: „Das Gedenken an den Todeszug in Tutzing ist für uns eine sehr persönliche Auseinandersetzung mit der eigenen Ortsgeschichte. Die 54 Menschen, die hier ihr Leben verloren, sind heute ein Teil unseres Tutzinger Erbes.“ Die Schülerinnen und Schüler der Create Schools unterstrichen mit Zitaten von Esther Bejarano, Berthold Beitz und Imre Kertész die Bedeutung der Erinnerung und die Verantwortung jedes Einzelnen für die Zukunft.</p>
<p><strong>„Rechtsruck beginnt mit Sprache und Gleichgültigkeit“</strong></p>
<p>Eine besondere Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart schuf die parallel laufende Aus-stellung „DER GARTEN – Peter Meyer, Komponist und Fotograf“ im Ortsmuseum. Christina von Koch von der Gemeinde Tutzing führte die Teilnehmer durch die Ausstellung über den jüdischen Komponisten Max-Peter Meyer (1892-1950), der ab 1925 in Tutzing lebte und die unbeschwerten Jahre der 1920er Jahre fotografisch dokumentierte. Mit der NS-Machtübernahme änderte sich sein Leben dramatisch: 1938 wurde er ins KZ Dachau deportiert, später nach Australien interniert. Nach dem Krieg kehrte er nach Tutzing zurück, starb aber bereits 1950.</p>
<p>Pfarrer Schübel unterstrich in seinem Grußwort die Aktualität der historischen Lehren: „Wir müssen unsere Demokratie im Alltag verteidigen. Wir müssen reden. Miteinander. Denn der Rechtsruck beginnt mit Sprache und Gleichgültigkeit.“ Er warnte davor, dass der Rechtsruck nicht am rechten Rand beginne, sondern in der Mitte der Gesellschaft – dort, wo viele sich für „unpolitisch“ halten.</p>
<p>Die Gedenkveranstaltung endete mit einem gemeinsamen Bekenntnis aller Beteiligten: Die Vergangenheit kann nicht ungeschehen gemacht werden, aber sie darf nicht verdrängt werden. Wie Bürgermeister Horn betonte: „Erinnern ist keine Schwäche, sondern ein Ausdruck von Verantwortung. Und die beginnt vor der eigenen Haustür.“</p>


<p><em>dgr / unter Verwendung von Material des Rathauses Tutzing </em></p>
<p><em> </em></p>
<p><strong>Bild:</strong> (v.l.n.r.): Christina v. Koch, Pfarrer Reiner Schübel, Amelie Treitz, Klim Kochyzhev, Felix Weichmann, Ludwig Horn (hinten), Olesia Skrypko, Prof. Dr. Ursula Münch und Oliver Thoss (ganz rechts) © Gemeinde Tutzing</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/tutzinger-gedenken-und-appell/">Tutzinger Gedenken und Appell</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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		<title>Wehrpflicht: Verfassungsrechtler zum Dilemma zwischen Verteidigungsfähigkeit und Gleichbehandlung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[eat_grass]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 May 2026 08:10:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presse-Info]]></category>
		<category><![CDATA[Grundgesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Wehrdienst]]></category>
		<category><![CDATA[Wehrpflicht]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Debatte um die Rückkehr zu einer Form der Wehrpflicht nimmt an Fahrt auf. In einem aktuellen Beitrag für die Evangelische Akademie Tutzing beleuchtet der Jurist Andreas Funke von der Uni Erlangen-Nürnberg die verfassungsrechtlichen Hürden und gesellschaftspolitischen Konfliktlinien zwischen Verteidigungsbereitschaft, Diskriminierungsschutz und demokratischer Teilhabe.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/wehrpflicht-verfassungsrechtler-zum-dilemma-zwischen-verteidigungsfaehigkeit-und-gleichbehandlung/">Wehrpflicht: Verfassungsrechtler zum Dilemma zwischen Verteidigungsfähigkeit und Gleichbehandlung</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="font-weight: 400;">Obwohl die Aussetzung des Grundwehrdienstes im Jahr 2011 oft als „Abschaffung“ missverstanden wird, stellt Prof. Dr. Andreas Funke klar: Die Wehrpflicht existiert im Grundgesetz weiterhin. Aktuell ist sie lediglich auf den Spannungs- und Verteidigungsfall beschränkt, so der Lehrstuhlinhaber für Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie an der FAU Erlangen-Nürnberg. Der Versuch, die personelle Einsatzfähigkeit der Bundeswehr nun über verstärkte Freiwilligkeit und verpflichtende Bereitschaftserklärungen zu sichern, führe zu grundlegenden rechtlichen Fragen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Als zentralen Punkt nennt Funke den Konflikt mit dem Gleichheitsgrundsatz. „Das Grundgesetz verpflichtet zur Gleichbehandlung. Es ist jedoch faktisch gar nicht möglich, alle Wehrpflichtigen gleichermaßen zum Dienst zu verpflichten, da die Kapazitäten der Bundeswehr dies nicht hergeben“, erklärt Funke. Sollte das Modell der Freiwilligkeit scheitern, stehe die Politik vor einer harten Wahl: „Was wollen wir opfern: die Verteidigungsfähigkeit unseres Staates oder den Schutz vor Diskriminierung?“</p>
<p style="font-weight: 400;">Funke stellt zudem die traditionelle Beschränkung der Wehrpflicht auf Männer infrage. Während früher die körperliche Konstitution als Rechtfertigung für die Differenzierung diente, sei dieses Argument heute hinfällig. „Drohnen können von Frauen genauso gut gesteuert werden wie von Männern“, so der Rechtswissenschaftler. Eine zeitgemäße Ausgestaltung der Wehrpflicht müsse daher die Bevorzugung von Frauen kritisch prüfen, um dem verfassungsrechtlichen Diskriminierungsverbot gerecht zu werden.</p>
<p style="font-weight: 400;">Besonders problematisch sieht der Verfassungsrechtler die Altersstruktur der Betroffenen im Verhältnis zum Wahlrecht. Er schreibt: „Heute sind es vor allem junge Menschen, die sich gegen die Wehrpflicht wenden. Dabei endet die Wehrpflicht nach dem Wehrpflichtgesetz erst mit der Vollendung des 45. Lebensjahres, im Spannungs- und Verteidigungsfall sogar erst mit dem 60. Geburtstag.“ Da Entscheidungen über einen etwaigen Grundwehrdienst vor allem junge Menschen treffen, die zum Zeitpunkt der Gesetzgebung oft noch nicht wahlberechtigt sind, entstehe eine Legitimationslücke. Wer über die Pflichten einer Generation entscheidet, ohne dass diese die Entscheidungsträger mitbestimmen kann, bedarf dafür einer besonderen Rechtfertigung.</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong><a href="https://www.eatutzing.de/wehrpflicht-und-grundgesetz-wer-muss-was-und-warum-eigentlich/" target="_blank" rel="noopener">Den vollständigen Gastbeitrag lesen Sie im Rotunde-Blog der Akademie.</a></strong></p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Hinweis: </strong>Prof. Dr. Andreas Funke ist im Juni zu Gast in der Politikwerkstatt des Jungen Forums „Wehrpflicht, Digitaler Euro &amp; Graffiti“ (12. – 14.06.2026) Die Tagung richtet sich an junge Menschen von 16 bis 27 Jahren. <a href="https://www.eatutzing.de/veranstaltung/politikwerkstatt-vertrauen-eu-poetry-slams/" target="_blank" rel="noopener">Alle Informationen zum Programm und zur Anmeldung gibt es hier</a>.</p>


