Newsletter Juni 2026
Gleichzeitigkeit ist für mich ein faszinierendes Phänomen. So viele politische Prozesse laufen weltweit zur gleichen Zeit ab. Prozesse, die demokratisch sind und solche, die es nicht sind. Wie können wir in diesem politischen Erleben agil handeln? Es ist herausfordernd, Frieden im Unfrieden zu suchen – auch schon in früheren Zeiten war das so. Im Jahr 1963 stellte der frühere US-Präsident John F. Kennedy „Die Strategie des Friedens“ auf. Seine Vision: Diplomatie anstelle von Konfrontation. Um die Situation zu entspannen schlug er vor, sich auf gemeinsame Ziele zu konzentrieren. Egon Bahr dachte ähnlich. Im selben Jahr prägte er in der Evangelischen Akademie Tutzing das Motto „Wandel durch Annäherung“.
Wie klingt das Motto heute? Welche visionären Strategien wünschen wir uns in unserer mehrschichtig verbundenen Welt? Souveränität und Ambiguitätstoleranz, also die Fähigkeit, mit Mehrdeutigkeit umzugehen, sind unabdingbar. Doch ist es nicht auch menschlich, dass selbst Politiker:innen von der Komplexität herausgefordert werden?
Ebenso bilden Menschen aus der Zivilgesellschaft eine wichtige Stütze unserer Demokratie. Zugegeben, nicht alle können und wollen sich engagieren. Es bedarf Zeit, Mut und Kontakten. Und: Es ist Arbeit, sich fortdauernd für die Welt zu interessieren, sich nicht zurückzuziehen, Nachrichten zu verfolgen und sich immer wieder neu mit Kontroversen auseinanderzusetzen. Ich finde: Es ist auch ein Privileg.
In der Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen erlebt der Mensch Widersprüche, schrieb Ernst Bloch. Es bleibt herausfordernd, neue Lösungen, Vernetzungen und Synergien zu finden. Auch, um Frieden immer wieder aufs Neue zu suchen. In Tagungen wie der Politikwerkstatt für junge Menschen ist das ebenfalls Thema. Im Juni stehen im Fokus: Wehrpflicht, digitaler Euro, Graffiti und Poetry Slam sowie die bayerische Kommunalwahl, Wasserschutz, Politikberatung für junge Engagierte und wie Jugendliche die Demokratie stärken können – in allen Widersprüchen, in der Gleichzeitigkeit.
Es grüßt vom Starnberger See
Ihre
Julia Wunderlich
Studienleiterin für Jugendpolitik & Jugendbildung (Junges Forum)