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		<title>Wehrpflicht und Grundgesetz: Wer muss was – und warum eigentlich?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[eat_grass]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 May 2026 07:44:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blog-Beitrag]]></category>
		<category><![CDATA[Wehrdienst]]></category>
		<category><![CDATA[Wehrpflicht]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In der Diskussion um den freiwilligen Wehrdienst stehen sich mehrere Fragen gegenüber: Verteidigungsfähigkeit eines Staates versus Schutz vor Diskriminierung, Wahlalter versus Altersgruppe der Hauptbetroffenen sowie die rechtliche Ausgestaltung der Wehrpflicht. Ein Beitrag des Verfassungsrechtlers Andreas Funke.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/wehrpflicht-und-grundgesetz-wer-muss-was-und-warum-eigentlich/">Wehrpflicht und Grundgesetz: Wer muss was – und warum eigentlich?</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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		<title>Brücken bauen zwischen Generationen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[eat_grass]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Apr 2026 07:14:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Generationengespräche]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Generationengespräche – Was uns verbindet“ heißt das Format, das kurz vor Weihnachten 2025 an der Evangelischen Akademie Tutzing gestartet ist und 2026 und 2027 fortgeführt wird. Das Ziel: Menschen unterschiedlichsten Alters miteinander ins Gespräch zu bringen, Perspektiven zu wechseln und Gemeinschaft entstehen zu lassen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/bruecken-bauen-zwischen-generationen/">Brücken bauen zwischen Generationen</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong> </strong></p>


<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/bruecken-bauen-zwischen-generationen/">Brücken bauen zwischen Generationen</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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		<title>Jeder und jede ist ein Kosmos für sich</title>
		<link>https://www.eatutzing.de/jeder-und-jede-ist-ein-kosmos-fuer-sich/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[eat_grass]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Apr 2026 15:06:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wie kommt es zu dieser Gleichzeitigkeit von Erfolg und Niedergang der Kultur und welche Konsequenzen hat das? Wie kommt es zu dieser Gleichzeitigkeit von Erfolg und Niedergang der Kultur und welche Konsequenzen hat das? Die Kunsthistorikerin und SZ-Redakteurin Kia Vahland über Kultur, Demokratie und den Wert des Imaginären. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/jeder-und-jede-ist-ein-kosmos-fuer-sich/">Jeder und jede ist ein Kosmos für sich</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Im Umgang mit dem Kulturellen in Deutschland erleben wir gerade eine merkwürdige Gleichzeitigkeit von Ungleichzeitigem. Kultur gewinnt rasant Sympathien; immer mehr Menschen nutzen kulturelle Angebote. Zugleich aber werden diese in vielen Bundesländern und Kommunen von allen demokratischen Parteien rabiat zusammengespart. Wie kommt es zu dieser Gleichzeitigkeit von Erfolg und Niedergang, und welche gesellschaftlichen Konsequenzen hat das?</p>
<ol>
<li><strong>Kulturelle Angebote werden immer beliebter – und sie sind ein Wirtschaftsfaktor</strong></li>
</ol>
<p>In Bayern etwa gehört die Kultur- und Kreativbranche zu den fünf stärksten Wirtschaftszweigen. Der jüngste <a href="https://www.stmwi.bayern.de/fileadmin/user_upload/stmwi/publikationen/pdf/3Kultur_Kreativwirtschaftsbericht_2024_240626_JR_bf.pdf">Bayerische Kultur- und Kreativwirtschaftsbericht</a> bietet aufschlussreiche Zahlen, herausgegeben wurde er vom Wirtschaftsministerium unter Hubert Aiwanger. 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes wird demnach in dieser Branche erbracht, bundesweit sind es 3,3 Prozent. Dies entspricht in Bayern einem Umsatz von mehr als 44 Milliarden Euro in 2022, dem Jahr der letzten Messung, fast drei Prozent der Gesamtwirtschaft. Obwohl die Coronapandemie damals noch nicht überwunden war, hat die Branche ihren Umsatz deutlich gesteigert gegenüber den vier vorangegangenen Jahren.</p>
<p>Knapp über ein Drittel dieser Umsätze entfallen auf die Gaming-Industrie, aber der große Rest verteilt sich auf ganz unterschiedliche Disziplinen vom Verlagswesen über Architektur und Design bis zu den Märkten für darstellende und für bildende Kunst und der Musik- und Filmwirtschaft.</p>
<p>Diese Menschen treten selten als geschlossene Gruppe in Erscheinung, sie sind aber in Summe sehr viele. Fast 345 000 Personen allein in Bayern sind in der Kultur- und Kreativbranche beschäftigt, das sind deutlich mehr Menschen als in Augsburg wohnen. In Deutschland arbeiten in der Branche sogar mehr als anderthalb Millionen. Da sind wir schon bei der Einwohnerzahl von München. Und bei diesen Zahlen sind die Angestellten und Beamtinnen der Kulturverwaltungen, Universitäten, Museen nicht mitgerechnet, geschweige denn alle Kunst-, Musik- und Literaturpädagoginnen. Würde jemand allein um dieses erweiterte Publikum aus Kulturprofis werben, sei es als Politikerin oder Verleger oder Veranstalterin, man käme schnell auf Masse.</p>
<p>Vor allem aber sind diese Profis in der Kreativbranche und in den Kultur- und Bildungseinrichtungen Multiplikatoren.</p>
<p>Sie erreichen vielleicht nicht die gesamte Bevölkerung gleichermaßen, aber doch enorm große Gruppen. Mehr als 29 Millionen Kulturinteressierte hat das Institut für Demoskopie Allensbach in Deutschland in 2024 (AWA) hochrechnet ausgemacht. Dies sind 41,7 Prozent der Befragten. Diese Menschen nutzen auch die Produkte der Kulturwirtschaft intensiv, Podcasts zu Büchern oder Kunst beispielsweise erreichen ein Millionenpublikum: Allein 4,27 Millionen Menschen im Land hören Podcasts zu Kunst, Kultur, Musik oder Literatur. Das ist also nichts Randständiges. Sogar mehr als 46 Millionen Menschen sagen, sie gingen zu Musikveranstaltungen; hochgerechnet 59,6 Millionen sind buchinteressiert. Und fast 33,53 Millionen besuchen demnach Museen und Ausstellungen.</p>
<p>Dazu passt eine <a href="https://www.smb.museum/museen-einrichtungen/institut-fuer-museumsforschung/forschung/forschungsprojekte/das-verborgene-kapital/">Studie des Instituts für Museumsforschung</a>, wonach Menschen in Deutschland den rund 7000 Museen im Land höchstes Vertrauen schenken, übertroffen nur noch von dem Vertrauen in Freunde und Familie, nicht aber von Medien und Wissenschaft. Social Media und auch die Kirchen fallen im Vergleich noch weiter zurück.</p>
<p>Museen mögen nicht überall gleichermaßen voll sein, veraltete Dauerausstellungen mögen in vielen Orten Probleme haben. In Summe aber verkaufen Museen in Deutschland ein Vielfaches der Eintrittskarten von etwa Fußballstadien. Bei aller auch berechtigten Kritik sind sie Institutionen, auf die sich sehr viele Menschen einigen. Dies hängt auch damit zusammen, dass viele Häuser schon sehr lange bestehen und ein Erbe bewahren, das weit in die Geschichte zurückreicht und kulturelle Vergleiche mit anderen Epochen ermöglicht.</p>
<p>Es lässt sich also sagen: Kultur-Pessimismus ist fehl am Platz. Die Liebe zur Kultur, zu den Kulturen in all ihren Spielformen vom Stadtteilkonzert bis zur großen Oper ist da, sie wächst hierzulande, und man muss davon ausgehen, dass die Bemühungen vieler Institutionen in den vergangenen Jahren, ein breites Publikum zu erreichen, inklusiv zu sein, in Gänze sehr erfolgreich waren.</p>
<p>Bloß ist die öffentliche Wahrnehmung eine andere und auch die Politik ist eine andere, die das Feld des Kulturellen bestellt.</p>
<ol start="2">
<li><strong>Alle demokratischen Parteien in Deutschland sparen an Kulturförderungen</strong></li>
</ol>
<p>Deutsche Metropolen erleben infolge der kommunalen Finanzkrise massive Budgetkürzungen. Und Kultur ist keine kommunale Pflichtaufgabe; sie gehört nicht zur Daseinsversorge wie Wasser, Schulen, Müllabfuhr. Also wird hier gekürzt. In Dresden ist von einer 4, 76 Millionen-Euro-Kulturkürzung im Doppelhaushalt 2025 / 26 die Rede. Das international renommierte wissenschaftshistorische Deutsche Hygienemuseum kann in der Folge auch Landesmittel verlieren. Ihm droht ein Kollaps, obwohl es doch ein Ort der Aufklärung sein sollte in Zeiten, in denen biologische, klimatische und kulturell-politische Faktoren einander so durchdringen wie im Moment. Die Dresdner Kulturbürgermeisterin (Annekatrin Klepsch) ist von den Linken, der Oberbürgermeister ist ein Politiker der FDP.</p>
<p>Die Stadt München dagegen wird bisher von Grünen und SPD regiert. Hier sollen fast zwölf Millionen Euro in 2025 gespart werden, kürzen müssen etwa die Münchner Kammerspiele mit ihrem jungen Publikum oder die Städtische Galerie, das Lenbachhaus, Heimat des Blauen Reiter. Ursprünglich sollten noch fünf Millionen Euro mehr wegfallen, damit hätte das Münchner Volkstheater auf Kippe gestanden. Auch die freie Szene, die sich im teuren München sowieso schwertut, ist betroffen.</p>
<p>In Berlin regieren Christ- und Sozialdemokraten. Sie brachten mit rabiaten Kürzungen die gesamte Kulturszene gegen sich auf. 2026 sollen 149 Millionen Euro, 2027 etwa 164 Millionen Euro wegfallen, in 2025 waren es schon 131 Millionen. Solche Summen lassen sich durch private Förderungen oder höhere Ticketpreise nicht wettmachen. Dass Touristen in Berlin gerade Kultur suchen und Einheimische oft genau deshalb noch dort wohnen, hilft den Museen, Orchestern und Theatern nicht. Die Kulturlandschaft wird sich verändern.</p>
<p>Nicht nur die kulturellen Zentren drohen zu verarmen, auch ländliche Gebiete verlieren viel, etwa 38 Millionen Euro im Land Sachsen, das sogar ein eigenes <a href="https://www.revosax.sachsen.de/vorschrift/3215-Saechsisches-Kulturraumgesetz">Kulturraumgesetz</a> hat. Die Politik zieht sich zurück gerade auch aus infrastrukturschwachen Regionen, in denen ihre Hilfe besonders gebraucht wird.</p>
<ol start="3">
<li><strong>In der Corona-Pandemie wurde mit dem Wert des Kulturellen experimentiert</strong></li>
</ol>
<p>Offenbar halten viele Politikerinnen und Politiker verschiedener Parteien Kulturkürzungen für das kleinere Übel, für irgendwie verschmerzbar. Vielleicht ist das einfach eine pragmatische Entscheidung, weil sich keine anderen Sparmöglichkeiten finden. Den aktuellen Einschnitten aber ist etwas vorausgegangen: die Experimente mit den Kultureinrichtungen in den Coronajahren.</p>
<p>Selbstverständlich war es in der Zeit vor den Covid-Impfungen ein Gebot der Vernunft, Abstandsregeln einzuhalten und nicht Hunderte in unbelüfteten Räumen zusammenzubringen. Doch vielerorts entschied die öffentliche Hand, zuerst und besonders radikal Kulturhäuser einzuschränken, und es drängte sich der Verdacht auf, dass viele Verantwortliche dies taten, weil eine solche Demonstration von Entschlusskraft in diesem Bereich einfach war. Museumsdirektorinnen oder Theater-Intendanten kann man einfach anweisen, die Türen zuzulassen.</p>
<p>Bei Wirtinnen wäre das schon schwieriger, und bald schon gab es etwa in Bayern Ausnahmeregelungen für Gaststätten, Friseure und dann auch Baumärkte, während den Kulturhäusern erst einmal kein noch so ausgetüfteltes Belüftungskonzept half. Noch in 2022 brauchte man im monumentalen Haus der Kunst in München einen Test und Impfnachweise, während in einem engen Café niemand nach dem Gesundheitsstatus fragte.</p>
<p>Das Problem bei Corona waren also nicht die Schutzmaßnahmen an sich, für die es sehr ernsthafte Sachgründe gab, sondern das Problem war die Benachteiligung der Kultur gegenüber anderen Lebensbereichen. Dies kam einem Testlauf gleich, wie verzichtbar Kultur eigentlich ist. Verhandelt wurden in der medial-politischen Sphäre die Prioritäten, was wirklich lebensnotwendig ist, und die Kultur wurde nicht immer und überall dazu gezählt. Weswegen dann in der Folge umfangreiche Förderprogramme für selbständige Künstlerinnen und Künstler nötig wurden, und tatsächlich: Diese Programme haben erfolgreich viele Existenzen durch die Pandemie gerettet, sonst sähen die Beschäftigtenzahlen heute anders aus.</p>
<ol start="4">
<li><strong>Rechtspopulisten kämpfen um kulturelle Vorherrschaft</strong></li>
</ol>
<p>Nun müsste es in entspannten Zeiten kein Schaden sein, wenn die Kreativen sich ein Stück weit von der öffentlichen Hand emanzipieren und es vielleicht sogar gelingen könnte, effiziente parallele Strukturen zur offiziellen Kunstförderung aufzubauen. Was also ist dann das Problem mit den Kürzungen?</p>
<p>Der Punkt ist: Diese Zeiten sind nicht entspannt.</p>
<p>Es sind ja lediglich die demokratischen Parteien, die sich für Kultur offenbar immer weniger interessieren und sie zur Not in Teilen für verzichtbar halten. Extremistinnen und Extremisten sehen das anders, sie setzen auf Kulturthemen. So wie das auch Rechtsextreme in anderen europäischen Ländern längst tun, kämpft in Deutschland die AfD um kulturelle Vorherrschaft, hierzulande auch mit dem Ziel, die deutsche Erinnerungskultur zu stürzen. Stadträte und Landtagsabgeordnete der AfD hinterfragen immer wieder Kulturzuschüsse gerade für kleine Institutionen, die sich in der Kunst politische Reflexionen erlauben. In Sachsen-Anhalt etwa drang die AfD-Fraktion 2020 auf Mittelkürzungen bei Theatern, die politisch <a href="https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/kultur/afd-neonazis-neue-rechte-strategien-gegen-die-kunst-e837476/">„höchst einseitig orientiert“</a> seien und zudem zu wenig deutsche Stücke spielten. Dort wurde auch gegen das Bauhaus gehetzt und der Romantiker Caspar David Friedrich völkisch vereinnahmt, beides in einer Rhetorik, die sich offenkundig an den nationalsozialistischen Deutungen der 1930er Jahre orientierte. Und ein AfD-Bundestagsabgeordneter erklärte einmal rundheraus, es werde ihm <a href="https://www.sueddeutsche.de/kultur/kulturpolitik-afd-extremismus-rechtsextremismus-neue-rechte-1.5486614">„Ehre und Freude sein, die Entsiffung des Kulturbetriebs in Angriff zu nehmen“</a>.</p>
<p>Die AfD und noch mehr ihr Umfeld kämpfen also offen gegen eine Kulturpolitik, die Freiräume ermöglicht und sie kämpfen gegen das demokratische Grundverständnis, wonach die öffentliche Hand sich herauszuhalten hat aus der Kunst, die sie fördert. Diese Partei will Kuratorinnen, Regisseuren, Dirigentinnen politische Vorgaben machen.</p>
<p>Umso wichtiger ist es, den freiheitlichen Kulturbegriff zu verteidigen, übrigens auch gegen alle wohlmeinenden Verzweckungen, also gegen die Vorstellung, Kulturprojekte sollten nicht einfach nur Demokratie leben, sondern müssten Demokratie auch immerzu erklären und deren Ideale pädagogisch vermitteln. Wer meint, solche Rechtfertigungen nötig zu haben, um Kultur zu fördern, hat sie nicht verstanden.</p>
<ol start="5">
<li><strong>Kultur ermöglicht Denkräume und hilft, Phantasien zu verstehen</strong></li>
</ol>
<p>Wenn aber Kultur nicht dazu dient, Demokratie zu erklären, was ist dann für die Gesamtgesellschaft so schlimm daran, sie ein wenig zu vernachlässigen? Trifft es nicht doch vor allem einige Kunstliebhaberinnen, Opernfans und Kinogänger, die sich auf eigene Kosten selbst beschäftigen könnten?</p>
<p>Ein solcher Elitenverdacht schwingt häufig mit. Dieser erscheint der eigentliche Hintergrund und Grund zu sein für den merkwürdigen Widerspruch zwischen zunehmender Kulturbegeisterung und abnehmender politischer Unterstützung. All der Kleinkunst, dem Theater, den Literaturclubs haftet ein Hauch von Luxus an; Kultur ist Freizeitvergnügen und das kann in diesem Denken doch nicht so relevant sein wie vermeintlich harte Themen, Wirtschaft oder Geopolitik.</p>
<p>Dies ist ein gefährlicher Irrtum. Kulturelle Muster und Vorannahmen durchdringen Wirtschaft, Geopolitik und alle anderen Politikbereiche.</p>
<p>Kultur erschließt und verarbeitet das Imaginäre, sie konfrontiert uns mit den Phantasien anderer, die von unseren eigenen abweichen können. Bücher, Kunstwerke oder Sonette geben Einblicke in fremde Innenleben; sie lehren, was alles denkbar, phantasierbar, manchmal auch furchtbar ist und wie dies sich von der äußeren Welt unterscheidet. Kultur schützt uns so auch vor uns selbst, nämlich davor, unsere Gefühls- und Gedankenwelten für die – womöglich einzige – Realität zu halten. Kunst eröffnet, wie der Kunsthistoriker Aby Warburg es nannte, Denkräume. So entsteht eine Distanz zwischen dem Gesehenen, Gelesenen, Gehörten und dem Publikum. In diesem Zwischenraum wächst die Reflexion. Und mit ihr auch das Denken in Möglichkeiten darüber, was auch das Leben noch alles zu bieten haben könnte.</p>
<p>Nur ist es ja so: Es erfindet nicht nur die Theaterautorin Geschichten oder vielleicht noch das fünfjährige Kind. Sondern jeder und jede verfügt über ein reiches und vermutlich kaum je nur einfaches Innenleben. Sie kramen vielleicht im Supermarkt im Schokoladenregal und sehen aus dem Augenwinkel eine Kassiererin, die auf den nächsten Kunden wartet. Und Sie denken nur, hoffentlich erledigt die Angestellte meine Einkäufe schnell. Die Frau aber nutzt die vielleicht ein, zwei Sekunden Wartezeit, um sich an etwas Schönes oder Schreckliches zu erinnern; sie assoziiert vielleicht mit dem Anblick der Schokolade ein altes Weihnachtserlebnis oder sie plant ihren nächsten Urlaub. Sie erlebt einen <em>stream of consciousness</em>, einen Gedankenstrom aus Bildfetzen, losen Sinnzusammenhängen, vielleicht auch Tönen und Gerüchen, wovon Sie als Außenstehende gar nichts ahnen.</p>
<p>Und so ist jeder und jede ein Kosmos für sich. Die Ingenieurin, der Hausmeister, die Ministerin, die Multimillionärin oder der Obdachlose imaginieren alle ständig irgendetwas, ob sie nun Bücher lesen, Bilder malen oder nichts dergleichen sie je interessiert hat.</p>
<p>Und sie alle tragen auch die Sehgewohnheiten und das Wissen ihrer und anderer Kulturen ein Stück weit mit sich. Der Anblick einer trauernden Mutter auf einer Kriegsfotografie im Netz kommt so auch denen vertraut vor, die nie ins Museum oder in die Kirche gehen und nicht wissen, dass sie gerade eine Pietà sehen. Wirksame Bilder und Metaphern bleiben nicht zwischen Buchdeckeln, auf einer CD gepresst oder im Bilderrahmen eingezwängt; sie wandern in die Welt hinaus und gesellen sich zu uns.</p>
<ol start="6">
<li><strong>Kultur schützt vor Vereinsamung und vor Realitätsverlust</strong></li>
</ol>
<p>Wenn nun irgendwann die Kunst in all ihren Spielarten nichts mehr zählen würde, dann würde auch dieses mehr oder weniger bewusste Wissen über tradierte Formen schwinden. Dann wäre jeder und jede mit seinem oder ihrem inneren Kosmos endgültig alleine. Denn dann würde nicht mehr nur das kunstvolle Lesen und Schauen und Hören verlernt, sondern auch das Sprechen über Befindlichkeiten und Sinneseindrücke. Und wenn wir uns nicht mehr auf dieser tieferen Ebene ausdrücken und mitteilen können, Wahrnehmungen nicht mehr abgleichen miteinander, dann verlernen wir irgendwann zu unterscheiden zwischen Phantasie und Realität.</p>
<p>Genau darauf zielen gerade die erfolgreichsten Rechtspopulisten. Sie versuchen, kollektive Emotionen, kollektive Bilder und Metaphern zu modulieren, gerne negative Empfindungen wie Wut, Frustration, Hass. Die Kulturwissenschaftlerin Christina von Braun sagte kürzlich in einem <a href="https://www.spiegel.de/kultur/donald-trump-der-kampf-ums-unbewusste-als-strategie-der-autokraten-a-440b2fd1-f973-43cf-a6bd-4f711bb3dadd"><em>Spiegel</em>-Interview</a>, das Unbewusste sei zum Schlachtfeld der Politik geworden. Dieser Übergriff auf das Imaginäre geschieht mit einer Flut an Nachrichten; sie geschieht mit Bildern, mit Memes in Social Media, mit Videos. Bildern drohen dabei, in die äußere Wirklichkeit einzudringen.</p>
<p>Das <a href="https://www.theatlantic.com/politics/archive/2025/04/donald-trump-oval-office-interview-excerpts/682623/">Magazin <em>Atlantic</em></a> fragte Donald Trump, wie ihm das gelinge: sich etwas auszudenken und dies dann Realität werden zu lassen. Der US-Präsident bezog diese Frage auf seine Behauptung, Biden habe ihm 2020 die Wahl gestohlen. Er antwortet: “Well, I’d like to say that that is reality. You know, I’m not creating it. But maybe you could use another subject, because probably I do create some things, but I didn’t create that; I think that is reality. I have an amazing group of people that love what I’m saying.” Die „gestohlene Wahl“ von 2020 hält er demnach für ein Fakt, aber in anderen Punkten kreieren er und sein Team Dinge und wiederholen sie. So kann die Grenze von Realität und Wunschdenken verschwimmen.</p>
<p>Mit diversen – zunehmend auch KI-erzeugten – Manipulationen von diversen Akteuren müssen in der Gegenwart und absehbaren Zukunft alle umgehen. Ausgerechnet jetzt die Expertise von Performerinnen, Musikern, Schriftstellerinnen nicht zu nutzen, sie mit Existenzsorgen zu beschäftigen statt mit Kunst, wäre politisch und gesellschaftlich grob fahrlässig. Nicht, weil Künstlerinnen und Künstler die Demokratie erklären oder retten könnten, sondern weil sie ihr Publikum Selbstverteidigung und Selbstvertrauen lehren. Und das braucht es, um die liberale Ordnung zu schützen vor den Zumutungen der Gegenwart.</p>
<p>Die Autorin <a href="https://www.zeit.de/kultur/2023-07/wochenende-momente-freude">Mely Kiyak schrieb in der <em>Zeit</em></a>: „Politisch ist alles hin, worauf Feingeister stehen, Contenance, Takt, leises Sprechen. Aber das ist erst der Anfang, das wird noch unvorstellbar ekelig und gewaltvoll alles.“ Und weiter: „Aber ich bleibe bei meinem Sound. Für uns, die Kunstarbeiter, beginnt nun jene Phase, wo wirklich Grips und Fantasie benötigt werden, und die, rein schöpferisch gesprochen, die wichtigste Periode sein wird.“</p>
<p>Damit sollten wir, das Publikum, Künstler und Literatinnen nicht allein lassen. Wir werden sie noch mehr brauchen als das immer schon in der Geschichte der Menschheit der Fall war.</p>

<p><em>Manuskript des Vortrags von Dr. Kia Vahland, gehalten am 21.06.2025 in der Sommertagung des Politischen Clubs zum Thema &#8222;Kulturpolitik, Kulturjournalismus, Kulturkampf&#8220;. <a href="https://www.eatutzing.de/veranstaltung/sommertagung-des-politischen-clubs/" target="_blank" rel="noopener">Das ausführliche Programm können Sie hier abrufen.</a>  </em></p>

<p><strong>Über die Autorin:<br />
</strong>Dr. Kia Vahland ist Redakteurin der Süddeutschen Zeitung mit den Schwerpunkten Kunst, Kultur, Geschichte und Politik.</p>

<p><strong>Bild:</strong> Kia Vahland im Juni 2025 in der Rotunde. <em>(Foto: dgr/eat archiv)</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/jeder-und-jede-ist-ein-kosmos-fuer-sich/">Jeder und jede ist ein Kosmos für sich</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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		<title>„Die christliche Hoffnung ist die Kraft der Veränderung“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Udo Hahn]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Apr 2026 16:07:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[100. Geburtstag]]></category>
		<category><![CDATA[Jürgen Moltmann]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Für ihn gehörten Glauben und Handeln zusammen. Mit seiner 1964 erschienenen „Theologie der Hoffnung“ prägt Jürgen Moltmann das theologische Denken weltweit – bis heute. Vor einhundert Jahren, am 8. April 1926, wurde er geboren. Akademiedirektor Udo Hahn erinnert an eine Persönlichkeit, die stets zur Mitgestaltung von Politik und Gesellschaft aufrief.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/die-christliche-hoffnung-ist-die-kraft-der-veraenderung/">„Die christliche Hoffnung ist die Kraft der Veränderung“</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Eigentlich will er Mathematik und Physik studieren. Glaube und Kirche spielen in seinem Leben anfangs keine Rolle. 1943 wird Jürgen Moltmann mit 16 Jahren als Flakhelfer eingezogen. Im Juli erlebt er die Bombardierung Hamburgs auf seiner Flakbatterie. Eine Bombe schlägt neben ihm ein. Er überlebt unversehrt – ein Freund stirbt. „Ich glaube, in der Nacht habe ich zum ersten Mal nach Gott geschrien“, erinnert er sich in einem Interview. „Meine Frage war nicht: Warum kann Gott das zulassen? Meine Frage war elementarer: Mein Gott, wo bist du?“ Später sei dann die zweite Frage dazukommen, die ihn sein Leben lang verfolgt habe: „Warum bin ich nicht tot wie der Kamerad neben mir? Warum bin ich am Leben? Warum muss ich am Leben sein, während die anderen tot sind? Und mit diesen beiden Fragen hat dann meine Theologie oder mein Gottsuchen begonnen.“</p>
<p>1945 kommt Moltmann in britische Kriegsgefangenschaft. Ein Army-Chaplain verteilt im Lager in Schottland Bibeln. „Ich dachte, mein Gott, eine Bibel, was soll ich damit anfangen? Und die anderen lachten auch, sie hätten lieber ein paar Zigaretten gehabt oder etwas Corned Beef, weil die Verpflegung auch nicht so großartig war.“ Aber er habe dann angefangen, die Psalmen zu lesen. Die hätten ihm aus dem Herzen, „viel mehr als Goethe-Gedichte, die ich vorher gelernt hatte und als eiserne Ration mit in den Krieg genommen hatte“.</p>
<p>Jürgen Moltmann, am 8. April 1926 in Hamburg geboren, fängt noch in Kriegsgefangenschaft an, Evangelische Theologie zu studieren, von 1948 bis 1952 setzt er sein Studium an der Universität Göttingen fort. 1958 wird er – nach fünf Jahren Dienst als Gemeindepfarrer – Professor an der Kirchlichen Hochschule in Wuppertal. Ernst Blochs „Prinzip Hoffnung“ beschäftigt ihn so sehr, dass er 1964 seine „Theologie der Hoffnung“ veröffentlicht. In diesem Jahr wechselt er an die Universität Bonn und 1968 nach Tübingen, wo er bis zu seiner Emeritierung lebt und am 3. Juni 2024 stirbt.</p>
<p>„In der Theologie der Hoffnung sah ich eigentlich ein kritisches Gegenbild zur Wirklichkeit. Wer Hoffnung hat, findet sich nicht ab mit der Wirklichkeit, wie sie ist, sondern versucht, sie zu verändern“, skizziert Moltmann seinen Ansatz. Zur Veränderung brauche es ein positives Gegenbild zu den negativen Zuständen dieser Welt, um sie zu verändern. „Die christliche Hoffnung ist die Kraft der Veränderung“, so der Theologe. Für ihn ist die christliche Hoffnung nicht weltabgewandt. Sie richtet den Blick nicht auf das Jenseits, sondern ist weltzugewandt.</p>
<p>Mit seiner „Theologie der Hoffnung“ trifft Moltmann einen Nerv. Nicht nur in Deutschland. Sein Buch wird weltweit rezipiert. Neben Dietrich Bonhoeffer, Karl Barth, Paul Tillich und Wolfhart Pannenberg zählt er zu den international bekanntesten deutschen Theologen.</p>
<p>Mit der Rezeption seines Bestsellers in den USA war Moltmann indes nicht einverstanden: „Alle Amerikaner, die das lasen, waren begeistert, weil sie meinten, das wäre eine Unterstützung und Verstärkung des amerikanischen Optimismus.“ 1972 schreibt er dann „Der gekreuzigte Gott“, um klarzustellen, „dass die christliche Hoffnung ja aus der Auferweckung des gekreuzigten Christus geboren ist und also immer lebendig ist, eine Hoffnung für die darstellt, die leiden, die ausgeschlossen sind, die trauern, die unterdrückt sind, und nicht eine Hoffnung für die, die es schon geschafft haben“. Hoffnung stelle keine Erfolgsreligion dar, sondern gehe „eine dialektische Verbindung mit dem Leiden in dieser Welt ein“.</p>
<p>Beide Bücher, „Theologie der Hoffnung“ und „Der gekreuzigte Gott“ gehören für ihn zusammen. In seiner Dankesrede anlässlich der Auszeichnung mit dem „Tutzinger Löwen“ durch die Evangelische Akademie Tutzing 2017 sagt Moltmann: „Gibt es in den bitteren Leiden und im Sterben auch Hoffnung? Ja –, es ist die Hoffnung, die Christus durch sein Leiden und Sterben zu den Leidenden und Sterbenden bringt.“ Die Hoffnung des Glaubens ist demnach durch Zuversicht für dieses Leben bestimmt, sie speist sich jedoch aus dem Jenseitigen – aus Gott. So gewinnt diese Hoffnung ihre Kraft immer wieder neu gegen aufkommende Gleichgültigkeit und Mutlosigkeit.</p>
<p>„Die Theologie des Kreuzes facht den Wind der Entmythologisierung in den politischen Ideologien an. Die Theologie der Hoffnung setzt auf eine Zukunft des gemeinsamen Lebens in Gerechtigkeit und Frieden: Diese menschheitliche Zukunft ist möglich“, gibt sich Moltmann in seiner Rede 2017 zuversichtlich. Nahrung bekommt diese Zuversicht durch die UN-Klimakonferenz zwei Jahre zuvor in Paris. Moltmann kommentiert den damals erzielten Durchbruch wie folgt: „Damit wird das Zentrum des politischen Denkens verschoben von den Eigeninteressen der Nationen auf die Überlebensinteressen der Menschheit und der Erde.“ Und schiebt als Warnung hinterher: „Das Zeitalter der Globalisierung ist auch das Zeitalter des neuen Nationalismus: aus dem Zerfall der Sowjetunion trat der russische Nationalismus hervor und die USA antworteten unter Präsident Trump mit ,America first‘. Gott behüte uns in Deutschland vor einem völkischen Nationalismus. Diese Götter des Nationalismus sind tote Götter.“ Die Globalisierung der Lebensgefahren rufe nach globaler Verantwortung der Menschheit. Für Jürgen Moltmann nimmt die weltweite Christenheit diese in ihrem Engagement für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung wahr.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/die-christliche-hoffnung-ist-die-kraft-der-veraenderung/">„Die christliche Hoffnung ist die Kraft der Veränderung“</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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		<title>Kanzelrednerin Stetter-Karp: „Kirchen sind Kitt in der Gesellschaft“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[eat_grass]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Apr 2026 12:13:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Engagement]]></category>
		<category><![CDATA[Evangelische Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[Hoffnung]]></category>
		<category><![CDATA[Irme Stetter-Karp]]></category>
		<category><![CDATA[Kanzelrede]]></category>
		<category><![CDATA[Katholische Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Resilienz]]></category>
		<category><![CDATA[Zukunft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Zeiten der Umbrüche Hoffnung bewahren und handlungsfähig bleiben – wie geht das? In ihrer Kanzelrede ging die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken auf aktuelle Herausforderungen, die Rolle der Kirche und einen Kompass in Krisenzeiten ein.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/kanzelrednerin-stetter-karp-kirchen-sind-kitt-in-der-gesellschaft/">Kanzelrednerin Stetter-Karp: „Kirchen sind Kitt in der Gesellschaft“</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Nach Ansicht von Irme Stetter-Karp ist der Stellenwert der Kirchen in Deutschland von großer Bedeutung, wenn es um den „Kitt in dieser Gesellschaft“ geht. Bei ihrer Kanzelrede am 29. März 2026 in der Münchner Erlöserkirche sagte die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), dass Kirchenmitglieder anderen Menschen und gesellschaftlichen Institutionen deutlich mehr Vertrauen schenkten als Konfessionslose. Kirchlich Engagierte hätten zudem ein besonders ausgeprägtes Vertrauen in demokratische Institutionen. „Wer also fragt, wer unsere Demokratie trägt, sollte auch auf die Kirchen schauen“, so Stetter-Karp.</p>
<p><strong>Kirchenmitgliedschaft bedeutet oft auch Engagement</strong></p>
<p>Laut der 6. Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung, so Stetter-Karp, sei fast die Hälfte der katholischen und evangelischen Kirchenmitglieder in Deutschland ehrenamtlich aktiv, auch außerhalb der Kirche. Das mache Hoffnung vor dem Hintergrund der tiefgreifenden politischen und sozialen Herausforderungen der Zeit. Zugleich habe die katholische Kirche durch Machtmissbrauch und Fälle von sexualisierter Gewalt mit einem hohen Glaubwürdigkeitsverlust zu kämpfen, der hohe Austrittszahlen nach sich zieht.</p>
<p>Die promovierte Sozialwissenschaftlerin, Sozialpädagogin und Medizinethikerin übte auch Selbstkritik an ihrer Kirche. Sie sprach sich für eine stärkere Machtteilung aus: „Wie sollen Menschen unserem politischen Engagement trauen, wenn die katholische Kirche in ihrer Verfassung nicht bereit ist, Macht zu teilen?</p>
<p><strong>„Ohne Werte kein Europa“</strong></p>
<p>Die Debatte um Krieg und Verteidigungsfähigkeit war ebenfalls ein Thema der Rede.  Geopolitisch stünde die Welt an einem Übergang zu einer neuen Epoche, so Stetter-Karp. Die regelbasierte Ordnung existiere nicht mehr, dagegen ersetze das Recht des Stärkeren die Stärke des Rechts. Auch Europa stehe an einem Wendepunkt. In dieser Situation gehe es darum, die europäischen Werte zu verteidigen, wie sie in der Charta der Grundrechte und im Vertrag über die Europäische Union festgehalten sind: „Menschenwürde, Freiheit. Demokratie, Gleichheit, Rechtstaatlichkeit und Menschenrechte.“</p>
<p>„Ohne Werte kein Europa“, so Stetter-Karp. Und weiter: „In der Ukraine, auf dem Westlichen Balkan und im Kaukasus kämpfen Menschen für die Freiheit und wollen Teil eines geeinten Europas sein. Diese Menschen zeigen, warum es wichtig ist, den Aufbau Europas als Friedenskontinent fortzusetzen. Sie zeigen, wo Europas Zukunft liegt.“</p>
<p><strong>Forderung nach „Friedensfähigkeit der Gesellschaft“</strong></p>
<p>Die Anliegen des ZdK – die Entwicklung der eigenen Identität, der Dienst für die Gesellschaft, ihre Verteidigungsfähigkeit und Krisenresilienz – seien verbunden mit dem Wunsch nach Sicherheit, Frieden und Versöhnung. Frieden zwischen den Völkern, so Stetter-Karp, erfordere jedoch zuerst die Friedensfähigkeit der Gesellschaft.</p>
<p>Irme Stetter-Karp hatte ein Zitat des französischen Jesuiten, Paläontologen, Anthropologen und Philosophen Pierre Teilhard de Chardin als Titel für ihre Kanzelrede gewählt: „Die Zukunft gehört denen, die der Nachwelt Grund zur Hoffnung geben.“</p>
<p>In Zeiten weltpolitischer Konflikte und Umbrüche, so Stetter-Karp, orientiere sie sich am Evangelium. Die frohe Botschaft „Fürchtet euch nicht“ wolle den Gläubigen Mut machen. Daraus ergebe sich auch die Tatkraft für christliches Engagement: Es sei notwendig immer wieder um Positionen und Werte zu ringen. Stetter-Karp plädierte dafür, im Engagement für Menschenwürde, Chancengleichheit, Demokratie und den interreligiösen Dialog nicht nachzulassen. Glaube brauche auch Öffentlichkeit und müsse sich gesellschaftlichen Debatten wiederfinden.</p>
<p><strong>„Leben heißt immer: sich in Bewegung setzen“</strong></p>
<p>Mit einem Appell an die Hoffnung schloss Irme Stetter-Karp ihre Rede und zitierte dabei Papst Franziskus: „Um wirklich zu leben, kann man nicht sitzen bleiben. Leben heißt immer: sich in Bewegung setzen, auf den Weg machen, träumen, planen, offen für die Zukunft sein.“</p>
<p>Die Kanzelrede ist ein Format, zu dem die Evangelische Akademie Tutzing in Kooperation mit dem Freundeskreis der Akademie seit 1997 bekannte Personen als Rednerinnen und Redner einlädt. Zu ihnen zählten etwa der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck, Theaterregisseur Christian Stückl oder die VdK-Präsidentin Verena Bentele. Zweimal im Jahr findet die Kanzelrede in der Schwabinger Erlöserkirche statt.</p>
<p><em> </em></p>
<p><em>unter Verwendung von Material des Evangelischen Pressedienstes (epd)</em></p>




<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/kanzelrednerin-stetter-karp-kirchen-sind-kitt-in-der-gesellschaft/">Kanzelrednerin Stetter-Karp: „Kirchen sind Kitt in der Gesellschaft“</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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		<item>
		<title>#IchBinHanna-Initiative fordert Schutzmechanismen für die Wissenschaft</title>
		<link>https://www.eatutzing.de/ichbinhanna-initiative-fordert-schutzmechanismen-fuer-die-wissenschaft/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[eat_grass]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Apr 2026 11:23:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presse-Info]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitswelt]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wer in Deutschland in wissenschaftlichen Einrichtungen arbeitet, ist oft über lange Zeit prekär beschäftigt, unterliegt steilen Hierarchien – und wird nicht selten in seiner wissenschaftlichen Freiheit eingeschränkt. Das Team der #IchBinHanna-Initiative fordert: Das Wissenschaftssystem sollte sowohl gegenüber vorauseilendem Gehorsam von innen als auch gegenüber Angriffen von außen wehrhafter gemacht werden.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/ichbinhanna-initiative-fordert-schutzmechanismen-fuer-die-wissenschaft/">#IchBinHanna-Initiative fordert Schutzmechanismen für die Wissenschaft</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Wissenschaft muss sich dringend mit ihren Personalstrukturen beschäftigen. Das ist der Standpunkt von Amrei Bahr, Kristin Eichhorn und Sebastian Kubon. Die drei Initiator:innen der Online-Kampagne #IchBinHanna schreiben in einem Gastbeitrag für die Evangelische Akademie Tutzing über die Folgen, die die internen Strukturen im Wissenschaftsbetrieb nach sich ziehen. „Die deutsche Wissenschaft ist (…) von starken Hierarchien geprägt, weil die befristet beschäftigten Wissenschaftler*innen sich in starker Abhängigkeit von ihren Vorgesetzten, aber auch von Gutachter*innen befinden, die über ihre Qualifikationsschriften und Drittmittelanträge (und somit entsprechende Weiterbeschäftigungsmöglichkeiten) entscheiden. Diese Hierarchien laden zu Machtmissbrauch ein und stellen eine enorme Belastung für alle Beschäftigten dar.“</p>
<p>Diese Umstände beförderten nicht nur Ungleichheit, sondern hätten auch fachliche Konsequenzen. „Wer ständig um die nächste Verlängerung bangt und die eigene Forschung immer wieder danach ausrichten muss, bestimmten Fördervorgaben zu genügen, wird zur Anpassung erzogen.“ Die Folge: zu wenig Innovation, wissenschaftliches Fehlverhalten bis hin zum Fälschen von Studienergebnissen.</p>
<p>Am Ende entstünde durch die prekäre Beschäftigungsweise ein „Einfallstor für die Erosion unserer Demokratie“, so das Autorenteam. In ihrem Artikel heißt es „Wer immer nur gelernt hat, den Weg des geringsten Widerstands zu gehen und den eigenen beruflichen Vorteil über alles andere zu stellen, wird nicht zwingend protestieren, wenn Wissenschaftsfreiheit im Alltag unter Druck gerät.“</p>
<p>Bahr, Eichhorn und Kubon äußern ihre Sorge über die ideologische Instrumentalisierung des Wissenschaftsbetriebs, der oft von zeitlich befristeten Geldern abhängig sei. Der Rückbau von Schutzmechanismen in den vergangenen Jahren habe zu einer aktuell „hochgefährlichen Lage“ geführt. Die Forderung: Das Wissenschaftssystem müsse wehrhafter werden – sowohl gegenüber Angriffen von außen, aber auch vorauseilendem Gehorsam von innen.</p>
<p><a href="https://www.eatutzing.de/resilienz-statt-struktureller-instabilitaet/" target="_blank" rel="noopener">Den vollständigen Gastbeitrag lesen Sie im Rotunde-Blog der Akademie</a>. Der Beitrag ist zugleich Gastkolumne im April-Newsletter der Evangelischen Akademie Tutzing, der am 1. April 2026 versendet wird.</p>

<p><strong>Hinweis:<br />
</strong><strong>Die drei Initiator:innen der Online-Kampagne #IchBinHanna sowie viele weitere Expertinnen und Experten zum Thema Wissenschaft als Berufsweg können Sie auf der Tagung „Wissenschaft braucht Perspektiven“ treffen: vom 8.-10. Mai 2026 in der Evangelischen Akademie Tutzing. </strong><a href="https://www.eatutzing.de/veranstaltung/wissenschaft-braucht-perspektiven/#event-personen" target="_blank" rel="noopener"><strong>Alle Informationen zu Ablauf und Programm finden Sie hier.</strong></a></p>

<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/ichbinhanna-initiative-fordert-schutzmechanismen-fuer-die-wissenschaft/">#IchBinHanna-Initiative fordert Schutzmechanismen für die Wissenschaft</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Wissenschaftliche Personalstrukturen brauchen Resilienz statt struktureller Instabilität</title>
		<link>https://www.eatutzing.de/resilienz-statt-struktureller-instabilitaet/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[eat_grass]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Mar 2026 15:36:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blog-Beitrag]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsbedingungen]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wer in Deutschland in wissenschaftlichen Einrichtungen arbeitet, ist oft über lange Zeit prekär beschäftigt, unterliegt steilen Hierarchien – und wird nicht selten in seiner wissenschaftlichen Freiheit eingeschränkt. Unser Gastautorenteam fordert: Das Wissenschaftssystem sollte sowohl gegenüber vorauseilendem Gehorsam von innen als auch gegenüber Angriffen von außen wehrhafter gemacht werden.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/resilienz-statt-struktureller-instabilitaet/">Wissenschaftliche Personalstrukturen brauchen Resilienz statt struktureller Instabilität</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.eatutzing.de/resilienz-statt-struktureller-instabilitaet/">Wissenschaftliche Personalstrukturen brauchen Resilienz statt struktureller Instabilität</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eatutzing.de">Evangelische Akademie Tutzing</a>.</p>
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		<title>Gebildet bleiben in der Komplexität</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julia Wunderlich]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Mar 2026 13:54:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blog-Beitrag]]></category>
		<category><![CDATA[Glaube]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zu viel Information in einer überladenen Welt? Viele Menschen fühlen sich überfordert und ohnmächtig im Umgang mit der aktuellen Nachrichtenlage und ziehen sich zurück. Doch ist das wirklich eine Option? Die U18-Kommunalwahl für Jugendliche zeigt mit doppelt so hoher Wahlbeteiligung ein positives Bild.</p>
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